Freiburg i.B.

Wir haben unsere Freiburger Regionalgruppe im Mai 2014, kurz nach der bundesweiten Aktionskonferenz in Berlin, gegründet. Als kleine Gruppe schließen wir uns mit anderen Organisationen in Bündnissen und zu einzelnen  Aktionen zusammen. Zudem versuchen wir, das Konzept der Care Revolution bei Vorträgen und Workshops bekannter zu machen.

So nahmen wir in den letzten Jahren mit eigenen Plakaten und Flugblättern an der 1.Mai-Demo und dem Maifest des DGB teil. Dabei betonen wir, dass der 1. Mai auch ein Tag der unsichtbaren Arbeit ist, die unentlohnt in Familien und sozialen Netzen geleistet wird. In diesem Corona-Jahr war alles anders: Es gab keine Demo und kein Fest, aber wir organisierten eine kleine Kundgebung, bei der wir unter den gebotenen Vorsichtsmaßnahmen an Passant_innen Flyer verteilten mit der Aussage: Am Ende der Pandemie darf es kein Zurück zu den alten Verhältnissen geben, die Sorgebeziehungen und Ökosysteme überbelasten und zerstören. Unser Flyer entspricht dem Aufruf, der aus unserer Gruppe ins Netzwerk Care Revolution hineingetragen wurde. Ihr findet ihn hier.

Regelmäßig beteiligen wir uns auch  an den Aktivitäten zum 8. März. Vormittags sind wir bei den Ständen feministischer Gruppen und Organisationen vor dem Rathaus dabei, abends nehmen wir mit Flugblättern und Plakaten an der Demonstration teil, die seit 2015 in Freiburg wieder regelmäßig stattfindet.

Außerdem unterstützen wir Kämpfe von Beschäftigten im Sorgebereich um die Verbesserung ihrer Entlohnung und Arbeitsbedingungen.  So nahmen wir am Unterstützungsbündnis für den Streik der Erzieher_innen und Sozialarbeitenden 2015 ebenso teil wie am Bündnis zur Unterstützung der ver.di-Tarifkampagne in den Krankenhäusern: „Entlastung jetzt! Südbaden für mehr Personal in Krankenhäusern“. Dieses Bündnis unterstützte von Ende 2016 bis zum Tarifabschluss zur Mindestpersonalbemessung im April 2018 den Arbeitskampf im Freiburger Uni-Klinikum. Das Bündnis agierte dabei aus der Position potentieller Patient_innen bzw. als Freund_innen und Angehörige von Patient_innen. Ursprünglich war dieses Bündnis zur Unterstützung der Tarifauseinandersetzung gegründet worden. Nun ist es auf Dauer angelegt und mit umfassenderer Zielsetzung als „Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen“ tätig.  Unter anderem organisierte das Netzwerk, das mit dem Tarifdelegiertentreffen an der Uni-Klinik zusammenarbeitet, den Gesundheitsblock auf der eindrucksvollen Fridays for Future-Demo am 20.09.2019. In diesem Jahr veranstaltete es während der Corona-Pandemie eine Menschenkette zur Gesundheitspolitik oder hängte Transparente zur Unterstützung der Pflegebeschäftigten aus. Auch beim Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen sind wir wieder beteiligt. Was dort passiert, könnt ihr auf der Seite des Gesundheitsnetzwerks entdecken.

Daneben haben wir in der Stadt Veranstaltungen zum Thema Care Revolution mitorganisiert. Ein paar Beispiele: Im Vorfeld des 8. März mit der Feministischen Linken, gemeinsam mit dem Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit zu dessen Arbeitsbereich oder im Advent 2018 eine Predigt in einer evangelischen Kirche während des Gottesdienstes mit anschließendem Gespräch im Gemeinderaum.

Unser bislang größtes Projekt war die Freiburger Aktionskonferenz „Sorge ins Zentrum – Care Revolution als Perspektive“, die am 20. Mai 2017 in der Universität stattfand. Den Flyer zur Aktionskonferenz findet Ihr hier.

Die Konferenz wurde von Care Revolution Freiburg veranstaltet und von 33 Initiativen und Organisationen aus Freiburg und der Region unterstützt. 120 Menschen nahmen am Plenum und den Workshops teil. Die Teilnehmenden spiegelten das gesamte Spektrum der Care-Bewegung wider: Pflegende Angehörige ebenso wie Personalrät_innen aus den Kliniken, Aktive aus feministischen und linken Gruppen ebenso wie in der Kirche Engagierte, Studierende ebenso wie Berufstätige. Wir freuen uns über die positive Resonanz, die wir erhalten haben. Einen Eindruck von der Aktionskonferenz könnt Ihr über ein ca. 20-minütiges Video hier gewinnen.

