Netzwerk Oekonomischer Wandel (NOW) – Treffen in Kassel und mögliche Kooperation mit dem Netzwerk Care Revolution

von Ann Wiesental

Das Treffen von NOW – Netzwerk Oekonomischer Wandel fand innerhalb der fünfzehnten Documenta in Kassel statt. Die diesjährige Documenta wurde von dem indonesischen Künstler*innenkollektiv ruangrupa kuratiert*, das der Ausstellung die Werte und Ideen von lumbung zugrunde gelegt hat. Lumbung ist das indonesische Wort für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, in der die überschüssige Ernte zum Wohle der Gemeinschaft gelagert wird. Dies verweist auf eine alternative Ökonomie der Kollektivität, des gemeinsamen Ressourcenaufbaus und der gerechten Verteilung. Nach dem Gedanken, dass die Ausstellung lumbung ist, eine Praxis, die sich dynamisch in der Interaktion zwischen Menschen verändert, waren auch wir mit dem NOW Treffen Kunst und Ausstellung.  Am 8. und 9. September konnten im zukunftsDorf22, einem Teil der documenta, die Besucher*innen uns betrachten und mit uns interagieren. Neben dieser Besonderheit war das NOW Treffen ebenso besonders, denn das Netzwerk hatte sich im Vorfeld auf eine Ausrichtung geeinigt und wollte nun breiter einladen und mehr Akteure für ihren Weg gewinnen. Die Einigung im Vorfeld bestand daraus, dass drei Wege als verbindende Elemente des Netzwerks formuliert worden sind. Diese drei Wege sind: 1) die Wirtschaft am Gemeinwohl auszurichten und Marktkonkurrenz ab zu bauen, 2) die Gesellschaft umfassend zu demokratisieren und 3) Commons auszubauen. Das Herangehen und die politische Praxis wird verstanden als fragendes Voranschreiten im Wissen einer gemeinsamen Ausrichtung hin zu einer bedürfnisorientierten und zutiefst demokratischen Gesellschaft im Einklang mit unserer Mitwelt. Diese Wege und Schritte werden verbunden zu einer Transformationsstrategie. Hier darf für das NOW Netzwerk Care nicht fehlen und ist eine wichtige Grundlage. Care als gesamtwirtschaftliche Logik muss einen Platz haben. In der Hinsicht möchte das NOW Netzwerk an das Netzwerk Care Revolution herantreten und hat bei dem Treffen dahingehend erste Gedanken und Wünsche formuliert. Diese möchten zwei NOW Vertreter*innen auch auf die Care-Klima-Werkstatt nach Buchenbach tragen, um sie hier weiter zu besprechen. weiterlesen

Zukunft und Demokratie brauchen Bürger*innenräte – Ein Beitrag zur Weiterarbeit

In Deutschland und anderen Staaten gerät gegenwärtig die Demokratie als Staatsform unter Druck. Angesichts der Krisen in Folge der Überlastung der ökologischen Kreisläufe und der Sorgearbeitenden greifen Staaten zunehmend auf autoritärere Lösungen zurück. Zudem nimmt angesichts der zunehmend prekären Lebenslagen die Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu, zumal Regierungen ihre Politik immer mehr als alternativlos und nicht diskutierbar darstellen: Die Veränderungen werden als Bedrohung erlebt, machen Angst, machen aggressiv. Gleichzeitig finden die von der Krise massiv Betroffenen kein Gehör. weiterlesen

Bericht vom „Kongress der Sorge“ im Berliner Theater HAU am 11. Mai 2022

Am Mittwoch, den 11.5.2022, fand in Berlin der „KONGRESS DER SORGE“ als Vernetzungstag für Arbeitskämpfe und feministische Initiativen im Theater Hebbel am Ufer (Link: www.hebbel-am-ufer.de) statt.

Gemeinsam wollten wir die Diskussion, die feministische Vernetzung, die Solidarisierung und die Arbeitskämpfe weiterführen. Anlässlich des Tags der Pflege am 12.5. und im Nachgang zur gemeinsamen Kundgebung „An Care denken – Kämpfe vereinen, Überlastung beenden!“ (https://care-revolution.org/aktuelles/raus-zum-8-maerz-2022-in-berlin/) am diesjährigen 8. März kamen viele Berliner Care-Aktivist*innen im HAU bereits nachmittags zusammen. Initiiert wurde die Veranstaltung von Luise Meier und Sarah Waterfeld vom Künstler*innen-Kollektiv „Staub zu Glitzer“ (https://mastodon.social/@Staub_zu_Glitzer ) und es bot sich ein vielfältiges kulturelles wie politisches Programm: weiterlesen

