Geschichte

Das Netzwerk Care Revolution – Was bisher geschah

Die Geschichte des Netzwerks Care Revolution beginnt vielleicht im Sommer 2012. Damals lud Gabriele Winker für das Feministische Institut Hamburg zu einem Treffen ein, das die Möglichkeit zu einem vertieften Austausch über Feminismus und Kritik der Politischen Ökonomie bieten sollte. Gut 10 Personen, die in diesem Feld politisch und wissenschaftlich tätig waren, nahmen teil. Unter diesen waren auch Berliner_innen, die 2010 das Event „Who Cares?“ in Berlin organisiert hatten. Diese Veranstaltung, an der ca. 350 Leute teilnahmen, mischte gezielt unterschiedliche Formate, um den Charakter einer „klassischen“ Konferenz zu vermeiden. Das große Interesse an dieser Veranstaltung zeigte schon den Bedarf, sich mit dem Thema Care auch politisch auseinanderzusetzen. Die Gruppe, die in Hamburg zusammenkam, beschloss, als Arbeitskreis (AK) Reproduktion weiterzuarbeiten. Zu Beginn diskutierte sie unterschiedliche Analysen zur Krise sozialer Reproduktion.

Im Frühjahr 2013 entschied sich der AK Reproduktion, auch politisch zu intervenieren und als Auftakt und ersten großen Schritt eine Aktionskonferenz Care Revolution zu planen. Hierfür sollten bestehende Organisationen und Gruppen als Kooperationspartner_innen gewonnen werden. Die Schwelle von 20 Initiativen, die sich der AK setzte, um mit der konkreten Vorbereitung zu beginnen, konnte mit 70 Kooperationspartner_innen dann deutlich übertroffen werden. Ergänzend zum AK Reproduktion und dem Feministischen Institut Hamburg kam die Rosa-Luxemburg-Stiftung als Veranstalterin hinzu, die große Teile der Finanzierung und der Logistik übernahm. Auch in der Planung der Themen und des Ablaufs der Aktionskonferenz setzte der Vorbereitungskreis auf Kooperation: In drei Städten fanden Vorbereitungstreffen statt, um möglichst viele Initiativen als Unterstützer_innen und Teilnehmer_innen zu gewinnen und um sie auch in möglichst hohem Maß in die Planung des konkreten Ablaufs einzubeziehen. Ebenso wurde vor der Konferenz ein Moderationsworkshop organisiert, um mit den Moderator_innen der Konferenz partizipative Methoden zu üben und auch auf diese Weise möglichst vielen eine aktive Teilnahme an der Konferenz zu ermöglichen.

Mit etwa 500 Teilnehmenden war die dreitägige Aktionskonferenz Care Revolution im März 2014 sehr gut besucht. Es gab ein Auftaktplenum, auf dem unter anderem 8 Initiativen ihre Arbeit in verschiedenen Bereichen der Care-Arbeit vorstellten, und ein Abschlussplenum, auf dem die Weiterarbeit als Netzwerk Care Revolution verabredet und eine Resolution verabschiedet wurde. Dazwischen fanden World Cafés zum Kennenlernen und ersten Austausch, 19 Workshops und eine Demonstration statt, die unser Anliegen unter anderem mit Livemusik von Bernadette La Hengst („Wir singen zur Senkung der Arbeitsmoral“, „I do care, I love it“) auf die Straße brachte. In den Workshops diskutierten die Teilnehmenden verschiedene mit Care Revolution zusammenhängende Fragen und auch die politische Organisierung in verschiedenen Care-Bereichen, von Care-Arbeit in Betrieben über entlohnte und unentlohnte Arbeit in Familien bis zur Selbstsorge. Ein Ziel war es immer wieder, die verschiedenen Perspektiven zusammenzudenken, beispielsweise die Belange und Forderungen von Assistenznehmer_innen und in der Assistenz Arbeitenden, von pflegenden Angehörigen, Frauen in Asylunterkünften oder Sexarbeiter_innen. Dabei stellten sich Gemeinsamkeiten ebenso wie Widersprüche heraus. Die Atmosphäre war jedoch geprägt von lebendigem Austausch, intensiven Diskussionen, der Entwicklung gemeinsamer Ideen und vielen Flurgesprächen. Sie war angenehm, solidarisch und produktiv. Das gelang, obwohl – oder weil – die Teilnehmer_innen einen sehr unterschiedlichen Hintergrund hinsichtlich Arbeitsfeldern, Alltagserfahrungen und Organisationsformen besaßen. Das Spektrum reichte von Gewerkschaftsgruppen über Selbsthilfe- und politische Basisgruppen, themenbezogene Netzwerke etwa zu Grundeinkommen oder der 4in1-Perspektive, politischen Zusammenschlüssen wie der Interventionistischen Linken, Ums Ganze oder Attac, Kommunen und Kollektive und vor allem auch feministische und Frauengruppen.