Auch ein ganz konkretes Vorhaben gab es als Ergebnis der Aktionskonferenz: Aus dem Kreis der Teilnehmenden entstand der Care-Rat, der Care-Beschäftigten sowie Menschen in familiären und ehrenamtlichen Sorgebeziehungen Raum geben soll, Missstände und Notlagen zu schildern. Ziel des Care-Rats war es, Lösungswege, Forderungen und Handlungsoptionen zu entwickeln. Diese können sich zum Beispiel an den Gemeinderat richten oder die Beteiligten setzen die Ideen gleich selbst um.

Seit Oktober 2017 beschäftigte sich der Care-Rat mit der Situation der Altenpflege in Freiburg. Pfleger_innen aus der ambulanten und stationären Pflege berichteten von ihren Erfahrungen, eine Wissenschaftlerin der Katholischen Hochschule Freiburg stellte die Lage von migrantischen Betreuungskräften in der 24-Stunden-Betreuung alter Menschen dar; wir trugen auch eigene Rechercheergebnisse zusammen. Zwei Projekte in diesem Rahmen: Wir versuchten von den Betreibern Informationen zu Löhnen und Personalschlüsseln in Freiburger Pflegeheimen zu erhalten. Hier stießen wir zunächst auf Schweigen, dann auf klare Ablehnung. Jedoch haben wir auch durch die geführten Gespräche interessante Einblicke erhalten. An der DAA-Altenpflegeschule führten wir eine Umfrage zu Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen mittels eines Fragebogens durch, den 70 Schüler_innen ausfüllten. Im Januar 2019 stellten wir die Ergebnisse in einer Veranstaltung an der Schule vor. Daneben erarbeitete der Care-Rat eine kommunale Care-Agenda, die unsere Position zu folgenden Fragen darstellt: Was verbessert die Lage Sorgearbeitender und auf Sorge Angewiesener in der Stadt, was gehen wir selbst an, was fordern wir von der lokalen Politik? Einen Newsletter zur Arbeit des Care-Rats (Stand: Ende 2018) findet ihr hier. Jedoch stellten wir fest, dass wir mit diesem Konzept an unsere Grenzen stießen, wenn es darum ging, den für Veränderungen nötigen Druck aufzubauen oder Sorgearbeitende zur dauerhaften Mitarbeit zu gewinnen. Daher haben die am Care-Rat Beteiligten das Projekt vorerst auf Eis gelegt. Kommunalpolitisch zu intervenieren, auch in Bezug auf den Gemeinderat, streben wir jedoch weiterhin an. Zu diesem Zweck sind wir im Gespräch mit der Fraktion „Stadt für alle“ für die gemeinsame Neuauflage eines Care-Rats.

Care Revolution Freiburg verfolgt das Thema Altenpflege, in engem Kontakt mit ver.di weiterhin. So haben wir vor mehreren Pflegeheimen Stände durchgeführt, um mit Beschäftigten ebenso wie mit Angehörigen ins Gespräch zu kommen. Dieses Projekt wurde durch die COVID-19-Pandemie vorerst unterbrochen; das Besuchsverbot in Pflegeheimen und auch schlichtes Verantwortungsbewusstsein schließen seit März die Durchführung dieser Stände aus. Da wir unbedingt an diesem wichtigen Thema dranbleiben wollen, überlegen wir, auf welche Weise dies zukünftig geschehen kann. Neben diesem Thema beteiligten wir uns in diesem Jahr erstmals mit einem Stand in der Innenstadt am Equal Care Day.

Auch der Pflegestammtisch, den wir über die Initiative Faire Pflege, ein Kooperationsprojekt mit kirchlichen Organisationen (Arbeitnehmer_innenseelsorge, KDA, KAB), ver.di, Linker Liste und Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen, angeboten haben, wurde durch Corona ausgebremst. Wir laden in diesem Format jetzt beruflich und familiär Sorgearbeitende sowie auf Sorge Angewiesene zu Online-Gesprächen ein.

Ein zentrales Projekt für 2021 ist die Kampagne „Platz für Sorge“: In Freiburg wie in anderen Städten werden wir die Bedeutung guter Rahmenbedingungen für Sorgearbeitende in Familien, Einrichtungen und Netzwerken und für Menschen mit hohem Sorgebedarf an mehreren Tagen in die Öffentlichkeit tragen. Hierfür treffen wir uns in einem erfreulich breiten und wachsenden Bündnis und bereiten für 8.März, 1.Mai, ein Sommerfest und das Vorfeld der Bundestagswahl etwas vor. Den Freiburger Aufruf findet Ihr hier.

Wir treffen uns momentan aufgrund der Pandemie in Videokonferenzen. Unsere Gruppe ist nicht groß, aber stabil, auf angenehme Weise heterogen und nett. Interessierte und engagierte Menschen sind uns immer willkommen und wir freuen uns, Euch bei unseren Treffen kennenzulernen!

Wir kämpfen für ein Freiburg, in dem alle Menschen ihre Sorgebedürfnisse und Sehnsüchte verwirklichen können!

Kontakt: care-revolution-freiburg@riseup.net

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