Material zur Präsentation des Netzwerks Care Revolution

Um auf Straßenfesten, bei Kundgebungen oder ähnlichen Gelegenheiten zu präsentieren, was das Netzwerk Care Revolution tut und wofür wir stehen, haben wir in der Freiburger Regionalgruppe eine Reihe von Tafeln hergestellt. Eine Tafel besteht aus 8 DIN A4-Blättern, die auf eine DIN A1-Tafel geklebt werden, in Freiburg das übliche Format für die Werbung an Straßenbahnhaltestellen, aber sicher auch in anderen Städten gut auffindbar. Diese Tafel haben wir an zwei Holzlatten genagelt, so dass der Text in Augenhöhe ist. Jeweils drei Tafeln lassen sich, z.B. mit Gaffa-Tape, gut miteinander verbinden und stehen fest – solange der Wind nicht allzu heftig bläst… Die Tafeln selbst sind, auch mit wechselnden Texten, wiederverwendbar.

Diese Tafeln haben sich beim Mai-Fest des DGB und einem klimapolitischen Straßenfest als Anreiz zum Stehenbleiben und als Bezugspunkt für Gespräche ganz gut bewährt. Die Herausforderung, an der wir sicher noch weiter feilen müssen, ist, einerseits gehaltvoll und nicht banal, andererseits noch zum Stehenbleiben anregend zu sein. Schön bunt und ins Auge fallend, gleichzeitig argumentierend. Fürs Bunte sind Fotos und Grafiken integriert, es hat sich bewährt, einen Teil der Seiten auf farbigem Papier zu drucken.

Wir haben Tafeln zu Care Revolution allgemein, zu Care und Klima sowie zu unserem Freiburger Schwerpunktthema Altenpflege produziert. Nach und nach, überarbeitet, wollen wir sie auf der Care Revolution-Website einstellen. Nutzt sie, passt sie an euren lokalen Bedarf an! Sofern ihr dies nicht als Care Revolution-Regionalgruppe tut, ist uns allerdings wichtig, dass ihr die Quelle benennt.

Hier findet ihr zunächst die Darstellung des Netzwerks Care Revolution in der ein-Tafel-Variante. Die drei Foliensätze für die drei-Tafeln-Dreieck-Variante könnt ihr einzeln herunterladen: Tafel 1, Tafel2  und Tafel 3.

Oldenburg – Eine Stadt für Alle. Gemeinsam eine Utopie zeichnen!

Wir dokumentieren hier eine Rede, die am 1. Mai 2022 von der Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg (ALSO) vor einem Oldenburger Jobcenter gehalten wurde. Die ALSO ist Kooperationspartnerin im Netzwerk Care Revolution. In der Rede werden Punkte angesprochen, die vielleicht erst auf den zweiten Blick mit Sorgearbeit zu tun haben: Der Umgang mit armen Menschen in der Corona-Pandemie, die je nach Herkunft unterschiedliche Behandlung von Geflüchteten, die Folgen des Kriegs in der Ukraine, auch hinsichtlich einer Verschiebung der Geschlechterrollen. Die Rede von ALSO bezieht diese Themen auf die politische und beratende Tätigkeit der Organisation. Dabei machen sie deutlich: Welche Bedingungen für Leben und soziale Beziehungen die Herrschenden schaffen, bestimmt auch die Bedingungen der Sorge füreinander. Sozial-, Migrations- und Kriegspolitik haben für Sorgebeziehungen einschneidende Bedeutung.

Care Revolution Freiburg beim gewerkschaftlichen Maifest aktiv

Nachdem in Freiburg wegen Corona in den letzten beiden Jahren das gewerkschaftliche Maifest ausfiel und ausschließlich eine Kundgebung bzw. eine Demonstration stattfand, konnten wir in diesem Jahr wieder Stände aufbauen. Die Care Revolution-Regionalgruppe hatte einen gemeinsamen Stand mit dem Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen, das insbesondere Auseinandersetzungen und Organisierungsversuche in Krankenhäusern unterstützt und in dem wir vertreten sind. Wir verteilten unseren Mai-Flyer, in dem wir in diesem Jahr den Bogen von Care zu Klimakatastrophe und Krieg schlugen. Diesen Zusammenhang hatten wir schon in den letzten Wochen mit unserer Beteiligung an  der Klimastreik-Demo und am Ostermarsch hergestellt. Außerdem präsentierten wir auf Stelltafeln unsere Arbeit zum Thema Altenpflege und allgemein das Konzept der Care Revolution.

