Netzwerk Oekonomischer Wandel (NOW) – Treffen in Kassel und mögliche Kooperation mit dem Netzwerk Care Revolution

von Ann Wiesental

Das Treffen von NOW – Netzwerk Oekonomischer Wandel fand innerhalb der fünfzehnten Documenta in Kassel statt. Die diesjährige Documenta wurde von dem indonesischen Künstler*innenkollektiv ruangrupa kuratiert*, das der Ausstellung die Werte und Ideen von lumbung zugrunde gelegt hat. Lumbung ist das indonesische Wort für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, in der die überschüssige Ernte zum Wohle der Gemeinschaft gelagert wird. Dies verweist auf eine alternative Ökonomie der Kollektivität, des gemeinsamen Ressourcenaufbaus und der gerechten Verteilung. Nach dem Gedanken, dass die Ausstellung lumbung ist, eine Praxis, die sich dynamisch in der Interaktion zwischen Menschen verändert, waren auch wir mit dem NOW Treffen Kunst und Ausstellung.  Am 8. und 9. September konnten im zukunftsDorf22, einem Teil der documenta, die Besucher*innen uns betrachten und mit uns interagieren. Neben dieser Besonderheit war das NOW Treffen ebenso besonders, denn das Netzwerk hatte sich im Vorfeld auf eine Ausrichtung geeinigt und wollte nun breiter einladen und mehr Akteure für ihren Weg gewinnen. Die Einigung im Vorfeld bestand daraus, dass drei Wege als verbindende Elemente des Netzwerks formuliert worden sind. Diese drei Wege sind: 1) die Wirtschaft am Gemeinwohl auszurichten und Marktkonkurrenz ab zu bauen, 2) die Gesellschaft umfassend zu demokratisieren und 3) Commons auszubauen. Das Herangehen und die politische Praxis wird verstanden als fragendes Voranschreiten im Wissen einer gemeinsamen Ausrichtung hin zu einer bedürfnisorientierten und zutiefst demokratischen Gesellschaft im Einklang mit unserer Mitwelt. Diese Wege und Schritte werden verbunden zu einer Transformationsstrategie. Hier darf für das NOW Netzwerk Care nicht fehlen und ist eine wichtige Grundlage. Care als gesamtwirtschaftliche Logik muss einen Platz haben. In der Hinsicht möchte das NOW Netzwerk an das Netzwerk Care Revolution herantreten und hat bei dem Treffen dahingehend erste Gedanken und Wünsche formuliert. Diese möchten zwei NOW Vertreter*innen auch auf die Care-Klima-Werkstatt nach Buchenbach tragen, um sie hier weiter zu besprechen. weiterlesen

Zukunft und Demokratie brauchen Bürger*innenräte – Ein Beitrag zur Weiterarbeit

In Deutschland und anderen Staaten gerät gegenwärtig die Demokratie als Staatsform unter Druck. Angesichts der Krisen in Folge der Überlastung der ökologischen Kreisläufe und der Sorgearbeitenden greifen Staaten zunehmend auf autoritärere Lösungen zurück. Zudem nimmt angesichts der zunehmend prekären Lebenslagen die Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu, zumal Regierungen ihre Politik immer mehr als alternativlos und nicht diskutierbar darstellen: Die Veränderungen werden als Bedrohung erlebt, machen Angst, machen aggressiv. Gleichzeitig finden die von der Krise massiv Betroffenen kein Gehör. weiterlesen

Bericht vom „Kongress der Sorge“ im Berliner Theater HAU am 11. Mai 2022

Am Mittwoch, den 11.5.2022, fand in Berlin der „KONGRESS DER SORGE“ als Vernetzungstag für Arbeitskämpfe und feministische Initiativen im Theater Hebbel am Ufer (Link: www.hebbel-am-ufer.de) statt.

Gemeinsam wollten wir die Diskussion, die feministische Vernetzung, die Solidarisierung und die Arbeitskämpfe weiterführen. Anlässlich des Tags der Pflege am 12.5. und im Nachgang zur gemeinsamen Kundgebung „An Care denken – Kämpfe vereinen, Überlastung beenden!“ (https://care-revolution.org/aktuelles/raus-zum-8-maerz-2022-in-berlin/) am diesjährigen 8. März kamen viele Berliner Care-Aktivist*innen im HAU bereits nachmittags zusammen. Initiiert wurde die Veranstaltung von Luise Meier und Sarah Waterfeld vom Künstler*innen-Kollektiv „Staub zu Glitzer“ (https://mastodon.social/@Staub_zu_Glitzer ) und es bot sich ein vielfältiges kulturelles wie politisches Programm: weiterlesen

Material zur Präsentation des Netzwerks Care Revolution

Um auf Straßenfesten, bei Kundgebungen oder ähnlichen Gelegenheiten zu präsentieren, was das Netzwerk Care Revolution tut und wofür wir stehen, haben wir in der Freiburger Regionalgruppe eine Reihe von Tafeln hergestellt. Eine Tafel besteht aus 8 DIN A4-Blättern, die auf eine DIN A1-Tafel geklebt werden, in Freiburg das übliche Format für die Werbung an Straßenbahnhaltestellen, aber sicher auch in anderen Städten gut auffindbar. Diese Tafel haben wir an zwei Holzlatten genagelt, so dass der Text in Augenhöhe ist. Jeweils drei Tafeln lassen sich, z.B. mit Gaffa-Tape, gut miteinander verbinden und stehen fest – solange der Wind nicht allzu heftig bläst… Die Tafeln selbst sind, auch mit wechselnden Texten, wiederverwendbar.

Diese Tafeln haben sich beim Mai-Fest des DGB und einem klimapolitischen Straßenfest als Anreiz zum Stehenbleiben und als Bezugspunkt für Gespräche ganz gut bewährt. Die Herausforderung, an der wir sicher noch weiter feilen müssen, ist, einerseits gehaltvoll und nicht banal, andererseits noch zum Stehenbleiben anregend zu sein. Schön bunt und ins Auge fallend, gleichzeitig argumentierend. Fürs Bunte sind Fotos und Grafiken integriert, es hat sich bewährt, einen Teil der Seiten auf farbigem Papier zu drucken.

Wir haben Tafeln zu Care Revolution allgemein, zu Care und Klima sowie zu unserem Freiburger Schwerpunktthema Altenpflege produziert. Nach und nach, überarbeitet, wollen wir sie auf der Care Revolution-Website einstellen. Nutzt sie, passt sie an euren lokalen Bedarf an! Sofern ihr dies nicht als Care Revolution-Regionalgruppe tut, ist uns allerdings wichtig, dass ihr die Quelle benennt.

Hier findet ihr zunächst die Darstellung des Netzwerks Care Revolution in der ein-Tafel-Variante. Die drei Foliensätze für die drei-Tafeln-Dreieck-Variante könnt ihr einzeln herunterladen: Tafel 1, Tafel2  und Tafel 3.

Oldenburg – Eine Stadt für Alle. Gemeinsam eine Utopie zeichnen!

Wir dokumentieren hier eine Rede, die am 1. Mai 2022 von der Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg (ALSO) vor einem Oldenburger Jobcenter gehalten wurde. Die ALSO ist Kooperationspartnerin im Netzwerk Care Revolution. In der Rede werden Punkte angesprochen, die vielleicht erst auf den zweiten Blick mit Sorgearbeit zu tun haben: Der Umgang mit armen Menschen in der Corona-Pandemie, die je nach Herkunft unterschiedliche Behandlung von Geflüchteten, die Folgen des Kriegs in der Ukraine, auch hinsichtlich einer Verschiebung der Geschlechterrollen. Die Rede von ALSO bezieht diese Themen auf die politische und beratende Tätigkeit der Organisation. Dabei machen sie deutlich: Welche Bedingungen für Leben und soziale Beziehungen die Herrschenden schaffen, bestimmt auch die Bedingungen der Sorge füreinander. Sozial-, Migrations- und Kriegspolitik haben für Sorgebeziehungen einschneidende Bedeutung.

Care Revolution Freiburg beim gewerkschaftlichen Maifest aktiv

Nachdem in Freiburg wegen Corona in den letzten beiden Jahren das gewerkschaftliche Maifest ausfiel und ausschließlich eine Kundgebung bzw. eine Demonstration stattfand, konnten wir in diesem Jahr wieder Stände aufbauen. Die Care Revolution-Regionalgruppe hatte einen gemeinsamen Stand mit dem Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen, das insbesondere Auseinandersetzungen und Organisierungsversuche in Krankenhäusern unterstützt und in dem wir vertreten sind. Wir verteilten unseren Mai-Flyer, in dem wir in diesem Jahr den Bogen von Care zu Klimakatastrophe und Krieg schlugen. Diesen Zusammenhang hatten wir schon in den letzten Wochen mit unserer Beteiligung an  der Klimastreik-Demo und am Ostermarsch hergestellt. Außerdem präsentierten wir auf Stelltafeln unsere Arbeit zum Thema Altenpflege und allgemein das Konzept der Care Revolution.

1. Mai 2022 in Frankfurt – Tag der unsichtbaren Arbeit

Wie in den vergangenen Jahren haben wir von Care Revolution in Frankfurt  erneut an der von den Gewerkschaften organisierten 1.Mai-Demo teilgenommen. Nach zwei mühseligen Jahren Covid-19 Pandemie, die die den unverantwortlichen Geiz einer neoliberalen Politik in Sachen Rahmenbedingungen und Infrastrukturen öffentlicher Daseinsvorsorge offenlegte, war der Krieg in der Ukraine und die von Regierungsseite geplanten Ausgaben von 100 Milliarden Euro für Aufrüstung eines der bestimmenden Themen des 1. Mai. Praktisch über Nacht wurden zentrale Positionen der Nachkriegspolitik aufgegeben und ein tot geglaubter Militarimus wiedererweckt.

Die Aktiven unserer Regionalgruppe sind sich darüber einig, dass der Einfall Russlands in der Ukraine nicht zu rechtfertigen ist und der ukrainischen Zivilbevölkerung jegliche Unterstützung zur Verfügung gestellt werden soll. Aber Aufrüstung ist abzulehnen.

Widerstand gegen Unrecht ist wichtig und notwendig. Die persönliche Entscheidung von Partisan:innen und Widerstandskämpfer:innen gegen einen inneren oder äußeren Feind zu kämpfen, ist etwas ganz anderes als ein Krieg, der von Regierenden organisiert wird, die selbst nicht die Waffen ergreifen, sondern andere Menschen an die Front schicken um zu töten.

Die 100 Milliarden Euro Steuergelder, die die Waffenindustrie erhalten soll, um Zerstörungsmaschinen zu produzieren, werden dringend anderswo gebraucht. Christine Rudolf hat nach einerm Austausch in einer Gruppe Care Revolution Aktiver in einem Artikel eine Liste Infrastrukturen zusammengestellt, die für unser gutes Zusammenleben notwendig sind.

Wir wollen uns weiterhin dafür einsetzen, dass Sorgearbeitende gesehen und wertgeschätzt werden und ihnen die notwendige Unterstützung zuteil wird, die sie brauchen um das tägliche Leben aller zu ermöglichen. Am 12. Mai ist Internationaler Pflegetag!

Ostermarsch in Heidelberg 2022 „Die Waffen nieder! – Friedenslogik statt Kriegslogik!“

Das Netzwerk Care Revolution Rhein Neckar hat zum Ostermarsch mit aufgerufen.

Der unsägliche Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine löst neben Mitgefühl und Solidarität auch Angst, Verunsicherung, Entsetzen und Sprachlosigkeit aus, genauso auch die Forderungen nach noch mehr Waffenlieferungen und Aufrüstung, wie das an Bedeutung gewinnende nationalistische Heldentum.

Berta von Suttner: Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden. (1905)

Krieg und Gewalt erzeugen Gegengewalt, töten, zerstören, bringen unendliches Leid und Not, Hass, Verrohung und Verzweiflung auf allen Seiten. Menschen verlieren ihr zuhause, sind auf der Flucht……

Krieg ist und darf kein Mittel der Konfliktlösung sein. Die schrecklichen Bilder und Berichte aus der Ukraine sind kaum zu ertragen. Trotzdem: Betroffenheit und Empörung müssen zum Nachdenken und zu einem gemeinsamen Ringen um Lösungsmöglichkeiten, jenseits von Militarisierung, zur Übernahme globaler Verantwortung führen. Nötiger denn je sind politische und mediale Abrüstung. Alle Kräfte und Bemühungen müssen sich auf Deeskalation, Diplomatie und ernsthafte Verhandlungen konzentrieren. Neben Waffenstillstand und der Beendigung des Krieges gilt es, weitere Auswirkungen wie Hunger, Elend, Unruhen, Aufstände und Flucht weltweit zu verhindern.

Seit langem wieder Ostermarsch in Freiburg

In diesem Jahr gab es in Freiburg den ersten Ostermarsch seit langem in der Stadt selbst, nach dem er zuletzt in Müllheim südlich von Freiburg stattgefunden hatte, wo eine deutsch-französische Einheit stationiert ist. Diesmal wurde sowohl eine Demonstration in der Stadt am Gründonnerstag als auch eine in Müllheim am Ostermontag organisiert. In Freiburg beteiligten sich mindestens 500 Teilnehmer*innen – wenige angesichts des Krieges in der Ukraine, aber auch beachtlich angesichts des medialen Trommelfeuers, dem pazifistische Positionen in den überregionalen und auch den Freiburger Medien ausgesetzt sind.

Die Demo wurde von einem erfreulich breiten Bündnis getragen – neben Friedensgruppen unter anderem DGB und ver.di, Fridays for Future oder Seebrücke. Auch die Freiburger Care Revolution-Gruppe beteiligte sich an der Organisation der Demo und auch der Demo selbst. In einem Redebeitrag und mit Plakaten verdeutlichten wir unsere Positionen: Im Krieg gerät mit dem Schutz des menschlichen Lebens selbst auch die Sorge füreinander unter die Räder. Auch wenn Staaten darauf spekulieren, diesen Krieg zu gewinnen – die Menschen auf dem Schlachtfeld Ukraine sind auf jeden Fall Verlierer*innen. Deshalb fordern wir ein Ende der Invasion, aber auch kriegsverlängernder Maßnahmen wie Waffenlieferungen. Ebenso wenden wir uns gegen die Aufrüstung in Deutschland, wo in Windeseile und ohne gesellschaftliche Debatte 100 Milliarden fürs Militär freigegeben werden, die wir in der Care-Infrastruktur und als Mittel gegen die Klimakatastrophe dringend bräuchten.

Bericht vom Netzwerktreffen Care Revolution – Frühling 2022

Am 2.4. hatten wir unser halbjährliches überregionales Netzwerktreffen. Im Vorbereitungsteam gab es zu Beginn der Planung des Treffens durchaus Bedenken, wie viele Personen sich beteiligen würden. Schließlich ist nach gut zwei Jahren Pandemie die Erfahrung, dass die Lust auf Online-Treffen wirklich nachlässt. Letztlich waren wir aber von 9:30 bis 15:15 Uhr immer um die 25 Teilnehmer*innen, mit leichter Fluktuation. Ein großer Vorteil der Online-Treffen ist dabei, dass Aktive aus wirklich vielen (13!) verschiedenen Städten zusammenkommen und auch die Hürde für Interessierte nicht so groß ist, die mal ins Netzwerk hineinschnuppern wollen, aber keine Regionalgruppe in ihrer Stadt haben.

Wie üblich koppelten wir Vorstellung der Teilnehmer*innen mit Berichten aus den jeweiligen Städten. Vieles, was berichtet wurde, könnt ihr auf dieser Website nachlesen. Aber es kam auch wieder zum Vorschein, wie viel in den Gruppen im Netzwerk passiert, was unbekannt bleibt, wenn es nicht an die Website geschickt wird. Beispiele: Die Dortmunder Initiative für Bürger*innenräte, eine Initiative für einen Tarifvertrag zur Entlastung des Pflegepersonals in sechs nordrhein-westfälischen Krankenhäusern, eine Veranstaltung der Heidelberger Regionalgruppe zu Rassismus-Erfahrungen von Pfleger*innen, eine in Berlin geplante Care-Konferenz im Mai. Dabei die Bitte an alle: Berichtet, was ihr macht! Und auch an die Kooperationspartner*innen des Netzwerks: Schickt uns Berichte über das, was ihr tut und was im Care Revolution-Kontext relevant ist!

Eine zentrale Position beim Treffen hatte der Input von Barbara Fried (Rosa-Luxemburg-Stiftung) zum Thema „Von einer sorglosen zu einer sorgenden Community. Care-Infrastruktur in die Hände der Gesellschaft.“ Ihre Kernaussage: Eine Vergesellschaftung von Care-Einrichtungen bedeutet nicht nur, renditeorientierte Unternehmen aus diesem Bereich zu verdrängen oder zu enteignen und in Selbstorganisation aufgebaute Care-Infrastrukturen zu fördern. Darüber hinaus sind lokale demokratische Entscheidungsgremien – Care-Räte – erforderlich, damit alle Betroffenen mitentscheiden können. So lassen sich  die Interessen von Care-Beschäftigten und von Menschen in häuslichen Care-Situationen oder die Wünsche nach neu gestalteten Sorgebeziehungen verbinden. Beispiele für solche Projekte finden sich etwa in Barcelona oder Madrid. Barbaras Ideen finden sich in einem mit Alex Wischnewski verfassten Aufsatz.

Nach der Pause ging es in Arbeitsgruppen weiter um dieses Thema, aber auch um den öffentlichen Auftritt des Netzwerks, die Verbindungen von unentlohnter Arbeit und Klima sowie die Bedeutung von Utopien für Care-Aktive. Anschließend besprachen wir verschiedene Wege, die sich eröffnen, um die Care Revolution-Tätigkeit durch finanzielle Unterstützung zu erleichtern und zu verstetigen. Unter anderem wurden wir durch die taz gefördert. Näheres findet ihr hier.

Und noch ganz wichtig zum Vormerken: Das nächste Netzwerktreffen wird am 19.11.22 stattfinden. Sowohl die Begrenzung auf einen – gut gefüllten – Tag als auch das Online-Format haben sich bewährt. Wir freuen uns, wenn ihr wieder oder erstmals dabei seid!

Gegen Rassismus und für Vielfalt in der Pflege – Veranstaltung in Heidelberg

Care Revolution Rhein Neckar hat im Rahmen der Internationalen Woche gegen Rassismus das Thema Rassismus in der Pflege aufgegriffen und konnte Sun-Young Yang-Scharf für einen Vortrag mit Austausch für den 25.03. gewinnen.

Am 25.03. fand diese Veranstaltung statt unter dem provokanten Thema: „…aber ich suche doch eine RICHTIGE Krankenschwester!“

Sun Young Yang-Scharf ist gebürtige Südkoreanerin und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Sie war u.a. Leitung einer Station in einem Krankenhaus und leitet aktuell einen Stützpunkt im Bereich ambulante Palliativversorgung /Ambulanter Hospiz- und Palliativberatungsdienst.

Frau Yang-Scharf berichtete eindrücklich vom subtilen und strukturellen Rassismus, der im Gesundheitswesen tagtäglich erlebt wird und erörterte Strategien dagegen. Sie kämpft seit Jahren mit Vorträgen bei Fachveranstaltungen und mit Beiträgen in Fachzeitschriften sowie Fortbildungsveranstaltungen gegen Rassismus und für Vielfalt in der Pflege. Sie ermutigt Kolleg*innen, sich zur Wehr zu setzen und unterstützt Geschäftsleitungen/Vorgesetzte, entsprechende Strukturen zu schaffen.

Weiteres könnt Ihr hier nachlesen.

Klimastreikdemo in Freiburg am 25.3.22

Am 25.3. nahmen in Freiburg erfreulich viele Menschen in Freiburg an der Klimastreik-Demonstration bei, die Fridays for Future veranstaltete. Die Veranstalter*innen zählten 8.000 Teilnehmer*innen, die Polizei 5.000. Auch diesmal haben wir uns als ‚Platz für Sorge Freiburg‘ wieder mit unserem Banner beteiligt. Wir waren leider nicht viele, großenteils von Care Revolution, aber auch dem Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen, der Grünen Jugend und den Unabhängigen Frauen Freiburg. So gingen wir zwei Stunden durch die Innenstadt und genossen das Wetter und die Solidarität.

Im Vorfeld hatte Care Revolution Freiburg mit einem Flyer, den wir im Arbeitskreis Care – Klima – Revolution entworfen hatten, für den Klimastreik und den Care-Block aus unserer Perspektive Werbung gemacht. Der Tenor: Es ist das kapitalistische Gesellschaftssystem, das mit seiner Orientierung auf Wachstum, Konkurrenz und Kostenminimierung die Ökosysteme und die – insbesondere unentlohnte – Sorgearbeit rücksichtslos übernutzt. Deshalb machen wir uns auf den Weg, etwas Besseres als dieses Gesellschaftssystem zu finden und setzen dabei auf die Zusammenarbeit von Klimagerechtigkeits- und Care-Bewegung.

Wenn ihr im überregionalen Arbeitskreis Care – Klima – Revolution mitarbeiten wollt, schreibt bitte an: care-klima-revolution@riseup.net

 

Die Waffen nieder! Care Revolution in Frankfurt aktiv

Die Care Revolution-Gruppe aus Frankfurt hat heute erneut gegen Krieg und Gewalt demonstriert. Bereits für den 8. März hatten wir ein Banner gefertigt, um den Kampf der Sozialarbeiter*innen und Erzieher*innen zu unterstützen. Care-Berufe – überhaupt Care-Arbeit, bezahlt oder unbezahlt – muss aufgewertet werden.

Es erscheint fast unmöglich, angemessene Löhne und bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Aber ohne mit der Wimper zu zucken, werden Milliarden für Waffenproduktion locker gemacht. Gewalt ist nicht die Lösung für Gewalt!

Zusammen mit vielen anderen Organisationen sind wir für Abrüsten. Denn Waffen und Krieg bedeuten Austeritätspolitik und Sparen bei den Ärmsten und Verwundbarsten.

Care als ein Themenschwerpunkt in der feministischen Streikwoche in Osnabrück

Das Frauenstreikbündnis Osnabrück hat in Kooperation mit vielen Gruppen und Einzelpersonen dieses Jahr zum 8. März 2022 eine vielfältige Veranstaltungswoche auf die Beine gestellt. Wir als Bloody Maries sind Kooperationspartnerinnen des Netzwerks Care Revolution und freuen uns, dass auch in diesem Jahr das Thema Care als ein Schwerpunkt im Streik eingebracht wurde.

So sind wir am 01. März mit einem Infostand unter dem Motto. „Und wem hältst Du den Rücken frei?“ zum Equal Care Day in der Osnabrücker Innenstadt gestartet. Wir konnten durch unseren bunten Stand mit einem Care-Quiz und weiteren Mitmachaktionen viele Menschen auf das Thema aufmerksam machen, sind auf viel Zuspruch und großes Interesse gestoßen.

Weiter ging es mit dem Vortrag zur „Berliner Krankenhausbewegung – wenn die Hauptstadt unbemerkt streikt“, bei dem eine Streikbeteiligte uns über die Streikdynamiken, die Forderungen, die Verhandlungen und die Erfolge berichtet hat. Jetzt hoffen wir, dass unsere Nachbar*innen in NRW ähnlich erfolgreich sind und senden an dieser Stelle solidarische Grüße!

Am 08. März selbst waren gleich zweimal auf der Straße. Zuerst ging es mit den Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen zum Warnstreik, an dem sich über 100 Beschäftigte beteiligten. Wir wurden eingeladen, einen Redebeitrag zu halten, und freuten uns auch hier, unsere Perspektive auf Care und den Wunsch nach einer bedürfnisorientierten Ökonomie einbringen zu können. Später am Tag sind wir dann raus zur 08.März-Demo. Mit ca. 250 Personen zogen wir durch die Stadt und konnten auch hier mit einem Redebeitrag das Thema Care einbringen.

Empowert und mit vielen neuen Kontakten und Impulsen haben wir den 8. März bei gutem Essen und in gemütlicher Atmosphäre in der Frauenkneipe ausklingen lassen. Nun blicken wir als nächste Aktionen einer Infoveranstaltung der Poliklinik in Leipzig sowie einer Zukunftswerkstatt zum Thema feministische Utopien (23./24.4.) entgegen. Bei Interesse schickt uns gerne eine Mail.

 

8. März 2022 – Frauenkampftag in Heidelberg

Ca. 500 Frauen und Männer zogen bei schönsten Wetter lautstark und bunt durch die Innenstadt Heidelbergs. An drei Kundgebungsorten wurde mit mehr als 10 Redebeiträgen von den unterschiedlichsten Initiativen und Gruppen das diesjährige Hauptthema, sichtbare oder unsichtbare Gewalt gegen Frauen, aufgegriffen.

Wir als Care Revolution Rhein Neckar waren mit Banner, einem Redebeitrag und einem Stand „Carepakete packen – Wo cares?“ mit dabei und froh über vielfältiges Interesse und anregende und guten Gespräche.

Hier könnt Ihr den Redebeitrag nachlesen.

Care Revolution-Netzwerktreffen am 2. April 2022

Unser nächstes überregionales Netzwerktreffen wird am 2.4. stattfinden. Wir treffen uns diesmal nur einen Tag, aber mit üppigem Programm. Die Netzwerktreffen sind die Gelegenheit für uns, zweimal im Jahr über die einzelnen Regionalgruppen und kooperierenden Gruppen und Organisationen hinweg zusammenzukommen, zu diskutieren und Verabredungen zu treffen. Reisen müsst ihr nicht; wie unsere letzten Treffen wird auch dieses wieder online stattfinden. Wir freuen uns auch über alle Menschen, die auf unsere Seite stoßen und bisher noch keinen Bezug zum Netzwerk Care Revolution haben. Das Netzwerktreffen ist eine hervorragende Gelegenheit, uns kennenzulernen.

Bislang ist folgendes Programm geplant. Vorschläge eurerseits sind willkommen!

09:00 – 9:30 Einführung für Neue, Ankommen
09:30 – 9:45 Begrüßung, Vorstellung Programm
09:45 – 10:30 Vorstellungsrunde, Neues aus den Gruppen

10:30 – 10:45 Pause

10:45 – 12:15 Von einer sorglosen zu einer sorgenden Community – Care-Infrastruktur in die Hände der Gesellschaft. Input von Barbara Fried, Diskussion in Kleingruppen und im Plenum

12:15 – 12:45 Pause

12:45 – 13:45 AGs.
Geplant:
– Streikrunde in den Sozial- und Erziehungsdiensten
– Care und Klima
– Ötfentlicher Auftritt des Netzwerks
– Care und Utopie (angefragt)

13:45 – 14:00 Pause

14:00 – 15:00 Verabredungen, Entscheidungen (Ko-Kreis, Finanzen)
15:00 – 15:15 Feedback-Runde

anschließend Klönschnack

Wenn ihr teilnehmen wollt, meldet euch an bei carerevolution-rhein-main@posteo.de (Elfriede aus der Frankfurter/Offenbacher Gruppe koordiniert die Anmeldungen).

Eine frühzeitige Anmeldung erleichtert uns die Planung. Gebt gerne die Einladung auch an Freund*innen, Kolleg*innen, Nachbar*innen, Interessierte weiter, die ihr gerne dabeihaben möchtet.

Mit herzlichen Grüßen aus dem Vorbereitungsteam
Anne, Elfriede und Matthias

Arbeitskreis Care – Klima – Revolution

Angestoßen aus der Freiburger Care Revolution-Gruppe hat sich ein überregionaler Arbeitskreis gegründet, der unser care-politisches Engagement mit der dringenden Notwendigkeit, im Kampf gegen die Klimakatastrophe Fortschritte zu erreichen, verbinden will. Dabei gehen wir davon aus, dass die kapitalistische Produktionsweise, die ohne Konkurrenz und Wachstum nicht auskommen kann, ökologische Kreisläufe ebenso zerstört wie sie Sorgebeziehungen beeinträchtigt. Insbesondere die unentlohnte Sorgearbeit wird wie der Reichtum der nicht-menschlichen Natur als kostenloses, immer vorhandenes, keiner Rücksicht bedürfendes Reservoir missachtet und übernutzt.

Wir sind überzeugt, dass die Sorge füreinander und die Sorge um das Klima zusammengehören und dass wir im Rahmen von Care Revolution Vorschläge erarbeitet haben, die auch im Rahmen der Klimagerechtigkeitsbewegung sinnvoll sind: Verringerung der Erwerbsarbeit, Unterstützung von Sorgebeziehungen durch Ausbau der sozialen Infrastruktur, Demokratisierung und Vergesellschaftung, Förderung eines sorgenden und teilenden Bezugs aufeinander – all dies würde zugleich die Lage von Menschen in Sorgebeziehungen verbessern und zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen beitragen. Den Einladungstext zum Arbeitskreis, der diese Gedanken ausführt, findet ihr hier.

Wir wollen im Arbeitskreis also überlegen, wie wir unsere Care-Themen in die Klimagerechtigkeitsbewegung tragen und wie wir das Thema ‚Klima‘ in unseren care-politischen Überlegungen berücksichtigen. Dabei möchten wir unsere Analysen schärfen, nach hilfreichen Strategien suchen und uns über Aktionsideen austauschen. Als erste Ergebnisse haben wir einen Redetext und einen Flyer erarbeitet, mit denen in den verschiedenen Städten, aus denen Leute am Arbeitskreis beteiligt sind, die Verbindung zwischen Care und Klima herstellen können – das liegt für uns angesichts der zeitlichen Nähe von feministischem Kampftag am 8.März und Klimastreik am 25.3. nahe. Den Flyer findet ihr hier.

Wir freuen uns, wenn der Arbeitskreis noch wächst! Wenn du an einer Mitarbeit interessiert bist, schreibe Gabriele an: winker@tuhh.de

Raus zum 8. März 2022 in Berlin!!


Am 8. März ist internationaler feministischer Kampftag und deswegen wollen wir auf die Straße gehen, unsere Kämpfe vereinen und die Überlastung beenden!! 
Sorgearbeit bzw. Care-Arbeit das bedeutet das Kümmern umeinander, das Pflegen füreinander, für sich und die Gesellschaft ist ein Grundpfeiler unseres Zusammenlebens. Nicht trotz, sondern gerade wegen der Erfahrungen der letzten 2 Jahre möchten wir an diesem Tag deutlich machen:  Eine „Krise“ erleben wir Sorgearbeitenden schon lange, nicht erst seit der Coronapandemie. 
Daher sind wir uns sicher: Wir wollen nicht zurück zur sogenannten „Normalität“!
Denn soziale Missstände und Ung leichheiten waren schon vor der Pandemie präsent und haben sich in den letzten Jahren nur noch mehr verschärft. 
Es ist höchste Zeit für einen Systemwandel, in dem Care und ein gutes Leben für alle im Zentrum stehen statt Profite und der Schutz einzelner Privilegierter! 
Wir sind Pfleger*innen, Auszubildende, Sozialarbeitende, Erzieher*innen, Studierende und Schüler*innen, Aktivist@s, Freund*innen, Mütter, Schwestern und so viel mehr und wollen diese Krisenerfahrungen zum Aufbruch in eine solidarische Gesellschaft nutzen! Lasst uns gemeinsam dafür stark und laut sein! 
Deshalb nehmen wir uns mit vielen weiteren Care-Aktivist@s am 08. März mehr Platz für Sorge, vereinen unsere Kämpfe und gehen gemeinsam auf die Straße!
Kommt am

8.März um 11 Uhr zum Rosa-Luxemburg-Platz weiterlesen

Das Kampagnenjahr 2021 „Platz für Sorge“ im Rückblick

Im Herbst 2020, mitten in der Pandemie, hat das Netzwerk Care Revolution seine Mitstreiter*innen und viele andere Initiativen und Organisationen aufgerufen, vor Ort für einige Stunden Plätze in „Platz für Sorge“ umzubenennen und sich dort mit vielen Care-Beschäftigten, familiären Sorgearbeitenden und auf Sorgearbeit Angewiesenen lautstark für mehr finanzielle und zeitliche Ressourcen einzusetzen. 11 Städte haben sich daran beteiligt, insbesondere, aber nicht nur am 8. März. Zusätzlich gab es in vielen Städten Care-Blocks zum 1. Mai, beim Klimastreik oder innerhalb anderen Demonstrationen. Mit angestoßen durch diese Kampagne haben sich zwei neue Care Revolution-Regionalgruppen in Mittelfranken und für das Gebiet Rhein-Neckar gefunden. Besonders wichtig war es uns, in diesem Jahr neue Care-Aktivist*innen kennenzulernen und mit ihnen gemeinsame Aktionen zu planen und durchzuführen. Zu diesen verschiedenen Aktivitäten innerhalb der Kampagne „Platz für Sorge“ gibt es jetzt eine ausführliche Broschüre, die ihr hier lesen bzw. herunterladen könnt.

Filmporträt über Elfriede Harth und ihr Engagement für die Care Revolution (Film von Simo Slaoui)

Ein wunderbares Filmporträt über Elfriede Harth, Mitglied von Care Revolution Rhein-Main. Aus der Beschreibung des Filmemachers Simo Slaoui:

„Elfriede, meine Schwiegermutter, gehört zu den Menschen, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen. Sie kämpft dafür, unsichtbare Arbeit sichtbar zu machen. Eine Arbeit, die täglich von Millionen von Menschen erledigt wird, die aber noch nicht als solche betrachtet wird, weil sie nicht verkauft wird Eine Arbeit, die unsere heutige Wirtschaftslogik nicht integriert. Diese Arbeit ist jedoch für das reibungslose Funktionieren unserer Gesellschaften unerlässlich und ermöglicht es uns, unsere Menschlichkeit zu bewahren. Die Corona-Krise hat uns gelehrt, dass Solidarität mehr denn je die einzige Hoffnung auf eine gerechtere Welt bleibt. Diese Krise ist auch eine Chance, unser Gesellschaftsmodell zu überdenken und ernsthaft über tragfähigere Alternativen nachzudenken.“

Der Film kann auf deutsch oder französisch kostenlos hier angesehen werden: https://simoslaoui.com/meinedeutscheschwiegermutter

Mit Care-Kämpfen in eine solidarische Gesellschaft

Herzliche Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung des Netzwerk Care Revolution, am 10.11.2021 von 19:00 – 21:00 Uhr via Zoom

Menschen in Sorgebeziehungen sind unter Druck. Ob pflegende Angehörige, Alleinerziehende oder Beschäftigte in Krankenhäusern: Unter den kombinierten Anforderungen von Care-Arbeit in der Familie, Lohnarbeit – auch und gerade in Care-Einrichtungen – und Selbstsorge geraten viele an ihre Grenzen. Es mangelt an Zeit und an Unterstützung, diese wichtigen Arbeiten gut zu tun.
Dass dieser Mangel systembedingt ist, ist nichts Neues. Krankenversorgung ist ein Kostenfaktor, von Care-Konzernen übernommene Pflegeheime dienen der Ausschüttung von Gewinnen, Familienarbeit wird in die kleiner und zerhackter werdende Restzeit neben der Erwerbsarbeit gezwängt, wer weder erwerbsfähig ist noch Geld hat, gilt als Ballast. Deshalb ist klar: Um diese Zustände zu ändern, müssen wir die Gesellschaft verändern, sie sorgsamer und solidarischer machen.
Viele Kämpfe und gelebte Alternativen, auch im Bereich der Sorgebeziehungen, streben in genau diese Richtung. Der erfolgreiche Streik bei der Charité und Vivantes in Berlin, Care-Commons wie Polikliniken und Kommunen sowie erste Schritte zur Zurückdrängung der Lohnarbeitszeit stehen dafür. Sie verweisen zugleich auf Postwachstums-Perspektiven, auf das, was wirklich wichtig ist, und sie stellen in ihren Praxen schon jetzt Solidarität her.
Wir möchten mit Aktivistinnen dieser Bereiche gemeinsam überlegen, wo schon in den gegenwärtigen Kämpfen und Experimenten eine richtungsweisende solidarische Praxis aufscheint und wie sich die verschiedenen Stränge zusammenführen lassen.

Es diskutieren mit:

Silvia Habekost, Krankenpflegerin und Gewerkschafterin, Berliner Krankenhausbewegung
Friederike Habermann, Aktivistin und Autorin, Netzwerk Ökonomischer Wandel
Sophia Wagner, aktiv bei ATTAC, AG ArbeitFairTeilen

Es moderiert: Jette Hausotter, Netzwerk Care Revolution

Die Veranstaltung findet online statt. Für eine Teilnahme bitten wir um Anmeldung unter care-revolution@riseup.net

Mit einer schnellen Anmeldung helft ihr uns beim Planen! Der Link zur Einwahl schicken wir euch vor der Veranstaltung.

Wir freuen uns auf euch!

Die drei Großen Zahlen

Interview in der Reihe Perspektiven von Jette Hausotter

In der AG #CloseEconDataGap haben sich feministische Wissenschaftlerinnen zusammengetan, weil sie die ökonomischen Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern nicht nur aufzeigen, sondern auch beziffern wollen. Im Interview erläutern Ulrike Knobloch, Claire Funke, Ulrike Reiche und Christine Rudolf die Kennziffern, die sie auf ihrer Homepage darstellen, beleuchten die Hintergründe und ziehen politische Schlüsse.

Interview: Jette Hausotter, Care Revolution Berlin

Frage: Ihr habt drei Kennziffern definiert und berechnet, um die ökonomische Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in Deutschland auf den Punkt zu bringen. Stellt diese bitte kurz vor.

Christine Rudolf: Die drei Zahlen zeigen die ökonomische Ungleichheit zwischen Frauen und Männern, die durch die ungleiche Verteilung der unbezahlten und der bezahlten Arbeit zwischen den Geschlechtern entsteht. Die Zahl 380 Mrd. Euro drückt den Gender Overall Earning Gap (GOEG) in absoluten Zahlen aus. So viel verdienen Frauen in einem Jahr in Deutschland weniger als Männer, weil sie sehr viel mehr unbezahlte Arbeiten leisten und deshalb viel weniger einer bezahlten Arbeit nachgehen und weil Frauen für die gleiche bezahlte Arbeit sehr viel weniger Lohn erhalten als Männer (Gender Pay Gap). Frauen arbeiten 60 Mrd. Stunden unbezahlt in Deutschland. In keinem Sektor der bezahlten Wirtschaft wird mehr gearbeitet. Wenn diese Arbeit nach den durchschnittlichen Löhnen in der jeweiligen Tätigkeit bezahlt würde, ergäbe das eine Bruttowertschöpfung von 825 Mrd. Euro und damit mehr als Bund, Länder und Gemeinden in einem Jahr ausgeben.

Frage: Die Zahlen wirken beeindruckend hoch. Es geht um riesige Mengen Geld, die Frauen weniger haben als Männer, und um riesige Mengen Zeit, die Frauen mehr unentlohnt arbeiten als Männer. Ihr wollt aber mit der Initiative nicht einfach alarmieren, sondern ihr wollt strukturelle Zusammenhänge und Ursachen aufzeigen. Worum geht es euch hierbei? weiterlesen

Care-Block auf Freiburger Klimastreik-Demo

 

Platz für Sorge Freiburg war mit einem Care-Block bei der von Fridays for Future organisierten Klimastreik-Demo am 24.9.21 vertreten. Diese Demonstration war mit ca. 12.000 Teilnehmer*innen ein voller Erfolg. Der Care-Block, der überwiegend durch Aktivist*innen vom Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen und von Care Revolution getragen wurde, war zwar eher klein, aber unsere Botschaft haben wir mit Transparenten, Plakaten und einem eigenen Flyer verbreiten können: Das Leben in einer erhitzten Welt, in der Menschen zunehmend die Lebensgrundlage entzogen wird, macht die Sorge umeinander immer weniger möglich. Eine Gesellschaft, in deren Zentrum eben diese Sorge umeinander steht, wird dagegen mit einer radikalen Senkung der Treibhausgas-Emissionen viel eher vereinbar sein als eine auf Kapitalverwertung, Wachstum und individualisierten Konsum ausgerichtete Ökonomie. Deshalb haben Care- und Klima-Kämpfe letztlich den gleichen gesellschaftlichen Wandel zum Ziel und wir werden versuchen, in Zukunft regelmäßig gemeinsam aufzutreten. Den Flyer von Platz für Sorge Freiburg findet ihr hier.

 

Berliner „Platz für Sorge“ am 12.09.2021

Am Sonntag, den 12.9.2021, machten wir den Neuköllner Karl-Marx-Platz aka Jenny-Marx-Platz von 14 – 18 Uhr zum Berliner Platz für Sorge


Denn:
Wir fordern mehr PLATZ FÜR SORGE !!
Eine an menschlichen Bedürfnissen orientierte Care-Arbeit gehört ins Zentrum unserer Gesellschaft!

Es war ein abwechslungsreicher und bunter Nachmittag mit Redebeiträgen, Musik, Mitmachaktionen, Ausstellungen, Kinderprogramm, Austauschrunden, Lesung, Infotisch, feministischer Akrobatik-Performance und sogar einem Quiz!

Mit dabei waren: AK Mutterschaft & Feminismus // Feminist*Dialogues // Care Revolution Berlin // Gesundheits-AG der Interventionistischen Linke Berlin // f*akt // 4-Stunden-Liga Berlin // Geburtshaus Maja // Netzwerk gegen Feminizide // Berliner Krankenhausbewegung // Kampagne Freie Träger Faire Löhne // Feminist Pursuits // GuTSo Gewerkschaft für unbezahlte Tätigkeiten & Sorge // Xilian Aerial Arts // Netzwerk Pflegende Angehörige // Gesundheit statt Profite // Deutsche Wohnen&Co enteignen // SWAG SexWorkerActionGroup // profem030 // Walk of Care

Unseren Aufruf zum Platz für Sorge findet ihr hier.

Kundgebung für mehr Personal in Thüringer Kitas vor dem Landtag in Erfurt

Am 9. September fand im Rahmen einer Petitionsanhörung eine Kundgebung vor dem Landtag in Erfurt statt. Getragen wurde diese Aktion vor allem von  Mitgliedern der Arbeitsgruppe Unbezahlte / bezahlte Sorgearbeit des Frauen*streik Jena sowie von weiteren motivierten und engagierten Menschen aus und rund um Jena.

Im Sommer letzten Jahres erarbeitete eine Arbeitsgruppe die Petition für „Mehr Personal und finanzielle Mittel in Thüringer Kitas“. Ziel der Petition  war und ist eine grundlegende Verbesserung der Bedingungen in Kindertagesstätten. Die Petition verbindet die Anliegen und Interessen der Eltern und Pädagog*innen, die sich in den Kitas aufgrund der Arbeits- und Betreuungssituation oft gegenüberstehen.

Zu Beginn der Anhörung wurde performativ die untragbare Situation in Kitas deutlich gemacht: Personal gefangen in einem Käfig aus Wäscheständern, immer lauter werdendes Kindergeschrei je mehr Kinder der*die Pädagoge*in betreuen muss, Überforderung. Die Reaktionen der Zuhörenden waren unterschiedlich, aber die Probleme und die Anliegen der Petentinnen wurden deutlich. Es folgte eine Vorstellung der Petition, des Frauen*streik sowie Redebeiträge aus drei unterschiedlichen Perspektiven. Aktivist*innen, Eltern und Pädagog*innen sprachen gemeinsam über ihre Erfahrungen mit fehlendem Personal und fehlenden finanziellen Mitteln. Im Anschluss an die Anhörung folgte eine Diskussionsrunde, in der v.a. auch die Parteien bzw. die anwesenden Abgeordneten ihre Programme und Anliegen vor- und klarstellten, die Petentinnen aber auch nach ihren Wünschen und konkreten Ideen fragten.

Während der Anhörung im Plenarsaal, fand vor dem Saal eine Kundgebung / Platzbesetzung statt. Diese wurde von weiteren Personen der AG sowie Unterstützer*innen angemeldet und diente zur Vernetzung vor dem Landtag, zur Sichtbarmachung der Anliegen der Petition und zur Unterstützung der Petentinnen.

Wir haben uns Platz für Sorge und Sorgearbeitsthemen genommen: Es gab eine Wäscheleine mit Zitaten der Menschen, die die Petition mitunterzeichnet hatten, Banner, Musik, Kaffee und Kekse sowie Infomaterial des Frauen*streik. Als die Anhörung anfing, wurde der Livestream des Landtags von uns nach außen übertragen, um das Geschehen im Inneren auch für Teilnehmende der Kundgebung sowie Passant*innen zugänglich zu machen.

Soziale Bewegungen für den Aufbau öffentlicher Care-Systeme in Lateinamerika

Beitrag in der Reihe Perspektiven von Jana Vasil’eva

Jana Vasil’eva ist Gründerin des Care Netzwerks in Mexiko und aktives Mitglied von Yo Cuido México, das sich aus Organisationen, Gruppen, feministischen Aktivist*innen, Care Arbeitenden, Akademiker*innen zusammensetzt, die daran interessiert sind, eine Agenda für soziale Gerechtigkeit aufzubauen, die Care in ihren Mittelpunkt stellt.

Wenn du mehr über die Politisierung von Care in Mexiko erfahren willst, laden wir dich dazu ein, hier reinzuschauen: 24/7. De la reflexión. la acción, por un Mexico que Cuida (PDF, spanisch)

Foto: Taller de diseño Traficantes de Sueños. Publiziert unter Creative Commons Lizenz von ONU Mujeres/Allison J. Petrozziello

Lateinamerika ist eine Region, die von starker sozialer Ungleichheit geprägt ist. Die Ungleichheit hat viele Gesichter: den Reichtum einiger sehr weniger gegenüber der Armut der vielen, fehlende Bildungschancen – denn Bildung ist teuer in Lateinamerika -, unzureichende und fragmentierte Gesundheitssysteme und nicht vorhandene soziale Sicherungssysteme. Hinzu kommen Rassismus, Gewalt, insbesondere gegen Frauen, Indigene, Afrolatinas/os oder Angehörige sexueller Minderheiten sowie ein hohes Maß an Kriminalität. Starke  Migrationsbewegungen aus Zentralamerika und Mexiko in Richtung USA und aus Venezuela in Richtung Kolumbien, Chile oder Peru sind nicht zuletzt eine Folge der vielfältigen sozialen Probleme, welche die Lebensverhältnisse weiter Bevölkerungsteile beeinträchtigen.

Die Coronavirus-Pandemie hat auf beispiellose Weise die soziale Unsichtbarkeit der Sorgearbeit in den Volkswirtschaften der lateinamerikanischen Region deutlich gemacht und die Prekarität der bezahlten Care-Arbeitenden, sowie die zentrale Bedeutung der unbezahlten Care-Arbeit, aufgezeigt. So verstärken sich die sozialen und öffentlichen Debatten um das Recht auf Care. Zugleich erfordert die Bekämpfung der Ungleichheit zwangsläufig, sich mit einer der grundlegenden und gleichzeitig unsichtbarsten Säulen der Gesellschaft zu befassen: der Care-Ökonomie.

Hier sind derzeit interessante Entwicklungen zu beobachten, denn die Region ist auch der Vorreiter des Globalen Südens im Unterfangen, öffentliche Care-Systeme einzuführen. Der Ansatz im Aufbau der Care-Systeme besteht darin, ein aufeinander abgestimmtes Angebot von Care-Dienstleistungen und Infrastruktur zu erschaffen sowie gesellschaftliche Zeit für Care einzuräumen. Die langfristige Vision ist die Errichtung von universell zugänglichen sozialen Existenzsicherungssystemen. 2015 hat Uruguay hierfür den Grundstein gelegt und viele Länder sind dabei, nachzuziehen: So wird derzeit in Argentinien, Kolumbien und Mexiko analysiert und diskutiert, wie solche Systeme im Kontext dieser deutlich bevölkerungsreichen Länder und komplex gestalteten Volkswirtschaften eingeführt werden könnten.

Politisierung von Care in Mexiko

In Mexiko wird Care nicht als Recht anerkannt. Laut dem statistischen Bundesamt wendet die Bevölkerung ab 12 Jahren die Hälfte ihrer Gesamtarbeitszeit für unbezahlte Arbeit auf, d. h. 2.796 Millionen Stunden pro Woche. Die Personen, die diese Arbeit ausführen, bekommen kein Gehalt für diese Arbeit, sie haben keine Arbeitsrechte oder soziale Absicherung, sie erhalten keine Ausbildung,  weder ihre körperliche, geistige und seelische Gesundheit noch genügend Ruhe und Zeit für Muße sind ihnen als Recht zugestanden. Drei Viertel der Arbeitszeit, die im Land für diese Aufgaben aufgewendet werden, werden von Frauen, Mädchen und Jugendlichen geleistet; noch mehr, wenn sie in prekären Lebensverhältnissen leben.  Eine Bewegung aus Aktivist*innen, Politiker*innen, Akademiker*innen und Kollektiven bringt Care-Themen in die öffentliche und politische Debatte ein.  Sie hat erreicht, dass in der Verfassung von Mexiko-Stadt im Jahr 2018 das Recht auf Care und Zeit festgeschrieben wurde. Dieser historische Schritt ermutigte eine breiter aufgestellte Bewegung „für ein Mexiko, das sorgt“ (span.: „Por un México que cuide“). 2019 konsolidierte sich das Kollektiv Yo Cuido México, das unbezahlte Care Arbeiter*innen aus verschiedenen Bundesstaaten der Republik zusammenbringt. Dieses Kollektiv ist Teil einer überregionalen Bewegung mit Präsenz in Chile und Peru. Der 10. November 2019 wurde zu einem historischen Tag im Kampf um das Recht auf Care. An diesem Tag organisierten Hunderte von Menschen in verschiedenen Städten dieser Länder Demos, um ihre politischen Stimmen zu erheben und die Sorgearbeit sichtbar zu machen sowie ihr Recht auf ein gutes Leben einzufordern. Seitdem sind wichtige Errungenschaften hinzugekommen: Im Fall Mexikos bildete sich im Dezember 2019 die Koalition für das Recht auf Sorge in Würde und auf eigene Zeit ( span.: „Coalición por el Derecho al Cuidado Digno y Tiempo Propio“), ein Bündnis von Care-Arbeitenden, Aktivist*innen, Feminist*innen, Wissenschaftler*innen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, um eine Reform der nationalen Verfassung anzustoßen. Am 18. November 2020 stimmte das Parlament einstimmig der Reformierung des vierten und 73. Artikels der Politischen Verfassung der Vereinigten Mexikanischen Staaten zu, um das Recht auf Care und eigene Zeit verfassungsrechtlich wirksam zu machen und die Schaffung eines

Nationalen Care-Systems weiterlesen

Platz für Sorge in der Osnabrücker Innenstadt

Im August hat die Kampagne „Platz für Sorge“ in Osnabrück den Adolf-Reichwein-Platz kurzzeitig in den Platz für Sorge umbenannt. Der Adolf-Reichwein-Platz ist einer der wenigen Orte in Osnabrück, in der die Bedürfnisse von Menschen, die Kinder erziehen, beachtet werden. Sorgetätigkeiten werden in der Regel und größtenteils in Gesellschaft und Familie von Frauen wahrgenommen. Diese Sorgearbeit wie Putzen, Erziehen, Kochen und Pflegen sind in aller Regel unsichtbar. Sie finden hinter verschlossenen Türen statt. Am Adolf-Reichwein-Platz herrscht aber zumindest zu einem gewissen Grad „Platz für Sorge“- mitten in der Osnabrücker Innenstadt: Umringt von Cafés und Kneipen, fußläufig zu verschiedenen Geschäften, liegt dort ein Spielplatz. Oft sieht man dort junge Familien, die einfach eine gute Zeit genießen; dort können Mütter einmal die Kinder versorgen, ohne in Wohngebiets-Spielplätzen oder der heimischen Wohnung isoliert zu sein. weiterlesen

Care Ökonomie statt Kapitalismus – Platz für Sorge in Bielefeld

Am 15.8.21 fand auf dem Kesselbrink, einem zentralen Platz in Bielefeld, draußen bei schönem Sonnenwetter eine Veranstaltung mit unterschiedlichen Gesprächstischen statt. Nach einer Begrüßung der Anwesenden durch Care Revolution Bielefeld trafen sich mehrere Arbeitsgruppen.

