Freiburger Aktionskonferenz initiiert den Aufbau eines Care-Rats

solidaritätAuf der Freiburger Aktionskonferenz „Sorge ins Zentrum – Care Revolution als Perspektive“, die am 20. Mai 2017 an der Universität stattfand, waren sich die 120 Teilnehmenden einig, dass die Rahmenbedingungen für Sorgearbeitende grundlegend verbessert und demokratisiert werden müssen. Die Aktionskonferenz wurde von Care Revolution Freiburg veranstaltet und von 33 Initiativen und Organisationen aus Freiburg und der Region unterstützt. .

Nach einer Einführung von Gabriele Winker, aktiv bei Care Revolution Freiburg, diskutierten die Teilnehmenden in sechs Workshops intensiv über Probleme und Handlungsperspektiven. Themen waren: Selbstsorge, Leben mit Kindern, Krankenhäuser, Pflege und Assistenz, Soziale Arbeit sowie Politisierung von Care. Die Teilnehmenden spiegelten das gesamte Spektrum der Care-Bewegung wider: Pflegende Angehörige ebenso wie Personalrät_innen aus den Kliniken, Aktive aus feministischen und linken Gruppen ebenso wie in der Kirche Engagierte, Studierende ebenso wie Berufstätige. Wir freuen uns über die positive Resonanz, die wir erhalten haben. Den Teilnehmenden gefielen vor allem die offene Atmosphäre, die interessanten inhaltlichen Inputs und der Austausch untereinander.

Einigkeit bestand, dass zum Beispiel für eine humane Pflege oder eine gute Kita-Betreuung deutlich mehr Ressourcen und Zeit zur Verfügung gestellt werden müssen. Auch ein ganz konkretes Vorhaben ist Ergebnis der Aktionskonferenz: Aus dem Kreis der Teilnehmenden bildete sich eine Gruppe zum Aufbau eines Care-Rats, an dem alle Interessierten teilnehmen können. Dieser soll Care-Beschäftigten sowie Menschen in familiären und ehrenamtlichen Sorgebeziehungen Raum geben, Missstände und Notlagen zu schildern. Der Care-Rat wird Lösungswege, Forderungen und Handlungsoptionen entwickeln. Diese können sich zum Beispiel an den Gemeinderat richten oder die Beteiligten setzen die Ideen gleich selbst um.

 

Podium „Arbeitskämpfe in der Pflege“ in Heilbronn

Heilbronn_PodiumIm „Sozialen Zentrum Käthe“ in Heilbronn fand am 28. April eine Podiumsdiskussion zu Arbeitskämpfen in der Pflege statt. Mit Laura Beckmann,  einer Vertreterin des Berliner Charité-Streiks, Hans-Joachim Belz vom Betriebsrat der SLK-Kliniken und Arne Gailing von ver.di-Heilbronn diskutierten wir über aktuelle Probleme in der Pflege und darüber, wie Arbeitskämpfe für Entlastung und mehr Personal im Krankenhaus geführt werden können. Die über 30 Zuhörerinnen und Zuhörer beteiligten sich rege an der Diskussion. Viele Anwesende zeichneten durch anschauliche Berichte eigener Erfahrungen ein erschreckendes Bild von den Zuständen in den Krankenhäusern unserer Region. Fazit des Abends: Nicht nur jammern und weitermachen, sondern aufstehen und kämpfen!

Theaterstück „Who Cares? von Swoosh Lieu in Köln

Dieses Bühnenmanifest, eine Personalversammlung der Sorgetragenden, wird am 27. Juni in deutscher Sprache und am 28. Juni in englischer Sprache in der studiobühne Köln aufgeführt. Was vielen einfach als Liebe und Fürsorglichkeit gilt, nennt das Frankfurter Performance- und Medienkollektiv Swoosh Lieu: unbezahlte Arbeit. Eine Beschreibung findet Ihr hier. Eine ausführliche Rezension von Elfriede Harth, die dieses Stück bereits in Frankfurt gesehen hat, könnt Ihr hier nachlesen.

Filmvorführung I Care Revolution über den Umgang mit Sorgearbeit in Leipzig

Drei Frauen rennt die Zeit davon: Sie haben Kinder, sie haben einen guten Job – und jetzt werden auch noch Vater oder Mutter pflegebedürftig. Wie ist das zu schaffen? Die Dokumentation „Superfrauen gesucht“ erzählt aus dem Leben und wie die Protagonist*innen diese Herausforderung zu meistern versuchen.

Anschließend wollen wir uns über den Film austauschen und Fragen stellen: Wie ist Sorgearbeit in unserer Gesellschaft aufgeteilt? Was hat das mit ungleichen Geschlechterverhältnissen zu tun? Wie kann die Idee der Care Revolution eine mögliche Alternative sein? Dies ist eine Veranstaltung im Rahmen der Regionalgruppe Care Revolution Leipzig.