1. Mai 2022 in Frankfurt – Tag der unsichtbaren Arbeit

Wie in den vergangenen Jahren haben wir von Care Revolution in Frankfurt  erneut an der von den Gewerkschaften organisierten 1.Mai-Demo teilgenommen. Nach zwei mühseligen Jahren Covid-19 Pandemie, die die den unverantwortlichen Geiz einer neoliberalen Politik in Sachen Rahmenbedingungen und Infrastrukturen öffentlicher Daseinsvorsorge offenlegte, war der Krieg in der Ukraine und die von Regierungsseite geplanten Ausgaben von 100 Milliarden Euro für Aufrüstung eines der bestimmenden Themen des 1. Mai. Praktisch über Nacht wurden zentrale Positionen der Nachkriegspolitik aufgegeben und ein tot geglaubter Militarimus wiedererweckt.

Die Aktiven unserer Regionalgruppe sind sich darüber einig, dass der Einfall Russlands in der Ukraine nicht zu rechtfertigen ist und der ukrainischen Zivilbevölkerung jegliche Unterstützung zur Verfügung gestellt werden soll. Aber Aufrüstung ist abzulehnen.

Widerstand gegen Unrecht ist wichtig und notwendig. Die persönliche Entscheidung von Partisan:innen und Widerstandskämpfer:innen gegen einen inneren oder äußeren Feind zu kämpfen, ist etwas ganz anderes als ein Krieg, der von Regierenden organisiert wird, die selbst nicht die Waffen ergreifen, sondern andere Menschen an die Front schicken um zu töten.

Die 100 Milliarden Euro Steuergelder, die die Waffenindustrie erhalten soll, um Zerstörungsmaschinen zu produzieren, werden dringend anderswo gebraucht. Christine Rudolf hat nach einerm Austausch in einer Gruppe Care Revolution Aktiver in einem Artikel eine Liste Infrastrukturen zusammengestellt, die für unser gutes Zusammenleben notwendig sind.

Wir wollen uns weiterhin dafür einsetzen, dass Sorgearbeitende gesehen und wertgeschätzt werden und ihnen die notwendige Unterstützung zuteil wird, die sie brauchen um das tägliche Leben aller zu ermöglichen. Am 12. Mai ist Internationaler Pflegetag!

Ostermarsch in Heidelberg 2022 „Die Waffen nieder! – Friedenslogik statt Kriegslogik!“

Das Netzwerk Care Revolution Rhein Neckar hat zum Ostermarsch mit aufgerufen.

Der unsägliche Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine löst neben Mitgefühl und Solidarität auch Angst, Verunsicherung, Entsetzen und Sprachlosigkeit aus, genauso auch die Forderungen nach noch mehr Waffenlieferungen und Aufrüstung, wie das an Bedeutung gewinnende nationalistische Heldentum.

Berta von Suttner: Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden. (1905)

Krieg und Gewalt erzeugen Gegengewalt, töten, zerstören, bringen unendliches Leid und Not, Hass, Verrohung und Verzweiflung auf allen Seiten. Menschen verlieren ihr zuhause, sind auf der Flucht……

Krieg ist und darf kein Mittel der Konfliktlösung sein. Die schrecklichen Bilder und Berichte aus der Ukraine sind kaum zu ertragen. Trotzdem: Betroffenheit und Empörung müssen zum Nachdenken und zu einem gemeinsamen Ringen um Lösungsmöglichkeiten, jenseits von Militarisierung, zur Übernahme globaler Verantwortung führen. Nötiger denn je sind politische und mediale Abrüstung. Alle Kräfte und Bemühungen müssen sich auf Deeskalation, Diplomatie und ernsthafte Verhandlungen konzentrieren. Neben Waffenstillstand und der Beendigung des Krieges gilt es, weitere Auswirkungen wie Hunger, Elend, Unruhen, Aufstände und Flucht weltweit zu verhindern.

Seit langem wieder Ostermarsch in Freiburg

In diesem Jahr gab es in Freiburg den ersten Ostermarsch seit langem in der Stadt selbst, nach dem er zuletzt in Müllheim südlich von Freiburg stattgefunden hatte, wo eine deutsch-französische Einheit stationiert ist. Diesmal wurde sowohl eine Demonstration in der Stadt am Gründonnerstag als auch eine in Müllheim am Ostermontag organisiert. In Freiburg beteiligten sich mindestens 500 Teilnehmer*innen – wenige angesichts des Krieges in der Ukraine, aber auch beachtlich angesichts des medialen Trommelfeuers, dem pazifistische Positionen in den überregionalen und auch den Freiburger Medien ausgesetzt sind.