In der AG „Unbezahlte Arbeit“ wurde nach einer kurzen Vorstellungsrunde vor allem die mangelnde Zeit für sorgende bzw. pflegende Menschen beklagt, die verhindert, sich zu organisieren und gemeinsame Forderungen zu stellen oder bessere Arbeitsbedingungen zu entwickeln. Durch die Doppel- oder Dreifachbelastung von Sorgearbeit leistenden Menschen sind die Kapazitäten dieser Personen einfach ausgeschöpft.

Eine Entlastung dieser Arbeit durch Bezahlung oder Ausgleich durch Freizeit vom Beruf wurde hier als helfend angesehen. Grundsätzlich sollte sich die gesellschaftliche Anerkennung für diese Arbeit verändern. Neben einem politischen Kampf wurde auch als notwendig angesehen, Alternativen zum Bestehenden zu denken und umzusetzen. Das wären Strukturen wie Wohngemeinschaften/ Hausgemeinschaften; Interessengruppen, die sich in der Sorge um alte Eltern unterstützen; Volxküchen.

In der Gruppe „Care und Migration“ ging es vor allem um die zu verbessernde Situation von Geflüchteten. Sie forderten mehr Zeit, um die Sprache lernen zu können, eine Unterbringung in Wohnungen statt Heimen und eine schnellere Möglichkeit, berufstätig zu sein. Ein wesentliches Problem war auch die fehlende Unterstützung in bürokratischen Situationen durch Dolmetscher*innen. Diese Arbeit wird oft von minderjährigen Familienangehörigen übernommen, eine Situation, die wegen der Schilderung von Traumata während der Flucht oder im Heimatland völlig unzumutbar ist.

Obwohl die Beteiligung durch die Bevölkerung nicht so groß war, wie wir gehofft hatten, es waren ca. 30 Menschen da, waren alle Arbeitsgruppen sehr zufrieden mit dieser Form des gemeinsamen Diskutierens und Austauschens.

 

 

 

 

 

 

Neues Regionalgruppe Rhein-Neckar in Baden-Württemberg gegründet

Ausgangspunkt dieser neuen Care Revolution Gruppe ist die Analyse, dass viele Menschen bei den Anforderungen von Beruf, Haushalt und Familie an ihre Grenzen geraten. Insbesondere für Menschen mit Sorgeverpflichtungen für Kinder und unterstützungsbedürftige Erwachsene kommt es zu enormen zeitlichen und körperlichen Überlastungen und/oder finanziell bedingten Existenzunsicherheiten. Vor allem betrifft dies nach wie vor Frauen.

Vor diesem Hintergrund ist es für die Gruppe nicht überraschend, dass die Auswirkungen der Corona-Krise die Krise im gesamten Care-Bereich verschärft, die im Erziehungs-, Pflege- und Gesundheitsbereich, in Sozialer Arbeit und auch im Familienalltag schon lange vor der Pandemie bekannt gewesen ist.  Das Ausmaß der Krise zeigt sich erst, wenn alle Care-Bereiche, bezahlt und unbezahlt, zusammen gedacht werden.

Vor diesem Hintergrund hat SolidarityCity, die Gewerkschaft ver.di, das Feministische Bündnis Heidelberg und der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt in einem 1. Schritt am 18.  Mai 2021 Gabriele Winker zu einer Impulsveranstaltung eingeladen, mit dem Ziel, eine breite Diskussion anzustoßen und ein Netzwerk zu bilden.

In einem zweiten Schritt beschäftigte sich die Gruppe in einer Veranstaltung am 5. Juli 2021 mit der Frage, wer eigentlich unsere Angehörigen pflegt und beschäftigten sich mit der Situation von Pflegenden in Deutschland aus Ost- und Südosteuropa. Sie haben dazu  Renate Zäckel, Geschäftsführerin des Projekts Faire Mobilität Mannheim, zu einem Bericht und Gespräch eingeladen.

Begleitend zu diesen Aktivitäten haben sich die beteiligten Initiativen zu Care Revolution Rhein-Neckar zusammengeschlossen, in der Menschen aus Heidelberg und Mannheim zusammenarbeiten.

Interessierte aus dem Gebiet Rhein-Neckar melden sich bitte hier.

Neue Care Revolution Gruppe in Mittelfranken

Care Revolution Mittelfranken ist die erste Care Revolution Gruppe in Bayern!  Deren Gründung geht von den Erlanger Care-Aktivist*innen aus, die bereits am 8. März im Rahmen der Kampagne „Platz für Sorge“ eine gut besuchte Kundgebung organisiert haben und die sich regelmäßig an der bundesweiten Vernetzung zur Kampagne „Platz für Sorge“ beteiligen. Sie wollen in der Zukunft auch Fürther und Nürnberger Engagierte einbeziehen, deswegen der Name Mittelfranken. Hier könnt Ihr die eigene Vorstellung der Gruppe nachlesen. Falls Ihr in Mittelfranken wohnt und Kontakt aufnehmen wollt, findet Ihr hier ihre E-Mail-Adresse.

Wochenmarkt in Osnabrück – ein Platz für Sorge

Am 16. Juli hat die Kampagne „Platz für Sorge“ dem Wochenmarkt am Riedenbach in Osnabrück einen Besuch abgestattet. Wir haben auch an diesem Platz klar gezeigt, dass es mehr Platz für Sorge braucht. Wir haben den Platz symbolisch umbenannt und konnten viele Gespräche führen. Auch waren wir an der nahen Tagesstätte, um Frauen mit Kindern und den Sorgearbeiter*innen unsere Solidarität zu signalisieren und über unsere Aktion aufzuklären. weiterlesen

Systemwechsel im Gesundsheitswesen! Kundgebung in Freiburg am 16.06.21

Am 16. Juni 2021 veranstaltete das Freiburger Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen (https://sol-ges.de) eine Kundgebung mit über 100 Teilnehmer_innen anlässlich der Gesundheitsminister_innen-Konferenz an diesem Tag. Auch Care Revolution Freiburg, ohnehin am Gesundheitsnetzwerk beteiligt, und ver.di beteiligten sich an der Aktion. In mehreren Redebeiträgen wurde protestiert gegen ein Gesundheitssystem, das auf die Erzielung von Profiten ausgerichtet ist, gegen immer schlechtere Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung in der Pflege und anderen Berufsgruppen, die eine gute Behandlung der Kranken und Pflegebedürftigen unmöglich machen. Ein Systemwechsel im Gesundheitssystem wurde gefordert, um das Gesundheitswesen nicht mehr am Ziel der Profite auszurichten, sondern an den Bedürfnissen der Kranken und an guten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.

Sorgearbeit fair teilen – oder Sorgekrise überwinden?

Beitrag in der Reihe Perspektiven von Elfriede Harth (Care Revolution Rhein-Main)

(Gespiegelt aus dem Blog ‚beziehungsweise – weiterdenken‘: https://www.bzw-weiterdenken.de/impressum/ )

Illustration: Elfriede Harth

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Jugend und Frauen haben 14 Verbände während der ersten Welle der Corona-Pandemie ein Bündnis gegründet, das sich zum Ziel gesetzt hat, „die Sorgelücke zwischen Frauen und Männern zu schließen“. Träger ist der Deutsche Frauenrat.

Zum 28. Mai 2021 – während der dritten Pandemie-Welle – gab das Bündnis eine Pressemeldung heraus unter dem Titel: „Corona-Krise: Wir brauchen einen Aufbruch zu mehr Geschlechtergerechtigkeit!“ Es wird der Internationale Aktionstag für Frauengesundheit, der 28. Mai, zum Anlass genommen, zu beklagen, dass die Pandemie die Gesundheit von Frauen besonders gefährdet bzw. angegriffen habe. Und als Grund dafür wird die Verschärfung der Zweifach- und Dreifachbelastung von Frauen durch die Corona-Krise gesehen.

Schon vor der Pandemie litten Frauen unter Zwei- und Dreifachbelastung.  Denn Frauen müssen, wie es auch von Männern erwartet wird und bei diesen die Regel ist, zuallererst für ihren Lebensunterhalt und ihre finanzielle Absicherung im Alter eine Erwerbstätigkeit ausüben. Neben dieser existenziellen Notwendigkeit obliegt es den Frauen vielfach zusätzlich noch, den Haushalt zu führen, also eine zweite Arbeitsschicht zu bewältigen, und sich im Falle einer Mutterschaft um Kinder zu kümmern, was zu einer dritten Arbeitsschicht führt. Statt Kinder – manchmal auch noch zusätzlich zu Kindern – können es auch Kranke und Pflegebedürftige sein, die daheim gepflegt werden (müssen). Nur eine Minderheit der Frauen mit hohem Einkommen kann diese zweite und dritte Arbeitsschicht delegieren. Und zwar häufig an eine andere Frau, die meistens dann einen migrantischem Hintergrund hat.

Leben Frauen in einer Ehe oder Partnerschaft, wird die zweite und dritte Arbeitsschicht zwar zum Teil unter beiden Partner:innen aufgeteilt, aber immer noch selten zu gleichen Teilen. Männer sind generell öfter bereit, mehr Zeit in die Erwerbsarbeitsschicht zu stecken als Frauen. Wird Frauen die Zweifach- oder Dreifachbelastung zu schwer, entscheiden sie sich dann eher als Männer dafür, ihre erste Arbeitsschicht zugunsten der zweiten und dritten zu verringern oder gar ganz aufzugeben. Das führt zu finanziellen Einbußen, da nur die erste Arbeitsschicht, nämlich die Erwerbsarbeitsschicht, entlohnt wird. Die anderen beiden Tätigkeiten werden weitgehend als rein private Angelegenheit betrachtet.

Geld verdienen, um Miete und Brot zu bezahlen, müssen alle. Aber ist nicht jede:r frei, sich dafür oder dagegen zu entscheiden, sich „Kinder anzuschaffen“ oder Angehörige zu pflegen?

Die Antwort ist: leider nein! Wenn nicht schon durch Brauch und Moral, so ist der Generationenvertrag klar in unserer Gesetzgebung verankert. Eltern – und zuallererst die Person, die ein Kind gebiert – tragen die volle Verantwortung für ihr Kind (Art. 6 GG, art. 27 UN Kinderrechtskonvention). Aber auch die Verantwortung von erwachsenen Kinder ihren alten Eltern gegenüber ist als Pflicht genau gesetzlich geregelt (§ 1601 ff BGB).

Es ist also nur eine logische Schlussfolgerung, dass Frauenrechtsorganisationen jetzt, wo die Gesundheit vieler Frauen wegen einer akuten Verschärfung der Zwei- bzw. Dreifachbelastung in unserer (neoliberalen) Gesellschaft gefährdet oder beeinträchtigt wurde, von der Politik fordern, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Frauen entlasten.

Die Forderungen, die nun das Bündnis „Sorgearbeit fair teilen“ am Internationalen Aktionstag Frauengesundheit stellt, sind jedoch schlicht enttäuschend. Was als Problem im Privatleben von Menschen diagnostiziert wird, soll privat von den Betroffenen und auf deren Kosten gelöst werden. Es sollen Männer einen „fairen Teil“ der (unbezahlten) zweiten und dritten Arbeitsschicht übernehmen, damit Frauen sich stressfreier der ersten Arbeitsschicht widmen können. Damit sie so „berufliche Entfaltung“ erfahren. Die Preisfrage, die sich stellt, ist: Wie soll die Politik Männer dazu bekommen, diese ihrer eigenen beruflichen Entfaltung im Weg stehenden Tätigkeiten zu übernehmen?

(Zwischenfrage: Warum nur gründen Menschen Familien und warum bekommen Menschen Kinder, wenn alles damit Verbundene belastet und anscheinend kein Terrain für persönliche Entfaltung bietet? Wenn es dagegen nur die berufliche Entfaltung behindert?)

Was sind also die konkreten Vorschläge des Bündnisses?

Erstens: Eine Steuerreform, nämlich die Abschaffung des Ehegattensplittings. Dadurch sollen verheiratete Frauen davon abgehalten werden, auf eine mögliche „berufliche Entfaltung“ in einer Erwerbstätigkeit zu verzichten, und sich legitim weigern können, Zeit in die anderen – als problematisch betrachteten – zwei Schichten zu stecken.

Allerdings: Für unverheiratete Frauen greift das Ehegattensplitting nicht. Und auch für Menschen und Haushalte, die aufgrund von Armut keine Einkommensteuern zahlen (Hartz IV-Empfänger:innen zum Beispiel) ist eine solche Reform irrelevant. Sie erhalten ja auch kein Kindergeld, kein Elterngeld und – sollte es denn mal eingeführt werden – vermutlich auch kein Pflegegeld. Diese Menschen werden, auch wenn sie unbezahlt gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten erbringen und sich etwa um Kinder oder Pflegebedürftige kümmern, als Sozialschmarotzer:innen betrachtet, die auf Kosten der Erwerbstätigen leben.

Zweitens: Es sollen Männer, ganz gleichgültig über welches Erwerbseinkommen sie verfügen, ihre Erwerbsarbeitszeit (und somit ihr Einkommen) verringern, damit sie mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit haben. Sollen also Männer genau das tun, wovon Frauen dringend abgeraten wird? Nämlich Teilzeit arbeiten, obwohl damit Altersarmut vorprogrammiert ist? Zumal Teilzeit eher in weniger gut vergüteten Berufen möglich ist.

Woher der Mann kommen soll, mit dem Alleinerziehende die unterschiedlichen Formen von Arbeit teilen sollen, bleibt ebenfalls ein Rätsel.

Klatschen reicht nicht – Care Revolution am Tag der Pflegenden in Leipzig

Am Tag der Pflegenden war die Regionalgruppe Care Revolution Leipzig in der Stadt unterwegs, um ein solidarisches Gesundheitssystem zu fordern.

Zunächst haben wir gemeinsam mit anderen Gruppen (kritmeds leipzig, Feministisches Streikbündnis, Poliklinik Leipzig, SDS Leipzig und Prisma Leipzig) einen Soli-Stand vor der Uniklinik Leipzig veranstaltet.

Hier könnt ihr mehr lesen und sehen:

Tag der Pflege am Universitätsklinikum Leipzig

Danach haben wir auf einer Kundgebung der Linken unter dem Motto „Jetzt reden wir“ einen Redebeitrag zu Situation in der häuslichen Pflege vorgetragen, den ihr hier nachlesen könnt.

Ein Transparent mit der Aufschrift "Gesundheit ist keine Ware" im Regen

Schließlich haben wir noch ein kurzes Interview im radioblau gegeben und unsere Kritik am aktuellen Gesundheitssystem sowie unsere Ideen für eine echte Aufwertung von Sorge-Arbeit geteilt.

Walk of Care am 12. Mai in Berlin

Aufgrund der Pandemie fanden in Berlin am diesjährigen 12. Mai, dem internationalen „Tag der Pflege“, an mehreren Orten dezentrale Aktionen statt, die von einem Demonstrationszug des „Walk of Care“  miteinander verbunden wurden, welcher sich via Live-Stream übertragen mitsamt einiger Krankenhausbetten durch Berlin-Mitte schob. Eine dieser Aktionen war ein von ver.di veranstalteter Protest vor dem Roten Rathaus, an dem wir lautstark mit einigen Mitgliedern des Berliner „Platz für Sorge“-Bündnisses teilnahmen und uns so mit der Berliner Krankenhausbewegung solidarisierten und vernetzten.

Die Kundgebung am Neptunbrunnen war nach vorheriger Anmeldung mit 1.000 Vivantes- und Charité-Mitarbeitenden aus diversen Arbeitsbereichen und Stationen sowie Gewerkschafter*innen und zahlreichen Unterstützer*innen ausgebucht. Die Stimmung war gut, kämpferisch und sehr gemeinschaftsstiftend. Teil des Protests war die Übergabe einer Petition an den Berliner Senat, die bereits von 8.397 Beschäftigten der Berliner Landeskliniken unterzeichnet wurde und mehr Personal durch verbindliche Vorgaben zur Personalbesetzung und einem Belastungsausgleich bei Unterbesetzung sowie faire Löhne und TVöD für alle (!) Beschäftigten fordert. In den emotionalen Redebeiträgen wurde eins immer wieder klar: Die aktuellen Umstände in der Pflege sind untragbar. Es mangelt an Zeit, Anerkennung und Personal – und das seit Jahren. Die Ausrichtung des Gesundheitssystems auf Profite statt auf menschliche Bedürfnisse und auf dem Rücken der Beschäftigten und zum Leidwesen dieser sowie der Patient*innen muss ein Ende haben! Der Protest war gleichzeitig auch der Start eines 100-Tage-Ultimatums: Sollten der Berliner Senat und die Klinikleitungen nicht reagieren, folgt ein Streik – und das wenige Wochen vor der Bundestagswahl und den Berliner Abgeordnetenhauswahlen. Der Sommer wird politisch heiß werden – denn wie Florence Nightingale, die Begründerin der Krankenpflege, einst sagte: „Gäbe es niemanden, der unzufrieden wäre mit dem, was er hat, würde die Welt niemals besser werden.“

Nach diesem Protest zogen wir mit unseren Transparenten, auf denen unter anderem „Patriarchat & Kapitalismus ent-sorgen“ großflächig zu lesen war, um 17 Uhr weiter zur Abschlusskundgebung des „Walk of Care“ am Alexanderplatz. Auch hier wurden wir herzlich begrüßt und durften einen Redebeitrag beisteuern, um nicht nur bessere Bedingungen in den bezahlten Care-Berufen zu fordern, sondern auch auf die unbezahlte Pflege- und Sorgearbeit aufmerksam zu machen, die privat und zuhause ausgetragen wird und für die ebenfalls so oft die nötige Zeit fehlt. So schallte es lautstark über den belebten Platz: „Unsere Gesellschaft baut immer noch darauf auf, dass ein großer Teil der Care- oder Reproduktionsarbeit zuhause unbezahlt geleistet wird und das zu einer Zeit, in der immer mehr erwachsene Menschen einer Erwerbsarbeit nachgehen. Das sogenannte Familienernähermodell ist schon lange vorbei. Mittlerweile sind fast alle erwachsenen Menschen berufstätig, aber wer macht dann zuhause die Arbeit?! Es kann nicht angehen, dass die Arbeit zuhause zur zweiten Schicht wird. Da muss sich etwas ändern!“ Hier findet ihr Video der kompletten Abschlusskundgebung am Alexanderplatz- ab 25:30min ist der gesamte Redebeitrag zu „Platz für Sorge“ zu sehen. Darüber hinaus verteilten wir Flyer mit dem Berliner „Platz für Sorge“-Aufruf – denn: „Es ist höchste Zeit, dass wir gute, solidarische Bedingungen für Care-Arbeit erstreiten. Wir wollen einen Systemwandel, in dem Care im Zentrum steht.“

Kurz vor einem prasselnden Regenschauer ging dieser empowernde Aktionstag punktlandend zu Ende – aber wir werden wiederkommen, keine Frage! Für mehr Zeit, mehr Personal, mehr Lohn, mehr Platz für Sorge! Care-Arbeit gehört ins Zentrum der Gesellschaft Und zwar jetzt!

Presseschau 12. Mai

Danke an alle die mit uns auf der Straße waren. Wir haben einiges an Aufmerksamkeit in der Presse bekommen. Schaut doch mal in die Artikel & verbreitet sie.

Tagesspiegel: Berliner Pflegekräfte stellen 100-Tage-Ultimatum im Wahlkampf

taz: „Wir alle haben keinen Bock mehr“

rbb24: “Uns fehlt immer Personal, um die Patienten gut zu versorgen“

ND: 100 Tage Ultimatum

freitag: Allen Grund zum Aufstand

Wunderbares Video von ver.di TV: Beschäftigte protestieren für Entlastung weiterlesen

Platz für Sorge vor Pflegeheim in Osnabrück

Jährlich am 12. Mai findet international der Tag der Pflege statt.

Auch für uns den Frauenstreik Osnabrück/ Platz für Sorge Osnabrück war dies ein Anlass, wieder mal auf die Missstände im Care-Bereich aufmerksam zu machen.

Wir trafen uns um 12:30 am Ledenhof, dort ist ein Pflegeheim für ältere Personen. Wunderschön im Stadtzentrum gelegen, ist diese Einrichtung auch akut bedroht. Anstatt älteren Menschen mit Pflegebedarf ein zu Hause zu bieten, soll dort Wohnraum für Personengruppen, die zwar alt sind, aber noch selbstständig leben können, entstehen. Die Menschen mit einem Pflegebedarf, der eine stationäre Betreuung erfordert, sollen in eine neue Einrichtung in Voxtrup umziehen.

Wir konnten einige Gespräche mit Passant*innen, aber auch einer Vertreterin des Pflegeheims führen. Nein. Wir sind keine Coronaleugner und Maskenverweigerinnen. Wir zeigen, dass in dieser Pandemie die bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit der Pfeiler des Lebens in Gemeinschaften ist. Ohne die Betreuung der Kinder – die vornehmlich von Frauen geleistet wird, wäre das Leben in und außerhalb der Pandemie nicht vorstellbar. Ohne die Pflege zu Hause oder in Einrichtungen wäre „eine Volkswirtschaft BRD“ nicht möglich. Ohne das Putzen, Kochen, Bügeln und Waschen- könnte niemand seiner Lohnarbeit nachgehen.

Care-Arbeit ist ein Garant das Funktionieren jeder Gesellschaft! Endlich braucht es wirkliche Anerkennung, bessere personelle und technische Ausstattung, Senkung der Lohnarbeitszeit auf 30 Wochenstunden, gesetzlich festgesetzte Mindestlöhne und allgemeinverbindliche Tarifverträge für alle Care-Berufe. Vom Klatschen wird keine dieser Forderungen erfüllt werden.

Auch wurde der Ledenhof symbolisch in „Platz für Sorge“ unbenannt. Damit wollen wir der Pflege, den Care-Arbeiten den gesellschaftlichen Platz einräumen, den sie verdienen!

1. Mai in Frankfurt: Kämpferischer Care-Block bei DGB-Demo

Am 1. Mai haben wir uns als Platz für Sorge Aktive in Frankfurt am Main an der Seite des feministischen Streikkollektivs und gemeinsam mit Beschäftigten von Kita Frankfurt auf der DGB-Demo durch einen Care-Block Raum genommen und praktisch einen feministischen Platz für Sorge geschaffen. Nachdem wir kurz vor Beginn der Demo an der Hauptwache gemeinsam noch die letzten Forderungen auf Schilder brachten, machten wir während der Demo durch gemeinsame Rufe wie „What solution – Care Revolution!“ deutlich, dass der Tag der Arbeit auch ein Tag sein muss, an dem die vergeschlechtlichte Organisation von Arbeit in unserer Gesellschaft grundsätzlich zur Debatte steht. Damit konnte sich unser Care-Block, der insbesondere anhand der Farbe lila erkennbar war, unter den rund 3.000 Demonstrant*innen sowie bei Passant*innen viel Gehör verschaffen.

Auch während der Abschlusskundgebung am Opernplatz blieben wir laut und nahmen uns dort mit lila Absperrband und Megafon erneut Raum und Gehör für Sorge(-arbeit). Wir haben unser Aktionsziel, gemeinsam auf die problematische Verknüpfung von Care und Geschlecht und auf unsere chronische Unterbezahlung und Überlastung in Sorgeberufen aufmerksam zu machen, erreicht. Auch über den 1. Mai hinaus ist es wichtig, Plätze für Sorge zu schaffen und grundlegende Veränderungen in der Pflege, in Kitas, im Reinigungssektor, in der Sozialarbeit, in der Sexarbeit und in der häuslichen Arbeits“teilung“ einzufordern! Wir bleiben dran!

1. Mai in Berlin – Platz für Sorge Statement im Grunewald

Am ersten Mai machten sich ca. 15ooo Radler*innen auf einen 40km Weg durch Berlin in den Bezirk Grunewald. Um am Tag der Arbeit die unbezahlte Sorgearbeit zu beleuchten und den fehlenden Platz für Sorge in Gesellschaft und Wirtschaft anzukreiden, beteiligte sich das Berliner Bündnis Platz für Sorge mit einem lautstarken Beitrag an der 4km-langen  Fahrraddemo:

1. Mai in Freiburg – großer Care-Block: Platz für Sorge jetzt!

Der 1.Mai war verregnet, wie das in Freiburg seit ein paar Jahren üblich ist. Und das traditionelle Maifest des DGB wurde wegen Corona ohnehin abgesagt. Unter diesen Umständen waren die ca. 1.000 Demonstrierenden gar keine kleine Zahl. Von diesen bildeten circa 100 Leute den Platz für Sorge-Block. Mit Plakaten und Transparenten gut sichtbar waren unter anderen der Feministische&Frauen*streik (auch besonders gut hörbar), Care Revolution, die Linke, das Geburtshaus Freiburg, Courage und das Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen. Damit die Gruppen jeweils ausdrücken konnten, was ihnen am Herzen und im Magen liegt, und wir trotzdem als Block wirken, einigten wir uns neben einem Fronttransparent darauf, dass den eigenen Slogans das Platz für Sorge-Logo hinzugefügt wird.

Dass Platz für Sorge vom DGB durchaus ernst genommen werden, zeigt auch, dass wir die Zwischenkundgebung der Demo mit einem Redebeitrag gestalten konnten. Hieraus ein Ausschnitt: „Ob entlohnt oder unentlohnt, allzu häufig ist die Arbeitsbelastung zu hoch, das Auskommen nicht gesichert und die Zeit reicht nicht, um denen, für die die Sorgearbeitenden verantwortlich sind, wirklich gerecht zu werden. Statt Entlastung gibt es dann Durchhalteparolen, Applaus oder verbale Streicheleinheiten, aber ansonsten heißt es: Ihr tragt doch Verantwortung, tragt sie gefälligst weiter, auch unter beschissenen Bedingungen.

Ja, Sorgearbeitende tragen Verantwortung. Weil die Arbeit in Familien und Einrichtungen so bedeutsam und verantwortungsvoll ist, weil sie für die, die Unterstützung benötigen, so wichtig ist, braucht Sorgearbeit gute Bedingungen. Und hier ist es bei der Sorgearbeit, egal ob entlohnt oder unentlohnt, wie in Fabriken, Banken oder Bahnlinien. Geschenkt bekommen wir nichts. Wir müssen uns erkämpfen, was wir brauchen: Zeit, Geld und Unterstützung. Es reicht nicht, nützlich und lieb zu sein.“

Noch ein nettes Detail am Rande: In Freiburg gehört zum 1.Mai ein ökumenischer Gottesdienst dazu. Hier hielt ein Mitarbeiter der Arbeitnehmer*innenseelsorge die Predigt; in der anschließenden Kollekte wurde dann für Platz für Sorge gesammelt. Das Geld fließt in die kommenden Aktionen.

 

1. Mai in Osnabrück – Sorge-Arbeit sichtbar machen

Zwei Drittel aller Arbeitsstunden in Deutschland sind entlohnte, aber eben auch unentlohnte Sorge-Arbeit: Waschen, Kochen, Putzen, Pflege, Bildung, Erziehung, soziale (Beziehungs-)Arbeit oder die Organisation des Alltages, sowohl für sich persönlich, als auch für andere Menschen fallen darunter. Denn Arbeit ist mehr als nur Lohnarbeit, wie stillschweigend immer vorausgesetzt wird.

Ohne diese Sorge-Arbeit kann eine Gesellschaft nicht existieren und dennoch wird sie abgewertet und ignoriert. Im Kapitalismus hat nur einen Wert, was einen Mehrwert (Profit) schafft, der Rest ist lediglich ein Kostenfaktor, den es zu minimieren gilt. Dies geschieht im Bereich der Sorge-Arbeit durch geringe Löhne, äußerst belastende Arbeitsbedingungen oder die einfache Verschiebung dieser Arbeit ins Private – Darunter leiden vor allem Frauen, die diese Tätigkeiten immer noch zu meist erledigen („Mutti wird s schon machen“).

Obwohl sehr viele Menschen die Überforderung und Erschöpfung des täglichen „Hamsterrads“ spüren, bleiben die Probleme in den eigenen 4 Wänden. Wir möchten uns dem entgegenstellen und deutlich machen, dass die Misere, in der wir fast alle stecken, System hat.

Deswegen haben wir, das Frauenstreik-Bündnis heute am 1. Mai, dem internationalen Tag der Arbeiter und Arbeiterinnen, den Osnabrücker Raiffeisen Platz symbolisch umbenannt in „Platz für Sorge“. Wir wollen eine Gesellschaft, in der die Bedürfnisse der Menschen und die solidarische Sorge umeinander in den Mittelpunkt gestellt werden statt Konkurrenz und Profit.

Wir bleiben dabei: Frauen voran! Für ein gutes Leben für alle!

Tag der unsichtbaren Arbeit am 1. Mai in Frankfurt

Trotz Corona – und wegen Corona mit Maske und Abstand – sind viele zum 1. Mai in Frankfurt auf die Straße gegangen. Auch wir. Und #CareArbeit nahm ziemlich viel Raum ein! Nicht nur durch unsere Botschaften, unsere Banner, unsere Plakate, sondern auch in den Redebeiträgen der diversen Redner*innen auf der Schlusskundgebung am Opernplatz. Corona hat die Bedeutung von Care-Arbeit sichtbar gemacht. Selbst für die, die das bislang einfach stur ignoriert haben.

Netzwerktreffen Care Revolution – online, voller Leben und nächsten Herbst wieder

An unserem Netzwerktreffen am 24. und 25. April nahmen insgesamt 36 Leute aus dem Netzwerk und Interessierte teil. Manche hatten nur einen Teil des Wochenendes Zeit, aber insgesamt war es eine Veranstaltung mit richtig guter Beteiligung. Besonders, dass aus so vielen verschiedenen Städten Leute dabei waren, ist schön und ermutigend.

Das Treffen war eine Mischung aus inhaltlichen Diskussionen und organisatorischen Verabredungen. Die Diskussionen drehten sich zum einen um die Situation von und die Kooperation mit Arbeitsmigrant*innen im Care-Bereich. Eine Aktivistin der Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg gab uns hier einen wertvollen Input. Zum anderen gingen wir der Care-Bewegung nach, die sich nach und nach herausbildet. Hierzu hatten wir Vertreter*innen aus dem Feministischen Streik-Bündnis und dem Düsseldorfer Gesundheitsbündnis eingeladen. Zudem ging es immer wieder, auch ganz praktisch, um die von uns initiierte ‚Platz für Sorge‘-Kampagne. Auch an dieser Konstellation zeigt sich das Zusammenwachsen zu einer Care-Bewegung: In einigen Städten wurden die ‚Platz für Sorge‘-Aktionen ganz stark vom Feministischen Streik getragen, lokale Gesundheitsbündnisse sind ebenfalls dabei.

Bei den Beschlüssen und Verabredungen ging es uns ebenfalls darum, handlungsfähiger zu werden. Beschlossene Antragspunkte sollen uns helfen, schneller auch überregional zu intervenieren; der Internet- und Social-Media-Auftritt sowie die Bildungsangebote sollen attraktiver werden. Wir sind optimistisch und wollen mit dem nächsten Treffen nicht wieder ein Jahr warten, sondern im Herbst das nächste Treffen durchführen. Wenn ihr dabei seid, freuen wir uns sehr.

Care Revolution Dortmund dringt auf die Einrichtung eines Care-Rats

Care Revolution Dortmund hat einen Vorschlag für einen Care-Rat in Dortmund erarbeitet. Der nächste Schritt ist ein Gespräch mit dem  Oberbürgermeister der Stadt, das bisher nicht zuletzt wegen der Pandemie noch nicht stattgefunden habt.

Die Einrichtung eines städtischen Care-Rat ist geeignet, die Rahmenbedingungen für die entlohnte und unentlohnte Sorgearbeit zu verbessern und kann zugleich einen Beitrag zur Demokratisierung leisten. Das Konzept des Dortmunder Care-Rats kann hier nachgelesen werden.

 

Care-Rat in Freiburg hat sich neu gegründet

Am 13.4. 21 haben sich auf Einladung der Freiburger Gemeinderatsfraktion „Stadt für Alle“ und Care Revolution Freiburg  Care-Aktive aus unterschiedlichen Initiativen und 4 Stadträt*innen zu einer ersten Sitzung des neu gegründeten Care-Rats Freiburg getroffen.

Die Aufgabe eines solchen Care-Rats soll es sein, kommunale Probleme im Care-Bereich (Gesundheit, Pflege, Kinderbetreuung, Soziale Arbeit etc.) aufzunehmen, Lösungsansätze zu entwickeln und politische Initiativen im Gemeinderat und von sozialen Bewegungen zur Verbesserung der jeweiligen Situation voranzubringen.

Während ein erster Care-Rat in Freiburg im Zeitraum 2017 bis 2019 anderthalb Jahre regelmäßig mit Gruppen aus den sozialen Bewegungen getagt hat, soll die Neugründung des Care-Rats in Zusammenarbeit von engagierten Stadträt*innen und Initiativen der sozialen Bewegungen erfolgen. Dies ermöglicht eine breitere Wahrnehmung von Care-Themen in der Stadt. Auch sind Lösungsansätze bei Missständen durch ein abgestimmtes Vorgehen eher durchzusetzen.

Video aus München anlässlich des 1. Mai, der Tag der unsichtbaren Arbeit

Die Aktionsgruppe aus dem Umfeld von Care.Macht.Mehr nimmt regelmäßig den 1. Mai als Tag der Arbeit zum Anlass, auf den gesellschaftlich unsichtbaren Teil von Care-Arbeit aufmerksam zu machen. Aus diesem Anlass führen wir diverse Aktionen in der Stadt durch.  Dieses Jahr mussten wir uns pandemiebedingt etwas Neues einfallen lassen. So ist ein Videospot entstanden:  „Alle reden von Arbeit. Wir auch.“

Hier könnt ihr ihn Euch ansehen. Verbreitet ihn gerne weiter!

 

ZusammenCaren – der Podcast für die Care Revolution

In diesem Podcast stellen wir Euch das Netzwerk vor und welche Idee dahinter steht. Darüber sprechen wir mit Anja, eine der Mitbegründerinnen vom Netzwerk Care Revolution, die uns Einblick in die Strukturen gibt, dessen drei tragenden Säulen, die das Netzwerk am Leben hält und hören Beispiele für gelungene Transformationen im deutschsprachigen Raum.

Care Revolution bietet dabei Antworten auf ein gesellschaftliches Ungleichgewicht und stellt die Bedürfnisse ins Zentrum. Das zeigt sich vor allem auch an den kreativen Aktionen, die das Netzwerk, wie auch die vielfältigen Regionalgruppen bereit halten.
Der Auftakt in diesem Jahr war am 08. März, dem feministischen Streiktag, an dem wir in über 10 Städten uns „Platz für Sorge“ genommen haben und zeigten Solidarität für all die Personen, deren Kühlschränke nicht von einem Applaus voll geworden sind. Damit wird auf die Krise der sozialen Reproduktion immer und immer wieder aufmerksam gemacht, um der Care Arbeit einen zentralen Stellenwert einzuräumen.
Über Aktionen und auch über viele andere Themen reden wir schon dieses Wochenende. Unter https://care-revolution.org/ könnt ihr Euch für das Netzwerktreffen anmelden, dort findet ihr auch weitere Informationen. Heute Abend gibt es eine Buchvorstellung von Gabriele Winker, zu ihrem neuen Buch „Solidarische Careökonomie. Revolutionäre Realpolitik für Care und Klima.“
In den bald folgendenen Podcasts halten wir weitere spannende Themen für Euch bereit. Take care!

An der Produktion beteiligt waren: Fabiana, Alex, Ariane, Anja und musikalisch unterstützt haben: Ole und Jonathan

Anja, beziehungsweise Ann Wiesental hat 2014 das Netzwerk Care Revolution mitgegründet, sie lebt in Berlin und ist in verschiedenen Bewegungen aktiv. Sie gibt Workshops und hält Vorträge zu Care Politiken, Awareness und zur Kritik der politischen Ökonomie.

Jährliches Treffen des Netzwerks Care Revolution am 24. und 25.4.21

Das Treffen findet am am 24.4. (9:30 – 15:30) und 25.4. (9:15 – 15:00) im digitalen Format statt. Das Programm ist wieder eine Mischung aus inhaltlicher Diskussion von Care-Themen, Berichten aus den Regionalgruppen und Verabredungen zu unserer zukünftigen Arbeit. Unter anderem werden wir auch den Stand der ‚Platz für Sorge‘-Kampagne besprechen. Das Netzwerktreffen bietet die Chance, Leute aus anderen Regionen kennenzulernen, Einblick in unvertraute Aspekte der Tätigkeit von Care Revolution zu erhalten und Euch an den Verabredungen für die nächste Zeit zu beteiligen.

Bitte meldet euch an und schreibt dafür an folgende Emailadresse:

care-revolution@riseup.net

Hier findet Ihr noch ein ausführliches Programm des Jahrestreffens

[English short version]

Annual network meeting

On 24 and 25 April, we will meet as the Care Revolution network for the annual network meeting. Please register and write to care-revolution@riseup.net .

A warm invitation to all those who want to get a taste of the topic and also to those who have been involved for a while. Feel free to forward it to allies and interested parties.

Let us know if you would like technical support. We hope to face und manage through technical difficulties with as many people as possible.

Even if it is difficult under pandemic conditions, if possible activate your local networks for childcare/accompaniment, food, etc.

Caritas blockiert allgemeine Lohnerhöhungen in der Altenpflege

Beitrag in der Reihe Perspektiven von Matthias Neumann. (Beitrag als PDF)

Care Revolution Dortmund

Dass die Caritas die Erstreckung des zwischen ver.di und der Bundesvereinigung Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) vereinbarten Tarifvertrages auf die gesamte Altenpflege abgelehnt hat, hat große Wellen geschlagen. Um die Bedeutung zu verstehen und sich hier positionieren zu können, sind Antworten auf ein paar Fragen zu finden: 1) Weshalb ist ein für die gesamte Branche geltender Tarifvertrag überhaupt erforderlich; weshalb wird die Lohnsicherung nicht einfach gewerkschaftlichen Kämpfen oder dem Marktmechanismus überlassen? 2) Weshalb wird dabei der ungewöhnliche Weg über das Arbeitnehmer-Entsendegesetz gewählt, um ein akzeptables Mindestniveau in der Altenpflege zu sichern? 3) Weshalb hat sich die Dienstgeberseite der Caritas zur Blockade entschlossen, und was ist von ihrer Aussage zu halten, sie wolle die guten Löhne der kirchlichen Träger schützen? 4) Und was ist jetzt zu tun?

1) Die Pflegeversicherung, über die die Finanzierung der Altenpflege abgewickelt wird, ist 1995 eingeführt worden, als neoliberale Politik im Aufwind war. Die gegenwärtige Pflegeversicherung soll Kosten durch Wettbewerb zwischen den Trägern senken und zugleich Profite ermöglichen. Deshalb ist sie im Unterschied zur Krankenversicherung nicht als Vollversicherung, sondern als gedeckelter Zuschuss geregelt. Der häufig verwendete Begriff der Teilkaskoversicherung ist nicht treffend: Während eine Teilkaskoversicherung einen Festbetrag der versicherten Person erfordert und die Versicherung die darüber hinaus entstehenden Kosten begleicht, ist es bei der Pflegeversicherung umgekehrt: Die Versicherung zahlt einen festen Zuschuss, mit dem großen Rest werden Familien und Kommunen alleine gelassen. Da die Zuschüsse nicht angemessen erhöht wurden, steigt die Eigenbeteiligung immer weiter. Dadurch führen höhere Löhne der Beschäftigten, die den Großteil der Betriebskosten eines Pflegeheims ausmachen, zu steigenden Pflegesätzen. Diese werden an die Kostenträger und insbesondere an die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen weitergegeben. Auch wenn Tariflöhne seit dem Pflegestärkungsgesetz I im Jahr 2015 in den Pflegesatzverhandlungen zwischen Heimbetreiber, Pflegekassen und Kommunen anerkannt werden müssen, übt diese Konstruktion der Pflegeversicherung Druck aus, die Löhne niedrig und die Personaldecke dünn zu halten: Die Kommunen möchten die Kosten begrenzen, die ihnen über die Zahlung von Hilfe zur Pflege entstehen, und auch die Kassen versuchen, ihre Ausgaben gering zu halten. Die Heimbetreiber wiederum konkurrieren um die Auslastung der Heimplätze. In dieser Konkurrenz sind angesichts des hohen und steigenden Eigenanteils für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen die Kosten ein zentrales Argument. Obwohl also Tariflöhne in den Pflegesatzverhandlungen anerkannt und finanziert werden müssen, gibt es für die beteiligten Seiten ein Interesse an niedrigen Löhnen in der Altenpflege.

Nun ließe sich annehmen, dass in der Altenpflege als einer Branche mit massivem Fachkräftemangel bereits der Arbeitsmarkt das Problem niedriger Löhne lösen würde. Die Entgelte in der Altenpflege steigen zwar tatsächlich sowohl für Fachkräfte als auch für Helfer*innen überdurchschnittlich, aber dieser Fortschritt ist angesichts der Lage der Beschäftigten viel zu langsam. Noch immer verdienen nach Daten der Arbeitsagentur Fachkräfte bei vergleichbarem Qualifikationsniveau 3% weniger als im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft, Helfer*innen 8% weniger. Diese Differenz, die gar nicht so groß erscheint, gewinnt Dramatik angesichts der Tatsache, dass vor allem aufgrund der Arbeitsbelastung viel mehr Beschäftigte in Teilzeit arbeiten müssen als im Vergleich aller Branchen.

Dass diese Konstellation seitens der Gewerkschaft nicht genutzt wird, um schnellere Lohnsteigerungen durchzusetzen, hat mit der besonderen Konstellation in der Altenpflege zu tun. Diese erschwert es Beschäftigten sehr, den erforderlichen Druck aufzubauen: Im Unterschied zu Krankenhäusern, wo ein Streik durch die Beschränkung auf einen Notdienst die Einnahmen aus den Fallpauschalen verringert, fügt ein Streik im Pflegeheim dem Betreiber keinen direkten finanziellen Schaden zu. Denn die Pflegesätze werden während des Streiks weitergezahlt; die Einnahmen bleiben den Betreibern also erhalten. Die Situation ist in dieser Hinsicht mit der in Kitas vergleichbar. Allerdings kann eine Kita im Streik geschlossen und die Kinder in die Betreuung der Eltern übergeben werden. Das ist in einem Pflegeheim nicht möglich. Ein in der Branche arbeitender Freund sagte mir hierzu, dass in einem Streik, bei Notdienst, zudem das gestrichen würde, was den Bewohner*innen Freude macht. Das Verantwortungsbewusstsein der Beschäftigten gegenüber den Pflegebedürftigen beschränkt also ihre Handlungsfähigkeit im Arbeitskampf.

2) Der übliche Weg, einen allgemeinverbindlichen Tariflohn durchzusetzen, geht über das Tarifvertragsgesetz. § 5 TVG sieht allerdings nur dann einen gemeinsamen Antrag der Tarifparteien vor, einen Tarifvertrag als allgemeinverbindlich zu erklären, wenn dieser bereits für mindestens 50% der Beschäftigten gilt. Hiervon sind ver.di und BVAP weit entfernt. Da aber weder über den Arbeitsmarkt noch über den Pflegemindestlohn eine hinreichende Untergrenze der Löhne in der Altenpflege eingezogen wird, wurde im Arbeitnehmerentsendegesetz die Möglichkeit geschaffen, die Erstreckung eines Tarifvertrags über die gesamte Branche auch ohne die 50-Prozent-Hürde zu beantragen. Zusätzlich wurde den Arbeitsrechtlichen Kommissionen von Caritas und Diakonie jedoch ein Sonderrecht eingeräumt, indem ihre Zustimmung zu diesem Erstreckungsantrag erforderlich ist.

Wenn die Caritas erklärt, dass der Pflegemindestlohn eine hinreichende Untergrenze darstellen würde, sagen die Zahlen anderes: Der Tarifvertrag zwischen ver.di und BVAP liegt beim Mindestentgelt je nach Qualifikationsniveau 9%-10% über dem Pflegemindestlohn. Zumindest dieser Betrag, bei langjähriger Beschäftigung wesentlich mehr, entgeht Altenpfleger*innen, die gegenwärtig für den Pflegemindestlohn arbeiten.

3) Die Sonderrolle der kirchlichen Träger erklärt sich mit dem sogenannten Dritten Weg. Dieser konstruiert statt eines Lohnarbeitsverhältnisses mit Arbeitskampfrecht eine „Dienstgemeinschaft“, in der unter anderem das Streikrecht zumindest stark eingeschränkt ist. Eben diese Sonderregelung zu verteidigen, ist auch der einzig nachvollziehbare Grund für die Blockade eines allgemein erstreckten Tarifvertrags durch die „Dienstgeber“-Seite der Caritas. Eine entsprechende Aussage hat der Sprecher der „Dienstgeber“-Seite, Norbert Altmann, in einem Interview relativ versteckt gemacht: „Arbeitsrechtler warnen davor, dass der Dritte Weg dadurch grundsätzlich in Frage gestellt wird.“ Dieser Dritte Weg ist nun tatsächlich ein reines „Dienstgeber“-Interesse.

Das zu betonen ist wichtig, denn es hat eben nicht die Caritas und auch nicht ihre Arbeitsrechtliche Kommission als ganze diese Blockadehaltung eingenommen, sondern der Widerspruch gegen die Erstreckung des Tarifvertrags stammt von den „Dienstgebern“ in der Kommission, die durch deren paritätische Zusammensetzung ein faktisches Vetorecht besitzen. Die Mitarbeiter*innenseite der Kommission kritisierte wie auch viele katholische Sozialethiker*innen die getroffene Entscheidung massiv: Thomas Rühl, Sprecher der Mitarbeiterseite in der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas, meinte: „Mit ihrer Verweigerungshaltung hat die Dienstgeberseite den Ruf und die Glaubwürdigkeit der Caritas massiv beschädigt.“ Selbst die Caritas als Gesamtorganisation sieht das Ergebnis ihrer Arbeitsrechtlichen Kommission kritisch: Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritas-Verbands, „erklärte am Freitag in Berlin, die Entscheidung der Arbeitsrechtlichen Kommission (AKR) „schadet der Glaubwürdigkeit der Caritas und sie kommt zu Unzeiten für die katholische Kirche““.

Denn die Caritas gehört wie die Diakonie nicht zu den Trägern, die besonders niedrige Löhne zahlen und insofern von einem über die gesamte Branche erstreckten Tarifvertrag negativ betroffen wären. Niedriglöhne zahlen insbesondere private, renditeorientierte Träger, aber auch andere wie das DRK. Es war also kein Zufall gewesen, dass gerade das Rote Kreuz sich nicht an der Tarifvereinigung BVAP beteiligte. Entsprechend sind es die beiden Vereinigungen privater Träger (AGVP und bpa), die neben der Evangelischen Heimstiftung die Verfassungsmäßigkeit eines für alle verbindlichen Tarifvertrags massiv bestreiten. Diesen Betreibern hat die Caritas also die Arbeit abgenommen und sich statt ihrer der wohlverdienten Kritik ausgesetzt.

Die „Dienstgeber“-Seite der Caritas führt als Argument für ihre Blockade an, dass sie keine höheren Löhne verhindern, sondern im Gegenteil ihr bestehendes Lohnniveau schützen wolle. Denn mit einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag sei die Anerkennung der besseren Arbeitsvertraglichen Richtlinien (AVR) der kirchlichen Träger gefährdet. Diese Aussage hat auch in progressiven Kreisen Verunsicherung gestiftet. Was ist von ihr zu halten?

Es heißt, dass ein auf die gesamte Pflegebranche erstreckter Tarif das kirchliche Lohnniveau gefährden könnte, indem in den Pflegesatzverhandlungen nur noch dieser Tarif anerkannt würde, nicht mehr jedoch bessere Regelungen in kirchlichen AVR oder im öffentlichen TV-Pflege. Das Gesetz, das hierfür Grundlage ist, gibt dies jedoch überhaupt nicht her. In § 84 Abs. 2 SGB XI heißt es nur: „Die Bezahlung von Gehältern bis zur Höhe tarifvertraglich vereinbarter Vergütungen sowie entsprechender Vergütungen nach kirchlichen Arbeitsrechtsregelungen kann dabei nicht als unwirtschaftlich abgelehnt werden.“ Es gibt unterschiedliche Tarifverträge, und sie werden alle anerkannt. Das hier vorgebrachte Bedenken teilen auch weder ver.di noch die Arbeitnehmerseite in der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas. Gerade letztere wären diejenigen, die von einer Verschlechterung direkt betroffen wären. Sie haben jedoch für eine allgemeine Erstreckung plädiert. Dieses Argument erscheint also vorgeschoben.

Zur Verteidigung des Arguments, die Löhne nach kirchlichen AVR seien gefährdet, wird, auch vom durchaus progressiven Theologen und Sozialwissenschaftler Franz Segbers, der genau wie ver.di oder Care Revolution die neoliberale Konstruktion der Pflegeversicherung kritisiert, ein Rechtsgutachten angeführt, das die Bedenken der „Dienstgeber“ stärke. Bei näherem Hinsehen erweist sich dieses Gutachten jedoch als eine Luftnummer: Das Rechtsgutachten hat einen anderen Gegenstand; auf die hier relevante Frage wird auf den 70 Seiten in drei Sätzen eingegangen, spekulativ und ohne Diskussion von Rechtsnormen oder Präzedenzfällen. Zwar wird auf Seite 68 tatsächlich festgestellt: „Pflegekassen könnten einer Einrichtung, die mehr bezahlen möchte, entgegenhalten, dass eine Vergütung oberhalb des allgemeinverbindlichen Tarifvertrages nicht mehr angemessen sei.“ Konkreter wird es jedoch nicht.

Ein juristisches Argument wird im Gutachten also nicht beigebracht. Im oben erwähnten Schreiben katholischer Sozialethiker*innen heißt es im Widerspruch zu diesem, dass durch eine Rechtsverordnung, die den Tarifabschluss zwischen ver.di und BVAP allgemeinverbindlich macht, „geltende Tarifverträge und … auch das Tarifwerk der Caritas nicht außer Kraft gesetzt (werden) – sofern die neuen Mindestbedingungen erfüllt werden.“ (S.5) Auch politisch ist naheliegend, dass in einer Situation akuten Fachkräftemangels in der Altenpflege eine Bezahlung nach besseren Regelungen jederzeit legitimierbar und vor allem durchsetzbar wäre. Umgekehrt würde der Versuch einer Absenkung des Tarifniveaus im Rahmen der Pflegesatzverhandlungen massive gesellschaftliche und betriebliche Proteste auslösen, die niemand riskieren würde. Es scheint also in jeder Hinsicht schlüssig, dass ver.di und die Beschäftigtenseiten bei Caritas und Diakonie in einem allgemein erstreckten Tarifvertrag kein Risiko sehen.