Nachdem die Aktionskonferenz die Gründung des Netzwerks Care Revolution beschlossen hatte, fand im Mai 2014 das erste organisatorische Treffen in Hannover statt. Dieses wurde nur in den 70 Kooperationsgruppen des Netzwerks beworben, um zunächst notwendige Entscheidungen über die Netzwerkstruktur zu treffen. Dazu gehört die Gründung eines gemeinnützigen Vereins, CaRe e.V., über den finanzielle Unterstützung von Stiftungen oder durch Dauerspenden eingeworben werden soll. Alle zwei Jahre wird eine große Aktionskonferenz stattfinden, die nächste im April 2016. Dazwischen gibt es zweimal jährlich offene Netzwerktreffen in wechselnden Städten. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen wird öffentlich beworben. Wir verstehen das Netzwerk Care Revolution als Teil einer im Entstehen begriffenen Care-Bewegung und hoffen darauf, dass sich möglichst viele weitere Gruppen und Einzelpersonen beteiligen und neben den bundesweiten Treffen auch in Regionalgruppen zusammenarbeiten. Solche Gruppen gibt es bereits in Berlin/Brandenburg, Frankfurt/M, Freiburg, Hamburg und Hannover. Zwischen den Netzwerktreffen kümmert sich ein auf den Treffen bestimmter Koordinierungskreis um organisatorische Belange; seine Arbeit soll von ein bis zwei bezahlten Stellen unterstützt werden.

Das nächste große Treffen fand dann am 1.November 2014 in Frankfurt/M statt. Hier diskutierten wir verschiedene grundsätzliche Fragen, etwa folgende: Wie sehen wir uns in der Care Revolution und was macht eine solche Revolution aus? Wir werden wir sichtbarer und einflussreicher, wie können regionale Netzwerke funktionieren und ausgebaut werden? Wie können Aktions- und Interventionsformen aussehen?

Auch über Aktionen zum 8.März, zu Blockupy und zum 1.Mai sowie über eine Intervention in den anstehenden Streik der Beschäftigten in Sozial- und Erziehungsdiensten sprachen wir; diese Fragen einer praktischen Intervention wurden auch auf dem folgenden Netzwerktreffen am 28./29.März 2015 in Hannover wieder aufgegriffen. Dort ging es unter anderem auch um die Nutzbarkeit von Organizing-Konzepten für Auseinandersetzungen um Care-Arbeit und um internationale anderem mit Livemusik von Bernadette La Hengst („Wir singen zur Senkung der Arbeitsmoral“, „I do care, I love it“) auf die Straße brachte. In den Workshops diskutierten die Teilnehmenden verschiedene mit Care Revolution zusammenhängende Fragen und auch die politische Organisierung in verschiedenen Care-Bereichen, von Care-Arbeit in Betrieben über entlohnte und unentlohnte Arbeit in Familien bis zur Selbstsorge. Ein Ziel war es immer wieder, die verschiedenen Perspektiven zusammenzudenken, beispielsweise die Belange und Forderungen von Assistenznehmer_innen und in der Assistenz Arbeitenden, von pflegenden Angehörigen, Frauen in Asylunterkünften oder Sexarbeiter_innen. Dabei stellten sich Gemeinsamkeiten ebenso wie Widersprüche heraus. Die Atmosphäre war jedoch geprägt von lebendigem Austausch, intensiven Diskussionen, der Entwicklung gemeinsamer Ideen und vielen Flurgesprächen. Sie war angenehm, solidarisch und produktiv. Das gelang, obwohl – oder weil – die Teilnehmer_innen einen sehr unterschiedlichen Hintergrund hinsichtlich Arbeitsfeldern, Alltagserfahrungen und Organisationsformen besaßen. Das Spektrum letzterer reichte von Gewerkschaftsgruppen über Selbsthilfe- und politische Basisgruppen, themenbezogene Netzwerke etwa zu Grundeinkommen oder der 4in1-Perspektive, politischen Zusammenschlüssen wie der Interventionistischen Linken, Ums Ganze oder Attac, Kommunen und Kollektive und vor allem auch feministische und Frauengruppen.