Freiburg i.B.

Wir haben unsere Freiburger Regionalgruppe im Mai 2014, kurz nach der bundesweiten Aktionskonferenz in Berlin, gegründet. Als kleine Gruppe beteiligen wir uns an Aktionen gemeinsam mit anderen Initiativen  und versuchen das Konzept der Care Revolution bei Vorträgen und Workshops bekannter zu machen.

So nahmen wir in den letzten Jahren mit eigenen Plakaten und Flugblättern an der 1.Mai-Demo und dem Maifest des DGB teil. Dabei betonen wir, dass der 1. Mai auch ein Tag der unsichtbaren Arbeit ist, die unentlohnt in Familien und sozialen Netzen geleistet wird.

Regelmäßig beteiligen wir uns auch  an den Aktivitäten zum 8. März. Vormittags sind wir bei den Ständen feministischer Gruppen und Organisationen vor dem Rathaus dabei, abends nehmen wir mit Flugblättern und Plakaten an der Demonstration teil, die in Freiburg 2015 erstmals seit vielen Jahren wieder stattfand.

Außerdem unterstützen wir Kämpfe von Beschäftigten im Sorgebereich um die Verbesserung ihrer Entlohnung und Arbeitsbedingungen.  So nahmen wir am Unterstützungsbündnis für den Streik der Erzieher_innen und Sozialarbeitenden 2015 ebenso teil wie am Bündnis zur Unterstützung der ver.di-Tarifkampagne in den Krankenhäusern: „Entlastung jetzt! Südbaden für mehr Personal in Krankenhäusern“. Dieses Bündnis unterstützte von Ende 2016 bis zum Tarifabschluss zur Mindestpersonalbemessung im April 2018 den Arbeitskampf im Freiburger Uni-Klinikum. Das Bündnis agierte dabei aus der Position potentieller Patient_innen bzw. als Freund_innen und Angehörige von Patient_innen. Wir beteiligten uns an den Kundgebungen und Demonstrationen, Ständen und Plakataktionen des Bündnisses. Während dieses Bündnis im Rahmen der Tarifauseinandersetzung bestand, wurde es nunmehr mit umfassender Zielsetzung und auf Dauer angelegt als „Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen“ neugegründet.  Unter anderem organisierte das Netzwerk, das mit dem Tarifdelegiertentreffen an der Uni-Klinik zusammenarbeitet, den Gesundheitsblock auf der eindrucksvollen Fridays or Future-Demo am 20.09.2019. Auch am Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen sind wir wieder beteiligt.

Daneben haben wir in der Stadt Veranstaltungen zum Thema Care Revolution mitorganisiert. Ein paar Beispiele: Im Vorfeld des 8. März mit der Feministischen Linken oder gemeinsam mit dem Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit zu dessen Arbeitsbereich. Zuletzt im Advent 2018 eine Predigt in einer evangelischen Kirche während des Gottesdienstes mit anschließendem Gespräch im Gemeinderaum.

Unser bislang größtes Projekt war die Freiburger Aktionskonferenz „Sorge ins Zentrum – Care Revolution als Perspektive“, die am 20. Mai 2017 in der Universität stattfand. Den Flyer zur Aktionskonferenz findet Ihr hier.

Die Konferenz wurde von Care Revolution Freiburg veranstaltet und von 33 Initiativen und Organisationen aus Freiburg und der Region unterstützt. 120 Menschen nahmen am Plenum und den Workshops teil. Deren Themen waren Selbstsorge, Leben mit Kindern, Krankenhäuser, Pflege und Assistenz, Soziale Arbeit sowie Politisierung von Care. Die Teilnehmenden spiegelten das gesamte Spektrum der Care-Bewegung wider: Pflegende Angehörige ebenso wie Personalrät_innen aus den Kliniken, Aktive aus feministischen und linken Gruppen ebenso wie in der Kirche Engagierte, Studierende ebenso wie Berufstätige. Wir freuen uns über die positive Resonanz, die wir erhalten haben. Einen Eindruck von der Aktionskonferenz könnt Ihr über ein ca. 20-minütiges Video hier gewinnen.

Auch ein ganz konkretes Vorhaben ist Ergebnis der Aktionskonferenz: Aus dem Kreis der Teilnehmenden entstand der Care-Rat, der Care-Beschäftigten sowie Menschen in familiären und ehrenamtlichen Sorgebeziehungen Raum geben soll, Missstände und Notlagen zu schildern. Der Care-Rat wird Lösungswege, Forderungen und Handlungsoptionen entwickeln. Diese können sich zum Beispiel an den Gemeinderat richten oder die Beteiligten setzen die Ideen gleich selbst um.

Seit Oktober 2017 beschäftigt sich der Care-Rat mit der Situation der Altenpflege in Freiburg. Pfleger_innen aus der ambulanten und stationären Pflege berichteten von ihren Erfahrungen, eine Wissenschaftlerin der Katholischen Hochschule Freiburg stellte die Lage von migrantischen Betreuungskräften in der 24-Stunden-Betreuung alter Menschen dar; wir trugen auch eigene Rechercheergebnisse zusammen. Zwei Projekte in diesem Rahmen: Wir versuchten von den Betreibern Informationen zu Löhnen und Personalschlüsseln in Freiburger Pflegeheimen zu erhalten. Hier stießen wir zunächst auf Schweigen, dann auf klare Ablehnung. Jedoch haben wir auch durch die geführten Gespräche interessante Einblicke erhalten. An der DAA-Altenpflegeschule führten wir eine Umfrage zu Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen mittels eines Fragebogens durch, den 70 Schüler_innen ausfüllten. Im Januar 2019 stellten wir die Ergebnisse in einer Veranstaltung an der Schule vor. Daneben erarbeitete der Care-Rat eine kommunale Care-Agenda, die unsere Position zu folgenden Fragen darstellt: Was verbessert die Lage Sorgearbeitender und auf Sorge Angewiesener in der Stadt, was gehen wir selbst an, was fordern wir von der lokalen Politik? Einen Newsletter zur Arbeit des Care-Rats (Stand: Ende 2018) findet ihr hier. Jedoch stellten wir fest, dass wir mit diesem Konzept an unsere Grenzen stießen, wenn es darum ging, den für Veränderungen nötigen Druck aufzubauen oder Sorgearbeitende zur dauerhaften Mitarbeit zu gewinnen.

Nach der Gemeinderatswahl im Mai 2019 sind zwei Personen, die bei Care Revolution Freiburg mitarbeiten, im Gemeinderat vertreten! Wir möchten dies nutzen und den Care-Rat als Scharnier zwischen lokaler Politik und aktiven Gruppen und Organisationen im Care-Bereich neu aufstellen. Dabei wird der Care-Rat weiterhin auch außerparlamentarisch vorgehen. Was passiert, entscheiden letztlich die teilnehmenden Gruppen und Einzelpersonen.

Care Revolution Freiburg wird das Thema Altenpflege, in engem Kontakt mit ver.di weiterhin verfolgen. Zunächst werden wir vor Pflegeheimen Stände durchführen, um mit Beschäftigten ebenso wie mit Angehörigen ins Gespräch zu kommen.

Unsere Gruppe ist nicht groß, aber stabil, auf angenehme Weise heterogen und nett. Interessierte und engagierte Menschen sind uns immer willkommen und wir freuen uns, Euch bei unseren Treffen kennenzulernen!

Wir kämpfen für ein Freiburg, in dem alle Menschen ihre Sorgebedürfnisse und Sehnsüchte verwirklichen können!

Kontakt: care-revolution-freiburg@riseup.net

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