4) In seinem oben verlinkten Artikel erklärt Segbers, dass es darum ginge, gegen „das politisch gewollte Sozialdumping“ vorzugehen, das im Kern der Konstruktion der Pflegeversicherung steht. Hier ist ihm rückhaltlos zuzustimmen. Allerdings wird der Protest gerade von denjenigen getragen, die jetzt einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag einfordern. Von den kirchlichen Trägern dagegen ist ein solcher Protest stets nur punktuell, von einigen engagierten Angestellten und Gliederungen, zu hören gewesen. Tatsächlich ist es nötig, um eine solidarisch finanzierte Vollversicherung in der Pflege zu kämpfen. Angesichts der eingangs erwähnten Schwierigkeit, in betrieblichen Arbeitskämpfen Druck aufzubauen, ist hierfür gerade in der Altenpflege das Zusammenwirken von pflegenden Angehörigen, Beschäftigten sowie allen wichtig, die der Umgang mit Hilfebedürftigen und denen, die sich um sie kümmern, empört.

Bis wir hier weitergekommen sind, ist aber alles zu unternehmen, was die Situation der Beschäftigten in der Altenpflege verbessert. Dazu gehört ein über die Branche erstreckter Tarifvertrag. Diesem steht das „Nein“ der Caritas-Dienstgeber entgegen, die damit ihren undemokratischen kirchlichen Sonderweg verteidigen, auf Kosten von Beschäftigten in privaten Heimen, aber auch in vielen Einrichtungen von „freigemeinnützigen“ Trägern, denen dringend benötigte Lohnerhöhungen verweigert werden. Mit massiven und ausdauernden Protesten die Caritas-„Dienstgeber“ – und die der Diakonie, die sich gegenwärtig hinter der Caritas-Entscheidung verstecken können – zu einem Einlenken zu drängen, gehört sicherlich zu den erfolgversprechendsten Wegen, Verbesserungen zu erreichen.

 

Auch Aktivist*innen in Jena nehmen sich einen Platz für Sorge

Vom Frauen*Streik Jena wurde am 8. März, zum internationalen Frauenstreik-Tag, zu insgesamt vier dezentralen Kundgebungen aufgerufen. Alle Kundgebungen fanden an verschiedenen Orten in Jena-Göschwitz und in Jena-Lobeda statt. Am Morgen gab es einen Stand des Frauen*Streikbündnisses angeschlossen an die Tarifrunde der IG Metall. Die zweite Kundgebung war eine stille Kundgebung des Bündnisses am Uniklinikum. Von dort aus zogen die Streikenden zu Fuß in Richtung Salvador-Allende-Platz, dabei hatten sie eine lange Wäscheleine, die Gegenstände und Anliegen der Krankenhausmitarbeitenden transportierte. Dort gab es eine Kundgebung mit Redebeiträgen, Infoständen und einer Tanz-Performance.

Der letzte Ort der Kundgebungen war in Lobeda-West: Dort haben wir uns Platz für Sorge genommen! Auf dem Platz wurden Räume abgesperrt und mit unterschiedlichen Themen und Problemen von Sorgearbeit gefüllt. Die Moderation des Platz für Sorge hat knapp zwei Stunden durch das vielfältige Programm, welches sich durch den Wechsel von Installationen und verschiedensten Redebeiträgen auszeichnete, geführt. Die Redebeiträge thematisierten die prekäre Situation der Sorge in Kinderbetreuung, im Krankenhaus, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Gewalt an Frauen*. Während alle gespannt den ersten Redebeiträgen zuhörten, wurden auf dem gesamten Platz Räume für Sorge aufgebaut und anschließend für die Teilnehmenden der Kundgebung geöffnet: Verschiedenste Installationen zum Care-Drain, Mental-Load, Minuten-Pflege, Kinderbetreuung, Krankenpflege und Emotionaler Sorge haben kreativ und informativ Einblicke in Probleme der Sorge gegeben, gleichzeitig aber auch zum Mitdenken und Einbringen eingeladen! Dann folgten weitere Redebeiträge.

Abschließend wurde der Platz von allen gemeinsam, trotz Wind und Kälte, feierlich in den “Platz für Sorge” umbenannt. Die Forderungen des Care-Revolution Netzwerks wurden noch einmal laut verlesen! In Jena unterstützten diese Forderungen insgesamt auf den Kundgebungen etwa 300 Menschen. Der Platz für Sorge wurde neben dem Frauen*streik Bündnis von vielen weiteren motivierten Menschen ins Leben gerufen. Dadurch waren viele verschiedene Perspektiven und Gruppen zusammen auf dem Platz vertreten. Was alle miteinander vereint ist, dass alle Sorgearbeiter*innen sind und sie für alle Menschen gute Sorge und gutes Leben verwirklichen möchten. Sorge betrifft uns alle! Sorgearbeit aufwerten und sichtbar machen!! Gemeinwohlorientierung statt Profitorientierung!!!

Am 8. März startete „Platz für Sorge“ auch in Erlangen

Am internationalen feministischen Kampftag haben wir als Gruppe 8. März Erlangen am zentralen Schlossplatz eine Kundgebung zum Thema „Platz für Sorge“ veranstaltet. Um die 300 Personen haben an der Kundgebung teilgenommen. Beteiligt haben sich verschiedene Erlanger Aktivist*innen und brachten durch ihre Redebeiträge ihre spezifischen Perspektiven auf das Thema bezahlte und unbezahlte Sorge- und Pflegearbeit ein.

Mit dabei waren der Frauennotruf, einer Beratungsstelle für Mädchen und Frauen mit Gewalterfahrungen, die Sozialistische Jugend Deutschlands – die Falken, Fridays for Future, die Hochschulgruppe Amnesty International, die Internationale Frauengruppe, eine feministische Aktivistin aus der Türkei,  der Mütter- und Familientreff sowie eine Geburtsbegleiterin.

Die Situation von FLINTA (kurz für Frauen, Lesben, Inter-, Nichtbinäre-, Trans-, Agender-Menschen) Personen hat sich durch die Pandemie auf vielen Ebenen noch weiter verschärft hat, so wie auch die Situation von Geflüchteten, Menschen ohne Papiere und migrantisch gelesene Menschen.

Da die unbezahlte Pflege-und Sorgearbeit im Privaten immer noch zu einem großen Teil von FLINTA Personen geleistet wird,  tragen diese vor allem die zusätzlichen Belastungen durch Lockdown, Homeoffice, Home-Schooling, Kinderbetreuung und sozialer Isolation. Hinzu kommt, dass die häusliche Gewalt durch Männer, denen FLINTA und Kinder ausgesetzt sind, seit der Pandemie massiv angestiegen ist.

Unsere Forderungen am 8. März auf dem Platz für Sorge:

– Anerkennung und Wertschätzung jeder Arbeit, egal ob Haus- und Erziehungsarbeit oder   Lohnarbeit.

– Gleichwertige Bezahlung von Pflegeberufen und eine diskriminierungsfreie Atmosphäre für   FLINTA am Arbeitsplatz.

– Wir fordern das Ende jeglicher Gewalt gegen FLINTA Personen. Wir wollen es nicht länger hinnehmen, dass diese Gewalt oft auch noch als sogenannte Familientragödie oder als Beziehungsdrama verharmlost wird, sondern fordern, dass sie als das benannt wird, was sie ist:  geschlechtsbasierte Gewalt!

– Wir fordern eine Welt in der jede* unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe frei von Diskriminierung selbstbestimmt leben kann.

Ein Platz für Sorge, bedeutet für uns einen Raum für Bedürfnisse, für Teilhabe und für Forderungen zu schaffen!

Zwei Wochen später veranstalteten wir ein Online-Treffen mit allen an der Kampagne Interessierten, mit dem langfristigen Ziel eine breite Vernetzung von Akteur*innen in Erlangen aufzubauen.

Wir sind gespannt wie es weiter gehen wird!

 

Kampagne „Platz für Sorge“ auch in Frankfurt am Main

Auch in Frankfurt am Main haben wir uns mit dem feministischen Streikkollektiv an der Kampagne „Platz für Sorge“ beteiligt. Es gab mehrere kämpferische Mittagspausen in Care-Betrieben in der Woche vor dem 8. März vor dem Uniklinikum, dem Jugend- und Sozialamt und der Kita eines freien Trägers. Die Forderungen der Beschäftigten, die wir bei den Mittagspausen gesammelt haben wurden dann bei einer kreative Platzbesetzung zusammen mit Audiocollage zu unbezahlter Arbeit in Frankfurt am Main am 8. März auf der Hauptwache zentral in der Innenstadt präsentiert. Die Audiocollage kann hier nachgehört werden

An den Aktionen haben sich insgesamt an die 200 Menschen im Alter von 14 bis weit über 60 beteiligt. Bei der Kundgebung und auch bei den Mittagspausen gab es zahlreiche Mitmachmöglichkeiten und so wurde der ganze Platz mit Kreide verschönert und eine Wäscheleine präsentierte die feministischen Forderungen zum 8. März für Passant*innen und lud sie zu Austausch und Diskussion ein. Auch konnten Streikgründe aufgeschrieben und ausgetauscht werden. Dabei haben viele Care-Beschäftigte mit uns geteilt, was sie seit Beginn der Pandemie an ihrem Arbeitsplatz erlebt haben: Verunsicherung, Überforderung, Umstrukturierung, Distanz, Frust und Kontakteinschränkungen. Und es gab auch viel, was Sorge-Arbeitende wütend gemacht hat:

  • Spaltung z. B. Corona-Prämie nicht für alle gezahlt
  • Bevorzugung männlicher Jobbewerber bei gleicher Qualifikation
  • Wachsender Unmut (in der Bevölkerung) trifft die, die helfen, sorgen, pflegen, das ist unfair!

Wir haben auch gefragt, wie sollte es werden? Was wünscht ihr euch? Und das wünschten sich die Care-Worker*innen sollte anders laufen:

  • Respekt
  • Gleiche Bezahlung
  • Gendern!!
  • keine Diskriminierung mehr!!
  • keine sexistischen Kommentare mehr auf der Arbeit
  • Förderung Alleinerziehender
  • die selben Zukunftschancen für alle!
  • weiterlesen

    Care Revolution in Recklinghausen gegen Caritas-Entscheidung

    Mitglieder*innen von Care Revolution Dortmund haben am 25.03.21 an der Demo in Recklinghausen gegen die Entscheidung des Dienstgebers der Caritas teilgenommen, dem Flächentarifvertrag Pflege nicht zuzustimmen. Initiiert vom Pflegebündnis Recklinghausen zusammen mit ver.di haben ein Dutzend Teilnehmer*innen sich auf dem Vorplatz der Paulus Kirche getroffen und auf Kreuzgang-Teilnehmer*innen gewartet, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Als Aktion wurden 4 Thesen an den Schaukasten der Paulus Kirche geheftet. Im Anschluss ging der kleine Demozug zur Geschäftsstelle der Caritas, an der ebenfalls die 4 Thesen angebracht wurden. Die Kundgebung endete mit zwei Abschlussreden.

    Die 4 Thesen lauteten:

    Du sollst keine Dumpinglöhne ermöglichen
    Du sollst das Streikrecht zulassen
    Du sollst das Kirchenrecht nicht über das Tarifrecht stellen
    Du sollst die Gewerkschaften als Interessensvertretung der Beschäftigten achten

    Digitale Buchvorstellung und Diskussion mit Gabriele Winker

    Am Mittwoch, 21.4.2021 von 18-20 Uhr live im digitalen Format
    Anmeldungen bitte bis 19.4.2021 an care-revolution-berlin@riseup.net (Link zur Veranstaltung wird kurz vor dem Termin verschickt)

    Veranstaltet vom Care Revolution Netzwerk
    Moderation: Jette Hausotter

    https://www.facebook.com/events/352301476092776

    Das Care Revolution Netzwerk lädt zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über die gemeinsamen Perspektiven von Care- und Klimabewegung ein. Gabriele Winker wird ihr neues Buch „Solidarische Care-Ökonomie. Revolutionäre Realpolitik für Care und Klima“ vorstellen. Darin vertieft sie die Strategie der Care Revolution als Weg zu einer Gesellschaft, in der Sorge und Solidarität statt Konkurrenz und Ausgrenzung im Zentrum stehen. In ihrem Vortrag legt sie dar, warum es für ein gutes Leben nötig ist, profitorientiertes Wirtschaften zugunsten einer Care-Ökonomie einzuschränken und wie dadurch nicht nur gelingende Sorgebeziehungen, sondern auch ökologisch nachhaltiges Handeln ermöglicht werden. Gabriele Winker stellt Überlegungen vor, wie sich soziale Bewegungen stärken lassen, um dieses Ziel zu erreichen. Dabei zieht sie Parallelen zwischen der ungenügenden Unterstützung sorgender Beziehungen und der ökologischen Zerstörung; zudem plädiert sie für gemeinsame politische Aktivitäten von Care- und Klimabewegung. Letztendlich muss der Weg aus dem Kapitalismus heraus in eine solidarische Gesellschaft führen.

    „Wir nehmen uns den Platz für Sorge!“ auch in Köln

    Das Motto „Wir nehmen uns den Platz für Sorge!“ war auch in Köln am 8. März 2021, dem internationalen feministischen Kampftag, zentral. Im Rahmen des 8M Bündnisses Köln haben das Kölner Bündnis für mehr Personal im Gesundheitswesen, K2 interventionistische Linke, die Kritische Medizin Köln, der Antifa AK, die Föderation demokratischer Arbeitervereine (DIDF) und der Migrantinnenverein Köln sichtbar gemacht, was immer noch unsichtbar ist: dass bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit weiter entwertet und vor allem von Frauen, Lesben, inter, nicht-binären und trans-Personen, und besonders solchen die von Armut und Rassismus betroffen sind, gemacht wird – ob im Privaten oder schlecht entlohnt und unter miesen Bedingungen im Job.

    Daher haben Care-Aktivist*innen den Bahnhofsvorplatz in Köln Mülheim umbenannt und die unbezahlte Arbeit mit vielen Zetteln sichtbar gemacht. Mit Musik und Reden von allen beteiligten Gruppen standen die Fragen auf dem Platz: Warum ist die Sorge um Andere so viel weniger Wert als wachsende Profite für Wenige? Wie könnte eine Gesellschaft, in der die Sorge umeinander und Solidarität miteinander im Mittelpunkt steht, aussehen?

    Protest vor Paderborner Dom wegen Sabotage besserer Löhne in der Altenpflege durch Caritas

    Care Revolution Bielefeld war am Sonntag, den 21.03.21, am Paderborner Dom. Die Care Revolutionär*innen haben die Gelegenheit genutzt, da der Bischof die Messe gehalten hat. Vor dem Dom haben sie mit Flyer und Transpis gegen die Entscheidung der Caritas, sich dem Flächentarifvertrag in der Altenpflege zu entziehen, protestiert. Bei den Kirchgänger*innen traf diese Aktion auf mehrheitliche Zustimmung. Leider wurde die spontane Kundgebung danach mit massiver Polizeigewalt beendet.

    Berliner Kundgebung auch als Auftakt zum „Platz für Sorge“

    Foto: Phillippe Pernot

    Die Berliner Care Revolution Gruppe hat kurz vor dem 8.3. den Aufruf zum Platz für Sorge überarbeitet und den Streiktag als Auftakt zur Suche nach Partner*innen für ein breites Bündnis genutzt. Dazu soll es im April ein Treffen geben.

    Die Kundgebung unter dem Motto „Wir kriegen die Krise“ am Invalidenpark, die am 8. März um 11 Uhr (vor der Demo, die es in Berlin auch gab) stattfand, wurde von verschiedener Initiativen aus dem Bereich Gesundheit, Erziehung, sexuelle Selbstbestimmung und feministischen Gruppen organisiert: Walk of Care, dem Berliner Bündnis Gesundheit statt Profite, dem feministischen Streik Berlin, dem Frauen*streikkomitee Wedding, Brot & Rosen, Feminist* Dialogues, Ciocia Basia, dem  Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, PIA Berlin und dem Geburtshaus Maja.

    Es kamen über 600 Menschen auf dem Platz zusammen bei einem bunten Bühnenprogramm aus Redebeiträgen und Musik von 2 Bands. Die Protestierenden konnten außerdem bei der Ausstellung „Sorge-Arbeit ist Goldene Arbeit“ ihr Forderungen für eine „sorgende Gesellschaft“ an einer Wäscheleine hinterlassen. Wir waren mit der TN-Zahl und der gesamten Veranstaltung sehr zufrieden.

     

    Neuerscheinung: Solidarische Care-Ökonomie. Revolutionäre Realpolitik für Care und Klima

    Das neue Buch von Gabriele Winker, „Solidarische Care-Ökonomie. Revolutionäre Realpolitik für Care und Klima“ ist jetzt im Buchhandel erhältlich. Es setzt sich mit den parallelen Krisen sozialer und ökologischer Reproduktion auseinander. Care Revolution wird als eine Transformationsstrategie entwickelt, die Care und Klima in den Blick nimmt und die an den Wünschen und Praxen der vielen Menschen ansetzt, die unter den bestehenden Verhältnissen leiden und Auswege suchen. Ziel der Transformation ist eine Gesellschaft, die von Sorge und Solidarität statt von Konkurrenz und Ausgrenzung geprägt ist. Die Diskussionen und die politischen Aktivitäten im Netzwerk Care Revolution haben in die Aussagen des Buchs Eingang gefunden, und vielleicht kann das Buch wiederum unsere Diskussionen bereichern.

    „Solidarische Care-Ökonomie“ ist bei transcript erschienen und kostet 15€. Mehr zum Buch und zur Bestellung findet ihr hier:

    https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5463-9/solidarische-care-oekonomie/

    Platz für Sorge in Leipzig – Square for Care in Leipzig

    Auch in Leipzig wurde am 08.03.2021 die Kampagne „Platz für Sorge“ gestartet. Hier findet ihr einen Eindruck vom Tag als Video.

    Im Rahmen der Streikwoche des feministischen Streikbündnis Leipzig wurde dazu der Karl-Heine-Platz im Leipziger Westen in „Für Sorge – Platz“ umbenannt. Care-Utensilien und Fakten zu Care- und emotionaler Arbeit hingen an einer Wäscheleine quer über den Platz, der an einen Spielplatz grenzt. Das „Mili-Tanz“ Kollektiv eröffnete die Kundgebung mit einer mitreißenden Performance, an der im 2. Teil alle Anwesenden teilnehmen konnten. Im 1. Redebeitrag stellte unsere Regionalgruppe Care Revolution die Kampagne Platz Für Sorge und unsere Forderungen vor. Im nächsten Redebeiträge wurde der Zusammenhang von Kapitalismus und Patriarchat, sowie die (Un)-Möglichkeit Care-Arbeit zu bestreiken, thematisiert. DaMigra machten auf den migration pay gap aufmerksam, also die Lohnlücke von 20%  zwischen herkunftsdeutschen Frauen* und Migrant*innen*, der in einer geringen Bezahlung von migrantischen Arbeiter*innen  in der Pflege, im Reinigungsbereich, in der Altenpflege oder im Haushaltsbereich begründet liegt. Bei einem OpenMic berichtete eine Alleinerziehende von ihren alltäglichen Struggles in der Pandemie und eine Pfleger*in forderte bessere psychologische Betreuung und kürzere Arbeitszeiten in der Pflege. Schließlich forderte ein Beitrag von diversif eine stärkere intersektionale Auseinandersetzung der feministischen Bewegung in Leipzig mit Rassismus. Die (Cis-männliche) Supportstruktur des Bündnis versorgte die circa 150 – 200 Kundgebungsteilnehmer*innen nach der Veranstaltung mit Kaffee und Kuchen. Der Platz blieb noch für einige Tage umbenannt – und wir kommen hoffentlich schon im Juni zu einer weiteren Aktion zurück.

    Fünf Platzumbenennungen in „Platz der Sorge“ in Hamburg

    Das Hamburger Bündnis zum internationalen 8 März Streik hat am 8. März 2021 fünf dezentrale Kundgebungen in Hamburg veranstaltet. Als ein gemeinsames Element der Kundgebungen wurde jeder der Plätze, an dem die Kundgebungen stattfanden in „Platz der Sorge“ umbenannt. Im Hamburger Bündnis zum internationalen 8 März Streik sind sehr viele unterschiedliche Gruppen und Perspektiven vertreten. Was alle miteinander vereint ist, dass alle Sorgearbeiter*innen sind sowie, dass sie für alle Menschen ein gutes Leben verwirklichen möchten. Deshalb fordert auch Hamburg einen Platz der Sorge und schließt sich der bundesweiten Kampagne Platz für Sorge an. Ab jetzt gibt es in Hamburg fünf Plätze der Sorge darunter der Heidi-Kabel-Platz am Hauptbahnhof, der Gänsemarkt und drei weitere Plätze in zentraler Lage.

    Kampagne „Platz für Sorge“ mit 14 Initiativen in Osnabrück gestartet

    In Osnabrück rief das lokale Frauenstreik-Bündnis in diesem Jahr im Rahmen der Kampagne „Platz für Sorge“ zu Aktionen in der Osnabrücker Innenstadt auf. Im Vorfeld gab es nicht nur eine tolle Plakataktion mit 3 unterschiedlichen Collagen zum Thema sondern auch auf den Boden gekreidete Streikaufrufe.

    So kamen dann am 8. März von 15-18 Uhr am Theaterplatz um die 150 Personen zusammen, um den Forderungen kreativ, laut und kämpferisch Ausdruck zu verleihen. In zahlreichen Redebeiträgen wurden von verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen unterschiedliche Themenschwerpunkte der Geschlechterungerechtigkeit beleuchtet – immer im Mittelpunkt die zentrale Forderung nach einer Revolution der Care-Arbeit, in deren Rahmen der Veranstaltungsort von „Platz der Deutschen Einheit“ in „Platz für Sorge“ umbenannt wurde. Außerdem gab es ein Quiz zur Situation von Frauen und einen Infotisch mit verschiedensten Flyern, Broschüren und selbst gedruckten Patches. In Osnabrück unterstützen die Forderungen der „Platz für Sorge“-Kampagne neben dem Frauenstreik-Bündnis noch 13 weitere lokale Gruppen und Initiativen.

    Aufgrund der Pandemie wurde die Umbenennung live ins Internet gestreamt. In den kommenden Tagen werden außerdem alle Redebeiträge als Audio auf unseren Socialmedia Kanälen veröffentlicht.

    Care Revolution Bielefeld unterstützt Kampagne „Platz für Sorge“

    In einem Redebeitrag von Care Revolution Bielefeld im Rahmen der Aktionen zum 8. März heißt es: „Um unseren Vorstellungen von einer solidarischen Care Gesellschaft Nachdruck zu verleihen, haben wir uns der bundesweiten Kampagne und dem Freiburger Aufruf „Platz für Sorge“ angeschlossen. Wir möchten mit euch in diesem Wahljahr, im Sommer, in öffentlichen Versammlungen mögliche Forderungen, Ziele und politische Aktionen diskutieren.

    Wir wollen mit euch allen, auch im Rahmen der Kampagne „Platz für Sorge“ über eine Welt ohne nationale, kapitalistische, sexistische und rassistische Strukturen sprechen. Es muss einen Richtungswechsel geben: Es braucht eine massive Umverteilung des Reichtums von oben nach unten und vom globalen Norden in den Süden, eine Umverteilung zugunsten einer globalen Care-Ökonomie.“

    Die vollständige Rede könnt ihr hier nachlesen.

     

    Kundgebung auf dem „Platz der Sorge“ in Freiburg

    In einer von vielen Sprecher*innen getragenen Kundgebung benannte das Bündnis „Platz für Sorge“ anlässlich des Internationalen Frauenkampftags den zentralen in der Altstadt gelegenen Rathausplatz in „Platz der Sorge“ um. Parallel fanden ähnliche Aktionen in anderen Städten statt. „Platz für Sorge“ ist in Freiburg ein breites Bündnis von 45 Initiativen. Dies ist für die hiesigen Verhältnisse eine große Zahl, die in ihrer Unterschiedlichkeit verschiedene Care-Bereiche und politische Spektren umfasst. Beteiligt daran sind viele feministische und Frauengruppen ebenso wie Care Revolution oder der Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit, das Netzwerk solidarisches Gesundheitswesen oder die Initiative Faire Pflege. Auch die drei Gruppierungen, die die Gemeinderatsfraktion „Eine Stadt für Alle“ tragen, die Partei die Linke und die Grüne Jugend sind dabei. Wichtig auch, das Gruppen aus der Solidarität mit Geflüchteten wie Solidarity City und die Aktion Bleiberecht ebenso beteiligt sind wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion aus der Klimabewegung. Aber auch Initiativen wie das Netzwerk PflegeBegleitung oder die Außerstationäre Krisenbegleitung sind Teil dieses Bündnisses. So kommen hier Initiativen, die sich bei Sorgeaufgaben gegenseitig unterstützen, mit solchen zusammen, die für bessere Rahmenbedingungen eintreten.

    Weil wir ein umfangreiches Programm aufgestellt hatten, waren wir froh, dass der Tag kühl, aber sonnig wurde. So fanden die 150-200 Teilnehmer*innen an der Kundgebung trotz des gebotenen Abstands immer ein gemütliches Plätzchen.

    Zu Beginn weihten wir den Platz der Sorge im Rahmen einer Einweihungsrede_Platz_fuer_Sorge_Freiburg ein, die die Beweggründe und die Aufruf_PfS_web des Bündnisses darstellte. Dazu gehörte auch die Enthüllung des Platzschildes. Anschließend demonstrierte eine kleine Performance, wie Sorgearbeitende ihre wichtige Arbeit leisten – weitgehend unsichtbar und von unnötigen Lasten behindert. Im Laufe der Performance befreiten sie sich aus der Unsichtbarkeit und von den Lasten und feierten gemeinsam mit denen, für die sie sorgten; dies waren Corona-gemäß ausgestopfte menschengroße Puppen.

    Den Hauptteil der Kundgebung machten dann die Beiträge und Gesprächsrunden aus, in denen Menschen von ihrem Sorgealltag und ihrem Streben nach Veränderung berichteten. Dabei achteten wir anlässlich des 8.März darauf, dass fast ausschließlich Frauen sprachen, die auch den Großteil der Sorgearbeit tragen: Eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, wovon eines körperlich behindert ist, beschrieb ihren Alltag. Gewerkschaftliche Aktivistinnen aus der Uniklinik stellten Belastungen und Kämpfe des Personals dar. Teilnehmerinnen eines Selbsthilfe-Gesprächskreises pflegender Angehöriger schilderten, wie sie sich in ihrer schwierigen Situation gegenseitig unterstützen. Eine Medizinerin stellte die Initiative für ein solidarisches Stadtteilgesundheitszentrum vor. Frauen aus der Initiative „Geburtswohnung Kuckucksnest“ beschrieben, wie sie Schwangeren die Möglichkeit zu einer selbstbestimmten Hausgeburt auch dann ermöglichen, wenn deren Wohnverhältnisse die Geburt in der eigenen Wohnung nicht zulassen. Ein Gewerkschaftssekretär rief zu einer Kundgebung gegen die Caritas auf, die mit ihrem Veto verhindert, dass ein für alle Beschäftigten in der Altenpflege gültiger Tarifvertrag eingerichtet wird. Und zum Abschluss steuerten Schülerinnen von Fridays for Future einen Poetry Slam bei. Dies war uns ein besonderes Anliegen, weil wir Sorge weiter fassen wollen als allein das Kümmern von Menschen umeinander. Es gehört auch dazu, dafür Sorge zu tragen, dass die allgemeinen Bedingungen menschlichen Lebens erhalten bleiben. Wichtig ist uns zudem, dass Gruppen von Menschen wie Geflüchtete nicht von den Rechten, die in Deutschland erkämpft wurden, ausgeschlossen werden. Deshalb passte es gut, dass Solidarity City Freiburg einen Newsletter zum Thema „Platz für Sorge“ verteilte.

    Platz für Sorge – Tübingen: ein riesiger Care-Berg

    Wir haben am 7. 3. im Rahmen einer Spaziergangroute in Tübingen, an der verschiedene queerfeministische Gruppen beteiligt waren, eine Station gestaltet: Wir haben den Europaplatz in „Platz für Sorge“ umbenannt und einen Mitmach-Stand aufgebaut, an dem die Passant*innen ihr jeweiliges Care-Thema auf einen vorbereiteten Karton pinseln konnten. Diese „Care-Pakete“ wurden dann zu einem riesigen Berg an Care-Arbeit aufgetürmt.

    Die Partizipation war beeindruckend, das Spektrum der Themen ebenso: von „Personalaufstockung versprochen – bis heute nichts passiert“ aus dem Kontext der Frauen-Notruf-Projekte über „täglich 1 Stunde mit der Mutter telefonieren“ bis hin zu „Sexarbeit“ und „emotionale work in communities“ und „alle Termine im Blick behalten“. Darum herum gab es für eine Straßenaktion ungewöhnlich intensive Gespräche zu den verschiedensten Aspekten von Care, viel Nachdenkliches, viele Aha-Erlebnisse, viel Empörung mit Blick auf Ökonomie und Politik, viel Enttäuschung von der grünen Landesregierung. Auch erreichte die Aktion ganz unterschiedliche Personen: Frauen*, die spontan sehr viel mitzuteilen hatten und schnell zum Pinsel griffen, um ihre Care-Themen zu veröffentlichen, andere, die sich erst im Gespräch darüber im Klaren wurde, wieviel Care-Arbeit sie fortlaufend leisten, wieder andere, die bereits in politischen Aktivitäten zu einer anderen Care-Politik und -Ökonomie involviert sind und für die schon vor der Aktion klar war, dass ein gutes Leben für alle nur mit einer breiten gesellschaftlichen Solidarisierung möglich ist. Und wir eine Care Revolution brauchen!

    Irgendwann gingen uns die Kartons aus – kein Wunder. In einer wirklichen Care-Ökonomie wäre er wahrscheinlich nur halb so groß. Oder er wäre gleich groß, stünde aber für Anerkennung, gerechte Verteilung, Entlohnt- und Gesehen-Werden!

    Solange dies nicht so ist, bleiben unsere Forderungen, die wir auch auf dem Flyer stehen haben:
    + ein gutes Leben für alle, solidarisch und geschlechtergerecht!
    + eine bedarfsgerechte Daseinsvorsorge!
    + keine Profitlogik im Gesundheitswesen – weg mit dem Fallpauschalensystem – ein Gesundheitswesen in öffentlicher Hand!
    + Zugang zu gesundheitlichen Leistungen und gesundmachenden Lebensumständen für Alle
    + dezentrale Unterbringung für Geflüchtete und Wohnungslose – auch als besserer Schutz vor Corona
    + keine Stigmatisierung von Sexarbeiter*innen+ Platz für Sorge – Care Revolution!

    Frauen*Gruppe Zumutung Tübingen/Reutlingen, Interventionistische Linke Tübingen

     

     

     

    Radio-Interview von Radio-Dreyeckland zur Kampagne „Platz für Sorge“

    In Vorbereitung der Kundgebung auf dem Platz der Sorge hat Sön vom feministische Laradio mit Frauke Linne vom feministischen Streik Freiburg, Susanne Schlatter von den Unabhängigen Frauen Freiburgs und Gabriele Winker von Care Revolution Freiburg diskutiert. Diese Diskussion könnt ihr hier hören. Dies Sendung wurde am Morgen des Internationalen Frauenkampftags ausgestrahlt.

    Freiburger Aufruf „Platz für Sorge“
    von über 45 Initiativen unterstützt

    In Freiburg unterstützen bereits 45 Initiativen den Freiburger Aufruf „Platz für Sorge“. Es gibt regelmäßige Online-Treffen. Dort arbeiten feministische Gruppen zusammen mit Solidarity City und anderen Initiativen, die für das Bleiberecht und humane Lebensbedingungen von geflüchteten Menschen eintreten. Gleichzeitig sind auch Fridays for Future und Extinction Rebellion beteiligt, da gute Rahmenbedingungen für gelingende Sorgebeziehungen auch Ökosysteme und Stoffkreisläufe erfordern, die nicht vollständig zerstört sind. Aber auch die seit Jahren bereits bestehenden Bündnisse in der Stadt sind aktiv dabei wie die Initiative Faire Pflege, das Netzwerk für ein solidarisches Gesundheitswesen oder das Bündnis für Familie. Auch der Ortsverband von ver.di unterstützt den Aufruf.

    Derzeit stehen die Vorbereitungen für den 8. März im Fokus. Wir wollen einen Platz als „Platz der Sorge“ umbenennen und dort all denjenigen Raum zu geben, die umfangreiche Sorgeaufgaben wahrnehmen oder hohen Sorgebedarf haben. So werden auf diesem Platz beispielsweise pflegenden Angehörige, Eltern mit behinderten Kindern oder Alleinerziehende über ihre herausfordernde Alltagsorganisation berichten und deutlich machen, welche staatliche Unterstützung sie benötigen. Geflüchtete werden auf die unhaltbaren Zustände in den Erstaufnahmelagern verweisen. Sowohl Aktive, die für eine Poliklinik streiten, als auch Care-Beschäftigte aus den Krankenhäusern werden ihre nächsten politischen Schritte darstellen. Gleichzeitig werden Klimaaktivist*innen mit Nachdruck darauf hinweisen, vor welch großen Herausforderungen wir stehen. Deutlich soll werden, was jetzt zu tun ist, damit in Zukunft alle gut leben können.

    Kampagne „Platz für Sorge“ nimmt Fahrt auf

    Gerade zu Beginn der Pandemie haben die Positionen von Care Revolution in der Öffentlichkeit an Aufmerksamkeit gewonnen. Jetzt gilt es, unseren Forderungen auch vor Ort Nachdruck zu verleihen. Deswegen hat das Netzwerk Care Revolution im Oktober beschlossen, die Kampagne „Platz für Sorge“ zu initiieren. Sie soll in breiten Bündnissen vor Ort umgesetzt, aber bundesweit zusammengeführt werden.

    Diese Kampagne stößt inzwischen in mehreren Städten auf Resonanz. Das hat ein erster überregionaler Erfahrungsaustausch gezeigt. Dabei wurde deutlich, dass es in Tübingen, Bielefeld, Frankfurt, Erlangen, Freiburg bereits konkrete Überlegungen zu Aktivitäten gibt, insbesondere zum 8. März, und in weiteren Städten die Planungen gerade beginnen. Es gibt eine Mailingliste, an der sich weitere Aktive, die sich an der Kampagne beteiligen möchten, einschreiben können (über care-revolution-freiburg@riseup.net).

    Am 26. März wird es ein weiteres Online-Vernetzungstreffen geben, in dem wir die Erfahrungen mit unseren Aktionen am 8. März austauschen und weitere Aktivitäten planen möchten. In einigen Städten wird die Kampagne am 1. Mai fortgesetzt, anderswo wird über ein Kampagnen-Sommerfest nachgedacht, auf dem Tanzen und Diskutieren, Malen und Reden, Essen und gemeinsam Lernen, alles, was zusammen mehr Spaß macht, Platz haben soll.

    Sorge-Ökonomie im Lokalen: Kiez und Dorf für Alle

    Beitrag in der Reihe Perspektiven von Sven Drebes (Berlin), Alexandra Gerber (Leipzig) und Ann Wiesental (Berlin). 

    Mit freundlicher Genehmigung von CONTRASTE Zeitung für Selbstorganisation

    In unserer Utopie leben im Jahr 2048 alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit in Kiezen oder Dörfern zusammen, solidarisch, im Austausch, barrierefrei. Dieser Artikel befasst sich mit den Fragen, wie solche Strukturen gestaltet sein müssen, damit wirklich alle Menschen daran teilhaben können. Er basiert auf einem Workshop, den wir beim Kongress »Zukunft für Alle« des Konzeptwerks Neue Ökonomie 2020 durchgeführt haben, er geht jedoch teilweise darüber hinaus.

    Bei vielen Überlegungen steht die Analyse und Kritik der Verhältnisse am Anfang und zur Utopie kommt es oft gar nicht. Wir haben uns deswegen sehr über den Kongress gefreut, bei dem es um die Utopie ging. Ein Kriterium, an dem sich unsere Utopie messen lassen muss, ist, dass bei Entscheidungen, Entwicklungen und Priorisierungen der tatsächliche Bedarf der Menschen im Zentrum steht und nicht das Ziel, möglichst schnell und viel Profit zu erzielen. Care-Bedarfe dürfen nicht weiter wie der Bedarf nach Waren organisiert werden und die damit zusammenhängenden Arbeiten und Beziehungen somit nicht warenförmig. Außerdem sollten die Bedarfe sowie die Notwendigkeit guter Bedingungen von den drei Positionen aus gedacht werden. Das bedeutet, dass Care-Nehmer*innen sowie unbezahlte und bezahlte Care-Arbeiter*innen nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden sollen.

    In den 2010er Jahren kam der technokratisch klingende Begriff »inklusive Sozialräume« auf, der diese utopischen Strukturen gut beschreibt. Daran erinnern sich im Jahr 2048 allerdings nur noch wenige, weil die inklusive Gestaltung so selbstverständlich geworden ist, dass nicht mehr darauf hingewiesen werden muss. Einige Menschen brauchen weiterhin in mehr oder weniger großem Umfang persönliche Assistenz oder spezialisierte Unterstützungsstrukturen. Care-Bedarfe wie Kinderbetreuung, Beziehungsarbeit, Kochen und Hausarbeit werden in unterschiedlichen Formen, zu großen Teilen selbstverwaltet und gemeinschaftlich organisiert.

    Weniger Erwerbsarbeit

    Eine wesentliche Veränderung hat 2048 in der Zeitpolitik stattgefunden. Ein Orientierungspunkt ist nunmehr die »Vier-in-Einem«-Perspektive von Frigga Haug. Den Menschen steht danach ähnlich viel Zeit zur Verfügung für vier verschiedene Arten von Tätigkeiten: produktive, reproduktive und politische Arbeit sowie Arbeit im Bereich Kreativität, Muße und Freizeit. Dazu musste der Anteil der Erwerbsarbeit deutlich abnehmen. Die Menschen müssen nicht mehr als 20 Stunden die Woche einer Erwerbsarbeit nachgehen. Damit verbunden ist, dass alle Tätigkeiten des Lebens wertgeschätzt und anerkannt werden und sie befreit sind vom Druck zur Effizienz. Somit stehen die Beziehungen stärker im Zentrum.

    Gemeinschaft und Kollektivität haben einen hohen Stellenwert, doch es gibt keinen Zwang. Da wo es den Wunsch nach gemeinschaftlichem, kollektivem Leben gibt, wird es gefördert und unterstützt, Care-Arbeit versteht sich als Angebot. Die dafür notwendigen sozialen Netzwerke sind zusehends wichtiger in unserem täglichen Umgang geworden und prägen unser Dasein nachhaltig, wir tragen uns alle miteinander gemeinsam. Sie sind entstanden, weil wir Solidarität und Soziales leben und stärken, anstatt ökonomisches Kapital zu akkumulieren. Beziehungen sind offener und vielfältiger und bekommen eine mindestens genauso hohe Bedeutung zugemessen wie einst Kleinfamilien. Wir fokussieren uns nicht mehr auf cis-heterosexuelle monogame Beziehungen, wie Kleinfamilien, an denen sich bisher alle anderen Formen der Beziehungen und somit der sozialen Strukturen rund um Care-Arbeit ausgerichtet hatten, sondern erweitern diese zum Beispiel dadurch, dass Menschen, die ein hohes Maß an Ressourcen aufweisen, diese mit anderen, auch außerhalb ihrer Nahbeziehungen teilen können, wenn sie möchten. Durch das Aufbrechen der Heteronormativität wird Care-Arbeit nicht mehr zu einem großen Anteil von weiblich sozialisierten Personen abgedeckt, vielmehr beteiligen sich auch Personen, die sich mit anderen Geschlechtern identifizieren, an Care-Arbeiten, egal in welcher Form.

    Grenzen werden geöffnet

    Da Care-Tätigkeiten kollektiv und solidarisch außerhalb der Kernfamilien umgesetzt werden, müssen diese nicht mehr von schlecht bezahlten Migrant*innen aus Osteuropa und dem globalen Süden erledigt werden. Ihre Qualifikationen und Bildungsabschlüsse werden anerkannt, so dass sie in ihren erlernten Berufen arbeiten können und nicht mehr die Versorgungslücken füllen müssen. Voraussetzung dafür ist, dass die Grenzen weltweit für Menschen geöffnet werden.

    Um die Ausbeutung von sozialen und ökologischen Ressourcen einzudämmen, werden diese nicht mehr primär zur Kapitalakkumulation eingesetzt und stärker reguliert. Das Eigentum an Produktionsmitteln hat abgenommen, immer mehr Bereiche sind vergesellschaftet, in gemeinschaftlichem oder Genossenschaftsbesitz. Die Organisationsstrukturen sind dort flacher und basisdemokratischer. Durch die teilweise Vergesellschaftung von Eigentum haben die Bedeutung und Wertschätzung von Geld abgenommen. Menschen können auch ohne Geld partizipieren, denn das Ein- und Auskommen ist nicht mehr von der Erwerbsarbeit abhängig. Auch die Ressourcen und benötigte Infrastrukturen, um die Bedarfe nach bezahlter Care-Arbeit zu decken, werden solidarisch von der Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Alle sind ausreichend – zum Beispiel über ein bedingungsloses, globales Grundeinkommen – versorgt, niemand muss mehr hungern oder ohne Obdach sein.

    Vielfalt ist ein Wert an sich

    2048 hat sich viel verändert, doch es war nicht immer ganz einfach, die vorherigen Strukturen so umzugestalten, dass sie für alle barrierefrei zugänglich sind. Barrierefrei ist, was für Menschen auf die allgemein übliche Weise und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar ist, wobei die Betonung auf »grundsätzlich« liegt. Das Konzept Barrierefreiheit wurde früher meistens als ein behindertenpolitisches verwendet, es ließ sich aber problemlos auf andere Ausschlüsse übertragen. Dort, wo Barrierefreiheit noch nicht hergestellt ist, bestimmte Barrieren aus technischen Gründen nicht beseitigt werden konnten oder bestimmte behinderte Menschen grundsätzlich barrierefreie Angebote nicht nutzen können, haben so genannte »angemessene Vorkehrungen« den Zugang ermöglicht. Das sind individuell an die Bedarfe der Menschen und die Situation angepasste Maßnahmen.

    Barrierefreiheit ist eine wesentliche Voraussetzung für eine inklusive Gesellschaft. Eine solche Gesellschaft nimmt alle in ihrer gesamten Vielfalt wahr und akzeptiert diese Vielfalt als Wert an sich. Dazu gehört die Erkenntnis, dass jede Person bestimmte Stärken hat, die sie unter bestimmten Bedingungen entfalten kann. Einige benötigen dazu – aus welchen Gründen auch immer – Bedingungen, die deutlich von denen der anderen abweichen, weswegen die Gesellschaft zur Schaffung solcher Bedingungen beitragen muss. Das Vorhandensein von Behinderungen bzw. körperlichen, psychischen oder kognitiven Beeinträchtigungen ist dabei nur ein Anlass von vielen. Die damalige Diskussion über Inklusion im deutschsprachigen Mainstream griff daher deutlich zu kurz. Bei der inklusiven Gestaltung der Gesellschaft allgemein oder von bestimmten Strukturen ist unter anderem zu beachten, dass Menschen nicht behindert sind, weil sie bestimmte Tätigkeiten nicht ausführen können. Menschen werden vielmehr behindert, weil die Gesellschaft bestimmte Anforderungen an sie stellt, die sie auf Grund ihrer physischen, psychischen oder kognitiven Eigenschaften nicht erfüllen können. Dabei sind diese Eigenschaften nur bei einer Minderheit der Menschen von Anderen wahrnehmbar.

    Barrieren für Beteiligung abbauen

    2048 werden alle Arbeiten, produktive und reproduktive, in der Gesellschaft als gleichberechtigt wertvoll wahrgenommen und geschätzt. Die basisdemokratische Organisation in den Kiezen und Dörfern erfolgt überwiegend in inklusiv gestalteten Räten. Dort kommen Menschen in kleinen und größeren Einheiten zusammen, und alle Bedarfe nach Angeboten und Infrastrukturen werden gehört. So kann in erster Linie für diese sensibilisiert werden, um sie zu koordinieren und die zu ihrer Deckung notwendigen Arbeiten und Maßnahmen zu organisieren. Dabei gibt es zum Beispiel Beauftragte, deren Fokus die Diversität ist. Machtverhältnisse und strukturelle Benachteiligungen werden abgebaut, wodurch sichergestellt wird, dass alle, die das möchten, sich aktiv einbringen können

    Letzteres stellt insbesondere selbstorganisierte Strukturen vor Herausforderungen, da das Konzept Selbstorganisation relativ hohe Anforderungen an die Beteiligten stellt. Früher wurde dies besonders von Gruppen praktiziert, in denen sich Menschen zusammenfanden, die in Bezug auf Bildung, (soziale) Herkunft und politische Einstellungen relativ homogen waren. Um Organisationsstrukturen inklusiver zu gestalten, wurden deswegen die Erwartungen an »Neue« überprüft sowie eine Vielfalt an Möglichkeiten zur Beteiligung und eine transparente Kommunikation geschaffen, die proaktiv darstellt, welche Barrieren man bereits vermieden bzw. (schon) abgebaut hat und welche »angemessenen Vorkehrungen« weiter organisiert werden können. Benachteiligte Menschen fühlen sich so von vorneherein angesprochen.

    Ansätze für diese Veränderungen waren 2020 schon erkennbar. Gerade durch die Corona-Krise ist uns allen umso mehr bewusst geworden, wie wichtig soziale Beziehungen sind und dass ein solidarisches Miteinander in den meisten von uns verankert ist. Auch die prekäre Situation in den Institutionen zur Betreuung bzw. Unterbringung obdachloser, behinderter, pflegebedürftiger und geflüchteter Menschen wurde durch die Pandemie wie in einem Brennglas deutlich. Als Reaktion darauf wuchs das Interesse an alternativen Care-Strukturen, die bereits im Kleinen existierten, deutlich. So haben sich von unten Strukturen entwickelt, in denen Zeit und materielle Güter geteilt wurden.

    Lasst uns daran festhalten und sie groß machen, so dass der Begriff von Inklusion hinfällig wird, weil alles inklusiv ist. In unserer Utopie 2048 hat sich das realisiert, und das Leben und Miteinander ist von Solidarität und Teilhabe geprägt. Wir freuen uns auf diese Zukunft!

    Die Autor*innen kennen sich über Aktivitäten des Care Revolution Netzwerks. Sie arbeiten zu unterschiedlichen Bereichen wie Ökonomie, Care, Behindertenpolitik und Feminismus. weiterlesen

    Care Revolution startet Kampagne „Platz für Sorge“

    Mit dem hier zu findenden Aufruf startet das Netzwerk Care Revolution die Vorbereitungen für die Kampagne „Platz für Sorge“. Wir rufen Initiativen und Einzelpersonen dazu auf, mit uns zusammen in möglichst breiten Bündnissen an möglichst vielen Orten für das Jahr 2021 eine Kampagne „Platz für Sorge“ durchzuführen.

    Dezentral sollen erstens rund um den 8. März, zweitens am Sonntag, den 13. Juni und drittens vor der Bundestagswahl Mitte bis Ende September größere und kleinere öffentlichkeitswirksame Aktivitäten stattfinden, die sich bundesweit aufeinander beziehen. Sie sollen öffentlichkeitswirksam darauf hinweisen, dass eine an menschlichen Bedürfnissen orientierte Care-Arbeit ins Zentrum unserer Gesellschaft gehört und dass dafür die Forderungen der Care-Bewegung endlich umgesetzt werden müssen.

    Wir würden uns freuen, wenn sich in möglichst vielen Städten und Dörfer Bündnisse zusammenfinden, die auf der Grundlage dieses Aufrufs sich an der Kampagne „Platz für Sorge“ beteiligen. Wir können uns beispielsweise vorstellen, dass am 8. März ein öffentlicher Platz besetzt und als Platz der Sorge umbenannt wird. Wir können uns aber auch vorstellen, dass rund um den 8. März zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen wird, in der über die im Aufruf genannten Forderungen breit diskutiert wird und darüber neue Mitstreiter*innen gewonnen werden.

    Die Hauptaktion ist für Sonntag, den 13. Juni geplant. Dort wäre es schön, wenn auf möglichst vielen Plätzen in der Republik Sorgearbeitende, Beschäftigte in Krankenhäusern, Kitas oder Seniorenheimen, aber auch familiär Sorgearbeitende mit ihren Kindern und unterstützungsbedürftigen Angehörigen gemeinsam feiern, diskutieren, tanzen, sich austauschen, an Workshops teilnehmen, zusammen essen, malen und spielen würden, eben all das machen würden, was das Leben interessant macht.

    Die Abschlussveranstaltung für das Jahr 2021, in der wir unsere Positionen auch in den Bundestagswahlkampf tragen wollen, soll dann Mitte bis Ende September, wo möglich auch auf einem öffentlichen Platz, stattfinden.

    Der nächste Schritt, noch in diesem Jahr, ist es jetzt, dass sich vor Ort interessierte Personen aus Initiativen, Organisationen, Parteien, Gewerkschaften zu einem ersten Treffen, auch online, vor Ort treffen, um gemeinsam zu beginnen, die passende Konzeption für den jeweiligen Ort herauszuarbeiten. Impulsgeber*innen können gerne auch Menschen sein, die nicht bei Care Revolution aktiv sind.

    Wenn Ihr Interesse habt, daran mitzuwirken, meldet Euch unter care-revolution@riseup.net. Bitte schreibt uns auch, wenn ihr erste Erfahrungen mit den Bündnistreffen gemacht habt. So können wir voneinander lernen. Je mehr wir gemeinsam hinbekommen, umso mehr Einfluss können wir auf die mediale Öffentlichkeit gewinnen.

    Interview mit Lisa Höfer, Care Revolution Berlin, im Audioportal Freier Radios

    Das Audioportal Freie Radios hat mit Lisa Höfer vom Netzwerk Care Revolution über die Notwendigkeit einer Care-zentrierten Ökonomie gesprochen. Das Interview findet ihr  hier. Darin stellt Lisa auch einen Aktionsworkshop vor, der im Rahmen der Wandelwoche Berlin am 12.09.20 durchgeführt wird. Nähere Details dazu sind hier ‎zu finden.

    Care Revolution und VdK: Pflegekräfte brauchen bessere Bedingungen

    Was Pflegekräfte jeden Tag leisten, ist anspruchsvoll. Durch die Corona-Pandemie genießen sie derzeit zwar viel Aufmerksamkeit, aber langfristig brauchen sie mehr als das. Care-Arbeit ist meist unbezahlte Arbeit. Als Erwerbsberuf wird sie unterbezahlt. Dies muss sich ändern. Und zwar nicht nur durch mehr Anerkennung, sondern auch durch finanzielle Absicherung. z.B. durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen und anständige Mindestlöhne.

    Hier findet ihr ein Video auf den Seiten des Sozialverbands VdK mit Elfriede Harth, Care Revolution. Auch berichtet die September Ausgabe der Vdk-Zeitung darüber.

    Volksinitiative „Gesunde Krankenhäuser in NRW – FÜR ALLE!“

    Mitglieder von care revolution Dortmund beteiligten sich am 26. August 2020 an der Auftaktveranstaltung zur Volksinitiative „Gesunde Krankenhäuser in NRW – FÜR ALLE!“ vor dem Düsseldorfer Landtag. Care revolution Dortmund arbeitet mit im Dortmunder Bündnis für mehr Personal im Gesundheitswesen.