Die Vorführung des Films mit anschließender Diskussion findet am 24.05.17 um 19 Uhr in der Universität Leipzig, Universitätsstraße 3 im Seminarraum S 12 statt.

Auch in München am 1. Mai Tag der unsichtbaren Arbeit

Die Ini_3Auch in München gab es eine Aufsehen erregende Aktion zum Tag der unsichtbaren Arbeit. Mit Unterstützung der größten und stärksten Frau Bayerns, der Bavaria, machte die Initiative Care.Macht.Mehr am 1. Mai 2017 auf die unsichtbare Arbeit wie Pflege von Angehörigen, Kindererziehung oder Hausarbeit aufmerksam und warb für mehr Anerkennung dieser Care-Tätigkeiten. Auf dem Infomarkt der zentralen Münchner DGB-Kundgebung konnten die Besucher*innen ihren Kopf durch eine Fotowand mit dem Bild der Bavaria stecken und sich mit Slogans wie „Alle reden von Arbeit. Wir auch.“ fotografieren lassen. Es gab einen regen Austausch mit den Passant*innen. Und wie zu sehen ist: Es hat allen viel Spaß gemacht!

Hier findet Ihr das Flugblatt zur Aktion.

Feger_innenIMG_8272_KinderIMG_8291_Alle reden von Arbeit

1. Mai in Frankfurt – Tag der unsichtbaren Arbeit

1MAI_Frankfurt17

Die Gewerkschaften marschierten. Am „Tag der Arbeit“. Welche Arbeit? – Ist das auch der Tag der Erwerbslosen? – Und was ist mit all den Tätigkeiten, die zwar grundlegend sind für unsere Gesellschaft, die aber nicht bezahlt und daher gar nicht als Arbeit anerkannt werden, was man/frau spätestens bei der Rente schmerzlich zu spüren bekommt?

IMG_2262

Wir sollten die Begriffsverwirrung endlich richtigstellen. Frauen haben genug Arbeit. Was ihnen fehlt ist ein gerechtes Einkommen und Zeit. Zeit für sich und für Belange, die ihnen persönlich wichtig sind und Zeit um das öffentliche Leben stärker mitzugestalten.

IMG_2257

 

Freiburger Aktionskonferenz Care Revolution am 20.5.17

 

Plakat_Care_Aktionskonferenz_FreiburgDie Aktionskonferenz „Sorge ins Zentrum – Care Revolution als Perspektive“ findet am Samstag, den 20. Mai 17, von 12 bis 18 Uhr in der Universität Freiburg (KG I, HS 1010) statt.

Neben Diskussionen im Plenum gibt es Möglichkeiten zum Austausch in sechs Workshops zu folgenden Themen:

  • Workshop 1: Wo bleibe ich? Zeit für Selbstsorge
  • Workshop 2: Gut leben und arbeiten mit Kindern
  • Workshop 3: Umkämpfte Gesundheit – für menschenwürdige Medizin und Pflege im Krankenhaus
  • Workshop 4: Recht auf gute Pflege und Assistenz
  • Workshop 5: Soziale Arbeit zwischen Verantwortung und Widerstand
  • Workshop 6: Gemeinsame Aktivitäten zur Politisierung von Care – Aktionen und Strategien

 

 

Inhalte der einzelnen Workshops sind hier zu finden.

Wir möchten uns auf dieser Aktionskonferenz  über Missstände der Care-Bereiche in Freiburg austauschen, politische Handlungsansätze diskutieren und Verabredungen treffen, diese gemeinsam anzugehen.

Anmeldungen bis zum 10. Mai 2017 unter care-revolution-freiburg@riseup.net. Bitte teilt uns mit, wenn Ihr Kinderbetreuung oder einen barrierearmen Zugang benötigt. Bitte schreibt uns auch, für welchen Workshop Ihr Euch interessiert.

Näheres ist auf unserem Flyer zu finden.

Es gibt eine Reihe von Interviews zu den einzelnen Workshops auf Radio Dreyeckland, die Ihr hier findet.

 

Abschlussveranstaltung der Aktionskampagne „bundesweite Gefährdungsanzeige“ am 12.05.17 in Berlin

Neben Redebeiträgen von politischen Vertreter_innen wird es auch Statements von den Initiator_innen der Kampagne und Aktivist_innen der Pflegeszene geben. Die Initiative „Pflege in Bewegung“ wird erstmals ihr Strategiepapier „Zukunft(s)Pflege“ öffentlich vorstellen. Abgerundet wird dieser Rahmen durch eine Fotoaktion.

Wir, Pflege in Bewegung, wollen an diesem Tag ein buntes und starkes Zeichen „für bessere Pflege“ setzen und laden deshalb alle ein, sich an der Abschlussveranstaltung am 12. Mai von 12 bis 14 Uhr am Brandenburger Tor zu beteiligen. Tragt Eure Unzufriedenheit mit den Ist-Zuständen mit uns gemeinsam auf die Straße, damit wir der Politik verdeutlichen können: „Es ist Zeit zu handeln!“

Am Abend wird es um 20.00 h einen CareSlam in der Alten Feuerwache geben.

