Netwerk Care-Revolution Rhein-Neckar

Viele Menschen geraten bei den Anforderungen von Beruf, Haushalt und Familie an ihre Grenzen. Insbesondere für Menschen mit Sorgeverpflichtungen für Kinder und unterstützungsbedürftige Erwachsene kommt es zu enormen zeitlichen und körperlichen Überlastungen und/oder finanziell bedingten Existenzunsicherheiten. Vor allem betrifft dies nach wie vor Frauen. Was häufig als individuelles Versagen wahrgenommen wird, ist die Folge politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen.

Ankündigung Vortrag im Mai 2021Die Auswirkungen der Corona-Krise im gesamten Care-Bereich sind nicht überraschend. Stattdessen verschärft sich die Krise, die im Erziehungs-, Pflege und Gesundheitsbereich, in Sozialer Arbeit und auch im Familienalltag schon lange vor der Pandemie bekannt gewesen ist.

Auch wenn einzelne Themen öffentlich verhandelt werden (Kita-Ausbau, Pflegenotstand, Burnout etc.), sind grundsätzliche Lösungen nicht in Sicht. Das Ausmaß der Krise zeigt sich erst, wenn alle Care-Bereiche, bezahlt und unbezahlt, zusammen gedacht werden.

Vor diesem Hintergrund hat SolidarityCity, die Gewerkschaft ver.di, das Feministische Bündnis Heidelberg und der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt in einem 1. Schritt am 18. Mai 2021 Gabriele Winker zu einer Impulsveranstaltung eingeladen, mit dem Ziel, eine breite Diskussion anzustoßen und ein Netzwerk zu bilden.

Bericht aus der Rhein-Neckar-Zeitung über die Veranstaltung mit Gabriele Winker
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Gabriele Winker plädiert für einen grundlegenden Perspektivwechsel. In der Strategie der Care Revolution stehen nicht Profitmaximierung und Kostensenkung im Zentrum, sondern menschliche Bedürfnisse, insbesondere die Sorge umeinander, sowie Rücksicht auf die Belastbarkeit der Ökosysteme. Care Revolution beschreibt Wege, um das Wachstum als Selbstzweck und die Erwerbszentrierung zu überwinden.

Bei der Veranstaltung mit Gabriele Winker und der angeregten Diskussion mit den Teilnehmenden ist es uns inzwischen gelungen, ein kleines Netzwerk zu bilden:

  • EVA. Empathie-Vielfalt-Austausch. Frauenverein Heidelberg e.V.  (interkultureller Verein, eine Plattform für den soziokulturellen Austausch von Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen)
  • FAU Heidelberg (ehemalig: ‚Unabhängige Basisgewerkschaft Heidelberg‘)
  • Feministisches Bündnis Heidelberg
  • Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA)
  • Solidarity City Heidelberg (aus der Seebrücke heraus entstanden)
  • Verdi

Kontakt: solidaritycity@seebruecke-heidelberg.de und heidi.flassak@online.de

Wir planten und planen im 2. Schritt weitere Veranstaltungen, um einzelne Facetten näher zu beleuchten und weitere Netzwerker*innen zu gewinnen.

Veranstaltung am 5. Juli 2021

Wer pflegt eigentlich unsere Angehörigen? – Zur Situation von Pflegenden in Deutschland aus Ost- und Südosteuropa

Pflege von Angehörigen ist eine schwierige Aufgabe, zumal wenn sie eine Begleitung rund um die Uhr benötigen. Wenn eine Unterbringung im Heim nicht in Frage kommt, die pflegenden Angehörigen die Pflege nicht vollumfänglich selbst leisten können, kommen sie oft zum Einsatz, die Betreuungskräfte aus Ost- und Südosteuropa. Ihre Situation ist häufig prekär und bewegt sich oft im gesetzlichen Graubereich. Das Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichts vom 20.06. (5 AZR 505/20) zum Mindestlohn für ausländische Betreuungskräfte hat diese Situation erneut ins Bewusstsein gerückt.

Wir wollten die Situation dieser Menschen in den Blick nehmen und hatten dazu Renate Zäckel, Geschäftsführerin des Projekts Faire Mobilität Mannheim, zu einem Bericht und Gespräch eingeladen.

Das Projekt Faire Mobilität hilft durch Beratung, Information und rechtliche Hilfestellung, gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Beschäftigte aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchzusetzen. Nähere Informationen: https://www.ekiba.de/arbeitswelt-beruf/kirchlicher-dienst-in-der-arbeitswelt-kda/beratung/beratung-von-arbeitsmigranten/