    Alle Informationen zur Volksinitiative findet ihr hier – dort gibt es auch Unterschriften-Listen für Wahlberechtigte in NRW zum Download. 66 000 Unterschriften aus NRW sind erforderlich – UNTERSCHREIBT ALLE!

    Freiburger Beitrag zum bundesweiten Aktionstag für ein solidarisches Gesundheitswesen

    Am Mittwoch, den 17.6., rief ein vom Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen organisiertes Bündnis anlässlich der ursprünglich geplanten Gesundheitsminister_innenkonferenz in Freiburg zu einer Kundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge und einer Menschenkette durch die Innenstadt zum Rathaus auf. Dabei waren unter anderem auch ver.di, das Teamdelegiertentreffen der Uniklinik und Care Revolution Freiburg. Knapp 400 Menschen kamen zusammen und trugen unter dem Motto „Aufstehen statt klatschen – gemeinsam für ein solidarisches Gesundheitswesen“, ihre Forderungen auf die Straße. Eindrücke von der Veranstaltung bekommt ihr hier in einem Interview mit dem Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen, hier in einem Beitrag des Südwestrundfunks und hier bei TV Baden Süd.

    Auf der Auftaktkundgebung sprachen Vertreterinnen des Netzwerks Solidarisches Gesundheitswesen und des Teamdelegiertentreffens der Uniklinikums-Beschäftigten. Im Zentrum stand dabei die Forderung nach grundlegenden Veränderungen im Gesundheitssystem, wie zum Beispiel die Abschaffung der Fallpauschalen. „Wir wollen eine Versorgung, die sich am tatsächlichen Bedarf orientiert, nicht an Konzerngewinnen und Sparzwang. Und wir wollen demokratisch darüber entscheiden, wie unsere Gesundheitsversorgung aussieht“, so die Vertreterin des Netzwerks in ihrer Rede. Das passte gut zu den Care Revolution-Plakaten, auf denen unter anderem stand: „Geld für Pflegende statt für Aktionäre – Care Revolution jetzt!“

    Ursprünglich war an diesem Tag eine zentrale Kundgebung in Berlin als Ort der Gesundheitsminister_innenkonferenz geplant. Weil diese ausfiel, fanden in etlichen Städten im Bundesgebiet Kundgebungen und andere Aktionen statt. Einen Eindruck vermittelt dieser Livestream, in dem zusammengestellt ist, was in verschiedenen Städten passiert ist. Auch aus Freiburg gibt es nochmals Eindrücke zu sehen:

    Dabei umfasst das Video noch gar nicht alle Städte, in denen es Aktionen gab. In Baden-Württemberg waren Menschen in Sigmaringen,  Tübingen und Ulm auf der Straße, um auf die Notwendigkeit eines Wandels im Gesundheitssystem aufmerksam zu machen.

    Zum Abschluss noch ein Blick über die Grenze: In Frankreich gab es am Tag zuvor, dem 16.6., in vielen Städten Demonstrationen von  Gesundheitsarbeiter_innen. Einen Einblick mit Links zu vielen Städten gibt es bei labournet.

    Unterm Strich: Die Kundgebung ein Freiburg war aus Sicht von Care Revolution Freiburg richtig gelungen und ermutigend. Auch die Verbindung zu Aktiven in anderen Städten tat gut. Dabei ist uns klar, dass viele weitere und größere Schritte nötig sind, um gegen Ökonomisierung und Privatisierung in Altenpflege und Gesundheitsbereich anzukommen. Wir gehen sie – auch im Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen, in dem Leute aus unserer Gruppe fest mitarbeiten.

    Netzwerk Care Revolution trifft sich online

    Am Wochenende vom 4. bis 6. Juni 2020 fand das bundesweite Netzwerktreffen Care Revolution zum ersten Mal online statt. Es war mit ca. 40 Teilnehmenden sehr gut besucht. Dabei war sicherlich hilfreich, dass niemand reisen musste. Entscheidend für die breite Beteiligung war wohl auch die Corona-Pandemie, die dazu führt, dass Care-Arbeit in der öffentlichen Diskussion breit diskutiert wird und unsere Regionalgruppen häufig für Stellungnahmen oder Vorträge angefragt werden. Es sind an diesem Treffen auch einige neue Mitstreiter*innen zu uns gestoßen, worüber wir uns freuen.

    Eröffnet wird unser Netzwerktreffen traditionell am Freitagabend mit einem öffentlichen Vortrag. Dieses Mal diskutierte Ann Wiesental von Netzwerk Care Revolution mit den Freundinnen und Freunde der Klassenlosengesellschaft und Friederike Beier, Autorin des Buches „Materializing Feminism“.

    Am Samstag konnten wir uns gegenseitig über vielfältige Aktivitäten vor Ort berichten, etwa Kundgebungen zum 1. Mai oder Aktivitäten zum Tag der Pflege. Danach debattierten wir in vier parallelen Workshops zu den Fragen, wie wir mit unseren Vorstellungen von Care-Ökonomie gute Rahmenbedingungen für Care und Klima schaffen können, welche Bedeutung der Solidaritätsbegriff für unsere politische Arbeit hat, wie sich die Kämpfe für ein solidarisches Gesundheitswesen in Zeiten von Corona verändert haben und welchen Beitrag Care-Räte zur gemeinsamen lokalen Organisation notwendiger Care-Arbeit leisten können.

    Am Sonntag ging es dann eher um organisatorische Themen. Wir sprachen über die Aufgaben des Koordinations-Kreises, der sich zwischen den Netzwerktreffen telefonisch über die Aktivitäten im Netzwerk und in den Regionalgruppen austauscht. Ferner überlegten wir, wie wir sowohl unsere Öffentlichkeitsarbeit über unsere Homepage und soziale Medien sowie unsere Bildungsangebote weiter verbessern können. Zum Abschluss dieses Wochenendes wurde in der Feedback Runde deutlich, dass wir alle sehr inspiriert von unserem Austausch sind. Auch sind wir froh, dass wir uns zumindest online wieder begegnen konnten. Vielen Dank an die Organisator*innen!

    #CAREelevant – Der Care Revolution Podcast

    CAREelevant – Der Podcast

    In unserer Podcast-Reihe #CAREelevant kommen Menschen zu Wort, die bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit leisten oder auf diese Arbeit angewiesen sind. Sie berichten, wie sich ihre Arbeit und ihr Alltag in der Corona-Pandemie verändert haben und welche gesellschaftlichen Wege aus und nach der Krise sie sich wünschen. weiterlesen

    Guerilla-Aktion am 1. Mai in Frankfurt

     

     

     

    Care Revolution Frankfurt hat am 1. Mai eine Guerilla-Aktion vor dem Rathaus in Frankfurt durchgeführt.

    Der Hausmeister des Rathauses hat zwar die Polizei gerufen, die dann auch mit 7 Mann ankam, aber wir haben unsere Fotos machen können und dann halt die Sachen an den Bauzaun gegenüber des Rathauses hingehängt und dort hängen lassen – samt alter Klobürsten und Putzlumpen.

     

    1. Mai vor dem Freiburger Münster

     

     

     

    Schon seit Jahren begehen wir vom Netzwerk Care Revolution in Freiburg und auch an anderen Orten den 1. Mai als Tag auch der unsichtbaren Arbeit. Fragten uns in den ersten zwei Jahren die Gewerkschaftskolleg_innen noch, was wir damit meinen und weshalb uns die unentlohnte Arbeit in Familien und im Ehrenamt so wichtig ist, so wurden wir in den letzten Jahren mit einem Care-Block auf der Demonstration und mit unserem Care Revolution-Stand zum festen Bestandteil des 1. Mai-Fests draußen auf einem begrünten Platz. Dieses Jahr war dieser 1. Mai vom Gewerkschaftsbund DGB wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden.

    Uns schien es aber gerade jetzt besonders wichtig, auf die Notwendigkeit des Ausbaus einer solidarischen und nachhaltigen Care-Ökonomie auch in der Öffentlichkeit, mag sie noch so klein sein, hinzuweisen. Deswegen haben wir eine kleine Versammlung mit unseren Plakaten angemeldet.

    Diese Versammlung wurde unter der Auflage, den Abstand von 1,5 m zueinander und gegenüber Passant_innen einzuhalten und Mund-/Nasenschutz zu tragen, genehmigt. So standen wir vor dem Freiburger Münster mit unseren Plakaten mit Sprüchen wie etwa „Bedürfnisse statt Profit“ oder „Solidarität statt Konkurrenz – Care Revolution jetzt“. Auch konnten wir mit einer Greifzange, um den Abstand einzuhalten, unsere Flugblätter verteilen und auf Abstand auch einige Gespräche führen.

    Es hat enorm gut getan, den Raum der Videokonferenzen zumindest an diesem Tag zu überschreiten und wieder in der Öffentlichkeit unseren Platz einzunehmen. Es hat auch gut getan, Zuspruch von anderen Menschen zu erfahren, mit denen wir, sobald die Kontakteinschränkungen aufgehoben sind, wieder gemeinsam demonstrieren werden.

    Für Sorge – Feministische Bildungswoche in Leipzig

    Vom 29. Februar bis zum 08. März 2020 hat das Care-Team des Konzeptwerks Neue Ökonomie Leipzig in Kooperation mit zahlreichen lokalen und überregionalen Organisationen und Einzelpersonen eine feministische Bildungswoche für eine andere Wirtschaft veranstaltet. Zum Abschluss ging die Bildungswoche in den feministischen Streik- und Kampftag über, anlässlich dessen viele Menschen laut und zahlreich auf die Straße gingen. In den darauf folgenden Tagen überschlugen sich die Nachrichten zum Corona-Virus. Damit änderte sich das soziale und politische Leben drastisch.

    Durch die weltweit verheerend schnelle Ausbreitung von Covid-19 und dessen lebensbedrohliche Auswirkungen auf sogenannte Risikogruppen spitzen sich die Konsequenzen eines in Deutschland und global seit Jahren kaputt-gesparten Gesundheitssystems akut zu. Verstärkt durch die Pandemie werden sowohl prekäre und arme Lebens- und Einkommensverhältnisse als auch die ungleiche Verteilung aller bezahlten und unbezahlten Sorgetätigkeiten entlang von Klasse, Geschlecht und Herkunft deutlicher denn je sichtbar. Ungleichheiten im Zugang zu medizinischer Gesundheitsversorgung je nach sozialem und rechtlichem Status werden ebenfalls aktuell mehr in Medien und Gesellschaft thematisiert.

    Doch diese Themen sind schon lange akut: Seit Jahren kämpfen Pfleger*innen für mehr Personal im Krankenhaus, pflegende Angehörige streiten für eine bessere Versorgung im Privathaushalt und Frauen für eine Umverteilung und Aufwertung von Care-Arbeiten (Sorgearbeit). Deutschlandweite Initiativen setzen sich teilweise seit mehreren Jahrzehnten für angemessene Gesundheitsversorgung und Existenzsicherung für alle Menschen unabhängig ihres Aufenthaltsstatus ein.

    All diese Themen, Kämpfe und Forderungen spiegelten sich auch im Programm der feministischen Bildungswoche wieder. Wir wollen uns deshalb an dieser Stelle die Zeit nehmen um darauf zurückzublicken, was während der Bildungswoche passiert ist und was wir erlebt haben. Nicht zuletzt, da viele der Referent*innen und Teilnehmer*innen wichtige Akteur*innen sind für einen Wandeln hin zu einem besseren Gesundheitssystem, gerechteren Care-Verhältnissen und zu einer sozial-ökologischen Wirtschaft – denn das ist in Zeiten der Corona-Pandemie dringender denn je.

    Die feministische Bildungswoche hatte zum Ziel Care als politisches Thema im Leipziger Raum sichtbarer zu machen und Akteur*innen aus Care-Bewegungen zu vernetzen. Dafür boten wir zahlreiche Veranstaltungen in 7 Tagen an 3 verschiedenen Orten an. weiterlesen

    Viel muss sich ändern – Corona hat es nur (für jede*n) sichtbar gemacht.

    Ein Diskussionsbeitrag von Gisela-Ingrid Weissinger, aktiv bei Care Revolution Dortmund, zum Aufruf „Gemeinsam aus der Corona-Pandemie lernen – für solidarische und nachhaltige Lebensweise“.

    Care Revolution Dortmund

    Dem Aufruf „Gemeinsam aus der Corona-Pandemie lernen – für solidarische und nachhaltige Lebensweisen streiten“ stimme ich uneingeschränkt zu. Der folgende Beitrag ist als Ergänzung des Aufrufs verstanden und als Versuch, Veränderungen zu benennen, deren Notwendigkeit die Pandemie unübersehbar vor Augen geführt hat.

    In der medialen Auseinandersetzung mit der Corona-Pandemie erscheint mir auffallend das Fehlen der Frage, ob und wenn ja welche Ursachen, Verbindungen und Zusammenhänge es zwischen dieser Pandemie und den vorausgegangenen Epidemien gibt: Gibt es einen Zusammenhang, der dieses Virus möglicherweise als Zuspitzung der vorausgegangenen Viruserkrankungen (Sars, Ebola u.a.) erkennbar macht? Gibt es einen Zusammenhang zwischen dieser Pandemie und der Umwelt- bzw. Klimakrise? Wiederholt wurde die Vermutung geäußert, dass es eine Verbindung zwischen der Einschränkung des Lebensraums von Wildtieren und dem Ausbruch der Pandemie gibt. Sollte etwas davon zutreffen, ist das ein Hinweis darauf, dass die Klimakrise bereits jetzt schon ungeahnte Ausmaße angenommen hat.

    Stand von Care Revolution Dortmund beim Deutschen Ev. Kirchentag in Dortmund 2019, Fotos: Martina Reff

    Die mit dem ökonomischen Stillstand verbundene Sorge von Unternehmen, Politik und Beschäftigten um den Einbruch des Absatzes und der Gewinne: Eine auf Absatzsteigerung und Einnahmegewinnen basierende Wirtschaft ist immer und per se gleichermaßen zerstörerisch und fragil. Rohstoffe werden ausgebeutet, Ressourcen vernichtet. Produkte werden erzeugt, die niemand braucht. Beschädigte Produkte werden, anstatt sie zu reparieren, weggeworfen. Als veraltet geltende, ebenfalls, statt sie zu aktualisieren (exportiert als Müll oder verkauft in sog. Entwicklungsländer). Dieses Wirtschaftssystem ist ein auf der Produktion von Müll und Umweltzerstörung basierendes System, dessen Schäden die zu tragen haben, die sie nicht verursacht haben. Und doch wird versucht, mit riesigen Summen und vermutlich voreilig dieses zerstörerische System wieder zum Laufen zu bringen, auch wenn damit Infektionen und Menschenleben riskiert werden.

    Dortmunder Bündnis für mehr Personal im Gesundheitswesen, Foto: Verdi

    Folgende Veränderungen halte ich für notwendig

    1. Nötig ist eine Energie, Ressourcen und Umwelt sparende Produktion langlebiger und reparabler Erzeugnisse zur Befriedigung der Grundbedürfnisse Aller. (Auch Smartphones, Laptops und Drucker müssen langlebig und reparabel sein.)

    2. Nötig ist, neben dem Erlernen der Fähigkeit, einfache Reparaturen vorzunehmen, auch (in allen Schulen) ein Erlernen handwerklicher und alltagstauglicher Fähigkeiten (z.B. Kochkenntnisse statt Fast Food).

    3. Kinder und Jugendliche müssen ihre Begabungen und Interessen entdecken und ausbilden können, die nicht allein und in erster Linie der Erwerbsarbeit dienen, denen kein Verwertungsinteresse zugrunde liegt: Musizieren, Lesen, Malen, Fotografieren, Werken etc., kulturelle Fähigkeiten und Interessen. (Die sog. Decke fällt denen am ehesten auf den Kopf, die nichts anzufangen wissen mit verpflichtungsfreier Zeit).

    4. Nur eine Transformation der vorrangig auf Güterproduktion und Gewinn ausgerichteten Wirtschaft zu einer auf die Befriedigung der sozialen Bedürfnisse, Umwelt und Klima schonenden Wirtschaft kann zur Herstellung von gerechten, den Bedürfnissen aller Menschen entsprechenden Lebens- und Arbeitsverhältnissen beitragen.

    5. Alle Güter der allgemeinen Daseinsvorsorge gehören in die öffentliche Hand. Welche gesellschaftlich notwendigen Güter und Dienstleistungen (Schulen, Kitas, Gesundheitsversorgung, sauberes Wasser, Müllabfuhr, Büchereien und kulturelle Einrichtungen etc.) zentral zu organisieren und herzustellen sind und welche dezentral, muss auf kommunaler, auf Kreis- oder Landesebene unter Beteiligung engagierter Bürger*innen und von Fachleuten, geprüft und transparent neu entschieden werden. Da, wo eine Privatisierung in der Vergangenheit erfolgte, ist diese rückgängig zu machen.

    6. Die allgemeine Mobilität muss durch die kostenfreie Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und die Abschaffung des privaten PKW-Besitzes gewährleistet werden. Flüge müssen auf umweltschonende Langstreckenflüge beschränkt werden.

    7. Wohnen: Zu den durch die Corona-Krise verschärften Problemen gehört der Zugang zu Wohnraum. Wer die Möglichkeit hat, in einer geräumigen Wohnung mit Garten zu leben, kann die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit besser ertragen als diejenigen, die angewiesen sind auf eine kleine Wohnung ohne Balkon oder Garten, erst recht als Familie oder allein erziehend mit kleinen Kindern. Die Corona-Krise hat die unhaltbare Verteilung von Wohnraum, sowie den ungleichen Zugang zu frischer Luft und Grünflächen drastisch vor Augen geführt. Lösungen können keine am Reißbrett entworfenen Wohnquartiere sein. Mir schwebt eine öffentlich geförderte, an Klima- und Umweltschutz sowie Energieeinsparung orientierte Entwicklung von Mehrgenerationen-Lebensprojekten vor, die aus einer Mischung von gemeinschaftlich und privat genutztem Raum bestehen und unter Beteiligung derer, die den Raum nutzen werden – die Realisierung verschiedener Modelle (keine Einheitsmodelle), die zeigen: Es geht anders. Zu lösen sind u.a.:

  • Infrastruktur (Geschäfte am Ort statt Großmärkte, Praxen, Apotheke etc.).
  • Bedürfnisgerechte Wohngröße statt Einheitsgröße, Wohnraum statt Schlafstätte.
  • Intelligente Mischung aus Gemeinschafts- und Privaträumen (Gemeinschaftsküche: nicht jede*r will/kann jeden Tag kochen; Kochen statt Fast Food oder Tiefkühlkost; Räume für unterschiedlichen Bedürfnisse: für Kinder, Jugendliche, Gemeinschaftsräume für Bildungs- und Kulturveranstaltungen, Gruppentreffen, Feiern, Unterbringung von Gästen)
  • Grünfläche zur persönlichen Nutzung und zur gemeinschaftlichen Nutzung – Nutzung als was?
  • Fragen der Mobilität und Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Besitzverhältnisse: Privat genutzter Wohnraum, der nicht innerhalb einer Familie persönlich genutzt wird, fällt an die Kommune zur Weitergabe als Wohnraum.
  • Auch Innenstädte müssen wieder zu Lebens-, Begegnungs- und Kulturräumen werden. Der ländliche Raum muss wieder zu einem attraktiven Lebensraum werden mit der erforderlichen Infrastruktur, Kultur- und Begegnungsangeboten.
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    Eine Chance am Ausgang der Corona-Krise? Für eine grundlegende Veränderung des Gesundheitssystems streiten

    Beitrag in der Reihe Perspektiven von Matthias Neumann (aktiv bei Care Revolution Freiburg und im Netzwerk Solidarisches Gesundheitswesen Freiburg.) (Beitrag als PDF)

    Anmerkung der Redaktion des Perspektiven-Blogs der Care Revolution-Webseite: Wir freuen uns sehr über weitere Einschätzungen der Lage, kollektives Nachdenken und gemeinsames Schärfen der Analyse. Daher laden wir Euch herzlich dazu ein, die Anregung zur Diskussion in diesem Text aufzugreifen und Debattenbeiträge für den Blog zu verfassen (Hinweise).

    Es ist – zu Recht und glücklicherweise – in den letzten Tagen und Wochen oft betont worden, dass das Gesundheitssystem dieses Landes schon vor der Corona-Krise an der Grenze seiner Funktionsfähigkeit operierte. Noch erhält der Einsatz der Beschäftigten es aufrecht, aber auch diese erkranken, die Erschöpfung nimmt zu, und die materiellen Kapazitäten lassen sich, nachdem sie an einen so tiefen Punkt hinuntergefahren worden sind, nicht beliebig schnell aufstocken. In Ländern wie Italien oder Spanien ist die Grenze der Funktionsfähigkeit offensichtlich bereits überschritten und auch in Deutschland droht eine Überlastung des Gesundheitssystems mit dramatischen Folgen.

     

    Menschen vor Profite, Foto: privat

    Fatale Gesundheitspolitik

    Ich möchte hier nicht erneut die Mängel in den deutschen Krankenhäusern umfassend darstellen, jedoch sei an Hand von wenigen Fakten demonstriert, wie die Politik, die jetzt angesichts des Corona-Virus mit dem Krisenmanagement betraut ist, diese Mängel erzeugt hat:

    Während die Zahl des nichtärztlichen Krankenhauspersonals  von 1991 bis 2017, auf Vollzeitstellen umgerechnet, um 4.1% sank, nahm die Zahl der behandelten Fälle in diesem Zeitraum um 33.4% zu (Destatis 2018: Grunddaten der Krankenhäuser 2017. S. 11/12. Eigene Berechnung). Diese Patient_innen verblieben deutlich kürzer im Krankenhaus, so dass zwar die Zahl der belegten Betten sank, aber die Betreuungsintensität durch den hohen Anteil frisch operierter Patient_innen stieg. (Dass das deutsche Gesundheitssystem hier schlecht aufgestellt ist, zeigt auch der OECD-Vergleich der Pflegekräfte je Belegungstag, der die Liegezeit berücksichtigt. Hier liegt Deutschland auf dem letzten Platz. Bertelsmann Stiftung 2017: Pflegepersonal im Krankenhaus; S. 3.) Die Zahl der Betten je Einwohner_in sank in diesem Zeitraum um 28% (Destatis 2018: Grunddaten der Krankenhäuser 2017. S. 11. Eigene Berechnung). Auch die Zahl der Krankenhäuser ist in diesem Zeitraum durchweg rückläufig. Für eine weitere deutliche Verringerung der Zahl der Krankenhäuser um mehr als die Hälfte und auch der Betten hat sich erst vor Kurzem

    eine Studie des IGES-Instituts im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung weiterlesen

    Feministische Perspektiven auf Sexarbeit als Care-Arbeit

    Jenny Künkel und Kathrin Schrader haben ein Buch über Feministische Perspektiven auf Sexarbeit herausgegeben. Verschiedene Beiträge klären über die politische, rechtliche und gesellschaftliche Lage von Sexarbeiter*innen auf. Außerdem berichten Sexarbeiter*innen, wie sie sich politisch für ihre Rechte und die Anerkennung als Care-Arbeiter*innen einsetzen. Ein Beitrag von Stephanie Klee trägt den Titel „Care-Revolution & Prostitution“. Mit ihr und den Herausgeberinnen sprach Jette Hausotter (Care Revolution Berlin) über Sexarbeit, Care-Arbeit und Feminismus – auch angesichts der Corona-Krise. weiterlesen

    Care in der Corona-Krise

    Angesichts der Dramatik der Corona-Krise bemerken auch Medien wie die Süddeutsche Zeitung, dass Care wichtig ist. Hier ein Interview von Hannah Beitzer, Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung Online, mit Gabriele Winker.

    „Arbeit ohne Ende? – Heute feiern wir!“ – Ein Vortrag zu Care-Arbeit am 8.März

    Das interkulturelle Frauennetzwerk Wedel lädt zum internationalen Frauentag 8.März 2020

     

  • 11:00 Einlass
  • 11:30 Vortrag von und mit: Anna Köster-Eiserfunke, Dipl.-Politologin
    Haushalt, Kinder, Pflege und Beruf bedeuten Arbeit ohne Ende
    für Frauen. Warum ist das so und was ist zu tun?
  • 12:00 Diskussion
  • 12:30-14:00 Feier zum Frauentag
  • weiterlesen

    Gute Resonanz auf ersten Pflegestammtisch in Freiburg

    Am Abend des 29. 1. fand in Freiburg der erste von hoffentlich vielen Pflegestammtischen statt. Gemeinsam mit kirchlichen Organisationen (Betriebsseelsorge, KDA, KAB) und unterstützt von ver.di Südbaden sowie der Partei Die Linke lud Care Revolution zur Veranstaltung in ein Freiburger Gasthaus ein. Von der Beteiligung (knapp 40 Teilnehmer_innen) waren wir überrascht und auch begeistert. Schön war auch die wirklich bunte Mischung: Altenpfleger_innen und Krankenpfleger_innen waren vertreten und vor allem auch Menschen in verschiedensten Sorgepositionen und mit ganz unterschiedlicher Motivation. Beruflich, ehrenamtlich und familiär Pflegende, Bewohner_innen von Einrichtungen, politisch Interessierte oder mit Hintergrund in der Pflegewissenschaft – und einige Teilnehmer_innen vereinigten viele dieser Erfahrungshintergründe in ihrer Person.

    Beim ersten Treffen ging es uns darum, uns sowie unsere Zugänge zum Thema überhaupt einmal kennenzulernen und zu überlegen, wie es weitergehen kann. Der Austausch in Kleingruppen und in lockeren Runden zum Ende zeigte wieder einmal: Menschen mit unterschiedlichen Sorgeaufgaben verstehen sich sehr schnell, wenn sie anfangen, miteinander zu reden. Leider machen sie die Erfahrung, dass dieses Interesse von politisch Verantwortlichen oder Pflegeunternehmen kaum geteilt wird. Deshalb geht es jetzt darum, nach dem ersten Austausch eine Kontinuität dieses Projekts zu erreichen und vom Handlungswunsch zum Handeln zu kommen. Hierfür wird sich der Stammtisch zweimonatlich treffen; zwischen diesen Treffen gibt es einen offenen Arbeitskreis, der die Treffen vorbereitet und auch politisch aktiv wird.

    Elternschaft als Arbeit

    Copyright: transcript Verlag

    Wibke Derboven hat ein Buch über „Elternschaft als Arbeit“ geschrieben. Anna (Care Revolution Hamburg) und Jette (Care Revolution Berlin) haben mit ihr darüber gesprochen.

    Frage: Wir möchten mit dir über dein Buch „Elternschaft als Arbeit“ sprechen. Vielleicht kannst Du uns zu Beginn einmal erzählen, wie Du persönlich darauf gekommen bist zu Elternschaft zu forschen? Und was du überhaupt unter Elternschaft verstehst? Denn sicherlich denken viele bei Elternschaft zunächst nur an biologische Mütter und Väter, dabei gibt es ganz verschiedene Arten von Elternschaft. Wen meinst Du, wenn du von Eltern sprichst?

    W.D.: Seit ich eigene Kinder habe, vermisse ich von der Gesellschaft den angemessenen Grad an Aufmerksamkeit und Würdigung für die Leistungen von Eltern. Dann hatte ich die Möglichkeit in meiner damaligen Arbeitsgruppe „Arbeit – Gender – Technik“ an der Universität einen Raum zu finden, in dem ich mein Alltagsverständnis um eine wissenschaftliche Perspektive erweitern konnte. Dafür bin ich sehr dankbar.

    Und unter Eltern verstehe ich Menschen, die privat, also nicht erwerbsmäßig, Kinder oder Jugendliche bzw. ganz generell Menschen einer jüngeren Generation versorgen. Der Grad der biologischen Verwandtschaft spielt dabei keine Rolle, zentral ist das verantwortungsvolle Kümmern um Personen einer jüngeren Generation.

    Frage: Nachdem wir also über Elternschaft gesprochen haben, bleibt der zweite große Baustein deiner Forschung: Elternschaft als (unbezahlte) Arbeit. Warum sprichst du von Elternschaft als Arbeit und was macht diese Art von unbezahlter Care-Arbeit insbesondere aus?

    W.D.: Schon sehr lange trage ich ein Alltagsverständnis in mir, welches erstens die Versorgung von Kindern als Arbeit deutet und zweitens die derzeitige Konzentration auf Erwerbsarbeit in unserer Gesellschaft – wenn es um Leistung, Anerkennung, aber auch Gestaltung der Rahmenbedingungen geht – als unangemessen und ungerecht empfindet. Ebenso ist es eine traditionsreiche feministische Perspektive, die sich letztendlich auch gesellschaftlich durchgesetzt hat, unbezahlte Haus- und Sorgetätigkeiten als Arbeit zu bezeichnen.  Mit dieser Studie möchte ich diese Perspektive analytisch konsequent umsetzen und die Tätigkeiten von Eltern mit zentralen Dimensionen von Arbeit, wie sie die Arbeitssoziologie beschreibt, anschauen.

    Zur Frage, was diese Arbeit ausmacht, möchte ich mit einer Passage aus dem Buch antworten: „Familiale Care-Arbeit für Kinder ist eine auf Einflussnahme zielende, interaktive und arbeitsteilig-kooperative Arbeit, die selbstorganisiert sowie unentlohnt realisiert wird. Die Vorbereitung der Kinder in einer und auf eine meritokratische/n Gesellschaft bestimmt das familiale Care-Handeln für Kinder. Damit sind hohe Anforderungen verbunden, deren Bewältigung ein hohes Maß an persönlicher Stabilität, insbesondere mentaler Kraft und subjektiv empfundener Vorbildlichkeit braucht.“ (S.145)

    Frage: Wir leben in einer Gesellschaft die geprägt ist von sozialer Ungleichheit. Dementsprechend sind auch die Bedingungen, unter denen Menschen Elternschaft leben, sehr unterschiedlich. Wie Menschen Elternschaft gestalten können, hängt beispielsweise vom Einkommen und sozialen Status ab. Rassismus und Sexismus prägen Annahmen und Stereotype über Eltern. Menschen mit bestimmten Behinderungen müssen sich gegen Widerstände durchsetzen, um überhaupt Eltern zu werden etc. Welche sozialen Ungleichheiten sind Dir in Deiner Forschung begegnet und wie haben sie sich geäußert? Und gibt es auch Probleme, mit denen alle Eltern gleichermaßen konfrontiert sind?

    W.D.: Soziale Ungleichheiten werden in dieser Studie insbesondere dadurch berücksichtigt, dass Eltern mit unterschiedlichen sozio-ökonomischen Lebensbedingungen befragt wurden (orientiert an den Reproduktionsmodellen nach Winker 2015). Die Ergebnisse zeigen, dass Eltern sehr unterschiedliche Arbeitsweisen realisieren, die stark mit den jeweiligen sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen und dem jeweiligen Aufmerksamkeitsbedarf des Kindes zusammenhängen. Daraus ergeben sich auch verschiedene Problemlagen, wobei aber alle Eltern in irgendeiner Form einen Mangel erleben: je nach den Rahmenbedingungen leiden sie unter dem Mangel an Zeit, Geld oder mentaler Kraft. Aber auch ein Migrationshintergrund kann zu spezifischen Problemlagen führen. So ist es für Eltern mit einem sichtbaren Migrationshintergrund ganz besonders belastend, öffentlich in Situationen zu kommen, in denen eine unauffällige Selbstpräsentation nicht mehr möglich ist, weil beispielsweise auf ein trotziges Kind eingewirkt werden muss. Sie befürchten und erleben in derartigen Situationen Stigmatisierungen.

    Frage: Hast Du auch mit Eltern über dein Buch gesprochen? Wie finden sie es, Elternschaft als Arbeit zu betrachten?

    W.D.: Grob gesagt gibt es zwei Pole an Reaktionen. Viele Eltern haben sehr bewegt gesagt: „Endlich sagt einmal jemand, dass es Arbeit ist.“  Ebenso viele Eltern sind aber auch sehr skeptisch gegenüber dem Arbeitsbegriff und haben gesagt: „Ich weigere mich innerlich, mein Tun für meine Kinder  als Arbeit zu benennen. Das würde mich nur zusätzlich belasten.“ Einen Ausweg aus diesem Dilemma habe ich gesucht, in dem ich zwischen einem objektivierten und einem gefühlten Arbeitsverständnis unterscheide. So wird gewürdigt, dass es einerseits gesellschaftlich notwendig ist, vieles was Eltern tun als Arbeit zu  bezeichnen, dass es aber andererseits genauso notwendig ist, Eltern für ihr subjektives Erleben eine ergänzende Begrifflichkeit an die Seite zu stellen.

    Frage: Was mögen Eltern an dieser Arbeit und wo erleben sie Probleme? Welche Rahmenbedingungen, welche Unterstützung und welche Veränderungen wünschen und brauchen Eltern nach Deinen Erkenntnissen, um Elternschaft leisten zu können?

    W.D.: Ganz dringend brauchen Eltern Zeit, mentale Kraft, Geld, ko-erziehende Kooperationspartner*innen und ein hohes Maß an persönlicher Stabilität. Auch an dieser Stelle möchte ich mit einem Zitat aus dem Buch antworten: „Insbesondere wegen der hohen Bedeutung der persönlichen Stabilität ist familiale Care-Arbeit für Kinder eine Arbeit der besonderen Art, die besondere gesellschaftliche Aufmerksamkeit, gute gesellschaftliche Rahmenbedingungen und angemessene gesellschaftliche Anerkennung braucht und verdient. Denn persönliche Stabilität ist nicht voraussetzungslos, sondern erfordert ein gutes, an der Gesellschaft teilhabendes Leben und ein wertschätzendes gesellschaftliches Umfeld. (S. 148/9)

    Frage: Das Ziel von Care Revolution ist – ganz allgemein gesprochen – eine Gesellschaft, in der Sorgearbeit im Zentrum steht. Die Schritte dahin wollen wir solidarisch mit bezahlt und unbezahlt Care-Arbeitenden sowie Care-Empfänger*innen entwickeln. Siehst Du beim Thema Elternschaft Ansatzpunkte für solche Solidaritäten?

    W.D.: In einer leistungsorientierten Gesellschaft ist die Gefahr der Konkurrenz unter Eltern erheblich. Das Wissen, dass nicht alle Menschen einen Platz in der Gesellschaft bekommen, der ein gutes Leben ermöglicht, belastet Eltern sehr und verhindert sicherlich auch ein Auftreten aller Eltern als Solidargemeinschaft. Merkle u.a. (2008) sprechen beispielsweise davon, dass Eltern eine „neue Art von Klassengesellschaft“ befördern, indem sie sehr unterschiedliche Versorgungs- und Erziehungspraktiken realisieren. Momentan ist es sehr verbreitet, sich gegenseitig Versäumnisse vorzuhalten: Schule gegen Eltern und umgekehrt, Eltern gegen Eltern etc. Der hohe Sorgendruck produziert ein ungünstiges Klima der Schuldzuweisung, der Konkurrenz, des Vergleichs und der Überforderung. Ansatzpunkte für Solidarität sehe ich aber dennoch. Der wichtigste Schritt ist zunächst, die Versorgung von Kindern als schwere Arbeit anzuerkennen, die Anforderungen zu benennen, und alle daran Beteiligten zu unterstützen. Um gelassen und kraftvoll Kinder zu versorgen, brauchen Eltern und alle anderen daran beteiligten Personen und Institutionen eine solidarische Gesellschaft, die in ihren Rahmenbedingungen die Angewiesenheit von Menschen auf Menschen stärker berücksichtigt als dies derzeit geschieht.

    Vielen Dank für das Interview!

    Besprochenes Buch:

    • Derboven, Wibke 2019: Elternschaft als Arbeit. Familiales Care-Handeln für Kinder. Eine arbeitssoziologische Analyse. Transcript

    Weitere angesprochene Literatur:

  • Merkle, Tanja; Wippermann, Carsten; Henry-Huthmacher, Christine; Borchard, Michael (2008): Eltern unter Druck. Selbstverständnisse, Befindlichkeiten und Bedürfnisse von Eltern in verschiedenen Lebenswelten. Stuttgart: Lucius & Lucius.
  • Winker, Gabriele (2015): Prekarisierungsprozesse in der sozialen Reproduktionskrise, in: Völker, Susanne/Amacker, Michèle (Hg.): Prekarisierungen. Arbeit, Sorge und Politik, Weinheim, Basel, 75–92.
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    150 Menschen beim Lichtermeer für Inklusion in Frankfurt

    Wieder versammelten sich Jung und Alt in Frankfurt, um Lichter leuchten zu lassen für Menschen mit Behinderung und ihre Familien in unserer Gesellschaft. Die kapitalistische Marktwirtschaft blendet systematisch aus, dass wir alle bedürftig sind und aufeinander angewiesen. Dass wir davon abhängen, dass jemand Lebensmittel anbaut und jemand daraus Mahlzeiten zubereitet. Dass jemand den Müll regelmäßig abholt. Dass wir uns auf der Straße sicher aufhalten und fortbewegen können, weil es Regeln gibt, die alle weitestgehend befolgen. Und weil niemand mit Waffen herumläuft und um sich schießt.

    Doch für den Neoliberalismus sind Menschen nur wichtig um als „Humankapital“ verwertet zu werden. Oder um als „Konsumenten“ Markt und Wirtschaftswachstum am Leben zu halten. Menschliche Bedürftigkeit und menschliches Angewiesen-sein werden weitestgehend verdrängt. Der Neoliberalismus redet uns ein, dass Bedürftigkeit eine Folge freier gewählter Möglichkeiten ist: Wenn wir uns entscheiden, Eltern zu werden, dann haben wir eben privat alle Belastungen zu tragen, die daraus erwachsen. Wir waren ja frei, uns anders zu entscheiden. Als sei Elternsein nicht etwas zutiefst Soziales, das überhaupt erst das Weiterbestehen unserer Gesellschaft ermöglicht. Der Neoliberalismus zwingt uns einen radikalen Individualismus auf, der alle sozialen Bindungen untergräbt, es sei denn, es dreht sich um Geld.

    Manche Menschen werden mit einer Beeinträchtigung geboren. Die meisten von uns erwerben diese erst im Laufe des Lebens. z.B. weil wir nicht jung genug sterben, sondern eben alt werden. Wenn wir dann als „Humankapital“ nicht (mehr) so gut zu verwerten sind, weil wir mehr als andere auf Pflege und Unterstützung angewiesen sind, zeigt sich das menschenverachtende Gesicht dieses Systems besonders deutlich. Und genau hier setzt Care Revolution an: wir wollen sichtbar und bewusst machen, dass es um den Menschen und um sein Wohlergehen geht. Nicht um Anhäufung von Macht und Profit. Wirtschaft soll so organisiert werden, dass alle Bedürfnisse befriedigt werden und alle ein gutes Leben haben. Menschen mit Beeinträchtigungen müssen möglichst selbstbestimmt teilhaben können. Und Menschen, die ihnen zur Seite stehen, müssen alle Unterstützung erhalten, die sie brauchen, um nicht überfordert zu werden. Ihr Einsatz darf auch keine finanziellen Nachteile mit sich bringen.

    Etwa 150 Menschen kamen am 25. Oktober in Frankfurt zum Lichtermeer für Inklusion zusammen. Der Gebärdenchor der IGS Nordend sang und performte drei Lieder. Ein besonderer Dank ihnen und ihren Lehrerinnen. Zwei Eltern von Kindern mit Behinderung benannten die Defizite der öffentlichen Daseinsfürsorge und die Widersprüche der Politik auf dem Gebiet der Inklusion. Diese Rede kann hier nachgelesen werden. Eine Elternbeirätin wies auf den Bildungsnotstand hin, der für Kinder mit Beeinträchtigungen noch besonders gravierend ist. Die Trommelband Alles Blech führte unseren Laternenzug so temperamentvoll an, dass mehrere ZuschauerInnen spontan zum Rhythmus der Trommeln tanzten. Es war eine fröhliche Aktion, die allen Teilnehmenden großen Spaß bereitete. Wir freuen uns schon auf das Lichtermeer 2020.

     

     

     

     

     

    Lichtermeer für mehr Inklusion am 25.10.19 in Frankfurt

    Unterschiedlichkeit feiern und zusammen die Welt „enthindern“

    Am 25. Oktober ist es wieder soweit. Zum dritten Mal in drei Jahren sind alle eingeladen um 17h30 vor dem Historischen Museum in Frankfurt zusammenkommen, um sich dort mit einen Lichter- und Laternenzug für mehr Inklusion einzusetzen. Motto der Veranstaltung, zu der das Netzwerk Care Revolution Rhein Main in Kooperation mit dem Netzwerk Inklusion einladen: „Ein Licht von Kind zu Kind.“

    Elfriede Harth, vom Netzwerk Care Revolution erklärt: „Wir wollen das Bewusstsein dafür schärfen, dass Menschen mit Beeinträchtigungen die gleichen Rechte haben wie alle Mitglieder unserer Gesellschaft. Dass wir alle daran arbeiten können und müssen, damit Barrieren abgebaut werden, die eine Gleichberechtigung verhindern. Dass wir Klischees, Vorurteile und Gedankenlosigkeit überwinden müssen. Dass Behinderung nicht etwas Privates ist, mit dem man in der Familie allein fertig werden muss, sondern dass uns das alle angeht. Dass wir als menschliche Gemeinschaft, als demokratische Gesellschaft dazu aufgerufen sind, Eltern von Kindern mit Beeinträchtigung und Pflegenden Angehörigen alle notwendige Unterstützung in ihrer Sorgearbeit zu garantieren, damit Überforderung und Armut durch Pflege verhindert werden. Dass von den politisch Verantwortlichen alle notwendigen Maßnahmen getroffen werden, damit ausreichende, allen Bedürftigen zugängliche gute und unentgeltliche Infrastrukturen der öffentlichen Daseinsfürsorge geschaffen und ausgebaut werden, besonders was Bildung und lebenslanges Lernen angeht.“

    Deutschland hat vor 10 Jahren die UN Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Damit hat sich Deutschland verpflichtet, für die Achtung vor der Würde von Menschen mit Behinderung zu sorgen, sowie ihres Rechts auf Freiheit und Selbstbestimmung. Für die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit.

    Für die Achtung vor den sich entwickelnden Fähigkeiten von Kindern mit Behinderungen und die Achtung ihres Rechts auf Wahrung ihrer Identität.

    Das Verständnis von Behinderung entwickelt sich ständig weiter.

    Behinderung entsteht aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren. Es liegt an uns allen, unsere Welt so weit wie möglich zu „enthindern“.

    Wir freuen uns, dass Oberbürgermeister Peter Feldmann auch dieses Jahr wieder die Schirmherrschaft über das Lichtermeer für Inklusion übernommen hat.

    Ein Einladungstrailer auf YouTube ist hier zu finden.

    Für Fragen stehen zur Verfügung:

    Elfriede Harth, Netzwerk Care Revolution, elfriede.harth@posteo.de / Tel: 0152-04037945

    Alexandra Cremer, Netzwerk Inklusion alexandra.cremer.nif@gmail.com / Tel: 0171-5342585

    Netzwerk Care Revolution feiert 5 Jahre!

    Das Netzwerk Care Revolution hat Geburtstag gefeiert. 2014 gegründet, begingen wir Mitte September unser fünfjähriges. Und so, wie das Netzwerk auf einer Aktionskonferenz in Berlin seinen Anfang nahm, fand auch die Geburtstagsfeier während einer großen Zusammenkunft statt – dem Feminist Futures Festival in Essen. Dieses Festival wurde gemeinsam von der Rosa Luxemburg-Stiftung, dem Konzeptwerk Neue Ökonomie und dem Netzwerk Care Revolution veranstaltet. Nachdem sich 1.500 Teilnehmer_innen angemeldet hatten, wurde die Anmeldung geschlossen. Ohne wirklich schätzen zu können, wie viele gleichzeitig in den verschiedenen Veranstaltungen, beim Essen oder auf einer der Wiesen im Gespräch waren – es war schon sehr voll, und die Gebäude, Workshops oder die Essensausgabe stießen an ihre Kapazitätsgrenzen. Das macht es nochmals bewundernswerter, wie entspannt, freundlich und neugierig die Teilnehmer_innen – dem Titel des Festivals entsprechend großenteils Frauen* – miteinander umgingen. Das durften wir auch in den von Care Revolution angebotenen Workshops erfahren, in denen unsere Überlegungen zu einer sorgenden bzw. solidarischen Gesellschaft auf große Resonanz stießen.

    Im Zentrum dieser Care Revolution-Veranstaltungen stand jedoch die Geburtstagsfeier. Im Dialog stellten Mike und Anja, eine der Mitorganisator_innen der Berliner Aktionskonferenz vor fünf Jahren, vor, was in den fünf Jahren seit der Gründung passiert ist. Auf welche Weise Care Revolution in verschiedenen Städten präsent ist, zeigten Aktive aus verschiedenen Regionalgruppen, aus Berlin, Dortmund, Frankfurt, Freiburg und Leipzig. Nach diesem Rückblick wandten wir uns der Zukunft zu: Gabriele als Mitbegründerin und Svenja als vergleichsweise neue Aktivistin stellten dar, was für sie das Bedeutsame dieser fünf Jahre war und worauf es in den nächsten fünf Jahren ankommen wird. Aus der Perspektive von Bündnispartner_innen, an deren Aktionen wir beteiligt waren, fügten Anthea und Lisa vom Berliner Frauenstreikbündnis und Conny, Streikaktivistin vom Essener Uni-Klinikum, ihre Sichtweisen hinzu.

    Kultur gab’s auch. Und die war richtig gut und selbstgemacht: Die Idee eines Care-Catwalks (hier geht´s zum Video) stammt von der spanischen Gruppe Territorio Domestico und wurde schon zum 8.März in Berlin erfolgreich ausprobiert. Hier organisierten Leute aus Spanien und Berlin einen Workshop auf dem Festival und zeigten die erarbeitete Mischung aus Pantomime, Sketches, Modenschau-Persiflage und Poetry Slam dem ziemlich begeisterten Publikum. Im Anschluss diskutierten wir Fragen, die in den nächsten Jahren relevant werden sollen, an Tischen, beispielsweise Auseinandersetzungen um die unentlohnte Arbeit oder Care und Migration. Schließlich gab es noch einen Turm aus Geschenkpaketen mit Zukunftswünschen, Sekt und O-Saft sowie immer noch mehr Gespräche – so schnell wollten wir uns doch nicht voneinander trennen. Damit wir uns demnächst wiedersehen, sprachen wir am Rande noch über das nächste Netzwerktreffen.

    Sorge und Solidarität. Von verbindender Care-Politik zur solidarischen Gesellschaft

    Matthias Neumann und Gabriele Winker

    Sorge und Solidarität sind zwei fundamentale Formen, in denen sich Menschen aufeinander beziehen. In diesem Text möchten wir ihrem Zusammenhang nachgehen. Am Anfang stehen ein paar notwendige Begriffsklärungen. Wir versuchen, die Relevanz von Sorge und Sorgebeziehungen als auch politischer Ausgangspunkt zu beschreiben (1) und ihre Verschränkung mit dem Konzept der Solidarität zu entwickeln (2). Jedoch sind Sorge und Solidarität nicht nur konzeptionell, sondern auch politisch verbunden: Angesichts der Auswirkungen neoliberaler Politik und der mit dieser verbundenen Verschiebung der Kräfteverhältnisse ist eine Care-Politik, die tatsächlich etwas verändern will, auf solidarisches Handeln angewiesen (3). In der Folge beschreiben wir die Grundzüge einer „verbindenden Care-Politik“, in der Menschen in verschiedenen Positionen innerhalb von Sorgebeziehungen gemeinsam handeln (4). Dabei ist unter kapitalistischen Bedingungen ein gemeinsames Handeln, das die Interessen aller Beteiligten fördert, auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Menschen in Sorgebeziehungen angewiesen (5). Abschließend plädieren wir für eine Gesellschaft, die in ihren strukturellen Grundzügen sorgendes und solidarisches Handeln unterstützt (6).

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    Offenes Infotreffen zu Care-Revolution (in Bonn)

    Wir sind die Organisator*innen des Equal Care Day und hatten schon seit langem für den 28.6. ein offenes Infotreffen unseres Vereins geplant, zu dem Menschen eingeladen sind, die sich in Sachen ‚Equal Care Day‘ engagieren wollen. Da es bisher keine Carerevolution -Regionalgruppe Bonn gibt, ist der Termin ein Versuchsballon, um zu schauen, ob es hier im Umkreis noch mehr von unserer Sorte gibt, die sich vernetzen wollen.

    Nähere Infos zu uns gibt es hier:
    https://klischeesc.de/care-revolution-regionalgruppe-bonn/

    oder schreibt uns:

    carerevolution@klischeesc.de

    1. Mai – Tag der (unbezahlten) Sorgearbeit in Bielefeld

    Wie in den vergangenen Jahren war auch in diesem Jahr die regionale Care-Revolution Gruppe wieder mit einem Block auf der 1. Mai-Demo vertreten. Dieses Jahr haben wir die Demo auf halber Strecke verlassen, um gemeinsam mit dem Block des Bielefelder Bündnisses für mehr Personal im Krankenhaus und dem Bündnis des feministischen Frauen*queer Streik zum Klinikum Bielefeld weiterzuziehen. Hier haben wir mit ca. 70 Menschen vor dem Haupteingang des Krankenhauses für gute Bedingungen in der Übernahme sorgender Tätigkeiten und insbesondere für mehr Personal im Krankenhaus demonstriert. Wir haben die Bündniserklärung des Bielefelder Bündnisses für mehr Personal im Krankenhaus verlesen, sind mit Patient*innen und Mitarbeitenden ins Gespräch gekommen und haben die Bündniserklärung im Krankenhaus verteilt. Nach einer halben Stunde sind wir geschlossen weitergezogen, um im Ravensberger Park den Care-Revolution Stand aufzubauen und gemeinsam mit den jungen Menschen von Fridays for Future den Redebeitrag von Armin Laschet lautstark zu kommentieren.

    Sorge solidarisch organisieren:
    Fünf Jahre Care Revolution

    Es könnte schön und bereichernd sein – sich um sich selbst und umeinander zu kümmern, Menschen freundschaftliche, nachbarschaftliche, professionelle Unterstützung zu geben. Stattdessen führen die Bedingungen, unter denen wir diese Sorgearbeit leisten, viele von uns zur Erschöpfung, in Armut oder zum Verlust von Empathie, weil all die nötige Sorge gar nicht leistbar ist.

    Um dem entgegenzutreten, gründete sich vor fünf Jahren das Netzwerk Care Revolution. Einer unserer Ausgangspunkte war: Wir werden uns nicht als Care-Beschäftigte, als Sorgearbeitende in Familien und Nachbarschaften oder als Menschen, die auf Sorge angewiesen sind, gegeneinander ausspielen lassen. Wir werden die Bedürfnisse aller, die in Sorgebeziehungen sind, wahrnehmen und anerkennen. Und dass so viele Menschen von der Sorgearbeit überfordert sind, zeigt dies: Nicht die einzelnen Sorgearbeitenden versagen, sondern das Gesellschaftssystem. Dabei gibt es keinen Grund zur Annahme, dass es im Rahmen eines neoliberalen Kapitalismus besser werden kann. Denn wir sehen aktuell drei Trends, die uns Sorgearbeitende unter immer größeren Druck setzen.