Wir sind viele – wir sind mehr!
Pflege ist ein gesellschaftlicher Wert!

Die Flyer zur Kampagne findet Ihr hier.

Und auch online kann unterschrieben werden und zwar hier.

 

„care sex net work“ – Eine Rezension

Beitrag in der Reihe Perspektiven von Viola Schubert-Lehnhardt.

Tanja Carstensen, Melanie Groß, Kathrin Schrader (Hg.): care sex net work. Feministische Kämpfe und Kritiken der Gegenwart. Unrast Verlag, Münster 2016, ISBN 978-3-89771-307-9, 176 S.

Der Band ist Gabriele Winker, der Gründerin und Initiatorin des Netzwerkes Care Revolution, zum 60. Geburtstag gewidmet. Insofern gehen die 22 Beiträge von MitstreiterInnen sowohl auf deren wissenschaftliche Laufbahn und gemeinsame Aktivitäten, als auch auf die durch die Jubilarin gegebenen Anregungen zur Entstehung und inhaltlichen wie praktischen Begleitung feministischer Kämpfe ein. Die Beiträge sind nach 3 Schwerpunkten geordnet: feministische Analysen als Antwort auf aktuelle Herausforderungen; Sorgearbeit in Bewegung und die Care Revolution; Technik als Feld feministischer Auseinandersetzung.

Der erste Abschnitt beginnt mit einer Arbeit von Nina Degele zum Thema „Anerkennung intersektionalisieren“. Damit eröffnet sie den Band mit einem nach wie vor aktuellem Thema, das von ihr gemeinsam mit G. Winker bereits seit einem Dutzend Jahren verfolgt wird: „wie lassen sich die mitunter festgefahrenen Diskussionen zu Feminismus, Gender und sozialer Ungleichheit sinnvoll weiter treiben, ohne ´den Kapitalismus´ als Strukturprinzip von Wirklichkeit zu unterschlagen und ohne Personengruppen oder Einzelne aus den Augen zu verlieren?“ (S. 12). Die weiteren Beiträge greifen diese eher unter TheoretikerInnen geführte Debatte auf an Hand aktueller Diskussionen in allen Kreisen der Gesellschaft – zunächst Kathrin Schrader mit ihrer Analyse der Positionen von sog. „besorgten Eltern“ zur frühkindlichen (Sexual)Erziehung; Tina Habermann zur Auseinandersetzung mit Sprach- bzw. Begriffsanalysen, Melanie Groß zu Prostitution und Sexportalen, Michel Raab zur (Nicht)Monogamie bzw. Lebensformen. Es schließen sich Beiträge von Jette Hausotter und Stefan Paulus zum Verständnis von Arbeit, deren Bewertung und Privilegien im Neoliberalismus an. Dabei wird (auch in den folgenden Beiträgen) insbesondere auf Solidarität in ihren verschiedenen Facetten eingegangen.

Der zweite Abschnitt wendet sich dem Herzstück von G. Winkers Schaffen zu: Care Revolution (siehe auch das Buch „Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft“). Im ersten Beitrag von Anna Köster-Eiserfunke wird die Notwendigkeit transversaler Politiken begründet, dann durch Wibke Derboven auf das Thema Elternschaft eingegangen, um dann in einer kritischen Diskussion von „Parecon“ den Satz „eine andere Welt ist möglich“ mit Inhalten zu füllen (Matthias Neumann). Ann Wiesental liefert dazu mit dem „Kapital“ von Karl Marx eine theoretische Begründung, Arnold Schnittger zitiert ein Gedicht zum Thema „Revolution“ von Konstantin Wecker.

Der dritte Abschnitt geht in mehreren Beiträgen u.a. folgenden Fragen nach: „Was zeichnet die diskursive agency der Netzakteurinnen und Bloggerinnen aus? Wie gestaltet sich der Zusammenhang mit ´Medien und Diskurs´? Worin besteht der visionäre Gehalt der Diskurse? Wie ist das diskursive Veränderungspotential einzuschätzen?“ (Christina Schachtner, S. 156).

Hier wird dann das vorn bearbeitete Thema Solidarität unter dem Aspekt „digitale Solidarität“ wieder aufgegriffen, Empowerment in sozialen Netzen beschrieben bzw. von Helene Götschel „Gender und Diversity in der Physik“ am Beispiel der eigenen Lehrveranstaltungen thematisiert.

Dieser Mix aus theoretischen Überlegungen und praktischen Erfahrungen der AutorInnen macht den Reiz des vorliegenden Buches aus. Erfahrungsgemäß sind Beiträge in Festschriften eher kurz und werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Gerade dadurch regen sie jedoch auch zur weiteren Diskussion an – und hier ebenso zur Nachahmung und Weiterführung der beschriebenen praktischen Bewegungserfahrung.