Die Demo wurde von einem erfreulich breiten Bündnis getragen – neben Friedensgruppen unter anderem DGB und ver.di, Fridays for Future oder Seebrücke. Auch die Freiburger Care Revolution-Gruppe beteiligte sich an der Organisation der Demo und auch der Demo selbst. In einem Redebeitrag und mit Plakaten verdeutlichten wir unsere Positionen: Im Krieg gerät mit dem Schutz des menschlichen Lebens selbst auch die Sorge füreinander unter die Räder. Auch wenn Staaten darauf spekulieren, diesen Krieg zu gewinnen – die Menschen auf dem Schlachtfeld Ukraine sind auf jeden Fall Verlierer*innen. Deshalb fordern wir ein Ende der Invasion, aber auch kriegsverlängernder Maßnahmen wie Waffenlieferungen. Ebenso wenden wir uns gegen die Aufrüstung in Deutschland, wo in Windeseile und ohne gesellschaftliche Debatte 100 Milliarden fürs Militär freigegeben werden, die wir in der Care-Infrastruktur und als Mittel gegen die Klimakatastrophe dringend bräuchten.

Bericht vom Netzwerktreffen Care Revolution – Frühling 2022

Am 2.4. hatten wir unser halbjährliches überregionales Netzwerktreffen. Im Vorbereitungsteam gab es zu Beginn der Planung des Treffens durchaus Bedenken, wie viele Personen sich beteiligen würden. Schließlich ist nach gut zwei Jahren Pandemie die Erfahrung, dass die Lust auf Online-Treffen wirklich nachlässt. Letztlich waren wir aber von 9:30 bis 15:15 Uhr immer um die 25 Teilnehmer*innen, mit leichter Fluktuation. Ein großer Vorteil der Online-Treffen ist dabei, dass Aktive aus wirklich vielen (13!) verschiedenen Städten zusammenkommen und auch die Hürde für Interessierte nicht so groß ist, die mal ins Netzwerk hineinschnuppern wollen, aber keine Regionalgruppe in ihrer Stadt haben.

Wie üblich koppelten wir Vorstellung der Teilnehmer*innen mit Berichten aus den jeweiligen Städten. Vieles, was berichtet wurde, könnt ihr auf dieser Website nachlesen. Aber es kam auch wieder zum Vorschein, wie viel in den Gruppen im Netzwerk passiert, was unbekannt bleibt, wenn es nicht an die Website geschickt wird. Beispiele: Die Dortmunder Initiative für Bürger*innenräte, eine Initiative für einen Tarifvertrag zur Entlastung des Pflegepersonals in sechs nordrhein-westfälischen Krankenhäusern, eine Veranstaltung der Heidelberger Regionalgruppe zu Rassismus-Erfahrungen von Pfleger*innen, eine in Berlin geplante Care-Konferenz im Mai. Dabei die Bitte an alle: Berichtet, was ihr macht! Und auch an die Kooperationspartner*innen des Netzwerks: Schickt uns Berichte über das, was ihr tut und was im Care Revolution-Kontext relevant ist!

Eine zentrale Position beim Treffen hatte der Input von Barbara Fried (Rosa-Luxemburg-Stiftung) zum Thema „Von einer sorglosen zu einer sorgenden Community. Care-Infrastruktur in die Hände der Gesellschaft.“ Ihre Kernaussage: Eine Vergesellschaftung von Care-Einrichtungen bedeutet nicht nur, renditeorientierte Unternehmen aus diesem Bereich zu verdrängen oder zu enteignen und in Selbstorganisation aufgebaute Care-Infrastrukturen zu fördern. Darüber hinaus sind lokale demokratische Entscheidungsgremien – Care-Räte – erforderlich, damit alle Betroffenen mitentscheiden können. So lassen sich  die Interessen von Care-Beschäftigten und von Menschen in häuslichen Care-Situationen oder die Wünsche nach neu gestalteten Sorgebeziehungen verbinden. Beispiele für solche Projekte finden sich etwa in Barcelona oder Madrid. Barbaras Ideen finden sich in einem mit Alex Wischnewski verfassten Aufsatz.

Nach der Pause ging es in Arbeitsgruppen weiter um dieses Thema, aber auch um den öffentlichen Auftritt des Netzwerks, die Verbindungen von unentlohnter Arbeit und Klima sowie die Bedeutung von Utopien für Care-Aktive. Anschließend besprachen wir verschiedene Wege, die sich eröffnen, um die Care Revolution-Tätigkeit durch finanzielle Unterstützung zu erleichtern und zu verstetigen. Unter anderem wurden wir durch die taz gefördert. Näheres findet ihr hier.

Und noch ganz wichtig zum Vormerken: Das nächste Netzwerktreffen wird am 19.11.22 stattfinden. Sowohl die Begrenzung auf einen – gut gefüllten – Tag als auch das Online-Format haben sich bewährt. Wir freuen uns, wenn ihr wieder oder erstmals dabei seid!