  • Kostenminimierung: Solange im Zentrum der Ökonomie der maximale Profit sowie die Konkurrenz des Standorts Deutschland mit anderen Staaten stehen, soll Sorgearbeit vor allem eines sein: billig. Billiger wird sie beispielsweise, wenn durch Fallpauschalen in der Krankenhausfinanzierung die Verweildauer von Patient_innen immer kürzer wird, während die Anzahl der Patient_innen, die eine Pflegekraft zu betreuen hat, immer größer wird und gleichzeitig der Staat die in den Krankenhäusern notwendigen Investitionen nicht finanziert.
  • Privatisierung: Sorgearbeit soll nicht nur billig sein, sondern auch zu einem Feld der Kapitalanlage werden. Dies geschieht etwa in der Altenpflege, wo von Jahr zu Jahr der Anteil von Heimen wächst, die im Besitz privater Ketten wie Curanum oder Pro Seniore sind, die wiederum Eigentum von Konzernen oder Hedgefonds sind. Diese Heime konkurrieren nicht nur mit anderen um Pflegebedürftige, sie müssen dabei auch Rendite abwerfen. Und so ist es kein Zufall, dass die Löhne in privaten Heimen besonders niedrig sind und Tarifverträge weitgehend unbekannt.
  • Verlagerung in Familien: Am billigsten ist Sorgearbeit dann, wenn sie kostenlos stattfindet. Dies geschieht zum allergrößten Teil in Familien. Sich um nahestehende Menschen zu kümmern, ist sinnvoll und von den Sorgenden gewünscht sein. Wenn jedoch Menschen, die für Pflegebedürftige Verantwortung übernehmen, oder Alleinerziehende, zu ca. 90% Mütter, dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen, drohen sie in Armut zu geraten, sofort oder spätestens mit der Rente. Dies durch mehr Erwerbsarbeit auszugleichen, führt zu Überforderung – und für Kinder oder Pflegebedürftige bleibt immer zu wenig Zeit.
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    Nicos Farm im NDR

    Der NDR hat einen kurzen, aber sehr aussagekräftigen Filmbeitrag zum Alltag von Arnold und Nico Schnittger von Nicos Farm, Kooperationspartner im Netzwerk Care Revolution, gedreht. Die Sendung lief darüber hinaus auch in der ARD, im NDR und im MDR. Hier findet ihr den Link zur Mediathek.

    8. März – Frauenkampftag in Freiburg

    Wie in jedem Jahr haben auch 2019 zwei Bündnisse in Freiburg Aktivitäten zum 8. März organisiert. Care Revolution nahm sowohl vormittags und mittags mit einem Stand auf dem Rathausplatz teil wie auch abends an der Demo. Alles also wie immer und doch anders: Der 8. März war diesmal von Feministinnen bundesweit zum Frauenstreiktag erklärt worden, um nachdrücklicher auf die Überlastung von Frauen* durch Reproduktions- und Lohnarbeit und die miese Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern aufmerksam zu machen. Dies führte zumindest zu viel größerem Engagement und mehr Beteiligung an den Aktionen. So beteiligten sich junge und alte Frauen* vor dem Rathaus an dem bundesweiten Sitzstreik 5 vor 12. Auch die Demonstration war mit 1500 bis 2000 Teilnehmenden doppelt so groß wie im letzten Jahr und machte richtig viel Spaß.

    20.000 in Berlin zum Frauen*kampftag auf den Straßen

    Care Revolution rund um den Frauen*kampftag 2019 in Berlin

    Am Vortag des Frauen*streiks 2019 fand am 7. März 2019 in Berlin vor dem Bundesministerium für Gesundheit der „Chic Care Catwalk“ statt. Dazu aufgerufen hatte ein

    Bündnis von Organisationen aus dem Pflegebereich, bestehend aus: Care Revolution Berlin, Frauen*Streik-Komitee Berlin, IL Gesundheits-AG Berlin, BASTA! Erwerbsloseninitiative Berlin, Pflegeazubis vernetzt und Menschen aus dem Bündnis für Mehr Personal im Krankenhaus. weiterlesen

    Der erste regionale Kongress zum Thema Care in Uruguay

    Beitrag in der Reihen Perspektiven von Jana Vasil’eva

    Allianzen feministischer Netzwerke setzen derzeit erfolgreich das Recht der Menschen auf Care auf die öffentliche Agenda einiger Länder der lateinamerikanischen Region. Dies geschieht aus der Überzeugung heraus, dass die Sorge einen Grundbaustein der sozialen Gerechtigkeit und der menschlichen Entwicklung darstellt. Care als menschliches Grundrecht zu konstituieren, ist ein unabdingbarer Schritt, um den tiefen Ungleichheiten entgegenzuwirken, welche weite Teile Lateinamerikas derzeit in einer Spirale der kollektiven Erschöpfung, Frustration und Gewalt bannen. Diese Ungleichheiten schaffen Raum für reaktionäre und repressive politische Kräfte, führen jedoch auch zu Organisierungsprozessen und Forderungen von Care-Arbeitenden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, feministischen Kollektiven, Netzwerken und Forschenden. weiterlesen

    Care Revolution Berlin ruft auf zum Feministischen Streik 2019

    [versión en español abajo] Seit 5 Jahren kämpfen wir in verschiedenen Feldern sozialer Reproduktion wie Hausarbeit, Gesundheit, Pflege, Assistenz, Erziehung, Bildung, Wohnen und Sexarbeit für eine Care Revolution. Das heißt: nein zur Profitmaximierung und ja zu einer Gesellschaft, welche die Bedürfnisse und das Leben der Menschen ins Zentrum stellt. Jeder Mensch soll selbstbestimmt für sich und andere sorgen können. Vielfältige Beziehungsformen sollen lebbar sein. Alle Menschen sollen soziale Unterstützung erfahren und diese mitgestalten können. Einer Gesellschaft der Ausschlüsse und der Gewalt durch Rassismus, Heterosexismus, Antisemitismus, Ableismus und Klassismus treten wir entgegen. Das Ziel der Care Revolution ist ein gutes Leben für alle!

    Als Care Revolution Berlin beteiligen wir uns am Frauen* & Queer Streik am 8. März 2019. Sexismus hat viele Gesichter. Dazu gehören die Abwertung von Sorgearbeit und die Existenznot und der alltägliche Druck im Leben von Menschen, die Sorgearbeit leisten oder auf Sorgearbeit angewiesen sind. Als Vorbereitung für den Frauenkampftag am 8. März 2019 wollen wir die schlechten Bedingungen und die Abwertung der bezahlten und unbezahlten Sorge- bzw. Care-Arbeit, aber auch unsere Kämpfe und Solidarität sichtbar machen und zum Care-Arbeits-Streik am 8. März aufrufen!

    Warum und wie wir streiken

    Wir streiken gegen die schlechten Bedingungen in der bezahlten und unbezahlten Sorgearbeit. Als Care-Arbeiter_innen legen wir am 8. März die Arbeit nieder. Egal ob bezahlt oder unbezahlt, wir streiken! Als Menschen, die auf Sorgearbeit und Care-Dienstleistungen angewiesen sind – als Patient_innen, als Pflegebedürftige, als Assistenznehmer_innen und vieles mehr – können wir nicht einfach uns selbst bestreiken. Da wir alle unter den Missständen in der Care-Arbeit leiden, gehen wir aber erst recht gemeinsam in die Öffentlichkeit und auf die Straße!

    Die Missstände in der Care-Arbeit, die wir thematisieren, betreffen viele Menschen in ganz unterschiedlicher Weise. Sie umfassen Berufe der Pflege, Versorgung, Erziehung etc. Sie umfassen die beruflichen Überlastungen genauso wie die unzureichende Versorgung und Unterstützung, die wir als Patient*innen, Pflegebedürftige, als Menschen erleben, die auf Sorgearbeit angewiesen sind. Sie erstrecken sich auf unsere scheinbar privaten Belastungen durch alltägliche Existenzsorgen und auf die Ausgrenzung und Abwertung bestimmter Lebensweisen und bestimmter (Berufs-)Gruppen. Sie erstrecken sich auf die Mehrfachbelastung von zumeist Frauen* für die Existenzsicherung und die scheinbar private Sorgeverantwortung für Andere. Diese erhöht sich durch eine Unterfinanzierung von Pflege und Erziehungsdiensten und durch ein an Profit orientiertes Gesundheitssystem (Stichwort „blutige Entlassungen“ oder Fallpauschalen in der Krankenhausfinanzierung). Sie betreffen die ausbeuterischen Verhältnisse in der informellen Sorgearbeit, in denen überwiegend Migrant*innen, meist Frauen, ihr Leben bestreiten und für ihre Rechte kämpfen. Es geht um die Zerstörung von Netzwerken und Gemeinschaften durch Armut und Gentrifizierung und um die Entrechtung von Illegalisierten und Geflüchteten, denen der Zugang zu sozialen Rechten verwehrt wird. Es geht um die Abwertung queerer Lebensweisen und es geht um die Missstände in einer Gesellschaft, in denen Körper und Leben unterschiedlich viel wert sind und in denen nicht alle angemessen und selbstbestimmt für sich und andere sorgen können.

    Dagegen wehren wir uns und das geht nur zusammen! Wir möchten unsere Solidarität miteinander in die Öffentlichkeit und auf die Straße tragen!

    Gemeinsam mit einem Bündnis verschiedener Gruppen (Care Revolution Berlin, Frauen*Streik-Komitee Berlin, IL Gesundheits-AG Berlin, BASTA! Erwerbsloseninitiative Berlin, Pflegeazubis vernetzt und Menschen aus dem Bündnis für Mehr Personal im Krankenhaus) setzen wir mit zwei Aktionen ein kollektives Zeichen gegen die Krise sozialer Reproduktion und für Solidarität. Seid dabei!

    Mach mit! Einladung zu Aktionen

    Online-Aktion „Kollektive Überlastungsanzeige in der Care-Arbeit

    Alle Menschen können Überlastungsanzeigen und Lohnzettel (anonym) ausfüllen. Wir werden diese am 7. März in Berlin an das Bundesgesundheitsministerium übergeben.

    Hier könnt ihr die Formulare herunterladen, selbst ausfüllen und weiterverteilen!

    Kreative Kundgebung „Chic Care Catwalk“

    Am 7. März, 10-12 Uhr vor dem Bundesgesundheitsministerium in Berlin

    Lass uns deine Stimme und deine Forderungen hören. Es steht dir völlig frei, Farben, Form und Art deiner Darbietung zu wählen und wie Du dich in der Show präsentieren möchtest. Du kannst dafür Dinge deines Alltag, besonders der Sorgearbeiten die du verrichtest, aber ebenso eigene Erlebnisse und Wünsche für bessere Bedingungen einbauen. Je bunter und origineller, desto besser!

    Schreib uns, wenn du am Vorbereitungstreffen am 13. Februar 2019 und/oder darüber hinaus teilnehmen möchtest: care-catwalk@riseup.net

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    Care Revolution Berlín llama a la huelga feminista de 2019 weiterlesen

    Wir müssen das Patriarchat entsorgen – Gespräch mit Elfriede Harth

    Dieses Gespräch mit Elfriede Harth über den Women March hat Tamara Marszalkowskis für das Journal Frankfurt am 18.1.19 geführt:

    Am kommenden Samstag, den 19.1., findet wieder der Women’s March statt. Wir haben mit Elfriede Harth, Aktivistin und Mitgründerin des Care Revolution Netzwerk Rhein-Main, über die ungerechte Verteilung von Sorgearbeit gesprochen.

    JOURNAL FRANKFURT: Wofür gehen Sie am Samstag auf die Straße?

    Elfriede Harth: Bei Women’s March gehen wir auf die Straße, weil Frauen immer noch ausgebeutet werden. Sorgearbeit, Kinder- und Pflegeberufe, Hausarbeit – diese Arbeit wird zu 80 Prozent von Frauen verrichtet. Und diese Arbeit ist meist unbezahlt. Wir sind unter anderem für eine gerechtere Verteilung dieser Arbeit. Der Sozialstaat ist reformierungsbedürftig – wir müssen uns ein neues System der sozialen Absicherung ausdenken.

    Wie könnte das aussehen?

    Die Regierung müsste mehr Geld investieren in eine öffentliche Daseinsvorsorge. Als Möglichkeiten sehen wir Punkte wie bedingungsloses Grundeinkommen, gekoppelt mit Halbtags-Arbeit, eine Bürgerversicherung, zu der alle beitragen müssen. Sorgearbeit, Geld und Zeit müssten anders verteilt werden.

    Wo sehen Sie das Problem?

    Wir leben in einer alternden Gesellschaft. Es fehlt so viel an Personal! Wir lagern ja nicht nur die Betreuung der Kinder aus, sondern eben auch noch die Betreuung der Alten. Schauen Sie sich den Pflegeberuf an. Das ist hauptsächlich ein Frauenberuf. Dort verdient man wenig, die Bedingungen sind schlecht, die Frustration ist hoch und man muss harte körperliche Arbeit verrichten. Es ist ein wachsendes Bewusstsein der Gesellschaft da, dass sich etwas ändern muss. Wieso verdient der Krankenpfleger weniger als der Automobilmechaniker?

    Aber die Probleme der Sorgearbeit betreffen doch nicht nur den Pflegeberuf.

    Die Schere zwischen Arm und Reich klafft häufig zu Lasten der Frauen. 93 Prozent der Alleinerziehenden in Frankfurt sind Frauen, lediglich 7 Prozent sind Männer. Frauen sind armutsgefährdet. Ich helfe zum Beispiel auch meiner Tochter immer wieder in der Betreuung ihrer sechs Monate alten Zwillinge. Da brauchen Sie vier Hände. Stellen Sie sich mal vor, Sie müssten das alleine machen.

    Der Women’s March hat seinen Ursprung in den USA. Dort formierte sich ein Protestmarsch an dem Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump. Sind Sie auch wegen Trump auf die Straße gegangen?

    Die Verbindung ist da. Ursprünglich ist es natürlich eine Solidaritätsbewegung. Aber jetzt bewegt sich überall etwas. Nicht nur in den USA, auch in Lateinamerika und Europa. Da gehen Menschen in Polen, Frankreich, Spanien und Italien auf die Straße. In Deutschland kommt das auch langsam an. Hier drückt der Schuh vielleicht nicht so stark wie anderswo, aber er drückt auch.

    Was erhoffen Sie sich vom Women’s March am Samstag?

    Ein wachsendes Bewusstsein in der Gesellschaft ist da. Man schaue sich zum Beispiel die neue Gillette-Werbung an: Es entsteht ein neues Männerbild. Ich hoffe, dass das nur ein Anfang ist nach 100 Jahren Wahlrecht für Frauen. Damals ging es um politische Rechte, heute geht es um soziale und wirtschaftliche Rechte. Wir müssen das Patriarchat und den Kapitalismus entsorgen. Das Patriarchat sind nicht die Männer. Es gibt auch Frauen, die patriarchal denken.

    Elfriede Harth ist Aktivistin und Mitbegründerin des Care Revolutions Netzwerks Rhein-Main. Sie ist „so alt wie das Grundgesetz“ – wie sie selbst sagt (70 Jahre alt), fünffache Mutter und zwölffache Großmutter. Vor ihrer Rente hat sie für Frauenthemen gearbeitet.

    Quelle:

    https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Politik-10/Gespraech-mit-Elfriede-Harth-ueber-den-Womens-March-Wir-muessen-das-Patriarchat-entsorgen-33381.html?newsletter_id=4119

    Die Zeit ist reif für noch mehr Feminismus!

    Liebe Feminist*innen, Freund*innen, Genoss*innen!

    Das Care Revolution Netzwerk und die Rosa-Luxemburg-Stiftung planen zusammen mit anderen Initiativen und Gruppen für September 2019 eingroßes internationales „Feministisches Festival“.

    Feministische Kämpfe waren in den letzten Jahren die kraftvollsten Bewegungen, die für weitreichende gesellschaftliche Veränderungen und eine bessere Zukunft für alle eingetreten sind. Über Ländergrenzenhinweg ist es ihnen gelungen, gegen sexualisierte Gewalt genauso zu protestieren wie gegen prekäre Arbeitsverhältnisse, gegen Diskriminierung genauso wie für reproduktive Gerechtigkeit, für einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsversorgung und sozialen Infrastrukturen wie für die Aufwertung von Care-Arbeit. Sie treten lautstark und vielfältig in Erscheinung und markieren eine Alternative zu autoritärem Neoliberalismus und globalem Rechtspopulismus.

    Die Proteste der letzten Jahre haben Beschränkungen eines liberalen Feminismus überschritten, indem sie eine grundlegende Kritik an kapitalistischen Verhältnissen üben, und haben es gleichzeitig geschafft, damit Hunderttausende anzusprechen, die bisher nicht linksaktiv waren. Im Zuge der Anti-Trump Proteste in den USA ist einmal mehr klar geworden, dass ein linker Feminismus bedingungslos antirassistisch zu sein hat. Und auch hiesige Versuche, vermeintliche„Frauen*rechte“ für rechte und chauvinistische Propaganda zu instrumentalisieren, zeigen wie notwendig dies ist, um den Rechten etwas entgegen setzen zu können. Aber auch die Unterschiede zwischen Frauen*,Queers* und Trans* müssen Ausgangspunkt unserer gemeinsamen Kämpfe sein. Die Geschichte der Frauenbewegungen hat uns gelehrt, dass wir andernfalls gesellschaftliche Marginalisierung re-produzieren. In den aktuellen Protestbewegungen werden erste Schritte gegangen, die wir zu einem wirklich intersektionalen Feminismus, zu einer gemeinsamen Praxis entwickeln können, einer Praxis, die Einheit in Differenz möglich macht. Dafür brauchen wir Orte für gemeinsame Debatten und gegenseitiges voneinander Lernen.

    Um einen solchen Raum zu schaffen, wollen wir im Herbst zu einem INTERNATIONALEN UND PLURALEN FEMINISTISCHEN FESTIVAL einladen. Eine solche Zusammenkunft ist nur so kraftvoll wie ihre Akteur*innen: Deshalb wollen wir von Anfang an viele einladen, sich an der Planung zu beteiligen. Es soll mehrere Treffen geben, an denen sich Initiativen und Einzelpersonen in ganz unterschiedlicher Intensität einbringen, Ideenverfolgen, Räume gestalten, Referent*innen vorschlagen oder auch nur mitdiskutieren können.

    Bei dem Festival soll viel und in vielen Sprachen diskutiert werden. Aber wir wollen nicht nur sprechen. Es soll Raum und Zeit geben für Trainings und Skill-Sharings, wir wollen an ältere feministische Praxen der ‚Selbsterfahrung’ anschließen und über feministische Gesundheit genauso lernen wie über Transformative Organizing. Auch unterschiedliche Formen künstlerischer und kultureller Beiträge sollen zentraler Bestandteil des Programms sein – wir wollen gemeinsam Filme sehen und darüber diskutieren, es wird Bühnen geben für Musik, wie für gesprochenes Wort und: wir wollen zusammen tanzen!

    Wenn alles gut läuft, wird dieses Feministische Festival vom 12. – 15.September 2019 auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen stattfinden.

    Das erste VORBEREITUNGSTREFFEN ist am 26. JANUAR VON 12-17 UHR, im Refugio in der Lenaustraße 3-4 in 12047 BERLIN.

    Bitte meldet euch bis zum 20.1. unter folgender E-mail an:barbara.fried@rosalux.org

    Wir freuen uns auf Euer Kommen und Mitgestalten, eure bisherige Vorbereitungsgruppe aus der Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem Netzwerk-Care-Revolution und dem Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V.

    Care Revolution Hamburg: Familienleben für alle – gegen rassistische Ausschlüsse

    Die Care Revolution Gruppe Hamburg fordert gemeinsam mit der gleichnamigen Berliner Initiative Familienleben für Alle! Wir fordern das Recht auf selbstbestimmte Sorgearbeit ein – sich kümmern und es auch lassen können; the right to care and not to care!  – und zwar für ALLE MENSCHEN ungeachtet ihrer Herkunft und ihres Aufenthaltsstatus.

    Bislang sind die Bedingungen für Sorgearbeit anhand rassistischer und anderer ausschließender Kriterien strukturiert. Während manche sich nicht kümmern wollen, sind andere, wie subsidiär Geschützte, diesbezüglich in ihren Grundrechten eingeschränkt. Gegen die Einschränkung des Familiennachzugs und die äußerst restriktive Bewilligungspraxis demonstriert am 2. Februar ein breites Bündnis in Berlin und ruft für den 1. und 2. Februar zu dezentralen Aktionen auf. Weitere Infos gibt es hier. Wir fordern Grund- und Menschenrechte für alle!

    Bei einer Veranstaltung in Hamburg wollen wir dann hinsichtlich des 8. März-Streiks (Internationaler Frauenkampftag) debattieren, wie man unterschiedliche Ausgangspositionen berücksichtigen kann und wollen gemeinsame Aktions- und Streikformen überlegen. Wir diskutieren mit Aktivist*innen vom Hamburger Bündnis zum Internationalen 8. März-Streik, von Asmaras World e.V. und WomaN – IN –Action/NINA (angefragt) am 19. Februar ab 17:30 Uhr im Centro Sociale und laden alle herzlich ein! Das Flugblatt zur Veranstaltung ist hier zu finden.

    LET’S STRIKE UNITED!

    Care Revolution predigte am 3. Adventssonntag in Freiburg

    Auf Einladung der Katholischen Kirchengemeinde Freiburg Südwest war Care Revolution Freiburg eingeladen in der Reihe „Wie kommt Heil in die Welt?“ zu sprechen. Gabriele Winker gab an Stelle der Predigt einen Impuls im Gottesdienst zum 3. Advent. Sie verdeutlichte, dass neben der täglichen Sorge und Hilfe für bedürftige Personen es auch Menschen bedarf, die sich aktiv dafür einsetzen, dass nicht weiter wirtschaftliches und auch staatliches Handeln viele Menschen abwertet, kränkt, sie aus unserer Gemeinschaft ausschließt, indem Hilfe verweigert wird. Dazu zitierte sie Papst Franziskus aus seinem apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium: „Diese Wirtschaft tötet.“ „Die Würde jedes Menschen und das Gemeinwohl sind Fragen, die die gesamte Wirtschaft strukturieren müssten“.

    Nach dem Gottesdienst tauschten sich zehn Personen aus der Gemeinde mit vier Vertreter_innen von Care Revolution Freiburg sehr ausführlich aus. Wir waren uns einig, dass es noch ein weiter Weg ist, bis Freiburg sich zu einer Stadt entwickelt, die sich für die existenzielle Absicherung aller Menschen einsetzt, ohne sie vorher nach ihrer Leistungsfähigkeit zu bewerten. Auch stimmten wir überein, dass wir uns für eine qualitativ hochwertige soziale Infrastruktur einsetzen müssen, in der alle Bedürftigen entsprechend ihren Wünschen Unterstützung erhalten von Beschäftigten, die unter guten Arbeitsbedingungen tätig sein können.

    Bericht vom Netzwerktreffen am 9.11.2018 in Göttingen

    Im November fand das zweite überregionalen Netzwerktreffen der Care Revolution im Jahr 2018 statt. Veranstaltungsort war Göttingen, wo sich Aktive und Interessierte aus über neun Regionen Deutschlands zum eintägigen Treffen versammelten. Die Alterspanne lag dabei zwischen 1,5 Jahren und Ü60, mit allem dazwischen. Thematische Schwerpunkte waren zum einen der Austausch und die gemeinsame Abstimmung zu den Vorhaben für das Jubiläumsjahr 2019 und zum anderen die mögliche Beteiligung am bundesweiten feministischen bzw. Frauen*Streik am 08. März 2019.

    Ersteres besprachen die Anwesenden mit den Fragen: 1) Was ist uns wichtig für 2019? und 2) Was für konkrete Aktionsformen können wir uns vorstellen? Der Austausch hierzu war vielfältig – jedoch wurde übergreifend die Wichtigkeit herausgestellt mit dem Meilenstein 5-Jahre-Care Revolution positive, öffentlichkeitswirksame und kämpferische Impulse ‚nach außen‘ zu setzen und gleichzeitig das Jahr zu nutzen, um das Netzwerk nach innen hin zu stärken. Hierfür wurden in Bündnismöglichkeiten zu Arbeitskämpfen in der Kranken(haus)pflege als auch gemeinsame Aktionen mit Care-Arbeitenden, die durch Migration markiert werden, aber auch in der Sichtbarmachung unbezahlter Sorgearbeit mögliche Felder der Umsetzung gesehen. Die Debatte zur Beteiligung am Streik zum Frauen*kampftag als zweiten Schwerpunkt des Netzwerktreffens schloss in diesem Sinne sehr rege an und bestärkte die Wichtigkeit des Netzwerks als Plattform vieler Care-Bewegter, -Arbeitender und -Empfangender und deren Beteiligung an solch einem Vorhaben. Zum Abschluss des inhaltlichen Teils wurde ein mögliches Finale des Jubiläums in Form einer Aktionskonferenz bzw. einem Festival diskutiert.

    Die Anwesenden einigten sich auf gemeinsame Aktionen zu bedeutsamen Daten wie dem 08. März 2019 (Frauen*kampftag), 12. Mai (Internationaler Tag der Pflege) und zur Durchführung einer Jubiläumskonferenz/-festival im Herbst. Die lokale Vorbereitung und Vernetzung für die betreffenden Daten und Aktionen sind teilweise schon im Gange. Besonders bei der Vorbereitung der/s Jubiläumskonferenz/-festivals sind Interessierte und Mitstreiter*innen herzlich willkommen sich dem Vorbereitungskreis anzuschließen und sich mit einzubringen.

    Im Verlaufe des Tages diskutierten und verabschiedeten die Teilnehmenden des Netzwerktreffens ebenfalls ein gemeinsames Papier zum Jubiläum der Care Revolution und einigten sich auf inhaltliche Standpunkte.

    Wichtig und nicht zu vergessen, wurden auch Fragen zu Finanzen, dem Weiterbestehen der Gemeinnützigkeit als rechtliche Struktur des Netzwerks und auch die Neubesetzung des Koordinierungskreises angegangen. Final einigten sich die Anwesenden das nächste Netzwerktreffen auf das Wochenende des 06. und 07. April 2019 zu legen. Hierfür werden dringend  ein Ort und eine Vorbereitungsgruppe gesucht.

    Der Verein „wir pflegen“ fordert höhere Rentenbeiträge!

    Wer in Deutschland Pflegeverantwortung übernimmt wird in der Rente stark benachteiligt. Wie aus einer schriftlichen Anfrage des Bundestagsabgeordneten Matthias W. Birkwald (Die LINKE) an die Bundesregierung hervorgeht, müssen pflegende Angehörige, die aufgrund der hohen Pflegeleistung ihre Arbeitszeit reduzieren, mit bis zu 13.000 Euro weniger Rente auskommen. Es ist davon auszugehen, dass die Folgekosten bei einer Berufsaufgabe noch deutlich höher liegen.

    Unter bestimmten Voraussetzungen werden Rentenbeiträge für pflegende Angehörige in die Rentenkasse eingezahlt. Die Beiträge sind aus Sicht von wir pflegen e. V. jedoch viel zu niedrig, um Altersarmut wirklich verhindern zu können. So steigt die Rente für die Versorgung eines Pflegebedürftigen im Pflegegrad 2 nach einem Jahr um nur 8,34 Euro. Der Betrag sinkt sogar, wenn Sachleistungen wie ein ambulanter Pflegedienst genutzt werden. Im Vergleich: Die Rentenanwartschaft eines Durchschnittverdieners in Deutschland liegt im Jahr bei rund 31 Euro. Die meist über Jahre andauernde Pflegeverantwortung führt damit häufig zu mickrigen Renten.

    Was dies konkret für pflegende Angehörige bedeutet, berichtet B.E.-Boge: „Meine Stelle aufzugeben entschied ich, als meine Halbtagstätigkeit mit der häuslichen Pflege meiner Mutter unvereinbar wurde. Kollegen gaben die Eltern ins Heim, erhielten weiter Lohn und Renteneinzahlungen. Häusliche Pflege bedeutet nicht nur Liebe geben, sondern dem Sozialstaat viel Geld sparen. Ein Zyniker würde sagen, dass zum Dank dafür meine Rente unter der Armutsgrenze liegt!“

    Dazu Christian Pälmke, Fachreferent für Pflegepolitik und Familienpflege von wir pflegen e. V.: „Die Regierung nennt pflegende Angehörige stille Helden, ist aber nicht bereit sie vor Armut während und nach der Pflege zu schützen. Das passt nicht zusammen. Wir fordern von der Bundesregierung, dass sie Sofort-Maßnahmen zur Bekämpfung von Altersarmut in der häuslichen Pflege ergreift.“
    wir pflegen e. V. unterstützt daher die angekündigte Initiative der Linken, sich zusammen mit den Sozialverbänden für höhere Rentenbeiträge einzusetzen.

    Hintergrund:
    Aktuell leben in Deutschland ca. 3 Millionen pflegebedürftige Menschen. Annähernd drei Viertel von ihnen werden zu Hause gepflegt – fast ausnahmslos von Angehörigen, die dafür häufig ihre eigene wirtschaftliche Existenz und Gesundheit aufs Spiel setzen. Aktuellen Schätzungen zu Folge beträgt der wirtschaftliche Wert der unbezahlten Angehörigenarbeit rund 37 Milliarden Euro jährlich, deutlich mehr als das gesamte Einnahmevolumen beider Pflegeversicherungen (Stand 2016).

    wir pflegen e.V. ist die Interessenvertretung pflegender Angehöriger in Deutschland. Nähere Informationen finden ihr hier.

    „Der größte deutsche Pflegedienst geht am Stock“

    „Über der Pflege meines kranken Vaters drohte ich selbst schwer krank zu werden.“ „Ich weiß nicht, wie ich die Pflege meines Mannes und meines Sohnes in Zukunft schaffen soll.“ „Ich habe meinen Job aufgegeben, um meine Mutter und meine Tante zu pflegen, und werde für diese Arbeit so gut wie nicht bezahlt.“ Drei Äußerungen von Teilnehmerinnen, die zeigen, dass das System „Gesundheit und Pflege in der Krise“ ist. Zu diesem Thema hatten Anfang Dezember das katholische Sozialinstitut Kommende, die Dortmunder Grünen und die Gruppe Care Revolution Dortmund zu einem Studiennachmittag in das Haus der Kommende in Dortmund-Brackel eingeladen.

    Wie die unbezahlte häusliche Pflege ist auch die bezahlte Pflege in der Krise. Finanzunternehmen, die ihren Kunden Renditen von fünf Prozent und mehr versprechen, drängen auf den Markt. Sie drücken die Kosten, wo sie können, drücken die Löhne und erhöhen den Arbeitsdruck. Viele Pflegekräfte geben ihren Beruf auf oder wechseln in Teilzeit. Ein Großteil geht vor Erreichung der Altersgrenze in Rente.

    Die beiden eingeladenen Gäste setzten in ihren Referaten unterschiedliche Akzente. Der Dortmunder Bundestagsabgeordnete der Grünen Markus Kurth mahnte eine gute pflegerische Versorgung in den Stadtquartieren an und befürwortete die Gründung von Pflegegenossenschaften durch Privatpersonen.

    Professorin Dr. Gabriele Winker, Autorin des Buches „Care Revolution. Schritte in eine solidarische Welt“, wies mit Nachdruck darauf hin, dass der Anteil der unbezahlten Sorgearbeit an den in unserem Land geleisteten Arbeitsstunden höher ist als der der gesamten Erwerbstätigkeit. Zusammen mit der bezahlten Sorgearbeit betrage der Anteil zwei Drittel der geleisteten Arbeit. Wenn das wirklich verstanden würde, dann würde der Umbau des Wirtschaftssystems unausweichlich. Die Zerstörung des Sozialen durch den Neoliberalismus sei endlich als eine Ursache der Gefahr von rechts ernst zu nehmen. Dass die Frauen ihr Recht auf eine eigene Erwerbstätigkeit durchsetzen konnten, habe es den Arbeitgebern zugleich ermöglicht, den bis in die Mitte der 1970er Jahre weithin gezahlten Familienlohn für den männlichen Ernährer durch den Individuallohn zu ersetzen. Unberücksichtigt blieben die Folgen für die unbezahlte Sorgearbeit, die zumeist Sache der Frauen blieb. Gabriele Winker forderte, die Vollarbeitszeit auf 30 Wochenstunden zu verkürzen und ein existenzsicherndes Grundeinkommen zumindest für die unbezahlt Pflegenden einzuführen.

    „Wir müssen die Diskussion fortsetzen“, resümierte Markus Kurth. Die Dortmunder Care Revolution Gruppe trifft sich das nächste Mal am 17. Januar 2019 um 18.30 Uhr in der Kommende, Brackeler Hellweg 144.

     

    Care Revolution: Schrittmacher für die Politik?! in Dortmund

    Am Samstag, den 1. Dezember, findet in Dortmund zwischen 14 und 18 Uhr eine Veranstaltung mit dem vollständigen Titel: Gesundheit und Pflege in der Krise. Care Revolution: Schrittmacher für die Politik?

    Dies ist eine Kooperationsveranstaltung von Sozialinstitut Kommende Dortmund, Care Revolution Dortmund, GRÜNE Dortmund sowie den Landesarbeitsgemeinschaften Soziales, Frauen, Medien der GRÜNEN NRW

    Inhaltlich geht es primär darum, wie der Krise in Gesundheit und Pflege politisch begegnet werden kann. Im Rahmen dieser Veranstaltung soll ein Abgleich der Ansätze der Care Revolution Bewegung mit weiteren politischen Möglichkeiten und Konzepten erfolgen. Wir freuen uns auf einen spannenden Austausch mit Gabriele Winker und Markus Kurth MdB. Besonderen Raum sollen dabei die Erfahrungen und Erwartungen der Betroffenen einnehmen.

    Die Teilnahme ist kostenfrei. Um eine Spende für Kaffee und Kuchen wird gebeten.
    Zur Erleichterung unserer Vorbereitung bitten wir dringend um Anmeldung:
    an die Kommende telefonisch (0231 206050) oder per Mail an kister@kommende-dortmund.de bzw.
    an die Dortmunder GRÜNEN telefonisch (0231 121171) oder per Mail an info@gruene-dortmund.de

    Das Programm und weitere Informationen zu den Personen, die die Eingangsstatements halten, findet ihr hier.

    Kümmert Euch! – Kurzfilm über das BarCamp in München

    Das „Kümmert Euch! BarCamp“, eine Kooperation der Münchner Volkshochschule und des Bayerischen Forschungsverbundes ForGenderCare, brachte am 30.Juni ’18 beruflich oder privat pflegende/betreuende/erziehende Menschen, Blogger*innen, Stiftungen, Netzwerkgruppen, Verbände, Vereine, Initiativen, Gewerkschaften und alle Interessierten in München miteinander ins Gespräch.

    Hier könnt ihr euch in einem vierminütigen Video der Filmemacherinnen Katharina Rabl und Nina Moog einen kleinen Eindruck verschaffen.

    Die Themen Kümmern und Fürsorge beschäftigen die Münchner_innen natürlich weiterhin und sie möchten auf einer politischen, wissenschaftlichen, aber auch handelnden Ebene weiter denken.  Wer Interesse am Vernetzen, am gemeinsamen Austausch, am Planen von Aktionen hat, kann sich gerne bei den Veranstalter_innen des BarCamps melden unter der Mail barcamp@forgendercare.de.

    Feministische Klassenpolitik – Care Revolution bei einem internationalen Vernetzungstreffen

    Bericht von Jette Hausotter & Kristin Ideler

    Logo der „Summerschool Feminist Class Politics Belgrade 2018“, Foto: Jette Hausotter

    Vom 30.9. bis 4.10.2018 fand in Belgrad ein internationales Austausch- und Vernetzungstreffen für Feminist*innen und LGBTIQ in linken sozialen Bewegungen statt. Es nahmen etwa 90 Menschen aus vielen Ländern Ost-, Süd- und Westeuropas sowie aus Russland, USA und einigen lateinamerikanischen Ländern teil. Eingeladen hatte die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die auch Kooperationspartnerin des Care Revolution Netzwerkes ist. Aktive unseres Netzwerkes waren in verschiedenen Workshops vertreten.

    Hintergrund und Ziel des Treffens
    Teilnehmende des Treffens; Foto: Iva Janković und Minja Pavlović (All rights reserved)

    Die Organisator*innen verwiesen in ihrer Einladung auf das derzeitige Erstarken von rechten Regierungen und rechtspopulistischen Politiken, die sich selbst als Antwort auf die Zumutungen des Neoliberalismus darstellen und dabei rassistische, sexistische und klassistische Spaltungen in der Gesellschaft vorantreiben. Gleichzeitig gebe es derzeit vielfältige Gegenbewegungen und gerade gegen die Angriffe auf Frauen*- und LGBTIQ-Rechte gibt es weltweit immer öfter sehr große und erfolgreiche feministische Mobilisierungen. Vor diesem Hintergrund sollte das Treffen auf verschiedenen Feldern stattfindende feministische Kämpfe um Care-Arbeit, Ökonomie, Ökologie und Körperpolitiken zusammenbringen. Das Ziel: voneinander lernen, um Feminismus und LGBTIQ-Themen in den diversen linken Bewegungen und politischen Handlungsfeldern zu stärken, in denen die Teilnehmenden aktiv sind. Das sehr große und sehr intensive Treffen bot außerdem eine tolle Gelegenheit, um transnationale Netzwerke und Praxen zu entwickeln, insbesondere zwischen Ost und West.

    Feministische Klassenpolitik als vielfältige Emanzipationsbewegung: eine Antwort auf die Krise sozialer Reproduktion
    Aktivismusausstellung im Foyer, Foto: Jette Hausotter

    Wir erleben in der EU und den EU-Beitrittsländern derzeit eine neoliberale Wirtschaftspolitik, die auf Einsparungen in allen sozialen Bereichen setzt und die besonders zu Lasten von Frauen und von ausgegrenzten oder marginalisierten Gruppen geht. Auf der Tagung haben verschiedene Autor*innen ihre sehr empfehlenswerten Länderstudien zu den Auswirkungen dieser Austeritätspolitik auf Frauen vorgestellt. Feministische Klassenpolitik wurde auf der Tagung als eine explizite Gegenbewegung zu dieser Austeritätspolitik eingeführt. Barbara Fried vom Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Aktive im Care Revolution Netzwerk, betonte in diesem Zusammenhang, dass eine feministische Klassenpolitik danach strebt, die Krise sozialer Reproduktion zu überwinden und alle Herrschaftsverhältnisse aufzuheben. Auf der Tagung wurde dieser „intersektionale“ Ansatz gleich praktisch umgesetzt, indem ein sehr vielfältiges Spektrum an Erfahrungen, Lebensrealitäten und Kämpfen vertreten war. Von regional und gesellschaftlich ganz verschiedenen linken (queer-)feministischen Standpunkten ausgehend – dabei aber ganz überwiegend mit praktischem, aktivistischem Hintergrund – wurden rechtliche und soziale Fragen und verschiedene Herrschaftsverhältnisse analysiert. Jeder Tag stand im Zeichen eines Schwerpunktes.

    Am ersten Tag standen verschiedene Bereiche feministischer Klassenpolitik im Fokus und es gab Workshops zu Intersektionalität, zu feministischer Ökologie, und zu feministischer Ökonomiekritik. Am zweiten Tag ging es um Arbeit und Austerität. In den Workshops wurden verschiedene feministische Organisierungen in der bezahlten und unbezahlten Arbeit vorgestellt: Frauenstreiks in Spanien und Lateinamerika, Frauenpolitik in Gewerkschaften in Deutschland, Kroatien und Mazedonien sowie Arbeitskämpfe in der prekären Lohnarbeit (hierunter Krankenpflege in Kroatien, Textilbranche in der Ukraine, undokumentierte migrantische Frauenarbeit in Griechenland). Der dritte Tag hatte „Reproductive Justice“ (dt.: reproduktive Gerechtigkeit) zum Thema. Dieser in den USA von Schwarzen Feministinnen geprägte Begriff bedeutet eine Verbindung von reproduktiven Rechten, insbesondere dem Recht auf Schwangerschaftsabbruch, mit sozialen Rechten, z.B. der Unterstützung von Eltern und Kindern unabhängig von sozialer Herkunft. In den Workshops ging es um linke Ansätze gegen geschlechtsspezifische Gewalt, Kämpfe für Abtreibungsrechte, Ansätze für die Verbesserung der Situation von Care-Arbeitenden und Care-Empfangenden sowie um LGBTIQ-Rechte und eine emanzipatorische Familienpolitik.

    Eine linke Feminisierung der Politik bedeutet eine radikale Demokratisierung
    Podiumsveranstaltung „Feminization of politics“, Foto: Kristin Ideler

    Ein Querschnittsthema war die Frage, welche Erwartungen die Teilnehmenden in eine Feminisierung der Politik setzen. Dazu gab es eine Filmvorführung von „Alcaldessa – Ada for Mayor“, eine Dokumentation über den Wahlkampf der jetzigen Bürgermeisterin Barcelonas Ada Colau von der Liste “Barcelona en Comú“. Dies ist eine Plattform lokaler sozialer Bewegungen, die radikaldemokratische, feministische Politik in die Institutionen bringen wollen. Der Film zeigt zwar den Wahlerfolg von Colau, aber auch die Hürden, mit denen sich eine kooperative politische Organisierung in der repräsentativen Demokratie auseinandersetzen muss und die sexistischen Strukturen, gegen die eine Feminisierung der Politik ankämpft.

    Zum gleichen Thema fand an einem Abend eine öffentliche Podiumsveranstaltung in einem alternativen Kulturzentrum in Belgrad statt. Es diskutierten: Sarah Leonard (Women’s Strike, USA), Jelena Miloš (Zagreb je NAŠ, Kroatien), Ángela Rodríguez “Pam” (En Marea – Unidos Podemos, Spanien) und Helena García Jiménez (Barcelona en Comú, Spanien). Dabei wurde deutlich, dass eine linke Feminisierung der Politik nicht einfach heißt, mehr Frauen in politischen Ämtern zu haben, sondern eine Veränderung des patriarchalen Charakters von Politik durch Formen radikaler Demokratie: horizontal statt hierarchisch, inklusiv statt kompetitiv, Care ins Zentrum auch des eigenen Handelns zu rücken, z.B. durch Rücksicht auf Sorgearbeitspflichten der Aktivist*innen.

    Sorgearbeit im Zentrum einer feministischen Klassenpolitik
    Eindruck von einem Workshop, Foto: Jette Hausotter

    Während der fünf Tage wurden viele Themenstränge gekreuzt, aber notwendigerweise auch parallel vertieft. Ein Strang widmete sich beispielsweise dem aus einer linken feministischen Sicht heraus notwendigen Paradigmenwechsel in Ökonomie und Politik, für den auch das Care Revolution Netzwerk steht.

    Die feministische Ökonomin und Aktivistin Sandra Ezquerra aus Barcelona kritisierte in ihrem Vortrag, dass die vorherrschenden Wirtschaftswissenschaften die unbezahlte Sorgearbeit völlig unzureichend behandeln und forderte, die soziale Reproduktion ins Zentrum ökonomischer Analyse und Politik zu stellen. Sie zeigte Daten aus Spanien zur unterschiedlichen Zeitverwendung von Männern und Frauen und verwies auf den Zusammenhang mit der ungleichen Verteilung von Einkommen und gesellschaftlicher Teilhabe. Im Hinblick auf das politische Handeln berichtete sie davon, wie unter der aktuellen Regierung von „Barcelona en Comú“ eine Demokratisierung von Sorgearbeit angestrebt wird. Dabei bezog sie sich auf eine von ihr mit verfasste Auftragsstudie der Regierung samt Handlungsempfehlungen: Die lokale Care-Politik wurde dazu in der Wirtschafts- statt in der Sozialverwaltung angesiedelt. Das Ziel ist es, Menschen als Care-Gebende und Care-Empfangende im Lebensverlauf zu unterstützen. Außerdem sollen langfristig solidarische Modelle der Verteilung von Arbeit, Wohlfahrt und Teilhabe etabliert werden, beginnend mit dem Ausbau sozialer Infrastrukturen und einer verstärkten Aufmerksamkeit für Sorgearbeit als Fundament der Gesellschaft.

    Diese Themen wurden dann in einem Workshop vertieft (“The work that makes all work possible” – Feminist struggles around care work”), in dem Jette Hausotter aus Berlin das Care Revolution Netzwerk als Organisierungsansatz vorstellte. Außerdem stellte Rafaela Pimentel aus Spanien die Selbstorganisation von Hausangestellten

    Territorio Doméstico weiterlesen

    Netzwerktreffen Care Revolution am 09.11.18 in Göttingen

    2019 wird das Netzwerk Care Revoution 5 Jahre alt. Die aktuellen Debatten um Care sind präsenter denn je: In Krankenhäusern wird um Entlastung und bessere Pflegebedingungen gestreikt, in Hamburg und Berlin werden Volksentscheide durchgeführt. Vielerorts regt sich Widerstand – nicht nur gegen das ungerechte Gesundheitssystem, sondern auch die Bestrebungen um einen bundesweiten Frauen*streik zum 8. März 2019 erstarken. Zum Jubiläumsjahr möchten wir den 12. Mai als internationalen Tag der Pflege nutzen, um auf die Straße zu gehen. Zum Herbst planen wir zum zweiten Mal eine große Aktionskonferenz. Das Netzwerktreffen im November dient zur Vorbereitung des Jahres 2019. weiterlesen

    Sorge ins Zentrum einer Alternative zum Kapitalismus

    Beitrag in der Reihe Perspektiven vom Autor_innenkollektiv Werkstatt Care Revolution (Text als PDF)

    Dieser Text ist aus der Werkstatt, die das Netzwerk Care Revolution einmal jährlich in Buchenbach durchführt, in Gemeinschaftsarbeit entstanden. Wir freuen uns über Reaktionen auf unser Papier.

    Erreichbar sind wir als Autor_innenkollektiv unter care-revolution@riseup.net.

    Stand: 5.Juli 2017

     

    Unter dem Begriff der Care Revolution entstand in den letzten Jahren eine Bewegung, die Sorgetätigkeiten zum Ausgangspunkt für gesellschaftliche Transformation nimmt. Unter Sorge – dieses Wort verwenden wir synonym zu Care – verstehen wir beispielsweise Pflegen, Trösten, Kochen, Betreuung oder Beratung, kurz gesagt all jenes, womit sich Menschen um das Wohlergehen und die persönliche Entwicklung anderer Menschen oder auch der eigenen Person (Selbstsorge) kümmern. Sorge ist von zentraler Bedeutung, denn eine soziale und solidarische Gesellschaft lebt vom Bezug der Menschen aufeinander.

    1. Sorge hat im Kapitalismus keinen Platz

    Die Hamburger Sozialwissenschaftlerin Gabriele Winker sprach nach 2007 von sozialer Reproduktion in der Krise. Sie kritisierte die damals aktuelle Debatte um die Ursachen und Folgen der Finanzkrise, die Krise ausschließlich auf Banken, Märkte oder den Euro bezog. Stattdessen betonte sie, dass, um die Kapitalverwertung zu sichern, die Löhne und die staatlichen Sozialausgaben gesenkt wurden und damit vielen Menschen Zeit und/oder Geld für Sorgetätigkeiten fehlen.

    Denn Neoliberalismus als Dreiklang aus Liberalisierung, Privatisierung und Sparpolitik führt zu einer doppelten Privatisierung von Sorgetätigkeiten: Einerseits setzt sich im Neoliberalismus die Übertragung ehemals öffentlicher Pflege- und Betreuungsaufgaben an renditeorientierte Unternehmen immer weiter durch. Andererseits bewirken damit einhergehende steigende Kosten für die einzelnen Menschen aufgrund dieses staatlichen Rückzugs, dass insbesondere Frauen sich verstärkt privat um die Betreuung, Hege und Pflege ihrer Kinder und älteren Angehörigen kümmern. Wo Sorgetätigkeiten zur Ware werden, ist dies in der Regel verbunden mit für Beschäftigte nicht selbstbestimmt gestaltbaren flexiblen Arbeitszeiten und schlechter Entlohnung.

    Darüber hinaus bewirken neoliberale Politiken eine generelle Umverteilung zugunsten der ohnehin schon Reichen und zulasten von Lohneinkommen und staatlichen Transferleistungen. Gleichzeitig kommt es aufgrund des Wachstumszwangs zu einer umfassenden Einbeziehung aller Bereiche in die Profitlogik; eine der Folge ist die Zerstörung von Commons im Globalen Süden, also von Wäldern, Fischgründen, Weideflächen usw. als Grundlage für traditionelle Möglichkeiten einer Existenzsicherung ohne Marktbeziehungen (Subsistenz). Die jüngste Zahl von Oxfam, wonach 2016 acht Männer über so viel Vermögen verfügten wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, ist nur ein extremer Ausdruck dieser Ungleichverteilung.

    Doch das Problem heißt nicht nur Neoliberalismus. Die im Kapitalismus strukturell un- oder schlecht bezahlte Care-Arbeit ist der Nährboden für privatisierten Profit. Von der Subsistenztheoretikerin Maria Mies stammt ein in der feministischen Ökonomie oft verwendetes Bild, wonach die sichtbare Ökonomie, also die über Warenproduktion und Geld vermittelte Wirtschaft, nur die aus dem Wasser ragende Spitze eines Eisbergs darstellt, während der größere Teil des Eisbergs, bestehend aus der unentgeltlichen Nutzung von Sorgetätigkeiten, Naturressourcen und (vor allem im Zuge postkolonialer Ausbeutung) Subsistenzarbeit, ohne Gegenwert in den Profit einfließt.

    Aber auch bei der Kritik am Kapitalismus kann nicht stehen geblieben werden – denn ein großer Teil seiner Negativfolgen liegt bereits in der Tauschlogik selbst begründet: Die Vorstellung, gleiche Werte tauschen zu können, wird immer nachteilig für diejenigen sein, die wenig oder nichts zum Tausch anzubieten haben.

    Die begrenzte Rationalisierbarkeit und damit die bei Sorgearbeit hohe Bedeutung von Niedriglöhnen für die Profitabilität führten historisch immer dazu, dass diese an unterprivilegierte Bevölkerungsteile ausgelagert wurde. Hierdurch wesentlich begünstigt wurde eine gesellschaftliche Sphärenspaltung in eine männlich konnotierte Produktion und eine weiblich zugeschriebene Reproduktion. Wer verstehen und beschreiben will, wie eine Gesellschaft sich organisiert, muss sie als Ganzes in den Blick nehmen. Es gilt, auch danach zu fragen, wie Menschen die Arbeit der Reproduktion organisieren und verteilen – eine Frage, die allzu oft aus der Analyse ausgespart wird. So wird dieses Feld unsichtbar gemacht, seine Geschichtlichkeit und Kontextabhängigkeit werden negiert und die hier herrschenden Arbeitsteilungen als quasi natürlich und gegeben erklärt. Dies wiederum geht mit der Entwertung all derjenigen Sorgetätigkeiten einher, die kein Einkommen generieren.

    Dabei ist wichtig, auch das aktive Mittun der jeweils von der Reproduktion Freigestellten mitzudenken, also von Männern gegenüber Frauen, aber auch von Weißen gegenüber Schwarzen oder, wie heute zunehmend, von Menschen mit einem Pass, der ‚mehr wert‘ ist als jener von Migrant_innen in internationalen Sorgearbeitsketten. Dies ist etwa der Fall, wenn zum Beispiel hierzulande ‚günstig‘ Polinnen für Pflegearbeit eingestellt werden und diese darum ihre eigenen Kinder anderen Frauen aus noch weiter östlich liegenden, ärmeren Ländern überlassen. Auch wenn in Haushalten insbesondere Frauen tätig sind, sind auch gegenläufige Prozesse zu beobachten, wenn zum Beispiel Migranten männlichen Geschlechts aufgrund fehlender anderer Jobgelegenheiten hierzulande Putztätigkeiten übernehmen.

    Mit dieser vergeschlechtlichten, rassifizierten und/oder klassistischen (also Schichtunterschiede ausnutzenden) Arbeitsteilung geht aber nicht nur einfach die Zuweisung schlecht oder nicht entlohnter Arbeit an Menschen einer bestimmten Identitätskategorie einher. Zugleich werden solche Identitätskategorien häufig erst in diesem Prozess geschaffen.

    Der in diesem Prozess ebenfalls erst entstandene Nationalstaat ist zutiefst funktional für die Aufrechterhaltung des Kapitalismus. Dem Staat kommt dabei die Aufgabe zu, die allgemeinen Produktionsbedingungen zu sichern. Dazu gehört auch, die Folgen einer Wirtschaftsweise abzumildern, die sich allein am Profit orientiert. Sogenannte sozialstaatliche Errungenschaften sind nicht selbstverständlich und es gilt sie zu verteidigen; sie sind in harten Kämpfen erstrittene Zugeständnisse und Kompromisse. Gleichwohl: Sie dienen letztendlich der Befriedung von Konflikten. Dem Sozialstaat wohnt zudem eine disziplinierende Funktion inne. Wer Leistungen in Anspruch nimmt, muss ordentlicher Staatsbürger sein, Regeln befolgen, sich einem bestimmten Geschlechterregime unterwerfen usw. Solche Entscheidungen werden auch in der Zivilgesellschaft verhandelt. Doch letztlich gilt auch hier: Wer ohnehin schon systematisch privilegiert ist, verfügt auch über mehr und machtvollere Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen.

    Dazu kommt, dass Widerstände vielfach integriert werden, auch indem emanzipatorisches Begehren aufgegriffen wird und sich Subjektformen entsprechend entwickeln. So erhöht die gelungene Selbstverwirklichung den Marktwert, und wir tragen längst nicht mehr nur unsere Haut zu Markte, sondern auch unsere Persönlichkeit, unsere Interessen und unsere Kreativität. Unsere Fähigkeit, uns zu verbiegen, ohne zu brechen (Neusprech: Resilienz), psychisch stabil zu bleiben sowie rasch zu regenerieren, sind Voraussetzungen unserer Beschäftigungsfähigkeit´. Auch in diesem Sinne sind wir angerufen, uns permanent zu optimieren. In neoliberalen Verhältnissen scheinen uns diese Zumutungen zum eigenen Bedürfnis zu werden.

    Diese Form des als Entfremdung beschreibbaren Zusammenhangs wird in der Care-Arbeit am offensichtlichsten. Der Zwang zur Konkurrenz untereinander verhindert, sich entlang der eigenen Werte, Bedürfnisse und Fähigkeiten einzubringen. So wie es heute aus finanziellen Gründen vielfach nicht möglich ist, biologische Lebensmittel anzubauen, auch wenn es jemand leidenschaftlich gerne tut, so bedroht es häufig akut die eigene Existenzsicherung und bedeutet für viele Frauen Altersarmut, wenn sie über Monate und Jahre hinweg die eigene Mutter pflegen.

    Insgesamt können wir festhalten, dass die gegenwärtige grundlegende Überforderung von Menschen besonders dort, wo es um Sorge und Sorgebedürftigkeit geht, kein Ausdruck je individuellen Versagens ist. Die Möglichkeit gelingender Sorgebeziehungen und gelingender Selbstsorge ist systemisch beeinträchtigt. Gelingende Sorge und allgemein gutes Leben erfordern andere ökonomische Beziehungen und eine andere Produktionsweise. Erforderlich ist eine Gesellschaft ohne äquivalenten Tausch, organisiert nach Bedürfnissen und Fähigkeiten.

    2. Eine gesellschaftliche Alternative ist denkbar weiterlesen

    Von der 4in1 Perspektive zum Frauen*streik

    Oder der lange Atem und die Selbstermächtigung

     

    Gedanken zu einer Veranstaltung

    Etwa 100 Personen waren gekommen. Oder besser mehr, denn das ist in etwa, was das Titania fasst. Und es mussten immer wieder Stühle geholt werden. Auch einige Babys waren von ihren Müttern mitgebracht worden. Viele Frauen* können eben – oder wollen auch nicht – ihre Kinder irgendwo lassen, wenn sie sich politisch engagieren. Und warum sollten sie es denn tun (müssen)? Sind Kinder nicht auch Bürgerinnen und Bürger? Gebührt ihnen nicht ein legitimer Platz im öffentlichen Raum, statt in die Unsichtbarkeit der Privatsphäre verbannt zu werden? Schließlich geht es (auch) Kinder an, was in der Politik gemacht wird. Es ist auch ihre Welt, die da gestaltet wird. Und wenn sie dabei sind, wird das vielleicht weniger ausgeblendet.

    Und genau darum ging es in einer Veranstaltung von Care Revolution Rhein-Main am 25.9.18 in Frankfurt. Um Teilhabe. Und um Verantwortung. Um eine neue Verteilung der unterschiedlichen Tätigkeiten, die für das menschliche Leben als Individuum und das Zusammenleben in der Gemeinschaft notwendig sind. Wie kann jede und jeder sich voll entfalten, also frei sein, sich als Mensch verwirklichen und gleichzeitig die Bedingungen mitgestalten, die es allen ermöglichen, frei und gut zu leben? Denn wir hängen voneinander ab.

    Frigga Haug identifiziert in ihrer 4in1Perspektive vier Felder, in denen Menschen tätig sein müssen, damit das Gute Leben für Alle Wirklichkeit werden kann. Da ist einmal die Fürsorge für sich selbst und für andere. Alle jene Tätigkeiten, die uns überhaupt am Leben halten. Also Nahrung zubereiten und Essen anreichen. Vor Gefahren schützen, aber auch vor Hitze, Kälte, Nässe oder Schmutz. Bei Angst beruhigen und bei Verlusten trösten. Bei Mutlosigkeit und Schwäche ermutigen. Die Erfahrung von Zugehörigkeit ermöglichen. Die Muttersprache lernen und aller Kodizes, die notwendig sind, um mit anderen Menschen zu kommunizieren, z.B. ein Minimum an Empathie und Höflichkeit. Und vieles mehr.

    Ein zweites Tätigkeitsfeld ist das der Lohn- oder Erwerbsarbeit. Eine Tätigkeit, in der wir gegen Bezahlung bestimmte Aufgaben erfüllen. In unserer sehr arbeitsteiligen Gesellschaft, in der sehr viele Güter und Dienstleistungen gekauft oder bezahlt werden müssen, ist es für die meisten Menschen notwendig, eine Tätigkeit auszuüben, die Geld generiert. Nur wenige, z.B. reiche Erb*innen, verfügen über so viel Geld, dass sie sich keine Gedanken darüber machen brauchen.

    Dann ist da noch ein dritter Tätigkeitsbereich, der ebenso wichtig ist, aber zu Unrecht oft als Luxus betrachtet wird, nämlich Muße, Kunst und Bildung. Es sind alle jene Tätigkeiten, die einem Menschen ermöglichen, sich weiter zu entwickeln, seine Kreativität und alle sonstigen Fähigkeiten, z.B. auch das kritische Denken. Ein Tätigkeitsfeld, in dem der Mensch Selbstzweck ist.

    Der vierte Bereich schließlich ist die Politik, also das gemeinsame Gestalten und Aushandeln der gesellschaftlichen Bedingungen, die das Zusammenleben bestimmen. Ein Bereich, der gegenwärtig allzu leichtfertig abgegeben wird, an „Berufspolitiker“.

    In unserer Gesellschaft haben diese vier Tätigkeitsbereiche eine völlig unterschiedliche Wertung. Die Lohnarbeit nimmt einen unverhältnismäßig großen zentralen Raum ein. Alles andere dreht sich darum und wird ihm untergeordnet. Dadurch kommen die anderen Tätigkeitsbereiche viel zu kurz und werden als eher wertlos erachtet. Es verkümmert so vieles bei Vielen. Es breitet sich Ungerechtigkeit aus. Teilhabe wird unmöglich und das Gute Leben für Alle eine unerreichbare Utopie.

    Wie lässt sich diese Schieflage verändern?

    Zuerst dadurch, dass man die Lage als Schieflage erkennt. Und dann, indem die Gründe dafür analysiert werden. Und dafür sind genau Muße und Bildung notwendig. Und das braucht Zeit. Und damit sind wir bei der Feststellung der unterschiedlichen Wertigkeit von Zeiten. Denn Zeit als Ressource hat eine ganz anderen Stellenwert in der Lohnarbeit als z.B. in der Fürsorge oder der Muße. Je weniger Zeit für die Produktion bestimmter Güter gebraucht wird, desto größer ist die Produktivität. Und Produktivität ist ein zentrales Kriterium in diesem Bereich, wo Wertschöpfung durch möglichst große Einsparung von Arbeitszeit bestimmt ist. Arbeit muss hier so organisiert werden, dass möglichst viel Zeit eingespart wird. In der Fürsorge dagegen darf keine Zeit eingespart werden. Die Qualität der Fürsorge hängt maßgeblich von der Menge der zur Verfügung stehenden Zeit ab. Es gibt eben (Lebens-)Prozesse, die sich nicht ungestraft beschleunigen lassen. Die Logik der Wertschöpfung durch industrielle Produktion für den Markt darf nicht in die anderen Tätigkeitsbereiche übertragen werden, weil dort Wertschöpfung, also die Schaffung von Wertvollem einer ganz anderen Logik folgt.

    Eleonora Roldan Mendivil ergänzte Friggas Ausführungen mit einem Bericht über die Bildung des Berliner Frauen*streikbündnisses. Wir leben in einem historischen Moment, wo an vielen Orten der Welt, und besonders an ihren sogenannten Rändern (Lateinamerika, Indien) aber auch in den USA, in Spanien und Polen sich gerade Frauen* massiv mobilisieren. Sie lehnen sich auf gegen Patriarchat und Kapitalismus. Und da sollten – oder besser: können auch wir in Deutschland ganz unterschiedliche Spektren, die eine gesellschaftliche Veränderung wollen, mutig bündeln, um gemeinsam die große Transformation zu gestalten.

    Dafür müssen wir miteinander ins Gespräch kommen und uns gegenseitig zuhören, um aus den unterschiedlichen Erfahrungen voneinander zu lernen – (Tätigkeitsbereich der Bildung!). Wir sind erzogen worden und in die Schule gegangen in einem (formellen und informellen Bildungs-)System, das das herrschende neoliberale Patriarchat reproduziert. Der jeweilige Leidensdruck der Einen und Anderen kann aber dazu führen, das Hergebrachte zu hinterfragen. Und zusammen können wir dann gemeinsam neue Antworten suchen und finden. Feminist*innen haben schon immer die eigene Erfahrung als wichtige Wissensquelle betrachtet. Wir müssen Expert*innen sein für unser eigenes Leben oder es werden.

    Um das bisher in der patriarchalen und neoliberalen Sozialisation Erlernte zu verlernen und ein neues Denken zu entwickeln, braucht es Zeit. Und es braucht Erfahrungen, die gemacht und analysiert werden müssen. Wenn wir uns also auf den Weg machen, uns und die Gesellschaft zu verändern, werden wir einen langen Atem brauchen. Das wird nicht von heute auf morgen gehen, sondern erst allmählich. Es muss ein Prozess sein, der sich von unten nach oben, von den Rändern zur Mitte hin vollzieht, damit nicht nur kleine Trostpflaster verteilt werden, ohne dass die Strukturen angetastet werden. Wir müssen uns auf den Weg machen und uns gemeinsam selbst ermächtigen, und immer mehr werden, die daran arbeiten, die herrschende Wertigkeit der Tätigkeitsbereiche umzuwerten und somit auch die herrschende symbolische Ordnung zu verändern.

    Die nächste konkrete Etappe ist der 8. März 2019. Unsere Aktionen an dem Tag werden sein wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird. Die Wellen werden immer weiter und weiter werden.

    Gelegenheit, sich mit auf den Weg zu machen gibt es am 9.11. in Göttingen, Dort findet nämlich das nächste überregionale Netzwerktreffen von Care Revolution statt, und an den beiden darauf folgenden Tagen ein großes Vernetzungstreffen des Frauen*streikbündnisses.

    Elfriede Harth

    Care-Revolutonieren mit Grundeinkommen?

    Vom Verein zur Förderung des bedingungslosen Grundeinkommens ist eine neue Broschüre erschienen mit dem Titel: Care-Revolutionieren mit Grundeinkommen? mit Beiträgen von Margit Appel, Sylvia Honsberg, Dr. Ina Praetorius, Werner Rätz, Dr. Antje Schrupp, Prof. Dr. Gabriele Winker.

    Die Broschüre kann selbst gedruckt werden. Die Druckvorlage ist unter office@grundeinkommen.de zu erhalten.

    Zum selben Thema hat es am 21. Oktober 2017 eine Veranstaltung in Frankfurt am Main gegeben. Um einem breiteren Publikum Zugang zu den Beiträgen dieser Veranstaltung „Care-Revolutionieren mit Grundeinkommen?“ zu ermöglichen, ist eine Video-Dokumentation erstellt worden, die hier zu finden ist.

     

    Schreibwerkstatt „Wir kümmern uns!“ in Postdam

    Die Schreibwerkstatt „Wir kümmern uns!“ findet am Freitag, den 7.9.,14:00 – 21:00 Uhr im femArchiv, Hermann-Elflein.-Str.23, Potsdam statt. (Der Einstieg ist den ganzen Nachmittag und Abend über möglich.)

    Welche Care-Themen bewegen EUCH? Wie sieht Euer Alltag aus? Wie wollt Ihr für andere sorgen, wie umsorgt werden? Wir organisieren Inputs zu kreativem Schreiben und einen anschließenden Co-Working-Space zum individuellen oder gemeinsamen Schreiben eigener Texte. Diese können in der Blogreihe „Wir kümmern uns!“ des Frauenpolitischen Rat Land Brandenburg veröffentlicht werden.

    Zwischen den zwei offen gestalteten Schreib-Blöcken von 14:00 – 17:00 Uhr sowie 18:00 – 21:00 Uhr wird es eine Soli-KüFA für das femArchiv geben, so dass für das leibliche Wohl gesorgt ist. Das femArchiv benötigt dringend Unterstützung, u.a. um die Heizung zu erneuern.

    Anmeldungen zwecks besserer Planung bitte bis 30.08.2018 an care-revolutionpotsdam@riseup.net

    Weitere Infos findet ihr hier.

    Bildnachweis: Istanbul November 2012 by Urban Isthmus. CC-BY 2.0. Veröffentlicht auf https://www.flickr.com. Das Bild wurde nachbearbeitet.

    Fahrradtour zu Orten alternativer Sorgestrukturen

    Die Fahrradtour „Orte alternativer Sorgestrukturen in Potsdam“ findet am Samstag, 08.09.2018, 10:00 – 15:00 Uhr statt.

    Treffpunkt: femArchiv, Hermann-Elflein.-Str.23, Potsdam.

    Eine WG für Menschen mit Demenz im hippen Babelsberger Kiez? Eine interkulturelle Küche für Alle im Herzen der Stadt? Ein Montessori-Campus mitten im sozialen Brennpunkt? Wir besuchen verschiedene Orte in Potsdam, an denen Care-Tätigkeiten selbstbestimmt(er) organisiert werden und kommen dabei ins Gespräch darüber, wie wir füreinander sorgen und umsorgt werden wollen.

    Die Teilnehmer*innenzahl ist auf 15 Personen begrenzt. Anmeldungen: bis 30.08.2018 an care-revolution-potsdam@riseup.net

    Weitere Infos sind hier zu finden.

    Bikes Slick by Thomas Hawk. CC-BY-NC 2.0 Generic. Veröffentlicht auf https://www.flickr.com. Das Bild wurde nachbearbeitet.

    Care Revolution Rhein-Ruhr aktiv im Düsseldorfer Krankenhausbündnis

    Einige Aktive von Care Revolution Rhein-Ruhr engagieren sich derzeit im „Düsseldorfer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus“. Wir machen derzeit vielerorts Info-Stände und Aktionen, die ihr hier einsehen könnt.
    Leute, die in den Bündnissen Düsseldorf oder Essen mitmachen wollen, sind willkommen!
    Hier gibt es aktuelle Unterschriftenlisten zur Unterstützung zum Download.

    Menschen vor Profite: Care-Konferenz NRW

    Diese Care-Konferenz findet am 22. September 2018 von 11:00 – 17:00 Uhr in Bochum im Bahnhof Langendreer  statt.

    Sie wird von der LINKEN NRW veranstaltet. Es gibt u.a. Workshops zu den aktuellen Arbeitskämpfen an den Uni-Kliniken Düsseldorf und Essen (an beiden Kliniken wird gestreikt) und auch einen Workshop zu Care Revolution, in dem Melanie Stitz referiert.

    Dass in der Pflege dringender Handlungsbedarf besteht, hat sich inzwischen herumgesprochen. Um aber gegenüber der Regierung ausreichende Maßnahmen durchzusetzen, ist noch viel Druck nötig. Auf der Care-Konferenz soll darüber beraten werden, wie es weiter gehen soll, mit dem Einsatz gegen den Pflegenotstand.

    Das Programm kann hier eingesehen werden.

     

    Methodenfortbildung zu Care und Degrowth

    Diese Methodenfortbildung findet am 27. und 28. Oktober 2018 in der Polikklinik Hamburg-Veddel statt.

    Zunächst werden wir Methoden durchspielen , die in das Thema Care (gemeint sind alle bezahlten und unbezahlten Sorgetätigkeiten) einführen. Außerdem wird es Methodenarbeit zu globalen Sorgeketten und zu sozial- ökologischer Transformation (Degrowth) geben. Zuletzt wollen wir uns der Frage der Alternativen widmen: Wie können wir Sorgearbeit neu gestalten und leben? Auch dazu möchten wir euch Methoden an die Hand geben. In alle Methoden fließen feministische und wachstumskritische Ansätze ein.

    Die Fortbildung richtet sich an politische Bildner*innen, Pädagog*innen, Aktive und interessierte Multiplikator*innen für die junge Erwachsenenbildung mit Vorkenntnissen zum Thema, aber auch an diejenigen, die das Thema Care/Sorge in der eigenen Arbeit bisher noch nicht einbringen und verstärkt behandeln wollen.

    Hier könnt Ihr Euch anmelden.

     

    Pflege darf kein Profitgeschäft sein!

    Mit deutlicher Kritik reagiert der Verein der pflegenden Angehörigen wir pflegen e.V. auf die Praxis privater Investoren, milliardenschwere Profite aus dem deutschen Pflegesystem zu ziehen. Jüngsten Presseberichten zu Folge werden aus der Versorgung Pflegebedürftiger in Heimen Renditen von bis zu 14 Prozent generiert – auf Kosten einer menschenwürdigen Pflege, zum Schaden der Pflegebedürftigen und der pflegenden Menschen.

    Hier geht zur Pressemitteilung des Vereins der pflegenden Angehörigen, der auch Mitglied im Netzwerk Care Revolution ist.

    Bericht vom Netzwerktreffen Care Revolution am 14. und 15. April 2018 in Leipzig

     

    DSC01494Mit 27 Aktiven und neu interessierten Menschen aus unterschiedlichen Orten kamen wir in Leipzig zum Netzwerktreffen zusammen. Das Treffen stand unter dem Motto „Eine Kampagne für die Care Revolution“.

    Im letzten Jahr hatte das Netzwerk einen gemeinsamen Planungsprozess angestoßen, welcher im kommenden Jahr zu einer Kampagne und Aktionskonferenz führen soll. Im Jahr 2019 werden wir bereits das 5-jährige Bestehen des Netzwerks feiern können und wollen deshalb etwas Größeres veranstalten.

    Wie das dann alles ganz konkret aussehen soll, dazu haben wir uns in Leipzig Gedanken gemacht und gefragt, welches Kampagnen-Thema sich für die Care Revolution eignen würde, aber auch welche Formate wir gut finden. Mittels der Methode der „Zukunftswerkstatt“ wurden verschiedene Themenbereiche ausgewählt und erste Kampagnenmöglichkeiten entwickelt. Es gab Ideen und Arbeitsgruppen zur „Zukunft der Pflege“, „Kampf für ein einkommenunabhängiges Elterngeld“ und der „4-in-1-Perspektive als Streiktag“.

    DSC01565Auf dem Care Revolution Segeltörn, der Ende Mai stattfinden wird, und bei der Werkstatt in Buchenbach im September werden wir daran weiterarbeiten. Hierfür hat sich eine Arbeitsgruppe „Kampagne“ gebildet, die den Prozess weiterhin begleitet und vorantreibt. Im November laden wir dann zu einem größeren Treffen ein, um die Kampagnenvorbereitung mit euch allen zu starten.

    Des Weiteren gab es Zeit für die Wahl eines neuen Ko-Kreises, die Abstimmung über Finanzanträge und einen Überblick, was in den verschiedenen Regionalgruppen los ist. Wir freuen uns, dass sich nun in Potsdam eine neue Regionalgruppe zusammengefunden hat.

    1. Mai in Freiburg

    Freiburg-1-maiZum fünften Mal beteiligte sich Care Revolution Freiburg an der Maidemonstration und dem anschließenden Fest im Park. Wir hatten eine Menge spannende Gespräche mit Menschen, die mit uns ihre Erfahrungen aus der bundesdeutschen Care-Wüste  teilten. Inbesondere haben wir den Care-Rat Freiburg vorgestellt, den wir gemeinsam mit anderen Gruppen und Einzelpersonen tragen. Mehr zum Care-Rat findet ihr hier.

    „Mehr als nur über Kapitalismus schwadronieren“ – Vernetzung zur Care Revolution

    CaRevolution_01Im Rahmen der Brandenburgischen Frauenwoche diskutierten am 9. März 2018 etwa 30 Teilnehmende im Kosmos Rechenzentrum über Care-Arbeit bzw. deren notwendige Veränderung. Veranstaltet von den Gleichstellungsbüros der Universität und der Fachhochschule Potsdam ging es darum, gemeinsam den Ist-Zustand der Care-Arbeit (zu dt.: Sorgearbeit) zu analysieren, die Care-Revolution anzuregen und zu besprechen, welche Rolle Hochschulen dabei spielen können.

    In der Fishbowl-Diskussion saßen in der Runde Helga Zeike von Pflege in Not Brandenburg e.V., Sabine Carl vom Netzwerk Care Revolution, sowie Jennifer Becker, studentische Vizepräsidentin an der FH Potsdam und eine Vertreterin der Referats Geschlechterpolitik des AStA der Uni Potsdam als Gäste mit Expertise zusammen und diskutierten. Moderiert wurde der Nachmittag von Susanne Eckler von der Stuhlkreisrevolte.

    Bei einer Fishbowl-Diskussion (zu dt.: Fischglas-Diskussion) bleibt mindestens ein Stuhl für beitragende Personen aus dem Publikum frei. Dieser kann jederzeit während der Diskussion besetzt und der Diskussionsverlauf so durch neue Perspektiven, Fragen, Zitate usw. bereichert werden. Außerdem sind die Stuhlreihen kreisförmig angeordnet, so wird die Trennung zwischen „Expert*innen“ und „Publikum“ räumlich aufgehoben. Bei dieser Veranstaltung gab es also kein klassisches Podium.

    Inhaltlich ging es z.B. um die konkreten Vorstellungen und Ansprüche von Care-Arbeiter*innen an ihren Beruf – mehr Zeit (für Klient*innen) und Freizeit, gutes Teamwork, höhere Löhne und mehr gesellschaftliche Wertschätzung waren einige der Wünsche. Außerdem wurde klar, dass für die Veränderung der (Care-)Arbeitswelt viele Ansätze wichtig sind: das arbeitende Individuum sollte selbstbewusst, resilient und auch vernetzt sein, allerdings wäre dieser Ansatz allein wiederum sehr offen für individualisierte Schuldzuweisungen. Denn weiterhin müssen sich die Rahmenbedingungen der Care-Arbeit ändern, sodass es wirkliche Verbesserungen geben kann. Struktureller Rahmen sind die kapitalistischen Verwertungsmechanismen, diese müssen unbedingt mitgedacht und analysiert werden. Zudem wurde besprochen, was die Hochschulen zu dieser Veränderung beitragen könnten, z.B. Orte für Aktivierung und Vernetzung sein, über Arbeitsverhältnisse und Arbeitnehmer*innenrechte informieren, realitätsnahe Ausbildung zu beruflichen Perspektiven anbieten, sowie Arbeitskämpfe ermöglichen.

    Bis in den Abend hinein wurde diskutiert und sich anschließend bei leckerem Essen besser kennen gelernt und vernetzt.

    Der Veranstaltungsbericht ist zuerst erschienen auf dem Blog des Frauenpolitischen Rat Land Brandenburg in der Blogreihe „Wir kümmern uns!“. Hier schreiben Brandenburger*innen zu den Themen, die sie bewegen und formulieren dabei auch Handlungsbedarfe und Wünsche an die Politik. Die Reihe ist eine Kooperation zwischen dem Frauenpolitischen Rat und dem Netzwerk Care Revolution Potsdam.
    Foto: Simone Ahrend, sah-photo.de
    Text: Laura Schleusener
    Hier findet ihr den Originalbeitrag.

    Das Netzwerk Care Revolution Potsdam trifft sich ca. 1x pro Monat. Das nächste Treffen findet am 5.6.2018, ab 18:00 Uhr im konte[x]t, Hermann-Elflein-Str.23 statt. Kontakt: care-revolution-potsdam@riseup.net.

    Auf zum Care Revolution Segeltörn!

    Der Care Revolution Segeltörn dient zur Vernetzung von Care Revolution Aktivist*innen und Interessierten. Er findet von Sonntag, 27.05.18 (18 Uhr) bis Freitag 01.06.18 (14) Uhr statt. Start- und Endpunkt ist Kappeln.

    Sorgearbeit ist überall: ob Zuhause oder in Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schulen und Kitas. Immer, wenn wir uns um andere, unsere unmittelbaren Lebensgrundlagen oder uns selbst kümmern, leisten wir Sorgearbeit. Trotzdem erfährt  diese Arbeit in unserer Gesellschaft geringe Wertschätzung und wird oft unbezahlt oder schlecht bezahlt geleistet – das wollen wir ändern!
    Wir wünschen uns, dass die  (staatliche) Organisierung von Sorgearbeit sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und nicht an der Profitlogik unseres Wirtschaftssystems. Damit das gelingt, wollen wir gemeinsam über Strategien nachdenken, dieses Anliegen wieder stärker ins Gespräch zu bringen und Veränderungen anzustoßen.

    Du beschäftigst dich politisch, arbeitsbedingt und/oder persönlich mit Fragen rund um Care (Sorgearbeit) und/oder bist bereits im Netzwerk Care Revolution aktiv? Kümmerst dich um Kinder, pflegebedürftige Angehörige, kriselnde Freund*innen? Arbeitest als Krankenpfleger, Ärztin oder Kindergärtner*in oder bist einfach interessiert am Thema? Dann komm mit zum Care Revolution Segeltörn!

    Wir wollen zusammen fünf Tage auf dem Schiff verbringen, um uns darüber auszutauschen, an welchen Themen wir gerade arbeiten, was in den Regionalgruppen des Netzwerks passiert und auch um uns zu vernetzen und zusammen Projekte voranzubringen. Das gemeinsame Segeln, Wind und Wetter genießen und persönlicher Austausch werden natürlich auch genug Raum finden!

    Während des Törns nehmen wir drei Ebenen von Care in den Blick:
    1. Regional – Care und Care Revolution an deinem Ort, Alltag, Regionalgruppe oder Organisierung
    2. Überregional – Vorstellung und Diskussion über die geplante Kampagne des Netzwerks Care Revolution
    3. Global – Care in Bezug auf globale, wirtschaftliche Zusammenhänge und Migrationsbewegungen verstehen

    Innerhalb der gesetzten Schwerpunkte gibt es Raum für eigene Themen, Fragen und Methoden. Die Höhe des Teilnahmebeitrags kannst du je nach deinen finanziellen Mitteln selbst wählen. Der Beitrag liegt zwischen 180 – 260 €. Darin enthalten sind die Schiffskosten sowie die Verpflegung (bio und vegan). An- und Abfahrt zum Hafen in Kappeln müssen selbst getragen werden. Deine Teilnahme soll nicht am Geld scheitern – wenn du den Mindestbeitrag nicht bezahlen kannst, dann melde dich gerne, sodass wir eine gemeinsame Lösung finden können. Kinderbetreuung organisieren wir vor Ort und gemeinschaftlich.
    Hier geht´s direkt zur Anmeldung.

    Bei Interesse oder Fragen melde dich bei: sophia@ lovis.de -wir freuen uns!

     

    Kundgebung mit Arnold und Nico Schnittger in Berlin

    NicosFarm_Spahn1Am 6. April 2018 haben wir Arnold und seinen Sohn Nico mit einer Kundgebung in Berlin begrüßt. Arnold hatte mit einem offenen Brief angekündigt: Herr Spahn, wir müssen reden!

    NicosFarm_Spahn2Mit einer Kaffeetafel wurden die beiden vor dem Gesundheitsministerium von mehreren Initiaven empfangen, die sich ebenfalls für Verbesserungen in der bezahlten und unbezahlten Care-Arbeit einsetzen. Alle Beteiligten haben deutlich gemacht, dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern uns solidarisch gegen Profite und Kostendruck in allen Care-Bereichen einsetzen!

    Der Platz des Gesundheitsministers an unserer Kaffeetafel blieb zwar leer. Aber wir haben die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht, dass der menschenunwürdige Pflegenotstand ein Ende haben muss. Dafür braucht es eine ausreichende Finanzierung des Gesundheits- und Sozialsystems und ausreichend Zeit und Geld, um im Alltag für Andere und für sich zu sorgen. Menschen, die auf Pflege angewiesen sind und Menschen, die beruflich und unbezahlt Sorgearbeit leisten, verlangen gute Lebens- und Arbeitsbedingungen – und das geht nur ohne die Profitlogik in der Care-Arbeit!

    Mehrere Gruppen, darunter Care Revolution Berlin, das Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus, die Initiative pflegender Angehöriger „Wir pflegen“, die Kritischen Mediziner_innen und Andere  demonstrierten vor dem Bundesgesundheitsministerium.

    Hier findet ihr auf Facebook ein Video.

    Auch die Berliner Zeitung berichtet von der Wanderungsaktion von Vater und Sohn.

    Bundesweites Netzwerktreffen Care Revolution am 14. und 15.4.18

    Jedes halbe Jahr treffen sich im Netzwerk Care Revolution Aktive zu einem Austausch und zur Diskussion weiterer Aktivitäten. Hier findet ihr das Programm zum Netzwerktreffen in Leipzig am 14. und 15.4.18. Wir treffen uns in der Mainzer Straße 7 in den Räumen des Vereins Durchblick. Beginn ist am Samstag, den 14.4 um 10.30 Uhr. Das Netzwerktreffen endet am Sonntag, den 15.4. um 14.30 Uhr.

    Nicos Farm zu Fuß nach Berlin als Protest gegen Pflegenotstand

    NicosFarm_Wanderung_2018Das Hamburger Abendblatt  berichtet über den Aufbruch von Arnold und Nico Schnittger nach Berlin. Arnold Schnittger will seinen Sohn Nico, der im Rollstuhl sitzt, 280 km in die Hauptstadt schieben, um dort einmal mehr auf die fehlende Unterstützung von pflegenden Angehörigen hinzuweisen und das politische Berlin zum Handeln aufzufordern. Hier findet ihr seinen offenene Brief an Gesundheitsminister Spahn.

    Nicos Farm auf Wanderschaft gegen Spahns Ernennung zum Gesundheitsminister

    Am Samstag, den 24.3., startet Arnold Schnittger, Vorsitzender des Vereins Nicos Farm, um fünf Minuten vor zwölf auf dem Hamburger Rathausmarkt, um aus Protest gegen Spahns Ernennung  zum Gesundheitsminister nach Berlin zu laufen. Hier findet ihr seinen offenen Brief an Spahn.

    Seine Sorge ist, dass es mit Gesundheitsminister Spahn keine grundlegenden Verbesserungen in der Pflege – wie versprochen – geben wird. Die jüngsten Äußerungen von Spahn scheinen seine schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen, so Arnold Schnittger.

    Ziel dieser Wanderung ist es, auf dem Weg nach Berlin zu sensibilisieren und auf die Probleme von pflegenden Angehörigen, aber auch auf die Pflege im Allgemeinen hinzuweisen. Ein Ende dieses Pflegenotstandes scheint nicht in Sicht.

    Arnold Schnittger geht nicht davon aus, dass ein „Kaffee trinken mit Herrn Spahn“ die Situation nur ansatzweise verbessern könnte, zumal er wohl kaum vorgelassen wird. Die Wanderung ist deswegen primär Ausdruck des Protestes.

    Arnold Schnittger hofft auf zahlreiche „Mitmacher_innen“, um den Verantwortlichen deutlich zu machen, dass diese würdelose Pflegesituation die Grenzen des Erträglichen längst überschritten hat.

    „Auf einen Kaffee bei Herrn Spahn“

    Der Routen- und Terminplan:

    24.3. Rathausmarkt Bergedorf 18 km

    25.3. Sonntag – sonntags immer frei, keine Wanderung

    26.3. Bergedorf Lauenburg 27 km

    27.3. Lauenburg Besitz 23 km

    28.3. Besitz Tripkau 26 km

    29.3. Tripkau Lenzen 28 km

    30.3. Lenzen Wittenberge 24 km weiterlesen

    Gesundheits- und Care-Revolution-Block beim Berliner Frauen*kampftag 2018

    Berlin_8März2018_1Am 8. März zur Frauen*kampftagsdemo haben wir erfolgreich einen Gesundheits- und Care-Revolution-Block auf die Berliner Straßen gebracht! Wir haben mindestens 800 Unterschriften für den Volksentscheid für gesunde Krankenhäuser gesammelt und dabei Gespräche mit Demoteilnehmenden und Passant_innen geführt.

    Beschäftigte, Patient_innen und Angehörige haben sich  lautstark und gut sichtbar für ausreichend Pflegepersonal und Krankenhausfinanzierung und für mehr Zeit und soziale Absicherung auch für die alltägliche unsichtbare und unbezahlte Pflege- und Sorgearbeit ausgesprochen. Danke an alle – das machen wir wieder!

    Berlin_8März2018_2

     

     

     

     

     

     

     

    Weitere Fotos hier: https://www.facebook.com/pg/ver.di.charite.buendnis/photos/?tab=album&album_id=1225165834253753

    Care Revolution Freiburg am 8. März aktiv

    P1040040Wie in den Vorjahren beteiligte sich Care Revolution Freiburg auch in diesem Jahr wieder an den Veranstaltungen zum Internationalen Frauenkampftag. Klar: Care ist kein Frauenthema, sondern eines, das alle Menschen betrifft. Jedoch sind Sorgearbeiten und ihre Verteilung massiv durch Geschlechterstereotypen und geschlechtliche Arbeitsteilung geprägt, und dies regelmäßig zu Lasten von Frauen. Dies wollen wir ändern, und deswegen ist es unserer Gruppe wichtig, am 8. März dabei zu sein. Unser Flugblatt findet ihr hier.

    Demo_8März2Vormittags und mittags waren wir auf dem Platz vor dem Rathaus mit einem Stand vertreten. Am Abend gab es dann die Demonstration durch die Innenstadt. Diese war in diesem Jahr mit ca. 800 Teilnehmer_innen noch ein wenig größer als in den Jahren zuvor und auch das Thema Care war deutlich präsenter als in den letzten Jahren. Die Demo war laut, lebhaft und rundum gut!

    Kümmert Euch! BarCamp zu Fürsorge, Politik und Vernetzung am 30. Juni 2018 in München

    Forschungsverbund „ForGenderCare“ stärkt die Sichtbarkeit care-politischer Initiativen. 

    Beitrag in der Reihe Perspektiven von Katja Schmidt (Artikel als PDF).

    Quelle: https://kuemmerteuchbarcamp.org, © Ivan Sizov
    Quelle: https://kuemmerteuchbarcamp.org © Ivan Sizov

    Care betrifft alle Menschen und gehört zu den existentiellen Voraussetzungen jeden Lebens. Unsere Gesellschaft befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Wandel, der auf das Engste verwoben ist mit dem generellen und in Deutschland besonders markanten sozialen Wandel von der Industriegesellschaft hin zur globalisierten und beschleunigten Dienstleistungs- und Wissensökonomie. Dieser Wandel berührt auch und wesentlich die Organisation von Care-Arbeit. Der Forschungsverbund „Gender und Care – Dynamiken von Fürsorge im Kontext von Institutionen, Praxis, Technik und Medien in Bayern“ untersucht Care als Gegenstand politischer, medialer, historischer und nicht zuletzt individueller und familialer Gestaltung. Nach fast drei Jahren intensiver gemeinsamer Arbeit zeigen sich dabei Querverbindungen, die das ursprüngliche Projekt, Geschlecht und Fürsorge miteinander verschränkt zu untersuchen, sowohl präzisieren als auch in einen weiteren, gesamtgesellschaftlich relevanten Rahmen stellen: So durchziehen Fragen nach dem „guten Leben”, der Lebensqualität, die Projekte durchgehend. Inwieweit müssen gängige Konzepte von Erwerbs- und Fürsorgearbeit neu gedacht werden, um der Positionierung von Care zwischen öffentlich und privat, ökonomisiert und intim, lebensnotwendig und verworfen, gerecht zu werden?

    Denn die konstatierte Care-Krise ist letztlich eine Krise der sozial- und geschlechterpolitischen Rahmenbedingungen. Dieser Zusammenhang wird insbesondere am Beispiel erwerbsförmiger Pflegearbeit sichtbar, die von Ökonomisierungsprozessen, Minutenpflege und pauschalierten Behandlungsstandards genauso geprägt ist, wie von prekären Beschäftigungsverhältnissen, der Ausweitung eines Niedriglohnsektors und einem eklatanten Fachkräftemangel. Trotz des steigenden Bedarfs an Pflegepersonal nutzen wenige Beschäftigte ihre Organisations- und Verhandlungsmacht, sondern kompensieren die mangelnde Regulierung und Ausstattung des Pflegesystems durch enorme zusätzliche Anstrengungen, die aus einem subjektivierten Verantwortungsgefühl gespeist sind. Jedoch ist es in den letzten Monaten und Jahren zunehmend gelungen, die zugrundeliegenden Rahmenbedingungen öffentlichkeitswirksam zu thematisieren: Genannt seien an dieser Stelle gewerkschaftliche Arbeitskämpfe wie der Charité-Streik in Berlin, der mit richtungsweisender Unterstützung bürgerschaftlicher Unterstützungsbündnisse einhergeht, und die aktuelle Tarifkampagne für mehr Pflegepersonal in den Krankenhäusern sowie regionale Graswurzelinitiativen wie „Pflege am Boden“ und die von ihnen mitgetragene „Kampagne Bundeweite Gefährdungsanzeige“ regelmäßige politische Talksendungen im Zuge der Wahlkampfarena bis hin zu aktuellen Debatten in sozialen Netzwerken, wie der Hashtag #twitternwierueddel.

    Diese vielfältigen Ebenen und Interventionen deuten auf zwei zentrale Aspekte für die Politisierung von Care-Bedingungen hin. So kann einerseits danach gefragt werden, welches Störungs- und Veränderungspotenzial die arbeitspolitische Interessenvertretung von Care-Beschäftigten hat. Andererseits sind die Bedingungen von bezahlter und unbezahlter, häuslicher und familialer Betreuungs- und Sorgearbeit eng miteinander verwoben und somit ein breitenwirksames Thema mit einer Vielzahl an Protagonist*innen. Ein Abbild der verschiedenen gegenwärtigen und potenziellen Akteur*innen bietet nicht zuletzt das Care Revolution Netzwerk, in dem sich über 70 Initiativen und Einzelpersonen mit verschiedenen politischen Hintergründen bündeln. Um die vielfältigen Akteur*innen sichtbar zu machen und durch gemeinsame Aktivitäten zu stärken, bedarf es solche Impulse der Vernetzung.

    Auf Initiative des an der OTH Regensburg angesiedelten Teilprojektes „Arbeitsbedingungen und Interessenvertretung von Pflegekräften in Bayern“ und mit Unterstützung von weiteren Mitgliedern des Verbundes soll die systematische Vernetzung von und mit Praxispartner*innen umgesetzt werden. In Kooperation mit der Münchner Volkshochschule veranstaltet der Verbund am 30. Juni 2018 das Kümmert Euch! BarCamp in München. Zentrale Inhalte orientieren sich an folgenden Fragen:

    • Wie können Menschen, die im Feld von Fürsorge, Care, Sich-kümmern tätig sind, politisch handeln, sichtbar werden, und sich gegenseitig unterstützen?
    • Welche Initiativen gibt es schon?
    • Wie können konkrete Aktionen und Bündnisse gestaltet werden?
    • Wie können wir das „gute Leben“ politisch mitgestalten?
    • Welche Rahmenbedingungen braucht es dazu?

    Intensiver Wissensaustausch und Vernetzungsaktivitäten stehen bei BarCamps im Vordergrund und bieten somit die Grundlage zum gemeinsamen Lernen für Menschen, die in Fürsorge, Pflege, Erziehung und Sozialpolitik tätig sind. Das Barcamp lädt alle Menschen ein, die Fürsorge empfangen oder geben, ob professionell, ehrenamtlich, oder unentgeltlich im Privathaushalt und sich für mehr Sichtbarkeit und Anerkennung von Fürsorgetätigkeiten engagieren möchten. Das offene Format BarCamp unterstützt diesen Anspruch, indem das Programm vor Ort von den Teilnehmer*innen selbst gestaltet wird. Ein Barcamp beginnt mit einer kurzen Vorstellungsrunde der Anwesenden. Jede*r kann zu Beginn eine Session – einen Workshop, Vortrag, das Vorstellen einer Initiative, open space, oder etwas ganz anderes – vorschlagen. Diskussion, Kennenlernen und Erfahrungsaustausch sind genauso möglich wie das gemeinsame Planen und Entwickeln konkreter Projekte. Jede Session dauert dabei ca. 45 Minuten. Das Barcamp lädt alle Menschen ein, die Fürsorge empfangen oder geben, ob sie professionell, ehrenamtlich, oder unentgeltlich im Privathaushalt tätig sind, denn Vernetzung und Sichtbarmachung sind wichtig, um Veränderungen zu erwirken und zukünftige Rahmenbedingungen bedarfsorientiert im Sinne eines „guten Leben für alle“ zu gestalten.

    Die Veranstaltung ist kostenlos und der Veranstaltungsort barrierefrei zugänglich. Aufgrund der begrenzten Raumkapazität ist eine Anmeldung (bis 15. Juni 2018) erforderlich und ab sofort möglich unter

    barcamp@forgendercare.de weiterlesen

    Diskussion „CareRevolution – Alte Werte neu gelebt?!“ in Potsdam

    Um Widerstand gegen Neoliberalisierung und generelle Abwertung von Care-Berufen – auch im Rahmen von Ausbildung und Studium – geht es in der Fish-bowl-Diskussion „CareRevolution – Alte Werte neu gelebt?!“ mit Input am 09.03., von 16 bis 19 Uhr in Potsdam. Mit dabei: Aktive aus dem Netzwerk Care Revolution, die eine Ortsgruppe Potsdam gründen wollen.

    Die Veranstaltung wird von den Gleichstellungsbüros der FH Potsdam und der Universität Potsdam organisiert und findet im Rahmen der 28. Brandenburgischen Frauenwoche „Selber Schuld“ statt, zu der im ganzen Land etwa 200 Veranstaltungen rund um den internationalen Frauen*kampftag organisiert werden.

    Weitere Infos zu der Veranstaltung gibt es im Veranstaltungskalender des Frauenpolitischen Rat Land Brandenburg nachzulesen hier.

    Gesundheits- und Care-Block auf der 8. März Demo in Berlin

    Zum internationalen Frauen*kampftag am 8. März tragen weltweit Menschen ihre feministischen Kämpfe für Emanzipation, Selbstbestimmung und ein würdevolles Leben gemeinsam auf die Straßen. Wir beteiligen uns daran mit einem Gesundheits- und Care-Block auf der Berliner Frauen*kampftagsdemo 2018!
    Kommt am 8. März zur Frauen*kampftagsdemonstration um 17 Uhr am Hermannplatz. Beteiligt euch am Gesundheits- und Care-Block! Treffpunkt am Hermannplatz/Ecke Hasenheide. Bringt Arbeitskleidung und -utensilien mit oder werdet als Patient*innen und Angehörige sichtbar!

    Wir benutzen den Begriff „Care“, um damit alle Lebensbereiche der öffentlichen und privaten Sorgearbeit – die Betreuung, Erziehung und Ausbildung von Kindern und die Pflege von Kranken und Älteren – zusammengefasst zu beschreiben. In diesem Care- Bereich bestimmen Sexismus, Rassismus und soziale Diskriminierung die ungleiche Verteilung von Einkommen, Arbeit und Anerkennung. In den Gesundheits- und Pflegeberufen und im gesamten Care-Bereich arbeiten überwiegend Frauen*. Der Anteil weiblicher* Arbeitskräfte im Gesundheits – und Pflegebereich liegt bei 91 Prozent. Das liegt daran, dass in unserer Gesellschaft Sorge als natürliche Eigenschaft v.a. Frauen* zugeschrieben wird. Eine direkte Folge davon ist, dass diese Bereiche von schlecht entlohnter oder unbezahlter Arbeit und mangelnder Anerkennung bestimmt sind.
    Für ein profitorientiertes Gesundheitssystem werden die Lohnkosten gedrückt, dadurch steigt die Arbeitsbelastung und die Qualität der Versorgung leidet. Die Verweildauer von Patient*innen in Krankenhäusern sinkt ständig, eine Pflegekraft hat immer mehr Patient*innen zu betreuen. Dabei steigen die Erlöse der profitorientierten Krankenhauskonzerne. Die Beschäftigten leiden unter der Arbeitshetze und darunter, ihre Arbeit nicht den eigenen Ansprüchen gemäß ausführen zu können. Diese Überlastung wirkt sich auch auf die Patient*innen aus. Dies gilt etwa für die hohe Gefahr, sich mit Krankenhauskeimen zu infizieren, oder für Situationen, in denen hilfebedürftige Patient*innen warten müssen, ob und wann sich jemand um sie kümmert.

    Auch im Privaten sind es vielfach Frauen*, welche die Lücken des staatlichen Gesundheitssystems durch unbezahlte Sorgearbeit auffangen. Es sind in überwiegender Zahl Frauen*, die die ‚blutigen Entlassungen‘ aus kostenoptimierten Krankenhäusern kompensieren. Sie pflegen ihre Angehörigen und verzichten dafür auf Einkommen, Rentenansprüche und Selbstsorge. Teilzeitbeschäftigung und Altersarmut sind für viele Töchter, Partnerinnen, Freundinnen und Enkelinnen eine Folge davon, dass ihre unsichtbare und unbezahlte Sorgearbeit als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Diejenigen, die ihre Angehörigen nicht selber versorgen können und sie nicht in Heime geben wollen, beschäftigten wiederum ärmere und entrechtete Frauen*, oft Migrant*innen, in ungeschützten Verhältnissen in Privathaushalten.
    In Berlin haben die Tarifkämpfe der Charité-Beschäftigten in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es sich lohnt, für bessere Bedingungen im Pflege- und Gesundheitsbereich zu kämpfen. Der Volksentscheid für Gesunde Krankenhäuser soll nun ein Gesetz erwirken, durch das Mindestpersonalzahlen für Pflegekräfte und andere Berufsgruppen festgelegt werden und die öffentlichen Investitionen in Krankenhäuser ausgebaut werden (www.volksentscheid-gesunde-krankenhaeuser.de).

    Wir, die Aufrufenden, fordern eine ausreichende Finanzierung und ein Gewinnverbot für das Gesundheitssystem und einen Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Menschen! Wir treten für Verbesserungen in der bezahlten und unbezahlten Sorgearbeit ein. Gesundheit darf keine Ware sein, Kranke kein Mittel der Gewinnmaximierung. Pflegekräfte dürfen kein Kostenfaktor sein, Angehörige oder Freund*innen sowie Entrechtete und Illegalisierte nicht Lückenbüßer*innen eines maroden Systems.

    Berliner Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus | Care Revolution Berlin | Pflegeazubis vernetzt

    Hier gibt es den Aufruf zum Gesundheits- und Care-Block in layouteter Form.  Und den allgemeinen Aufruf zum 8. März gibt es hier.

    Care Revolution auf Segeltörn

    Wir wollen zusammen fünf Tage auf dem Segelschiff Lovis verbringen, um uns darüber auszutauschen, an welchen Themen wir gerade arbeiten, was in den Regionalgruppen des Netzwerks passiert und auch um uns zu vernetzen und zusammen Projekte voranzubringen. Das gemeinsame Segeln, Wind und Wetter genießen und persönlicher Austausch werden natürlich auch genug Raum finden!

    Der Törn dient zur Vernetzung von Care Revolution-Aktivist_innen und Interessierten!

    Während des Törns nehmen wir drei Ebenen von Care in den Blick:

  • Regional – Care und Care Revolution an deinem Ort, Alltag, deiner Gruppe
  • Überregional – Vorstellung und Diskussion der geplanten Kampagne des Netzwerks Care Revolution
  • Global – Care in Bezug auf globale, wirtschaftliche Zusammenhänge und Migrationsbewegungen verstehen
  • weiterlesen

    Volksentscheid für mehr Pflegekräfte in Berlin !

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    In Berlin startete am 1. Februar der Volksentscheid „Für gesunde Krankenhäuser“. Getragen wird die Initiative vom Berliner Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus. Das Ziel ist ein Gesetz, durch das der Personalschlüssel für die Pflege in Krankenhäusern allgemeinverbindlich erhöht wird und die öffentlichen Investitionen in Krankenhäuser ausgebaut werden.

    Die Berliner Care Revolution Gruppe unterstützt den Volksentscheid – ökonomischer Wettbewerb im Gesundheitswesen durch Ausbeutung der Pflegekräfte und auf Kosten der Patient_innensicherheit ist nicht menschenwürdig und gehört abgeschafft!

    Wir beteiligen uns an der Unterschriftensammlung. Und gemeinsam mit dem Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus ruft Care Revolution Berlin zu einem Gesundheits- und Care-Block bei der Frauenkampftagsdemonstration am 8. März in Berlin auf. Das Motto: „Für Alle, für Dich: Mehr Zeit und Geld für Pflege- und Sorgearbeit!“ (17 Uhr Hermannplatz Ecke Hasenheide). Hier findet ihr den Aufruf.

     

    Pflegende Angehörige wehren sich gegen Sondierungsergebnisse von CDU/CSU und SPD

    Wir pflegen, die Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde in Deutschland, macht in Briefen an Dr. Angela Merkel und Martin Schulz sehr deutlich, dass in den Ergebnissen der Sondierungsgesprächen zwischen CDU/CSU und SPD die pflegenden Angehörigen keine nennenswerte Erwähnung finden. Diese bilden jedoch die wichtigste Säule des deutschen Pflegesystems und sind massiv von Einkommenseinbußen, erhöhtes Armutsrisiko, soziale Ausgrenzung und Überlastung betroffen.

    Wir pflegen konfrontiert die Union mit ihrer Aussage im Bundestagswahlkampf: „Wer seine Angehörigen pflegt, muss die beste Unterstützung bekommen.“ Die SPD erinnert die Interessenvertretung an ihr Wahlprogramm, in dem sie für eine dreimonatige Lohnersatzleistung und Familiengeld für pflegende Angehörige eingetreten ist. Von all dem ist im Sondierungspapier nichts mehr zu lesen.

    Wir pflegen bekräftigt in beiden Briefen die Forderungen nach sozialer Absicherung von pflegenden Angehörigen und einem Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit.

    Care Revolution ruft auf zum 8. März!

    Care_Arbeit_sichtbar_machenRaus zum 8. März 2018!

    Zum internationalen Frauenkampftag am 8. März tragen weltweit Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Hintergründe ihre feministischen Kämpfe gemeinsam auf die Straßen. Sie treten für Emanzipation, Selbstbestimmung und die Sichtbarmachung und Anerkennung der unbezahlten Care-Arbeit ein.

    Lasst uns auch 2018 wieder als Care Revolution an diesem Tag sichtbar werden! Wie in den letzten Jahren auch, planen Aktive an verschiedenen Orten Aktionen, Veranstaltungen und Demonstrationen. Ein wichtiges Thema wird die Unterstützung der Kämpfe an den Krankenhäusern um mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen sein. Pflegeberufe sind heute in vielen Ländern Frauen*berufe. Aber auch im Privaten sind es vielfach Frauen*, welche die Lücken des staatlichen Gesundheitssystems durch unbezahlte Sorgearbeit auffangen – auf Kosten der Selbstsorge und um den Preis von Armut und Abhängigkeit. Dies gilt nicht nur für die Pflege, sondern für alle sozialen Bereiche und Care-Arbeiten. Am 8. März wollen wir die hohe Belastung von Frauen* in unterbezahlten sozialen Berufen, in der unbezahlten privaten Care-Arbeit und in der informellen Care-Arbeit in Privathaushalten sichtbar machen. Die Care Revolution steht für die solidarische Verbindung zwischen unterschiedlichen Care-Bereichen und den Interessen von beruflich Sorgearbeitenden, unbezahlt Sorgearbeitenden und Menschen, die auf Sorgearbeit angewiesen sind. Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen, sondern fordern gute Arbeits- und Lebensbedingungen für Alle!

    Wenn ihr am 8. März 2018 Aktivitäten plant, dann schickt uns gerne Berichte und Fotos für unsere Homepage. Wenn ihr Mitstreiter_innen sucht, dann wendet euch an Eure Regionalgruppen.

    Auf einen kämpferischen Frauentag, an dem wir das unsichtbare sichtbar machen!

    MitMachKonferenz in Leipzig

     

    DSC00967Vom 17. – 19. November 2017 fand in der Nachbarschaftsschule Leipzig die MitMachKonferenz „Für den Wandel sorgen“ statt. Im Laufe des Wochenendes nahmen etwa 200 Menschen teil, darunter 21 Kinder. Eine Gesamtdokumentation findet ihr hier.

    Die MitMachKonferenz hatte die drei inhaltlichen Schwerpunkte „Austausch und Vernetzung“, „Postwachstum und Sorgearbeit“ und „Alternativen“.

    Beim Schwerpunkt „Austausch und Vernetzung“ ging es darum, Menschen  mit ihren Alltagserfahrungen aus dem bezahlten und unbezahlten Sorgebereich zu Wort kommen zu lassen. Die Möglichkeit dazu gab es nicht nur in vielen Workshops, sondern auch in einem moderierten Erfahrungsaustausch am Samstag Nachmittag und im Café, in dem im Laufe des Wochenendes viele Gespräche in  gemütlicher Atmosphäre geführt wurden. Ziel der Verknüpfung der Themen Postwachstum und Sorgearbeit war es zu zeigen, wo sich die entsprechenden Konzepte und Bewegungen überschneiden und zusammenarbeiten können, aber auch, wo sie sich ergänzen und voneinander lernen können. Dazu gab es ein Podium mit Vertreter*innen sowohl aus der Sorgearbeits- als auch aus der Postwachstums-Bewegung und viele Workshops, die sich mit der Verknüpfung der Themen beschäftigten.  Hier findet sich ein Video des Podiums. Des Weiteren war es ein Anliegen, verschiedene Alternativen rund um Sorgearbeit sichtbar zu machen. So stellte sich auf der MitMachKonferenz beispielsweise eine Gruppe vor, die in Leipzig am Aufbau eines Stadtteilgesundheitszentrums arbeitet und auf dem Podium saß eine Person, die von langjährigen Erfahrungen mit selbstorganisierter Altenbetreuung berichten konnte. Des Weiteren wurde die Idee der Care Revolution als alternativer Gesellschaftsentwurf in einem Vortrag von Jette Hausotter von der Care Revolution Berlin vorgestellt.

    Doch auch jenseits von Vortrag, Podium und Workshops gab es ein vielfältiges Programm. So wurde die Konferenz Freitag Abend mit einem Theaterstück zum Thema Mutterschaft eröffnet, am Samstag gab es die Möglichkeit sich am Ende des Tages in lockerer Atmosphäre in der Bar eines nahegelegenen soziokulturellen Zentrums zu treffen und am Sonntag wurde die MitMachKonferenz mit einer bunten Abschlussaktion abgerundet, die filmisch dokumentiert wurde.

    Das ganze Wochenende war von einer zwar sehr angeregten, aber dennoch entspannten Atmosphäre geprägt. Dazu trug neben dem zeitlichen Rahmen, der viel Zeit für Austausch und Gespräche ließ, auch die Versorgungsstruktur der MitMachKonferenz bei. So gab es eine Kinderbetreuung und ein Kinderprogramm, wodurch Eltern die Teilnahme ermöglicht bzw. erleichtert wurde. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Im Café gab es durchgehend Getränke und Kuchen, was zu vielen angeregten Gesprächen führte. Zu den Hauptmahlzeiten wurden die Teilnehmenden von AR Kitchen bekocht, einer „Küche für Alle“, organisiert von geflüchteten Menschen, die veganes Essen bereitstellte. All diese Versorgungsstrukturen kamen bei den Teilnehmenden sehr gut an und es gab viel positives Feedback diesbezüglich. In Verbindung mit den gelungenen Veranstaltungen gab dies dem Organisationskreis das Gefühl, dass sich die intensive Arbeit im Vorfeld der MitMachKonferenz gelohnt hat.

    1.200 Menschen demonstrieren in Freiburg für mehr Pflegepersonal

    Foto: Radio Dreyeckland
    Foto: Radio Dreyeckland

    Im Rahmen der Tarifkampagne für mehr Personal in den Krankenhäusern gab es nun auch in Freiburg den ersten Streiktag. Im November verhinderten die Uniklinken in Baden-Württemberg, zu denen auch die Uniklinik Freiburg zählt, den Streik noch mit juristischen Mitteln. Am 14.12.17 jedoch streikten 500 Beschäftigte, nachdem erneute Verhandlungen gescheitert waren. Das Angebot der Arbeitgeber: 100 Stellen, die sich die vier Unikliniken des Landes teilen sollen.

    Die Demo von Beschäftigten und potenziellen Patient_innen mit ca. 1200 Teilnehmenden endete in einer Kundgebung, die das Bündnis „Entlastung jetzt – Südbaden für mehr Personal im Krankenhaus“ organisiert hatte. An diesem Bündnis, das den Arbeitskampf der Beschäftigten auch aus der Position potentieller Patient_innen unterstützt, ist auch Care Revolution Freiburg beteiligt.

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    Care Revolution!
    Gemeinsam fordern wir eine Transformation der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wir wollen keine Überforderung und Zeitmangel mehr. Wir wollen eine Wirtschaft, die nicht den Profit, sondern die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellt!

    Dafür macht das Netzwerk Care Revolution politische Arbeit: wir organisieren Informationsveranstaltungen zum Thema, problematisieren den Zustand der öffentlichen Daseinsvorsorge und unterstützen Arbeiter*innenkämpfe für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege und in KiTas – alles ehrenamtlich!

    Aber auch ehrenamtliche politische Arbeit braucht Geld! Unterstütze das Netzwerk Care Revolution jetzt mit einem monatlichen Beitrag. Jeder Betrag hilft uns weiter.

    Falls Ihr spenden könnte, schickt bitte eine Mail an care-revolution@riseup.net . Die im Video am Ende genannte Kontoverbindung ist leider nicht mehr aktiv.

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    Deinen monatlichen Förderbeitrag brauchen wir einerseits, um unsere laufenden Kosten zu decken. Konkret bedeutet das zum Beispiel: Das Zahlen eines Büroplatzes und unserer Fahrtkosten oder die Finanzierung unserer Webseite. Den größten Teil der Spendengelder setzen wir allerdings für Projekte unserer Lokalgruppen ein. Diese setzen sich auf verschiedenen Ebenen für eine Aufwertung von Sorge-Arbeiten ein: wir unterstützen beispielsweise Pflegestreiks in Krankenhäusern, machen Infoveranstaltungen zum Thema Hausarbeit und organisieren Demonstrationen für eine Wirtschaft, die Care-Arbeiten in den Mittelpunkt stellt.

    Care MitMachkonferenz vom 17.11. bis 19.11. in Leipzig

    MitMachKonferenz Fuer den Wandel sorgenAlle sind herzlich eingeladen zur MitMachKonferenz „Für den Wandel sorgen!“, die von Care Revolution Leipzig und vom Konzeptwerk Neue Ökonomie organisiert wird. Die Konferenz findet von Freitagabend, 17.11. bis Sonntagnachmittag, 19.11. in der Nachbarschaftsschule in Leipzig-Lindenau statt.

    Es gibt viel Raum für Austausch und Vernetzung. Außerdem werden zahlreiche inspirierende Inputs und Workshops angeboten, u.a. zu:

  • Gesundheit neu denken – Alternativen zur jetzigen Gesundheitsversorgung
  • Care in der Degrowth-Bewegung
  • Behinderung und das Recht auf gute Pflege und Assistenz
  • Putzen und Kinderbetreuung: Arbeit von Frauen ohne Papiere
  • Emotionale Arbeit in politischen Bewegungen
  • Es geht um mehr – Kämpfe für mehr Personal und gegen die Ökonomisierung der Krankenhäuser
  • Gemeinsame Diskussion „Wie sorgen wir für den Wandel?“
  • Theater – Performance „supramater“ über Mutterliebe
  • weiterlesen

    Inklusives Lichtermeer zum ersten Mal in Frankfurt am Main

    InklusiverLaternenlauf_Frankfurt1Am 27. Oktober fand der erste inklusive Laternen- und Lichterlauf in Frankfurt am Main statt. Er wurde gemeinsam vom Netzwerk Inklusion Frankfurt und vom Netzwerk Care Revolution Rhein-Main organisiert.

    Einen Eindruck davon bekommt Ihr hier.

    Diese Aktion für mehr Inklusion wurde 2011 in Hamburg von den Vereinen nestwärme und Nicos Farm initiiert und findet inzwischen in mehreren Städten Deutschland unter dem Motto „Ein Licht von Kind zu Kind“ statt.

    InklusiverLaternenlauf_Frankfurt2

     

    Care-Rat Freiburg konstituiert sich

    Am 16.10.17 hat sich der Care-Rat Freiburg zum ersten Mal getroffen. Die ca. 20 Anwesenden waren sich einig, dass es in der Stadt ein ständiges Gremium braucht, das Care-Probleme angeht. Der neu geschaffene Rat, der für alle Interessierten offen ist, soll zu wechselnden Themen der Sorge recherchieren, Vorschläge und Forderungen entwickeln und Missstände skandalisieren.

    Dabei ist uns wichtig, dass Sorgearbeitende oder auf Care Angewiesen sowie politisch Aktive gehört und in die Diskussionen einbezogen werden.

    Ergebnis der ersten Sitzung ist, dass sich der Care-Rat mit der Situation der Altenpflege beschäftigen wird.

    Die Idee eines solchen Care-Rats wurde von Care Revolution Freiburg entwickelt und auf der Aktionskonferenz „Sorge ins Zentrum – Care Revolution als Perspektive“ vorgestellt und diskutiert. Dabei sprachen sich die 120 Anwesenden dafür aus, einen entsprechenden Versuch zu starten.

    Die nächste Sitzung, auf der wir erste Erfahrungsberichte und Rechercheergebnisse zum Thema Altenpflege hören, wird am 23.11.17 im Südwind, Lorettostr. 42, um 18 Uhr stattfinden.

    Grundeinkommen und Care-Arbeit

    Beitrag in der Reihe Perspektiven von Ronald Blaschke

    Auf dem Netzwerktreffen im Oktober 2017 wurde als Schwerpunkt die Verknüpfung von Care-Bewegung und Grundeinkommensbewegung diskutiert. Aus diesem Anlass verweisen wir gerne auf einen Text zu diesem Thema, der im Dezember 2014 in „Widersprüche. Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich“ erschienen ist: Grundeinkommen und Care-Arbeit.

    Netzwerktreffen Care Revolution am 21-22.10.2017 in Frankfurt/Main

    IMG_2553Etwa 25 Personen aus vielen Orten Deutschlands und aus der Schweiz kamen im Oktober 2017 in Frankfurt für die überregionale Vernetzung der Care Revolution zusammen.

    Der Themenschwerpunkt dieses Treffens war „Care Revolution und menschenwürdige Existenzsicherung“, was von der Regionalgruppe Rhein-Main und den Kooperationspartner_innen aus dem Netzwerk Grundeinkommen vorbereitet wurde. Am Samstagabend gab es dazu eine mit etwa 50 Personen gut besuchte öffentliche Veranstaltung. Dort haben Aktive aus unterschiedlichen Bewegungen (Care Revolution, Gewerkschaft, Attac) ihre verschiedenen Positionen zur Forderung nach einem Grundeinkommens vorgestellt und diskutiert (Einblicke gibt es über ein Video hier).

    Am nächsten Tag wurde die Diskussion im kleinen Kreis auf dem Netzwerktreffen fortgeführt. In einer produktiven Debatte wurde das Für und Wider von Grundeinkommenskonzepten besprochen. Dabei wurde festgehalten, dass das Care Revolution Netzwerk sich als Bündelung von emanzipatorischen Ansätzen innerhalb der Care-Bewegung und der Grundeinkommensbewegung versteht. Eine AG Care & Grundkommen wurde gegründet, die diese Debatte weiterführt.

    IMG_2554Das Netzwerktreffen diente dem Austausch in den diversen Arbeitsgruppen (Finanzen, Bildung, Öffentlichkeitsarbeit, Kampagne) und Berichte aus den Regionen haben Einblicke in die vielfältigen Aktivitäten an unterschiedlichen Orten gegeben. Das Vorhaben einer Kampagne des Netzwerkes wurde weiter konkretisiert. In 2018 soll in Abstimmung mit den Regionalgruppen eine Kampagne entwickelt werden und 2019 einen öffentlichkeitswirksamen Höhepunkt haben.

    Das nächste Netzwerktreffen wird im April 2018 in Leipzig stattfinden.

     

    Lichtermeer am 27. Oktober 2017 – dieses Jahr auch in Frankfurt

    LichtermeerAm 29. Oktober 2011 fand in Hamburg und sechs weiteren deutschen Städten zeitgleich eine ganz besondere Premiere statt: Der bisher einzige bundesweite Laternenlauf für behinderte Kinder initiiert von den Vereinen nestwärme und Nicos Farm e.V. Seither versammeln sich jedes Jahr Ende Oktober, dieses Jahr am 27.10. um 18 Uhr, Menschen vor der malerischen Kulisse des Hamburger Rathausmarktes, um ihre Lichter und Laternen gemeinsam um die Binnenalster zu tragen.

    Das Lichtermeer hat sich inzwischen auf über 10 Städte verbreitet. Dieses Jahr ist Frankfurt zum ersten Mal dabei. Treffpunkt dort ist am Historischen Museum, Saalhof 1, ebenfalls am 27.10. ab 17.30 Uhr.

    Das Lichtermeer wird in Hamburg und Frankfurt von den örtlichen Regionalgruppen des Netzwerks Care Revolution unterstützt.

    Kurzfilm: Erfolgreich streiken im Krankenhaus!

    Angesichts des erneuten Streiks Ende September 2017 für eine Verbesserung des Tarifvertrags zur Mindestbesetzung an der Berliner Charité, erzielt die Kurzdokumentation der Berliner Filmproduktion Lumapark  zur Tarifbewegung für mehr Personal an der Berliner Charité hohe Aufmerksamkeit. Der  Kurzfilm zeichnet den Konflikt für mehr Personal im Krankenhaus nach. Er zeigt den entschiedenen Widerstand von Pflegekräften und Patient_innen gegen die Unterbesetzung im Pflegebereich und ihren Einsatz für eine bessere Gesundheitsversorgung für alle.

    Der Film ist hier zu sehen.

    Demo in Freiburg für mehr Personal im Krankenhaus

    P1030812Am 21. September demonstrierten ca. 700 Menschen in Freiburg lautstark und entschlossen für mehr Personal in der Pflege im Krankenhaus. Personaleinsparungen in den Krankenhäusern haben seit langem zu unzumutbaren Arbeitsbedingungen geführt und machen eine angemessene Krankenpflege unmöglich. Deshalb wird gefordert, eine bessere Personalausstattung für die Kliniken festzuschreiben, per Tarifvertrag und per Gesetz.

    Die Demonstration setzt auch ein Zeichen für die am 27. Oktober beginnenden Tarifverhandlungen zwischen ver.di und den vier Unikliniken in Baden-Württemberg.

    Aufgerufen wurde vom Bündnis „Entlastung jetzt – Südbaden für mehr Personal im Krankenhaus“, an dem auch Care Revolution Freiburg beteiligt ist.

    Bundesweites Netzwerktreffen am 21. und 22.10.17 in Frankfurt

    Am 21. und 22. Oktober 17 findet in Frankfurt unser bundesweites Netzwerktreffen statt. Es beginnt am 21.10. um 10.30 Uhr mit einer Einführung für Neue und Interessierte, ab 11.30 gibt es die Begrüßung und danach reflektieren wir bis zur Mittagspause im Plenum unsere Aktivitäten im vergangenen Halbjahr. Der Nachmittag ist der Arbeit in Arbeitsgruppen und Workshops vorbehalten und am Abend gibt es eine Podiumsdiskussion mit internationalen Gästen zu Care und Grundeinkommen. Der zweite Tag startet am 22.10. um 9.30 Uhr. Im Zentrum steht die Diskussion um die Position des Netzwerks Care Revolution zum Bedingungslosen Grundeinkommen sowie eine Debatte zu unserer weiteren Strategie. Im Schlussplenum wird dann der neue Koordinations-Kreis gewählt.

    Alle weiteren Informationen sind hier zu finden.

    Global Caring – Tagung am 6./.7.10.17 in München

    Die Tagung „Global Caring – Sorge für die Welt“ verweist auf grundlegende Fragen nach der Erhaltung von Leben und seiner sozialen und ökologischen Einbettung. Aus einer Care-Perspektive kommen unterschiedliche Dimensionen in den Blick. Insbesondere die Beiträge der feministischen Theorie und Praxis zeigen, wie Care, Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Demokatrie zusammengedacht werden können.

    Veranstalter_innen sind die Frauenakademie München e.V. und BenE München e.V.

    Alle weiteren Informationen sind hier zu finden

    1. Treffen Care Revolution Potsdam

    Der Termin für ein erstes Treffen für die Gründung eines Orts- oder Regionalgruppe Care Revolution in Potsdam/Brandenburg steht nun fest:

    Wir treffen uns am Dienstag, den 26.09.17 um 16 bis 18 Uhr. Treffpunkt ist La Leander, in der Benkertstr.1 im Holländischen Viertel.

    Alle, die bisher noch unentschlossen sind und die spontan dazukommen möchten, sind herzlich eingeladen.

    In gemütlicher Atmosphäre trinken wir einen Tee oder Kaffee, lernen uns kennen, sammeln unsere Themen. Und wir überlegen, was wir gemeinsam auf die Beine stellen wollen.

     

    Entwicklungen der Krise sozialer Reproduktion in der Jugendhilfe

    Beitrag in der Reihe Perspektiven von Fredrik Wolze

    Grafik von Paul Zuerker; cc-by-nc
    Grafik von Paul Zuerker; cc-by-nc

    In diesem Beitrag geht es mir darum darzulegen, wie sich die Entwicklungen der Krise sozialer Reproduktion im Bereich der sozialpädagogischen Jugendhilfe äußern. Hierzu stelle ich zunächst die Folgen der Ökonomisierung und Kostenbegrenzung in der Jugendhilfe für die Beschäftigten und für die Adressat_innen der Angebote dar. Anschließend zeige ich auf, dass sich durch das Senken der Reproduktionskosten der Arbeitskraft in der Jugendhilfe deren Reproduktionsbedingungen verschlechtert haben, und dieses auf die Verwertungsbedingungen des Kapitals rückwirkt. weiterlesen

    Text zu Care und Utopie

    Bei der letztjährigen Werkstatt Care Revolution in Buchenbach entstand die Idee, die Bedeutung von Care für unsere Vorstellung einer solidarischen Gesellschaft aufzuschreiben. Dafür trafen sich Teilnehmer_innen der Werkstatt, um diese Idee umzusetzen. Das Ergebnis ist ein Text mit dem Titel „Sorge ins Zentrum einer Alternative zum Kapitalismus“, den Ihr hier findet. Wir freuen uns über Rückmeldungen und Diskussionsbeiträge.

    Take Care – Wege für einen gemeinsamen Umgang mit Sorgetätigkeiten in Potsdam am 12.09.17

    Take CareMit wie vielen Menschen lebst du zusammen? Wer kocht? Wer pflegt dich, wenn du krank bist? Erhalten diese Tätigkeiten Anerkennung, Wertschätzung oder einen Lohn? Wieviel Zeit hast du für deine eigenen Bedürfnisse?

    Wir möchten mit dieser Veranstaltung, die am 12. September 2017 von 13 bis 22 Uhr stattfindet, möglichst ohne hohe Einstiegshürden, Menschen zusammenzubringen, deren Alltag durch Sorgetätigkeiten bestimmt wird. Die Veranstaltung will einen Raum zum informellen Austausch eröffnen, insbesondere Frauen*, die in Berlin und Potsdam leben, zusammenbringen und ihnen den Austausch untereinander und mit Aktivistinnen ermöglichen, die sich für eine andere Praxis des Umgangs mit Sorgearbeit einsetzen. Wir möchten explizit geflüchtete Frauen ermuntern, zusammenzukommen, und bemühen uns um Frauen*, die in diversen Sprachen Flüsterübersetzungen leisten.

    Der zweite Teil der Veranstaltung beinhaltet die Vorstellung von Aktivistinnen-Gruppen und den Austausch über Möglichkeiten, die eigene Stimme zu erheben und sich Aktivistinnenzusammenhängen anzuschließen. Wichtiges Thema ist dabei auch die Flüchtlingsfrauenkonferenz, die Ende September in Berlin stattfindet.

    Als Ausklang zeigen wir den Film Superfrauen =&0=&, den wir in Flüsterübersetzung simultan übersetzen und die Audiospuren den Filmemacherinnen zur Verfügung stellen werden.

    mit Women in Exile, Netzwerk Care Revolution, Konzeptwerk Neue Ökonomie u.a.
    Unterstützt durch Bundeskoordination Internationalismus und Rosa-Luxemburg Stiftung Brandenburg

    Hier der Link zur Veranstaltungsseite.

    Bundesweites Netzwerktreffen am 13.-14. Mai 2017

    CareRev_Netzwertreffen_Berlin_03Etwa 25 Personen kamen vom 13.-14. Mai 2017 nach Berlin, um weiter an den Zukunftsperspektiven des Netzwerks zu arbeiten. Mehrere Arbeitgruppen haben sich inzwischen gebildet und organisieren zentrale Aspekte einer Struktur, die der Konsolidierung aber auch dem weiteren Wachsen des Netzwerks dienen sollen. Strategie AG, Finanz AG, Kommunikations AG, Kampagnen-AG…. weiterlesen

    Aufzeichnung eines Gesprächs mit Pflege-Aktiven

    In der letzten Sitzungswoche Ende Juni haben sich Aktive von „Pflege in Bewegung“ und „Care Slam“ bei der Bundestagsabgeordneten Elisabeth Scharfenberg von Bündnis 90/Die Grünen getroffen:

    Eine gelernte Krankenschwester und freie Dozentin, die Pflegenden eine Bühne und ein Mikro bietet, damit sie in die Öffentlichkeit gehen: Yvonne Falckner.

    Ein Altenpfleger, der aus Liebe zu seinem Beruf diesem zeitweise den Rücken kehrte: Roger Konrad.

    Ein Heimleiter, der in seiner Einrichtung qualitativ gute Pflege bietet, sich aber mit frustrierten Pflegekräften öffentlich auf den Boden legt: Marcus Jogerst-Ratzka.

    Ihre Wege hatten sich zuletzt am Brandenburger Tor am Tag der Pflege gekreuzt. Dort standen sie, um zu demonstrieren: Die Bedingungen in der Pflege sind katastrophal. Mit einer bundesweiten Gefährdungsanzeige wollten sie der Politik und den Pflegekonzernen die rote Karte zeigen.

    Hier geht es zum Gespräch.

    Vierte „behindert und verrückt feiern“-Pride-Parade am 15.7.17 in Berlin

    Freaks und Krüppel, Verrückte und Lahme, Eigensinnige und Blinde, Taube und Normalgestörte –
    kommt mit uns raus auf die Straße und feiert!

    am 15.7.17, 15 Uhr, Hermannplatz, Berlin

    Es wird viel geredet über Inklusion, Gleichstellung, Selbstbestimmung und Teilhabe, gerade vor Wahlen. Doch die Welt sieht anders aus! Die Begriffe wurden von ausgegrenzten und unterdrückten Gruppen geprägt. Sie werden aber immer mehr von den Ausgrenzer*innen und Unterdrücker*innen umgedeutet und missbraucht, indem sie uns einige Krümel hinwerfen und das „Teilhabe“ nennen. Deshalb fordern wir:

    ganzhaben statt teilhaben!

    Den Aufruf findet Ihr hier.

    Sexarbeit ist Arbeit. Respekt! – Kampagnenstart

    Logo KampagneAm Freitag, den 02. Juni 2017, wurde im Nachbarschaftszentrum HUZUR in der Bülowstraße (Berlin-Schöneberg) der Start der Kampagne Sexarbeit ist Arbeit. Respekt! begangen. Diese Position vertritt das Care Revolution Netzwerk, dem auch Vereine von Sexarbeiter*innen angehören, seit seiner Gründung. Auf der Pressekonferenz an diesem Morgen sprachen verschiedene Sexarbeiter*innen und feministische Aktivist*innen zur aktuellen Lage der Sexarbeiter*innen in Deutschland, welche sich in Anbetracht des Inkrafttretens des sogenannten Prostituiertenschutzgesetzes am 01. Juli 2017 immens verschlechtern wird. Im Aufruf zur Presskonferenz schreiben die Vertreter*innen der Kampagne:

    „Wir starten eine Kampagne für die Menschenrechte der Sexarbeiter*innen und fordern die Rücknahme des Prostituiertenschutzgesetzes, da die geplanten Maßnahmen Sexarbeiter*innen nicht schützen, sondern kontrollieren.“

    Für ein Bündnis von Care Revolution und Degrowth – Teil I

    Beitrag in der Reihe Perspektiven von Sabine Carl und Mike Korsonewski (Artikel als PDF).

    Unser Dank gilt allen Aktiven und Teilnehmenden des Symposiums „Ein Gutes Leben für Alle? Postwachstum meets Gender“, besonders für diesen Artikel Dieter Schmidt und Mike Laufenberg, als auch den Kommunard*innen und Kollektivist*innen aus Niederkaufungen. Weiterhin danken wir dem Redaktionskollektiv dieser Seite für die redaktionelle Hilfe. Wir freuen uns über eine kritische Auseinandersetzung mit weiteren Interessierten.

    https://www.flickr.com/photos/usgsbiml/8405820653. Quelle: USGS Bee Inventory and Monitoring Lab. Lizenz: Public Domain Mark 1.0. Hinweis: Das Original wurde graphisch nachbearbeitet.
    Logo des Symposiums „Ein Gutes Leben für Alle? – Postwachstum meets Gender“ Quelle: USGS Bee Inventory and Monitoring Lab. Lizenz: Public Domain Mark 1.0. Das Original wurde graphisch nachbearbeitet.

    Care Revolution und Degrowth sind zwei Antworten auf ein krisengeschütteltes System. Es ist strategisch bedeutsam und clever, auszuloten, welche Verbindungslinien die Bewegungen aufweisen, wo sie sich unterscheiden und wie sie sich solidarisieren und ggf. verbünden können, um gemeinsam an der Vision eines „Guten Lebens für Alle“ zu arbeiten.

    Wir schließen dabei an einen bereits gestarteten Dialog an: So berichtete Jette Hausotter im März 2014 auf dem degrowth-blog von der Aktionskonferenz, auf der das Netzwerk gegründet wurde, und im Juni 2016 beantworteten Matthias Neumann und Gabriele Winker  die Fragen der degrowth-Redaktion im Rahmen der Serie Degrowth in Bewegung(en). Auch das troubleeverydaycollective, hat sich in diesem Rahmen zum Thema Care bzw. Reproduktionsarbeit und Postwachstum geäußert und dabei u.a. auf die Care Revolution Bezug genommen. Das Jahr 2017 wartet unter anderem mit der Konferenz Care & Postwachstum des Konzeptwerks Neue Ökonomie  vom 17. bis 19. November in Leipzig auf.

    Im Juli 2016 fand in Berlin ein Symposium statt, dass sich unter dem Titel „Ein Gutes Leben für Alle? – Postwachstum meets Gender“ der Frage der gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse im Postwachstum widmete. Die Autor*innen waren selbst Teil des Organisationsteams und Referent*innen an diesem Tag. Wissenschaftler*innen aus dem universitären Betrieb, Forscher*innen und Multiplikator*innen aus der Praxis und Aktivist*innen aus verschiedenen wachstumskritischen und/oder alternativen Sorge-Strukturen trafen sich zum gemeinsamen Austausch über das, was wir als Praxen des Postwachstums bezeichnen. Zentrale Fragen nach Verteilungsgerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit wurden mit Fragen nach Geschlechtergerechtigkeit besprochen. Geschlechtergerechtigkeit ist hierbei ein von den Organisator*innen gewählter Begriff, der als gleichsam wichtiger strukturpolitischer Wegpunkt, aber auch als Zwischenstation hin zu einer symbolisch-normativen Neuordnung mit dem Ziel der Auflösung der heteronormativen, binären Idealisierung von ‚weiblich‘ und ‚männlich‘ zu verstehen ist.

    Als Einstieg in eine Artikelserie wenden wir uns mit dem Blick der Care Revolution möglichen Alternativen in der erwerblichen Pflegearbeit zu und diskutieren Zugänge der Kollektivierung von Für-/Sorge anhand zweier Beispiele.  Diese wurden auf dem ersten Podium des Tages: „Care jenseits von Wachstum – am Beispiel der Pflegearbeit“ vorgestellt und nach deren Alternativcharakter zur Pflege im Alter befragt. Nach einer Zusammenfassung des Podiums skizzieren wir beispielhaft, wie die Neuorganisierung von Sorgearbeit in der Pflege funktionieren kann. Die praktische Umsetzung alternativer Care-Modelle sollte hierbei in den sozialen, örtlichen und wirtschaftlichen Spannungsfeldern, in denen die besprochenen Projekte be-/stehen, analysiert werden. Sie alle haben mit den neoliberalen Umstrukturierungen des Wohlfahrtsstaates direkt zu tun, was die genannten Spannungsfelder stark mitbestimmt.

    Ein Zusammendenken von Care Revolution und wachstumskritischen Analysen und Forderungen erscheint uns aus verschiedenen Beweggründen notwendig: (1) Es ist wichtig der stetigen Verlagerung von sorgenden Arbeiten in private Haushalte, zumeist zu Lasten von Frauen* mit oder ohne Staatbürger*innenschaft, und darüber hinaus der ‚Verehrenamtlichung‘ von Care als Folge des Abbaus allgemein zugänglicher (öffentlicher) Infrastrukturen, entgegenzutreten, (2) Sorgearbeiten und die gesellschaftliche Stellung von Care muss aufgewertet werden und gehören ins Zentrum bedürfnisorientierten, wirtschaftlichen Handelns, (3) kollektive Versorgungs- und Fürsorgemodelle können Handlungsstrategien bieten, um dies zu erreichen, (4) doch auch diese Modelle sind ebenso von den Herrschaftsverhältnissen betroffen bzw. müssen Stellung beziehen, um sie nicht mitzugestalten. Diese Diskussion wird im zweiten Teil der Artikelserie weitergeführt, um konkrete Anforderungen an Bündnisse zu formulieren.

    Transdisziplinärer Dialog: Solidarische Experimente in der professionellen Pflege

    Mike Korsonewski (Humboldt Universität Berlin) berichtete von seinen Interviews mit Mitarbeiterinnen* der Tagespflege Lossetal, die im Rahmen seines Forschungsprojekts zu Verknüpfungen von feministischen Ansprüchen an eine Postwachstumsgesellschaft und geschlechtergerechten Pflege- und Sorgepraktiken geführt wurden. Die Tagespflege Lossetal ist ein Kollektivbetrieb der linkspolitischen Kommune Niederkaufungen und auch Mitglied des Care Revolution Netzwerks. Dieter Schmidt, Mitarbeiter der Schwulenberatung Berlin gGmbH und aktiv im Netzwerk „Anders Altern“, teilte auf dem Panel seine Erfahrungen in der Organisation der Pflege-WG im Mehrgenerationshaus „Lebensort Vielfalt“. Beide Referenten beleuchteten, wie Aspekte von Care Revolution und Wachstumskritik in diesen Projekten praktisch miteinander verknüpft sind – auch ohne dass sich die Protagonist*innen zwangsläufig in diesen  Bewegungen verorten.

    Die Tagespflege Lossetal. Foto: Archiv Kommune Niederkaufungen
    Die Tagespflege Lossetal. Foto: Archiv Kommune Niederkaufungen. All rights reserved.

    Als Beispiel einer selbstorganisierten Lebensgemeinschaft ist die Kommune Niederkaufungen mit einem Bestehen von über 30 Jahren und dem stetigen Wandel besonders interessant für die Care Revolution- und die Degrowth-Perspektive. Die Kommune basierend auf einem konsensual vereinbarten Grundsatz, welcher u.a. die zweigeschlechtliche, patriarchale Arbeitsorganisation im Kapitalismus kritisiert. Dabei weisen die interviewten Kommunardinnen* eine konsum- und konkurrenzzentrierte Gesellschaft und Wirtschaft, und das Modell der bürgerlichen Kleinfamilie zurück. Letztere diene als Ort der Verdrängung der nötigen Erholung vom Lohnarbeitsstress ins Private, wo alle Bedürfnisse nach Versorgung und Fürsorge in einem Modell der glücklichen Heterofamilie befriedigt werden sollen. Die Effekte, die damit zumeist einhergehen, nämlich erstens die Ausbeutung der Arbeitskraft von Frauen*, zweitens die Individualisierung und Abwertung von Care-Verantwortung und fürsorglichen Arbeiten gegenüber anderen Formen der Arbeit und drittens das Verkümmern von tiefen Beziehungen und Verbundenheit, besonders außerhalb der Kernfamilie, lehnen die Kommunebewohner*innen ab. Sie begegnen diesen einseitigen Normierungen durch ein selbstorganisiertes System der Umverteilung und Aufwertung notwendiger gesellschaftlicher Reproduktion(sarbeiten). Die Trennung zwischen öffentlicher Produktionssphäre und privater Reproduktionssphäre wird weitgehend aufgelöst. Das fördert die selbstbestimmte Verantwortungsübernahme, gleichermaßen für alle anfallenden Arbeiten, für die eigenen Bedürfnisse als auch für die anstehenden Entscheidungen für die gesamte Kommune.

    Die Erfahrung zeigt aber, dass heteronormative, kleinfamiliäre Strukturen inklusive der fortgeführten Feminisierung von Sorgetätigkeiten damit nicht vollständig aufgelöst sind. Die Gefahr besteht, dass diese erneut zum Ausschluss insbesondere von Frauen* von Plena und Entscheidungsprozessen führen können als auch die Nutzung der Gemeinschaftsräume bestimmt. Die Entscheidungsprozesse in den wöchentlichen Plena basieren auf dem Konsensprinzip und nicht auf Mehrheiten. Dafür ist eine breite Informationslage und Zusammenarbeit nötig. Das kann aufwendig und langwierig sein. Für das Mitsprechen und Mitbestimmen brauchen Kommunard*innen daher kommunikative Fähigkeiten, die über ein übliches Konsensverhalten im Alltag hinausgehen und die nötigen Zeitressourcen. Wie Mike Korsonewski erläutert, habe sich allerdings teilweise eine Enthaltungskultur etabliert, so dass mitunter Themen gar nicht erst angesprochen werden. Das romantische Bild der politischen Kommune sollte der Einsicht weichen, dass auch dort Dilemmata und Kämpfe zu bewältigen sind, aus denen alle lernen können.

    Somit gilt es weiterhin an funktionierende und herausfordernde Praktiken solidarische und vielfältige Formen der Verbundenheit zu knüpfen, wie im Grundsatzpapier der Kommune ausgewiesen. Dies zeigt sich nicht nur im Zusammenleben sondern auch beim gemeinsamen Arbeiten. Die Kommune betreibt verschiedene Kollektivbetriebe, zu denen die Tagespflege Lossetal zählt, und wirtschaftet in einer gemeinsamen Ökonomie. Die interviewten Kollektivistinnen* berichteten Mike Korsonewski, dass dadurch der Druck, den eigenen Lebensunterhalt vollkommen allein finanzieren zu müssen, nahezu verschwindet. Die gemeinsame Ökonomie ist jedoch nicht gänzlich marktunabhängig, weil die Mehrzahl der Betriebe der Kommune auf Einnahmen durch den Verkauf von Waren und Dienstleistungen außerhalb der Kommune angewiesen ist und sich auch strapaziöse Kassenlöcher einstellen können, was u.U. zu Diskussionen über unterschiedliche Konsumbedürfnisse und Arbeitsverhalten führt. Trotzdem berichten die Kollektivistinnen* der Tagespflege, dass solch eine Form ökonomischer Selbstverwaltung zum Gefühl von Rückhalt, einer hohen Zuversicht und zur bedürfnisgerechten Versorgung im höheren Alter bzw. bei höherem Pflegebedarf führe – für sich selbst und für andere.

    Außerdem verändern sich die Zeitbudgets im Vergleich zur 40-Stunden-Woche in einer vergleichbaren Lohnbeschäftigung, da im Kollektiv transparent und möglichst gleichberechtigt über den Dienstplan entschieden wird. Dazu gehört auch, dass Personen, die durch Krankheit, reproduktive Tätigkeiten oder persönliche Krisen weniger Stunden übernehmen können oder sogar ‚ausfallen‘, finanziell und psycho-sozial aufgefangen werden. In der Kommune gibt es dafür z.B. Pat*innenschaften für die kollektivere Gestaltung der Kinderbetreuung und die Kümmerei, was zweierlei meint: zum einen das selbstbestimmte Wählen und Erledigen aller Aufgaben der Geländepflege und Instandhaltung und, zum anderen, die unterstützende und vermittelnde Begleitung der Kommunard*innen im Alltag durch andere. Trotz der bedürfnisgerechteren Arbeitsorganisation kann auch in der Kommune und im Kollektiv der Arbeitsdruck sehr hoch sein, weil der Grad der Selbstverpflichtung und der Arbeitsethos sehr hoch gehalten werden: „Es kann so vieles getan werden und alle verlassen sich aufeinander“, wie es eine Kommunardin zusammenfasst.

    Die Verbindung der Dimension Zeit mit dem kollektiven und lokalen Bewusstsein wird durch den Alltag der Tagespflege Lossetal erfassbar und entsteht in einem wechselseitigen Lernprozess mit der Kommunengemeinschaft. Beziehungsarbeiten und die Pflege von älteren und demenziell erkrankten Menschen verlangen  das tiefe emotionale und vertrauensvolle Einfühlen in den*die zu Pflegende*n und es müssen dabei mehrere Zeitebenen verhandelt werden, u.a. die unterschiedlichen Zeitempfinden der Pflegeempfangenden als eine mögliche Folge von Demenz, die Zeitmaße zur Benennung und zum adäquaten Nachgehen von Bedürfnissen von Pflegeempfangenden, aber auch zur eigenen Erholung der Pflegenden, als auch entlang der zeitlichen Rahmensetzung zur Ermöglichung eines (alltäglichen, betrieblichen) Ablaufs etc.. Es wird ein gleichberechtigtes Zusammenspiel von Pfleger*innen und Pflegebedürftigen, Gästen wie sie im Umgang im Tagespflegealltag benannt werden, angestrebt, bei dem die Bedürfnisse der letzteren im Fokus stehen, anstelle eines taktierten Versorgens von ‚Patient*innen‘. Die Qualität der Pflege wird sowohl durch die Kommune eigenen Prinzipien wie Konsens, Kooperation, Selbstbestimmung und Nachhaltigkeit der Arbeit, als auch durch die Lernprozesse aus der Interaktion mit den zu pflegenden Gästen erreicht. Diese sind Träger*innen eines gewachsenen, wertvollen „alten Lebens“, wie eine Kommunardin es nennt.

    Der Einbezug der zu Pflegenden in die Frage, wie gepflegt werden soll, ist für eine menschenwürdige Versorgung, wie sie die Care Revolution anstrebt, Voraussetzung. Besonders deutlich wird dies, wenn die zu pflegenden Menschen gesellschaftliche Ausschlüsse und gewaltvolle Diskriminierung in ihrem Leben erfahren (haben). Diskriminierungsfreie Räume für ein nicht nur sorgenarmes, sondern auch angstfreies Altern zu schaffen, kann daher als wichtiges Ziel der Neuorganisierung von Care angesehen werden.

    Der „Lebensort Vielfalt“ der Schwulenberatung Berlin gGmbH mit seiner integrierten Pflege-WG ist für die Umsetzung dieses Anliegens ein Beispiel und stand im Mittelpunkt des Beitrags von Dieter Schmidt. Das Wohnhaus ist als Mehrgenerationenwohnen für ein nachbar*innenschaftlich-unterstützendes Zusammenleben einer heterogenen Bewohner*innenschaft konzipiert. Zurzeit setzt sich diese aus größtenteils schwulen Männer* (60% ältere, 20% jüngere) und 20% Frauen zusammen. Das Alltagsleben wird durch einen ambulanten Pflegedienst für die WG ergänzt.

    Der "Lebensort Vielfalt" in Berlin
    Der „Lebensort Vielfalt“ in Berlin. Foto: Thomas Franz/Robert Bosch Stiftung. All rights reserved.

    So gut das Projekt jetzt steht, musste es auch zu Anfang Hürden überwinden, denn Bank und Kreditinstitute waren sehr skeptisch gegenüber der zu erwartenden Rentabilität. Diese Einschätzung  beruhte auf der vermuteten,  eher geringen Umsatzaussicht durch zunächst vergleichsweise wenige Bewerber*innen für die Wohnungen. Die Umsetzung des Projektes konnte erst durch einige Privatspenden und eine umfangreiche Förderung der Klassenlotterie und der Stiftung Aktion Mensch gewährleistet werden. Die Projektverantwortlichen der Schwulenberatung Berlin gGmbH aus Vorstand und Geschäftsführung mussten hohe ökonomische Risiken tragen, da auch privatwirtschaftliche Kreditinstitute Sorgearbeit als ‚nicht lukrativ‘ und geschäftlich ‚nicht profitabel‘ sehen. Das Netzwerk „Anders Altern“, welches seit 2003 besteht und die Konzipierung des Hauses maßgeblich begleitete, fungiert einerseits als Plattform zur Begegnung, zum Austausch und Organisation von pflegepolitisch und pädagogisch aktiven Menschen der schwulen Senioren*arbeit und begleitet andererseits die Bewohner*innen des nun seit 2012 bestehenden ersten Hauses inklusive der Pflege WG der Schwulenberatung Berlin gGmbH. Weitere Projekte dieser Couleur sind aufgrund der sehr großen Nachfrage in Planung.

    Durch politische und ökonomische Weichenstellung gleich zu Anfang, kann der Lebensort soziale Ungerechtigkeit abmildern. Vier Wohnungen im Nachbarschaftshaus stehen für Menschen mit Grundsicherung bzw. Hartz IV zur Verfügung.  Auch die derzeit in der Pflege-WG wohnenden Männer* erhalten durchweg Grundsicherung. Die Miete der einzelnen Wohnungen wird durch eine freiwillige Selbsteinschätzung  je nach Einkommen solidarisch aufs ganze Haus umverteilt. Wer kann, zahlt einen Euro mehr pro Quadratmeter.

    Dieter Schmidt, der seit Jahren in der Schwulenberatung und im Haus tätig ist, hebt die Praxis der „Kultursensiblen Pflege“ hervor, die den Lebens- und Arbeitsalltag seit der Eröffnung 2012 stetig qualitativ hochwertig hält. Dieses Konzept meint gute Pflege und Versorgung für alle Menschen unter achtsamer Berücksichtigung ihrer individuellen Lebensgeschichte und gleichzeitiger Wahrnehmung und Anerkennung ihrer Vielfalt. Sozial konstruierte Differenzen werden durch die sensibilisierte und bedürfnisorientierte Pflege anerkannt, statt Ausschlüsse und Diskriminierungen bis ins höhere Alter durch inadäquate Pflege zu verstärken. Das Betreuungs- und Pflegepersonal wird dafür bewusst ausgewählt und schwule Lebensweisen und Erfahrungswelten werden quasi Peer-to-peer geteilt. Pflegearbeit kann nach diesem Prinzip zum einen fern ab von standardisierten und eng getakteten Abläufen gemacht werden, wie sie vermehrt in renditeorientierten Betrieben erledigt wird, und wird zum anderen aus stereotypen und geschlechterbinären Verhältnissen enthoben.

    Die sozialen Angebote der Schwulenberatung Berlin gGmbH, die im Lebensort Vielfalt mitangesiedelt ist, stehen allen unabhängig vom Einkommen zur Verfügung – sowohl den Klient*innen als auch den Bewohner*innen des Hauses. Gemeinsame Besprechungen in großer Runde und verschiedene Gesprächskreise des Wohnhauses sollen den Kontakt untereinander fördern und Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander und mit den pflegebedürftigen bzw. demenzerkrankten Männern* schaffen. Das Mehrgenerationenkonzept und die relative Nähe aller Bewohner*innen zueinander unabhängig vom Maß der Pflegebedürftigkeit haben einen großen Anteil an der Lebensqualität und dem hohen Maß an Fürsorglichkeit. Die Bewohner*innen sind dadurch nicht mit der Individualisierung und Abhängigkeit einer konventionellen Pflegedienstleistung und Wohnsituation und der damit zusammenhängenden Exklusion durch Diskriminierung im heteronormativen Mainstream konfrontiert. Statt Vereinzelung wird ein Lebensalltag der Vielfalt, wie es der Projekttitel des Lebensortes beschreibt, geschaffen. Es handelt sich um eine kooperative und fürsorgliche Alternative im Umgang mit dem Thema Alter – ein Thema  das in queeren Szenen genauso wie gesamtgesellschaftlich nicht selten als ‚unattraktiv‘ gilt.

    Der Pflegedienst für die Pflege-WG, der aus weiblichen* und – überwiegend – männlichen* Pfleger*innen, hetero- wie homosexuellen, besteht, organisiert das Mittagessen, weshalb die Versorgung als geschlechtergerecht geteilt betrachtet wird. Im Sinne der „Kultursensiblen Pflege“ wird auch darauf geachtet, dass das Pflegeteam zur Hälfte schwul sein sollte, um eine größtmögliche Vertrautheit mit der Lebenswelt der Bewohner* gewährleisten zu können. Die Pflegeleitung übernimmt ebenfalls ein schwuler Mann. Den Bewohnern* der WG, die ihr Lebensumfeld möglichst aktiv mitgestalten sollen und können, wird freigestellt, mit zu kochen, wenn sie dazu Lust haben: „Niemand muss, aber alle können“, so Dieter Schmidt. Dies klingt zunächst sinnvoll, auch in Bezug auf die komplexen und sich stark voneinander unterscheidenden Krankheitsbilder der Bewohner*. Es führt jedoch dazu, dass viele, die vorher keine Lust aufs Kochen hatten, sich jetzt auch nicht beteiligen und notwendige Arbeiten nicht von vielen und unterschiedlichen Menschen sondern zumeist von den ambulanten Pfleger*innen erledigt werden. Ein frei stellen führt also nicht notwendigerweise zu individueller Veränderung und einer kritischen Verschiebung vergeschlechtlichter Arbeitsorganisation. Kann einer solchen Arbeitsorganisation durch die Zusammensetzung der Pflegenden und die geschlechtsübergreifend Verteilung von Haus- und Sorgearbeit innerhalb des Pflegedienstes entgegen gewirkt werden? Inwiefern lässt sich bei den Pflege-WGs eine Alternative zur tradierten Feminisierung von Sorge- und Hausarbeit feststellen?

    Alternative Pflegemodelle – transformativ oder systemstabilisierend? weiterlesen

    „Mehr und Anders“ – Was bringen solidarische Care-Praxen gegen Rechts?

    Beitrag in der Reihe Perspektiven vom AK Reproduktion Berlin (Artikel als PDF).

    Seit der Aktionskonferenz und der Verabschiedung der Resolution der Care Revolution 2014 sind drei Jahre vergangen. In unserem Netzwerk, aber auch in Deutschland und der Welt hat sich vieles verändert. Wir, der AK-Repro Berlin, wollen mit dem folgenden Text zu der weiteren Auseinandersetzung mit einem wichtigen Aspekt dieser Veränderungen anregen: Nämlich, dass rechte Bewegungen und Parteien hier wie andernorts massiv an Zulauf gewinnen und der Diskurs um Geflüchtete und Migration uns täglich mit rassistischem Denken und Handeln konfrontiert. Auf dem bundesweiten Netzwerk-Treffen 2016 in Hamburg gab es bereits einen Workshop zu dem Thema. Was bedeuten diese Entwicklungen aus einer care-revolutionären Perspektive und welche Schlüsse ziehen wir daraus für unsere Aktivitäten? Nur, wenn wir uns mit dieser Frage beschäftigen, werden wir als Care-Revolutionär*innen im Stande sein, den Rechtsentwicklungen etwas entgegenzusetzen.

    Diese Kunstaktion am Kreuzberger Oranienplatz hat im August 2016 "auf die prekäre Situation der Flüchtlinge in Deutschland und das Schicksal der Millionen, die noch kommen wollen", aufmerksam gemacht.
    Diese Kunstaktion am Kreuzberger Oranienplatz hat im August 2016 „auf die prekäre Situation der Flüchtlinge in Deutschland und das Schicksal der Millionen, die noch kommen wollen“, aufmerksam gemacht. Foto: Steffen Geyer. CC-BY-NC

    Die Flucht- und Migrationsbewegungen des Sommers 2015 haben die gesellschaftliche Konstellation und das politische Feld ganz schön durcheinander geschüttelt. Sie haben das Krisenregime der EU ins Wanken gebracht, das in den Ländern des südlichen Europas enorme soziale und ökonomische Einschnitte verursacht hat. Die etablierten Parteien und politischen Institutionen leiden unter einem enormen Vertrauensverlust und mit schwindender Legitimation setzen sich auf nationalstaatlicher wie europäischer Ebene autoritäre Regierungsweisen durch. Der Rechten gelingt es, die lange bestehende ökonomische und gesellschaftliche Krise und ihre Folgen im Alltag der Menschen rassistisch zu deuten und ein gesellschaftliches Klima zu schüren, in dem Angst und Konkurrenz dominieren.

    Zu dieser Konstellation gehört auch die katastrophale Versorgung der Geflüchteten von Seiten des deutschen Staates. Darin offenbart sich nicht nur die teils strukturell-rassistische Verfasstheit der Sozialsysteme, sondern auch die dramatischen Folgen, die jahrzehntelanges Sparen an öffentlichen Infrastrukturen (nicht zuletzt der öffentlichen Verwaltung) gezeitigt haben. Eine humanitäre Katastrophe konnte insbesondere im Winter 2015 nur dadurch verhindert werden, dass Millionen von Menschen in ,Willkommensinitiativen’ spontan und ehrenamtlich eingesprungen sind, um mit Spenden und vor allem durch praktische Solidarität den Geflüchteten das Nötigste zur Verfügung zu stellen. Diese Bewegung der Solidarität war hierzulande überraschend und etwas qualitativ Neues. Sie hat deutlich gemacht, dass die Bereitschaft, eine zunehmend entmenschlichende Politik sang- und klanglos hinzunehmen bei vielen Leuten Grenzen hat, und umgekehrt, dass die Potentiale praktischer Solidarität deutlich größer sind, als die allermeisten (Linken) das gedacht hätten. Gleichzeitig ist es der politischen und gesellschaftlichen Rechten gelungen, diese über Monate medial als ‚Flüchtlingskrise’ bezeichnetet Situation für sich zu nutzen. Lokale Pegida-Ableger und bereits bestehende Neo-Nazi-Strukturen konnten und können massenhaft Leute zu ‚wir sind das Volk‘-Kundgebungen und Demonstrationen mobilisieren sowie gewalttätige und lebensgefährliche Angriffe auf Geflüchtete und deren Unterkünfte organisieren. In Jahr 2016 wurden fast 1000 Anschläge auf Flüchtlingsheime verübt, davon hatten laut Innenministerium 857 Anschläge einen rechtsradikalen Hintergrund, also rund 93 Prozent. Dabei wurden 560 Menschen verletzt, darunter 43 Kinder. Während neofaschistische Gruppen also nachts Menschen und Gebäude attackieren, nutzt die AfD bei Tage die Stimmung für sich.

    Die AfD positioniert sich gegen die Aufnahme und Versorgung von Geflüchteten.
    Die AfD positioniert sich gegen die Aufnahme und Versorgung von Geflüchteten. Foto: JouWatch. CC-BY-ND

    So erreichte die AfD, was zahlreiche rechte Parteien zuvor nicht geschafft hatten: Sie konnte sich als politische Kraft rechts der CDU/CSU in der deutschen Bundespolitik etablieren. Außerdem gelang es ihr, die offensichtliche ‚Versorgungskrise’ rassistisch zu politisieren, diese als einen vermeintlichen Verteilungskampf um knappe Ressourcen darzustellen und national-soziale ‚Lösungen’ vorzuschlagen. Ihre Demagogen beklagen die hohe Kosten, die Versorgung und Unterbringung von Geflüchteten mit sich bringe, und spielen dabei Geflüchtete gegen in Armut oder am Rande der Armut lebende Menschen mit deutschem Pass aus. Ihre Skandalisierung beruht jedoch auf einer falschen Gegenüberstellung: kein Mensch mit deutschem Pass ist wegen Geflüchteten ärmer geworden. Armut und die Krise sozialer Reproduktion sind ein Resultat etablierter Politiken, die seit Jahrzehnten betrieben werden. Des Weiteren konnte die AfD den verbreiteten Eindruck, die Politik’ agiere über die Köpfe der Leute hinweg, populistisch aufgreifen und sich als einzig echte ‚Alternative‘ zum maroden Politikbetrieb darstellen. In Folge erzielte sie bei Landtagswahlen aus dem Stand zweistellige Ergebnisse. Sie bildet eine Art Bündelungspunkt, der über antimuslimischen Rassismus, über anti-feministische und trans/homofeindliche Themensetzungen sehr unterschiedliche Teile des rechten Spektrums und bis weit in die sog. Mitte hinein zu verbinden vermag.

    Insgesamt formiert sich die Rechte offensiver und schafft es mehr und mehr Leute hinter sich zu versammeln. Ihre Politik richtet sich nicht nur gegen Geflüchtete, sondern auch gegen Frauen*, Nicht-Heterosexuelle, Arme und sozial ausgegrenzte Menschen. Reaktionäre Familien-Rollenbilder, Rassismus und der Hass gegen eine offene Gesellschaft prägen das politische Weltbild der rechspopulistischen Bewegung. Dieser wachsende Rechtspopulismus, der sich mit der neuen Rechten verbunden hat und in Teilen neofaschistische Züge annimmt, ist außerdem längst nicht nur ein deutsches Phänomen. Sowohl die enormen Erfolge, wenn auch knapp verfehlte Präsidentschaft des Front National in Frankreich, als auch die Volksabstimmung zum BREXIT und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ziehen ihre Kraft aus ähnlichen Konstellationen. Diese internationalen Rechte verstärkt sich dabei auch gegenseitig, so beruft sich Trump positiv auf den Brexit, Front National und AfD wiederum nutzen den Sieg Trumps zu ihrer Selbstbestätigung.

    Um die Frage, wie es angesichts dieser teils dramatischen Situation mit der gesellschaftlichen Entwicklung weitergehen soll, werden heftige Auseinandersetzungen geführt. Im medialen und politischen Raum polarisiert sich die Konstellation zwischen (autoritär-)neoliberalen Kräften auf der einen und Rechtspopulisten auf der anderen Seite. Die oben beschriebenen solidarischen Initiativen, Einzelpersonen und linke Kräfte sind in Deutschland kaum noch medial präsent, und finden keinen gebündelten politischen Ausdruck. Ihr engagiertes, solidarisches Wirken hat sich bisher nicht in einen politischen Einspruch übersetzt.

    Gemeinsam "Gegen Nationalismus, Rassismus und Sexismus" - Care Revolution tritt ein für das Recht ausnahmslos aller Menschen auf eine würdige Versorgung.
    Gemeinsam „Gegen Nationalismus, Rassismus und Sexismus“ – Care Revolution tritt ein für das Recht ausnahmslos aller Menschen auf eine würdige Versorgung. Foto: strassenstriche.net. CC-BY-NC

    Wir halten es für eine drängende Herausforderung, an einem solchen gemeinsamen politischen Ausdruck zu arbeiten und eine Art ‚dritten Pol’ in dieser Konstellation öffentlich wirksam zu machen. Es bedarf unbedingt einer queerfeministischen, antirassistischen und sozialen – einer alle Menschen einschließenden und soziale Ungleichheiten thematisierenden – Alternative zur derzeitigen Politik. Wir denken, dass dies möglich ist. Das Netzwerk Care Revolution kann Teil einer solchen gesellschaftlichen Kraft sein, die mit solidarischen Care-Politiken gegen rechte Projekte eintritt. In jedem Fall lohnt es sich, darum zu kämpfen!

    Was kann all das für uns und unsere Care-Politiken heißen?

    Die Themen und Praxen, die sich im Netzwerk wiederfinden, sehen jedoch im Einzelnen sehr unterschiedlich aus. Unterschiedliche Gruppen des Netzwerks betrifft das Erstarken der Rechten auf unterschiedliche Weise. In der Resolution von 2014 haben wir einiges zusammengetragen, wofür das Netzwerk Care Revolution eintritt, als gemeinsamer Nenner ist dabei die Forderung nach einem guten Leben für alle weltweit als Konsens anzusehen. Wie können wir dieser Forderung unter veränderten Bedingungen eine konkrete Gestalt geben und ihr in unseren alltäglichen Kämpfen Ausdruck verleihen?

    Solidarität ist für uns dabei ein zentraler Punkt. Solidarisches Handeln arbeitet einerseits der neoliberalen Idee eines vereinzelten Individuums entgegen und verhindert, dass sowieso schon marginalisierte Gruppen gegeneinander ausgespielt werden. Auf der anderen Seite stehen solidarische Praxen auch für eine Kommunikation auf Augenhöhe, gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung von Minderheiten nach Äußerlichkeiten / Sexualität / ökonomischer Liquidität / Pass – letztlich dafür, dass allen Menschen gleiche Rechte zustehen. Rechte Initiativen wie Pegida machen sich die neoliberale Vereinzelung zu Nutze, in dem sie das reale Angebot machen, (kollektiv) politisch aktiv zu werden, sich selbst zu ermächtigen, gegen „Die-da-oben“, Teil einer Bewegung zu sein. Dabei bieten sie scheinbar einfache Lösungen an, in dem sie fordern, dass nur deutsche Menschen vom Sozialsystem unterstützt werden sollten. Somit ist „der Feind“ schnell ausgemacht: Geflüchtete, die das Geld des Sozialsystems für sich beanspruchen, wodurch ein Nachteil für Deutsche entstünde. Hinter dieser Logik steckt ein autoritär-rassistisches Verständnis von Politik, das die offenkundigen Lücken des Sozialsystems als Kampf um Ressourcen auslegt zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen. Diese Behauptungen wurden faktisch von zahlreichen Studien widerlegt. Durch Geflüchtete sind beispielsweise Hartz4-Empfänger*innen keinerlei finanzielle Nachteile entstanden. Es muss aus einer solidarischen Perspektive nun darum gehen, zu diskutieren, Menschen konkrete Angebote zu machen, sich auseinanderzusetzen, sich aber auch abzugrenzen von denjenigen, die Rassismus und Neofaschismus zu ihrem Grundverständnis von Politik erklären.

    Tatsächlich ist es so, dass Angebote und Initiativen von links vielerorts fehlen, vor allem auf dem Land. Pegida und andere Gruppen bieten einfache und häufig postfaktische Antworten, sie stoßen mit ihren Praxen aber auch in eine Lücke des politischen Aktiv-Seins. Ein solidarischer Pol muss sich also auch nach außen wenden, als Angebot für die breite Bevölkerung sichtbar sein. Macht entsteht durch gemeinsames politisches Handeln.

    Eine zentrale Antwort des Care-Netzwerks gegen rassistische Hetze sollte darin bestehen, gezielt die positive Erfahrungen zu stärken, dass durch eigenes solidarisches politisches Handeln Bedingungen in einem emanzipatorischen Sinne gestaltet und verändert werden können. Solidarische Praxen (wie in den Willkommens-Initiativen, aber längst nicht nur) stellen in dieser Situation ein wichtiges Moment politischer ‚Gegenmacht’ dar – und zwar aus zwei Gründen: Zum einen geben sie konkret praktische Antworten und schaffen damit teils Abhilfe für politische hergestellte Krisenfolgen und Mangelsituationen. Zum anderen bieten sie Lernmöglichkeiten eines anderen Miteinanders und der kollektiven Selbstermächtigung. Politischer Frustration kann die Erfahrung entgegengesetzt werden, dass man die eigenen Lebensbedingungen gemeinsam ändern und mitgestalten kann.

    Eine zivilgesellschaftliche Initiative in Hamburg richtet im Mai 2014 (!) eine Unterkunft für Geflüchtete her, nachdem sich Regierende der Stadt offenbar damit schwer tun.
    Eine zivilgesellschaftliche Initiative in Hamburg richtet im Mai 2014 (!) eine Unterkunft für Geflüchtete her, nachdem sich Regierende der Stadt offenbar damit schwer tun. Foto: Rasande Tyskar. CC-BY-NC

    Wir beobachten, dass viele (im Arbeitsleben, in der Politik, im Alltag) solche Erfahrung vielleicht nie gemacht oder die Hoffnung darauf verloren haben, dass sich die Verhältnisse zu einem solidarischen Miteinander verändern. Hier muss es auch darum gehen, über echte Alternativen zusprechen, damit diese überhaupt denkbar werden können. Die Diskussionen, die wir rund um die Idee einer Care Revolution führen, und die Aktivitäten der Gruppen im Netzwerk sind hier schon ein wichtiger und bereits erfolgreicher Ansatz. Sie leben und erweitern – wenn auch in kleinen Schritten – eine solidarische Perspektive, die an den Bedürfnissen der Menschen ansetzt und ein wünschbares Leben in Aussicht stellt. Wenn wir dabei solidarisches Handelns in den Mittelpunkt stellen, können wir rechtspopulistischen Projekten entgegentreten, die auf Ausgrenzung und Abschottung zielen.

    Mit der Arbeit der Willkommensinitiativen bewegen wir uns allerdings auch in einem derzeit zentralen gesellschaftlichen Widerspruch: Solidarische und ehrenamtliche Praxis, die gesellschaftsverändernd wirken soll, findet sich angesichts der momentanen Politik schnell in der Situation wieder, durch unbezahlte Arbeit Lücken in der öffentlichen Versorgung zuschließen. Lücken, die die Sparpolitik der letzten Jahre erst gerissen hat. Lücken, die von politischen Entscheidungen gegen eine solidarische Gesellschaft zeugen. Gegen diese brutale Sparpolitik antretend, finden wir uns so in einer Situation, die gröbsten Mängel auszugleichen und damit auch Strukturen zu stabilisieren, die das Problem geschaffen haben. Eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse erreichen wir so nicht. Einer solchen kalkulierten und staatlich sogar umfassend geförderten „Ver-Ehrenamtlichung“ der öffentlichen Daseinsvorsorge können wir nur dadurch entgegen treten, dass wir uns dieses Widerspruchs bewusst sind und unsere solidarischen Praxen mit konkreten politischen Kämpfen um eine Veränderung dieser Bedingungen verbinden.

    Dies bedeutet gerade nicht, sich aus ehrenamtlichen Tätigkeiten zurückzuziehen – im Gegenteil geht es darum, einen Weg zu finden, wie unsere Aktivitäten mehr und anderes sein können als ein bloßes Stopfen von Lücken. Lasst uns über die Perspektiven eines rebellischen, politischen Ehrenamts nachdenken.

    Dieses ‚Mehr-und-Anders’ beinhaltet auch eine materielle Grundlage für solche ‚Gegenmacht’ zu schaffen. Eine gelebte Solidarität, wo Menschen teilen, wenn und was sie können, ermöglicht Erfahrungen, wie andere gesellschaftliche Strukturen aussehen können, die bedürfnisorientierter sind. Eine mittel- bis langfristige Perspektive zielt aber beispielsweise auch auf die Ausweitung von Kollektivbetrieben, selbstverwalteten Gesundheitszentren, Genossenschaften und ähnlichem, wie sie ja auch schon Teil unseres Netzwerks sind.

    Das ‚Mehr-und-Anders’ bedeutet, dass solche solidarischen Praxen auf Gegenseitigkeit, zumindest dem Versuch von Augenhöhe und einem geteilten Interesse an Veränderung beruhen sollen. Dieser Gedanke lässt sich an dem Unterschied zwischen ‚Solidarität’ und ‚Wohltätigkeit’ deutlich machen: Solidarität beruht auf gemeinsamen Interessen und der Kommunikation von Bedürfnissen, während Wohltätigkeit einseitig zu Gunsten vermeintlich Bedürftiger geschieht und immer verschiedene Hierarchien impliziert: die einen geben, die anderen nehmen; die einen haben, die anderen brauchen; die einen sind aktiv, die anderen eher passiv; die einen können gehen, wenn sie wollen, die anderen sind auf Wohlwollen angewiesen. So stabilisieren sich Abhängigkeiten, statt Ansätze für einen gemeinsamen Kampf zu finden. Widerstand und Kämpfe derjenigen, die als ‚bedürftig’ markiert sind, werden unsichtbar gemacht. Oft schleichen sich solche Momente auch dort ein, wo man das genaue Gegenteil will – hier gilt es sich die gesellschaftlich produzierten Ungleichheiten immer wieder bewusst zu machen. Es geht darum, den Zusammenhalt zwischen gleichgestellten Menschen und Gruppen und den Einsatz für eine gemeinsame Zukunft zu erproben und in verbindliche Strukturen zu gießen. Es geht darum, gleiche Rechte für alle zu erkämpfen und die bereits bestehenden Kämpfe um diese Rechte sichtbar zu machen. Aber auch kleine Schritte bilden hier einen Anfang!

    Auch wenn es ziemlich groß klingen mag, so sind wir der Überzeugung, dass die genannten Praxen und Erfahrungen auch eine wichtige Antwort auf die oben skizzierte Krise der Repräsentation, auf politische Entmutigung und nicht zuletzt auf den wachsende Bewegung von rechts darstellen. Zentral ist dabei, dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen, denn die Angriffe der konservativen und rechten Kräfte verschärfen soziale Ungleichheiten und gelten all jenen, die sich eine solidarische Welt wüschen.

    Freiburger Aktionskonferenz initiiert den Aufbau eines Care-Rats

    solidaritätAuf der Freiburger Aktionskonferenz „Sorge ins Zentrum – Care Revolution als Perspektive“, die am 20. Mai 2017 an der Universität stattfand, waren sich die 120 Teilnehmenden einig, dass die Rahmenbedingungen für Sorgearbeitende grundlegend verbessert und demokratisiert werden müssen. Die Aktionskonferenz wurde von Care Revolution Freiburg veranstaltet und von 33 Initiativen und Organisationen aus Freiburg und der Region unterstützt. .

    Nach einer Einführung von Gabriele Winker, aktiv bei Care Revolution Freiburg, diskutierten die Teilnehmenden in sechs Workshops intensiv über Probleme und Handlungsperspektiven. Themen waren: Selbstsorge, Leben mit Kindern, Krankenhäuser, Pflege und Assistenz, Soziale Arbeit sowie Politisierung von Care. Die Teilnehmenden spiegelten das gesamte Spektrum der Care-Bewegung wider: Pflegende Angehörige ebenso wie Personalrät_innen aus den Kliniken, Aktive aus feministischen und linken Gruppen ebenso wie in der Kirche Engagierte, Studierende ebenso wie Berufstätige. Wir freuen uns über die positive Resonanz, die wir erhalten haben. Den Teilnehmenden gefielen vor allem die offene Atmosphäre, die interessanten inhaltlichen Inputs und der Austausch untereinander.

    Einigkeit bestand, dass zum Beispiel für eine humane Pflege oder eine gute Kita-Betreuung deutlich mehr Ressourcen und Zeit zur Verfügung gestellt werden müssen. Auch ein ganz konkretes Vorhaben ist Ergebnis der Aktionskonferenz: Aus dem Kreis der Teilnehmenden bildete sich eine Gruppe zum Aufbau eines Care-Rats, an dem alle Interessierten teilnehmen können. Dieser soll Care-Beschäftigten sowie Menschen in familiären und ehrenamtlichen Sorgebeziehungen Raum geben, Missstände und Notlagen zu schildern. Der Care-Rat wird Lösungswege, Forderungen und Handlungsoptionen entwickeln. Diese können sich zum Beispiel an den Gemeinderat richten oder die Beteiligten setzen die Ideen gleich selbst um.

     

    Podium „Arbeitskämpfe in der Pflege“ in Heilbronn

    Heilbronn_PodiumIm „Sozialen Zentrum Käthe“ in Heilbronn fand am 28. April eine Podiumsdiskussion zu Arbeitskämpfen in der Pflege statt. Mit Laura Beckmann,  einer Vertreterin des Berliner Charité-Streiks, Hans-Joachim Belz vom Betriebsrat der SLK-Kliniken und Arne Gailing von ver.di-Heilbronn diskutierten wir über aktuelle Probleme in der Pflege und darüber, wie Arbeitskämpfe für Entlastung und mehr Personal im Krankenhaus geführt werden können. Die über 30 Zuhörerinnen und Zuhörer beteiligten sich rege an der Diskussion. Viele Anwesende zeichneten durch anschauliche Berichte eigener Erfahrungen ein erschreckendes Bild von den Zuständen in den Krankenhäusern unserer Region. Fazit des Abends: Nicht nur jammern und weitermachen, sondern aufstehen und kämpfen!

    Theaterstück „Who Cares? von Swoosh Lieu in Köln

    Dieses Bühnenmanifest, eine Personalversammlung der Sorgetragenden, wird am 27. Juni in deutscher Sprache und am 28. Juni in englischer Sprache in der studiobühne Köln aufgeführt. Was vielen einfach als Liebe und Fürsorglichkeit gilt, nennt das Frankfurter Performance- und Medienkollektiv Swoosh Lieu: unbezahlte Arbeit. Eine Beschreibung findet Ihr hier. Eine ausführliche Rezension von Elfriede Harth, die dieses Stück bereits in Frankfurt gesehen hat, könnt Ihr hier nachlesen.

    Filmvorführung I Care Revolution über den Umgang mit Sorgearbeit in Leipzig

    Drei Frauen rennt die Zeit davon: Sie haben Kinder, sie haben einen guten Job – und jetzt werden auch noch Vater oder Mutter pflegebedürftig. Wie ist das zu schaffen? Die Dokumentation „Superfrauen gesucht“ erzählt aus dem Leben und wie die Protagonist*innen diese Herausforderung zu meistern versuchen.

    Anschließend wollen wir uns über den Film austauschen und Fragen stellen: Wie ist Sorgearbeit in unserer Gesellschaft aufgeteilt? Was hat das mit ungleichen Geschlechterverhältnissen zu tun? Wie kann die Idee der Care Revolution eine mögliche Alternative sein? Dies ist eine Veranstaltung im Rahmen der Regionalgruppe Care Revolution Leipzig.

    Die Vorführung des Films mit anschließender Diskussion findet am 24.05.17 um 19 Uhr in der Universität Leipzig, Universitätsstraße 3 im Seminarraum S 12 statt.

    Auch in München am 1. Mai Tag der unsichtbaren Arbeit

    Die Ini_3Auch in München gab es eine Aufsehen erregende Aktion zum Tag der unsichtbaren Arbeit. Mit Unterstützung der größten und stärksten Frau Bayerns, der Bavaria, machte die Initiative Care.Macht.Mehr am 1. Mai 2017 auf die unsichtbare Arbeit wie Pflege von Angehörigen, Kindererziehung oder Hausarbeit aufmerksam und warb für mehr Anerkennung dieser Care-Tätigkeiten. Auf dem Infomarkt der zentralen Münchner DGB-Kundgebung konnten die Besucher*innen ihren Kopf durch eine Fotowand mit dem Bild der Bavaria stecken und sich mit Slogans wie „Alle reden von Arbeit. Wir auch.“ fotografieren lassen. Es gab einen regen Austausch mit den Passant*innen. Und wie zu sehen ist: Es hat allen viel Spaß gemacht!

    Hier findet Ihr das Flugblatt zur Aktion.

    Feger_innenIMG_8272_KinderIMG_8291_Alle reden von Arbeit

    1. Mai in Frankfurt – Tag der unsichtbaren Arbeit

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    Die Gewerkschaften marschierten. Am „Tag der Arbeit“. Welche Arbeit? – Ist das auch der Tag der Erwerbslosen? – Und was ist mit all den Tätigkeiten, die zwar grundlegend sind für unsere Gesellschaft, die aber nicht bezahlt und daher gar nicht als Arbeit anerkannt werden, was man/frau spätestens bei der Rente schmerzlich zu spüren bekommt?

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    Wir sollten die Begriffsverwirrung endlich richtigstellen. Frauen haben genug Arbeit. Was ihnen fehlt ist ein gerechtes Einkommen und Zeit. Zeit für sich und für Belange, die ihnen persönlich wichtig sind und Zeit um das öffentliche Leben stärker mitzugestalten.

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    Freiburger Aktionskonferenz Care Revolution am 20.5.17

     

    Plakat_Care_Aktionskonferenz_FreiburgDie Aktionskonferenz „Sorge ins Zentrum – Care Revolution als Perspektive“ findet am Samstag, den 20. Mai 17, von 12 bis 18 Uhr in der Universität Freiburg (KG I, HS 1010) statt.

    Neben Diskussionen im Plenum gibt es Möglichkeiten zum Austausch in sechs Workshops zu folgenden Themen:

  • Workshop 1: Wo bleibe ich? Zeit für Selbstsorge
  • Workshop 2: Gut leben und arbeiten mit Kindern
  • Workshop 3: Umkämpfte Gesundheit – für menschenwürdige Medizin und Pflege im Krankenhaus
  • Workshop 4: Recht auf gute Pflege und Assistenz
  • Workshop 5: Soziale Arbeit zwischen Verantwortung und Widerstand
  • Workshop 6: Gemeinsame Aktivitäten zur Politisierung von Care – Aktionen und Strategien
  • weiterlesen

    Abschlussveranstaltung der Aktionskampagne „bundesweite Gefährdungsanzeige“ am 12.05.17 in Berlin

    Neben Redebeiträgen von politischen Vertreter_innen wird es auch Statements von den Initiator_innen der Kampagne und Aktivist_innen der Pflegeszene geben. Die Initiative „Pflege in Bewegung“ wird erstmals ihr Strategiepapier „Zukunft(s)Pflege“ öffentlich vorstellen. Abgerundet wird dieser Rahmen durch eine Fotoaktion.

    Wir, Pflege in Bewegung, wollen an diesem Tag ein buntes und starkes Zeichen „für bessere Pflege“ setzen und laden deshalb alle ein, sich an der Abschlussveranstaltung am 12. Mai von 12 bis 14 Uhr am Brandenburger Tor zu beteiligen. Tragt Eure Unzufriedenheit mit den Ist-Zuständen mit uns gemeinsam auf die Straße, damit wir der Politik verdeutlichen können: „Es ist Zeit zu handeln!“

    Am Abend wird es um 20.00 h einen CareSlam in der Alten Feuerwache geben.

    Wir sind viele – wir sind mehr!
    Pflege ist ein gesellschaftlicher Wert!

    Die Flyer zur Kampagne findet Ihr hier.

    Und auch online kann unterschrieben werden und zwar hier.

     

    „care sex net work“ – Eine Rezension

    Beitrag in der Reihe Perspektiven von Viola Schubert-Lehnhardt.

    Tanja Carstensen, Melanie Groß, Kathrin Schrader (Hg.): care sex net work. Feministische Kämpfe und Kritiken der Gegenwart. Unrast Verlag, Münster 2016, ISBN 978-3-89771-307-9, 176 S.

    Der Band ist Gabriele Winker, der Gründerin und Initiatorin des Netzwerkes Care Revolution, zum 60. Geburtstag gewidmet. Insofern gehen die 22 Beiträge von MitstreiterInnen sowohl auf deren wissenschaftliche Laufbahn und gemeinsame Aktivitäten, als auch auf die durch die Jubilarin gegebenen Anregungen zur Entstehung und inhaltlichen wie praktischen Begleitung feministischer Kämpfe ein. Die Beiträge sind nach 3 Schwerpunkten geordnet: feministische Analysen als Antwort auf aktuelle Herausforderungen; Sorgearbeit in Bewegung und die Care Revolution; Technik als Feld feministischer Auseinandersetzung.

    Der erste Abschnitt beginnt mit einer Arbeit von Nina Degele zum Thema „Anerkennung intersektionalisieren“. Damit eröffnet sie den Band mit einem nach wie vor aktuellem Thema, das von ihr gemeinsam mit G. Winker bereits seit einem Dutzend Jahren verfolgt wird: „wie lassen sich die mitunter festgefahrenen Diskussionen zu Feminismus, Gender und sozialer Ungleichheit sinnvoll weiter treiben, ohne ´den Kapitalismus´ als Strukturprinzip von Wirklichkeit zu unterschlagen und ohne Personengruppen oder Einzelne aus den Augen zu verlieren?“ (S. 12). Die weiteren Beiträge greifen diese eher unter TheoretikerInnen geführte Debatte auf an Hand aktueller Diskussionen in allen Kreisen der Gesellschaft – zunächst Kathrin Schrader mit ihrer Analyse der Positionen von sog. „besorgten Eltern“ zur frühkindlichen (Sexual)Erziehung; Tina Habermann zur Auseinandersetzung mit Sprach- bzw. Begriffsanalysen, Melanie Groß zu Prostitution und Sexportalen, Michel Raab zur (Nicht)Monogamie bzw. Lebensformen. Es schließen sich Beiträge von Jette Hausotter und Stefan Paulus zum Verständnis von Arbeit, deren Bewertung und Privilegien im Neoliberalismus an. Dabei wird (auch in den folgenden Beiträgen) insbesondere auf Solidarität in ihren verschiedenen Facetten eingegangen.

    Der zweite Abschnitt wendet sich dem Herzstück von G. Winkers Schaffen zu: Care Revolution (siehe auch das Buch „Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft“). Im ersten Beitrag von Anna Köster-Eiserfunke wird die Notwendigkeit transversaler Politiken begründet, dann durch Wibke Derboven auf das Thema Elternschaft eingegangen, um dann in einer kritischen Diskussion von „Parecon“ den Satz „eine andere Welt ist möglich“ mit Inhalten zu füllen (Matthias Neumann). Ann Wiesental liefert dazu mit dem „Kapital“ von Karl Marx eine theoretische Begründung, Arnold Schnittger zitiert ein Gedicht zum Thema „Revolution“ von Konstantin Wecker.

    Der dritte Abschnitt geht in mehreren Beiträgen u.a. folgenden Fragen nach: „Was zeichnet die diskursive agency der Netzakteurinnen und Bloggerinnen aus? Wie gestaltet sich der Zusammenhang mit ´Medien und Diskurs´? Worin besteht der visionäre Gehalt der Diskurse? Wie ist das diskursive Veränderungspotential einzuschätzen?“ (Christina Schachtner, S. 156).

    Hier wird dann das vorn bearbeitete Thema Solidarität unter dem Aspekt „digitale Solidarität“ wieder aufgegriffen, Empowerment in sozialen Netzen beschrieben bzw. von Helene Götschel „Gender und Diversity in der Physik“ am Beispiel der eigenen Lehrveranstaltungen thematisiert.

    Dieser Mix aus theoretischen Überlegungen und praktischen Erfahrungen der AutorInnen macht den Reiz des vorliegenden Buches aus. Erfahrungsgemäß sind Beiträge in Festschriften eher kurz und werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Gerade dadurch regen sie jedoch auch zur weiteren Diskussion an – und hier ebenso zur Nachahmung und Weiterführung der beschriebenen praktischen Bewegungserfahrung.

    Care Revolution Freiburg am 8. März aktiv

    8Maerz-Freiburg1Dieses Jahr konnten wir am 8. März tagsüber an den Ständen und auf der abendlichen Demo zur Freiburger Aktionskonferenz „Sorge ins Zentrum – Care Revolution als Perspektive“ einladen. Dies stieß auf große und positive Resonanz.

    Inhaltlich diskutierten wir eine Care-Agenda für Freiburg, die Ihr hier lesen könnt. Wenn Ihr Ergänzungen, Veränderungsvorschläge oder andere Anmerkungen habt, freuen wir uns darüber unter care-revolution-freiburg@riseup.net.

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    Feminismus aktuell – Beitrag von Antje Schrupp in der Frankfurter Rundschau

    Antje Schrupp schreibt am 8. März 2017 in der Frankfurter Rundschau einen lesenswerten Artikel mit dem Untertitel: „Der moderne Feminismus will nicht die Lage von einigen Frauen verbessern, sondern die ganze Gesellschaft.“ Sie endet mit der Feststellung: „Die Frauenbewegung ist nicht zu radikal, sie war es nie. Sondern ohne radikalen Feminismus kann es keine sozialen Bewegungen geben. In Zukunft wird die Demokratie feministisch sein. Oder sie wird sterben.“

    Lesen könnt Ihr diesen hoch aktuellen Artikel hier.

    Care Revolution Rhein-Ruhr – 10. Regionalgruppe des Netzwerks

    Seit einigen Wochen ist auch im Gebiet Rhein-Ruhr eine Regionalgruppe Care Revolution aktiv. Sie gründete sich nach einer Veranstaltung an der Hochschule Düsseldorf, die von Studentinnen organisiert am 12.12.2016 stattfand. Nach einem Input von Gabriele Winker und einer Podiumsdiskussion zwischen ihr, Vertreterinnen von ver.di NRW/Düsseldorf, „Wir Frauen – das feministische Blatt“ und dem Publikum verständigten sich die Teilnehmenden darauf, ein regionales Netzwerk zu gründen. Das erste Netzwerktreffen fand am 20.01.2017 statt. Das nächste folgt am 22.03.2017.

    Unser junges Netzwerk ist derzeit noch klein mit 10 Mitglieder, die u.a. aus den Bereichen Studium, Lehre, Gewerkschaftsarbeit und Publizistik kommen. Eine Erweiterung sowie erste Netzwerkaktionen sind in Planung. Interessierte können sich unter info.care-revolution@hs-duesseldorf.de melden.

    Care Revolution in der BRIGITTE WOMAN

    Brigitte_WinkerRechtzeitig zum internationalen Frauenkampftag ist die neue Ausgabe von Brigitte Woman erschienen, die als Aufmacher die Thematik der Care Revolution aufgreift. Unter dem Titel: „Wir kümmern uns darum! Familie, Job, Haushalt – Frauen schaffen alles. Aber wollen wir das überhaupt?“ erscheint ein Interview mit Gabriele Winker. Das Interview ist „Brigitte-kompatibel“ bearbeitet, aber vielleicht gerade deswegen spannend.

    Equal Care Day Veranstaltung in Frankfurt

    sketch

    Frankfurt hat am 28.2.17 als erste Stadt der Bundesrepublik, wenn nicht vielleicht von Europa oder gar weltweit, den Equal Care Day offiziell mit einer Abendveranstaltung begangen. Almut Schnerring und Sascha Verlan setzten 2016 – einem Schaltjahr – die Idee in die Welt, dass der 29. Februar zum Equal Care Day deklariert werden sollte, weil Männer statistisch vier Jahre brauchen, um die Menge an (meist unbezahlter) Sorgearbeit zu leisten, die Frauen in einem Jahr bewältigen. Um vielleicht dennoch etwas schneller eine Bewusstseinsveränderung anzustossen, wurde beschlossen, den Tag jedes Jahr zu begehen, aber an nicht-Schaltjahren eben ersatzweise am 28. Februar bzw. am 1. März.

    Zur großen Freude unseres Regionalnetzwerks Care Revolution Rhein-Main wurden wir in die Gestaltung des Programms einbezogen. Wir führten mit einem kurzen Sketch ein in die Thematik, die dann von Prof. Dr. Uta Maier Graewe weiter ausgeführt wurde. Carearbeit wird großteils von Frauen ausgeübt und genießt sehr geringe Anerkennung. Wenn sie erwerbsförmig organisiert ist, dann wird sie schlecht bezahlt, weil sie als “unproduktiv” betrachtet wird. Denn in unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem wird Produktivität gleichgesetzt mit Rentabilität.

    So ist also die “Produktion” von Menschen – mit ihnen schwanger zu gehen, sie zu gebären, großzuziehen und sich dabei mehr als eine Nacht um die Ohren zu schlagen, zu ihren Gunsten auf einen bedeutenden Teil des eigenen Einkommens zu verzichten, vielleicht auch auf Karrierechancen und Rentenanwartschaften, die dann der Wirtschaft als Arbeitskraft und noch viel wichtiger Konsument_innen zur Verfügung stehen – so gut wie nichts Wert!?! Jedenfalls nicht wertschöpfend – im Gegensatz zur Produktion von Waren und Dienstleistungen.

    Dem Vortrag folgte eine angeregte Diskussion mit den Teilnehmenden, die darum kreiste, dass die ungleiche Verteilung der Carearbeit Frauen in ihren Möglichkeiten am Erwerbsmarkt teilzunehmen, sehr benachteiligt. Und dass diese Teilnahme am Erwerbsarbeitsmarkt die Voraussetzung für eine finanzielle Unabhängigkeit und eine Absicherung im Alter bedeute. Warum denn nicht aus diesem Denkkorsett ausbrechen und Arbeit und Existenzsicherung als zwei unabhängige Größen betrachten? Wir hatten doch gesehen, dass ein sehr großer Anteil notwendiger Arbeit unbezahlt erledigt wird, also keinesfalls “des Geldes wegen”. Gleichzeitig gibt es Menschen, die über immer mehr Geld verfügen, obwohl sie nicht arbeiten. „Ihr Geld tut das für sie“. Die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens könnte doch da vieles verändern. Menschen wären existenziell abgesichert und würden arbeiten, weil sie eine Arbeit als notwendig oder wünschenswert betrachten, nicht um damit ihr Brot zu verdienen. Viele junge Männer würden sich gerne in der Familie einbringen, wenn es ihnen (finanziell) möglich wäre.

    Einige Teilnehmende äußerten ihren Überdruss darüber, dass das Thema der ungleichen Verteilung der unbezahlten Arbeit seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung der Feministinnen stünde, aber immer noch keinen Deut vorangekommen sei. Wie kann endlich die notwendige kulturelle Veränderung stattfinden? Sind die Mütter daran schuld, weil sie ihre Söhne nicht richtig erziehen? Ganz bestimmt nicht, da Erziehung nicht nur eine Angelegenheit der Mütter ist, sondern der ganzen Gesellschaft, mit ihren Stereotypen und Normen. Alle, besonders die Kulturschaffenden, die Medien, die Werbung, müssen an der Veränderung der Geschlechtervorstellungen arbeiten. Und es haben ja schon Veränderungen stattgefunden. Viele Frauen verweigern z.B. bewusst eine Mutterschaft und damit ein bestimmtes Rollenklischee.

    Wie könnte ein Kampf für Veränderung im Carebereich aussehen? Wenn z.B. ein Streik im Krankenhaus oder in der Familie nicht eine Konfliktsituation zwischen den zwei Polen Arbeitgeber und Arbeitnehmerin ist, sondern drei Personen in ein Spannungsfeld setzt: die Sorgetragende (eine Krankeschwester), die versorgte Person (der oder die Patient_in) und den Arbeitgeber (den Träger des Krankenhauses). Wie soll eine Mutter ihr Kleinkind einige Stunden unbeaufsichtigt sich selbst überlassen, um damit Druck auszuüben, damit z.B. mehr Kitas gebaut werden oder sich die Qualität der Kitas verbessert?

    Es wurde darauf hingewiesen, dass sich im Zusammenhang mit der wachsenden internationalen Frauenbewegung in Deutschland ein Feministisches Netzwerk gebildet hat, das auch in Deutschland zu einem globalen Frauenstreik am 8. März aufruft. So wird z.B. in Frankreich aufgerufen, weil Frauen zu 21% weniger bezahlt werden als Männer, dass sie am 8. März um 15h30 die Arbeit niederlegen sollen, um auf die Strasse zu gehen und für ihre Rechte zu demonstrieren.

    Ja, auch hier in Frankfurt werden wir uns beteiligen. Am 8. März werden wir um 16h an der Davidstatue an der Hauptwache für Care-Sharing demonstrieren. Wir laden alle Frauen ein, und die Männer, die ebenfalls für das Gute Leben für Alle sind: ZUSAMMEN FAIR-CAREN WIR DIE VERHÄLTNISSE!

    Solidarisch für gute Pflege – Es ist 5 Minuten vor 12!

    Straßenaktion in Frankfurt
    Straßenaktion in Frankfurt
    Solidarisch für gute Pflege
    Solidarisch für gute Pflege

    „Mehr von uns ist besser für alle!“ – Gute Care-Arbeit kann nur geleistet werden, wenn die zu leistende Arbeit auf genügend Schultern verteilt wird. Ob in der Krankenpflege, in der Altenpflege, in der Pflege von Angehörigen oder in der Kinderbetreuung. Der Slogan, der vom Personal der Charité gesprägt wurde, gilt für alle Bereiche der Sorgearbeit. Und so haben wir von Care Revolution Rhein-Main uns heute auf der Zeil solidarisiert mit dem Aktionstag von ver.di in den Krankenhäusern für das Einhalten der Pausen.

    Gemeinsam mit Aktiven aus dem Frankfurter Netzwerk für Soziale Arbeit haben wir mit Passant_innen diskutiert über den Pflegenotstand. Darüber, dass gute Pflege alle angeht, und dass wir uns besser rechtzeitig mobilisieren. Wir haben Unterschriften gesammelt für die bundesweite Gefährdungsanzeige und Flugblätter verteilt.

    Unsere nächste Aktion ist für Mittwoch, den 8. März geplant. Am Internationalen Frauenkampftag, der dieses Jahr unter dem Motto steht „Feminismus ist Widerstand, werden wir in Solidarität mit allen Sorgetragenden Widerstand leisten gegen ein System, das Profit über gutes Leben stellt.

    Freiburger Aktionskonferenz Care Revolution am 20.5.17

    Plakat_Care_Aktionskonferenz_FreiburgAufruf an alle im Südwesten Deutschlands, sich Samstag, den 20. Mai 17, freizuhalten. An diesem Tag findet von 12 bis 18 Uhr in der Universität Freiburg (KG I, HS 1010) die Freiburger Aktionskonferenz unter dem Titel „Sorge ins Zentrum – Care Revolution als Perspektive“ statt.

    Neben Diskussionen im Plenum gibt es Möglichkeiten zum Austausch in sechs Workshops zu folgenden Themen:

  • Workshop 1: Wo bleibe ich? Zeit für Selbstsorge
  • Workshop 2: Gut leben und arbeiten mit Kindern
  • Workshop 3: Umkämpfte Gesundheit – für menschenwürdige Medizin und Pflege im Krankenhaus
  • Workshop 4: Recht auf gute Pflege und Assistenz
  • Workshop 5: Soziale Arbeit zwischen Verantwortung und Widerstand
  • Workshop 6: Gemeinsame Aktivitäten zur Politisierung von Care – Aktionen und Strategien
  • weiterlesen

    Eröffnung der Poliklinik Veddel in Hamburg

    Poliklinik_Day

    Liebe Freundinnen und Freunde,

    es ist so weit! Anfang 2017, hundert Jahre nach der Oktoberrevolution ;), öffnen die Tore unseres kleinen Stadtteilgesundheitszentrums auf der Veddel, das an die Bedarfe der Menschen im Stadtteil angepasst sein soll. Nicht nur medizinische Versorgung trägt zur Gesundheit bei, sondern entscheidend für ein ganzheitliches Wohlbefinden sind oft auch Faktoren des sozialen Umfeldes wie z.B. Diskriminierung oder Ausgrenzung.

    Die Poliklinik vereint medizinische Versorgung mit Rechts- und Sozialberatung unter einem Dach – Patienten mit übergreifenden Problemen sind auf diese Weise direkt und leicht weiterzuvermitteln. Auch andere Fachgebiete sollen mit der Zeit hinzukommen und ausgebaut werden, je nach Nachfrage und Bedarf des Stadtteils.

    Gerne möchten wir euch zu unserer Eröffnungsfeier am Samstag, den 25.02.2017 einladen.

    Es wird ab mittags ein meet and greet mit Programmteil in den Räumlichkeiten der Poliklinik Am Zollhafen 5B geben.

    Poliklinik_NightAm Abend möcten wir gerne zusammen Essen. Dafür werden unsere Freundinnen und Freunde von New Hamburg und dem Cafe Nova für uns kochen (Das Cafe Nova befindet sich in der Wilhelmsburg Str. 71).

    Im Anschluss werden wir dann bis in den frühen Morgennebel das Tanzbein schwingen.

    Wir freuen uns sehr wenn ihr kommt!

    Eure Poliklinik

    Neugründung – Care Revolution Leipzig!

    Themencluster1-treffenMit fast 30 Menschen haben wir den Auftakt zur Gründung der Regionalgruppe Care Revolution Leipzig bestritten. Zu Beginn lernten wir uns kennen und näherten uns den Grundideen der Care Revolution an. Wir sprachen über die Sichtbarmachung von Sorge-Arbeiten und stellten uns die Frage: „Wofür wirtschaften wir eigentlich, wenn nicht für die Erfüllung unserer Bedürfnisse?“. Anhand des Charité Streik und dem Erzieher*innenstreiks blickten wir auf Positivbeispiele, wie sich Menschen gegen Missstände im Sorgebereich einmischen und Erfolge erzielen.

    Im nächsten Schritt haben wir unsere eigenen Ideen zur Care Revolution aufs Papier gebracht und in kleinen Gesprächsrunden ausgetauscht. Die Interessengebiete sind vielfältig: Von Überlegungen einer Bildungskonferenz Ende des Jahres in Leipzig über den Austausch zum Einfluss von Lohnarbeit in der Rollenverteilung während der Elternschaft bis hin zu Aktionen zum 8. März (Frauenkampftag) & 1. Mai (Tag der unsichtbaren Arbeit) war alles mit dabei. An unserer breiten Ideensammlung wollen wir bei unserem nächsten Treffen weiter diskutieren und schauen, wohin uns die Reise als Regionalgruppe führt: Wo wollen wir aktiv werden, uns einmischen, unterstützen, ins Handeln kommen!?

    Unser zweites Treffen findet am Mittwoch, den 22.02.2017 ab 18:00 Uhr im Pöge-Haus in Leipzig statt. Alle sind herzlich dazu eingeladen – ein Einstieg ist jederzeit möglich! Für Rückfragen & Kinderbetreuung meldet Euch gerne unter: care@knoe.org

    EQUAL CARE DAY in Frankfurt mit Care Revolution Rhein-Main

    Für Dienstag, den 28.2.17, um 18 Uhr lädt die Frauendezernentin der Stadt Frankfurt zu einer Abendveranstaltung zum EQUAL CARE DAY ins Museum für Moderne Kunst ein.

    Die Veranstaltung findet in Kooperation mit unserem Netzwerk Care Revolution Rhein-Main und dem Frauenreferat statt.

    Wir werden in das Thema einführen mit einem Sketch: „Care-Sharing – schon mal was davon gehört“ und nach einem akademischen Referat von Prof. Dr. Ute Maier-Graewe  mit ihr und der Frauendezernentin auf dem Podium sitzen und mit den Teilnehmenden diskutieren.

    Den Abschluss bildet ein (tolles) Video der Theatergruppe Swoosh Lieu.

    Das Plakat zur Veranstaltung findet Ihr hier.

    Care Ethik, eine Ethik der Achtsamkeit, mit Elisabeth Conradi

    Politische Gruppen diskutieren die Sorge für andere Menschen (care). Dazu wird auch geforscht. In der Forschung gibt es zwei Richtungen:

    Einerseits werden versorgende Tätigkeiten (care work) soziologisch betrachtet. Es wird gefragt: Warum sind manche Menschen eher als andere reinigend, unterstützend und pflegend tätig? Es wird gefordert: Sorgearbeit soll gerechter verteilt werden, Unterstützung soll nach Bedarf in Anspruch genommen werden.

    Andererseits gibt es auch ethische Forschung. Schlüsselbegriffe einer Ethik der Achtsamkeit (ethics of care) werden hier entwickelt. Im Mittelpunkt steht ein Handeln zwischen Menschen: die Praxis der Achtsamkeit. Menschen sorgen füreinander, pflegen Beziehungen und können sich aufeinander verlassen. Es gibt aber auch noch viel zu verbessern: Wie können Beziehungen gepflegt werden? Wie lässt sich Versorgung und Unterstützung im Alltag noch besser gestalten? Das ist mehr als in der Philosophie üblicherweise zum Bereich der Ethik zählt. Hinterfragt wird aber auch die in der Sozialen Arbeit geforderte professionelle Distanz.

    Die Veranstaltung wird von Care Revolution Thüringen zusammen mit dem Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit (AKS) Erfurt und dem Bildungskollektiv Biko veranstaltet.

    Weitere Infos gibt es hier.

    wir pflegen NRW e.V. fordert ein gerechteres NRW für pflegende Angehörige

    lv-nrw-180x180wir pflegen NRW – Selbsthilfe und Interessenvertretung pflegender Angehöriger in Nordrhein-Westfallen e.V. – hat fünf Forderungen pflegender Angehöriger an die Politik – zur Landtagswahl am 14. Mai 2017 erarbeitet. Diese werden bei dem von wir pflegen NRW veranstalteten Polit-Forum am 24.02.2017 in Mülheim im MedienHaus von 13.30 bis 15.30 Uhr diskutiert.

     

     

     

     

    Auftakt zur Regionalgruppe Care Revolution Leipzig am 26.01.17

    Am Donnerstag, den 26. Januar 2017 sind alle Interessierte eingeladen, sich an der Gründung einer Regionalgruppe Care Revolution in Leipzig zu beteiligen. Die Veranstaltung findet um 19 Uhr im FRAKU, Windscheidstr. 51 statt.

    flyer care revolution leipzig elderly inc

    Wirtschaft ist Produktion, Lohnarbeit und der Finanzmarkt – oder? Nein: Wirtschaft umfasst die Gesamtheit aller Arbeiten, eingeschlossen Kochen, Putzen, Waschen, die Begleitung von Kindern und das Sorgen für Pflegebedürftige. Doch für diese alltäglichen lebensnotwendigen Tätigkeiten fehlen heute oft die Zeit und das Geld. Um die Gesellschaft lebensfreundlicher zu gestalten, müssen wir diese Sorge-Arbeiten (Care) ins Zentrum des Wirtschaftens stellen. Gerecht verteilt. Unter fairen Bedingungen. Für ein gutes Leben für alle!

    Sich heftig streiten und dann trotzdem gemeinsam weitermachen?

    Nachlese zu einem Care-Revolution-Themenabend im November 2016 in Potsdam.

    lets-go

    Care-Berufe endlich gerecht bezahlen und langfristig absichern? Über die Grenzen von Ausbildung, Wirkungsbereich und Vorstellungen von der ‚richtigen‘ Versorgung hinweg Bündnisse eingehen? Oder doch erst mal überhaupt eine menschenwürdige Grundversorgung,  für alle, vor allem für Geflüchtete fordern? Die Menschen im Netzwerk Care Revolution haben sich viel vorgenommen. Und immer mal wieder scheitern sie an ihren eigenen Ansprüchen. Macht nix? Macht viel! Lernen wir daraus, stehen wir auf und machen weiter!

     

    Die Leute sind erschöpft vom permanenten Rennen im Hamsterrad.“

    Gründungsmitglied Barbara Fried wirft zunächst ein Licht auf die Care Revolution als Transformationsstrategie, um die Krise der sozialen Reproduktion zu überwinden. Denn 30 Jahre Neoliberalismus haben dazu geführt, dass Menschen und soziale Infrastrukturen völlig ausgepowert sind.

    Einerseits ist das das Ergebnis von Überstunden, Wettbewerb und Leistungsdruck. Sie sind die Kennzeichen eines Lohnarbeitssystems, in dem nicht nur Erwerbstätige sich abrackern, sondern dem auch erwerbslose Menschen als vermeintlich asozial gegenüber stehen. Es ist ein ausquetschendes System: Viele Menschen, z.B. in der Pflege und Betreuung, schaffen es gar nicht bis zum gesetzlich festgelegten Renteneintrittsalter. Andere dagegen werden in den Mühlen der Arbeitsagenturen aufgerieben.

    Andererseits führt die kontinuierliche Privatisierung von wohlfahrtsstaatlichen Leistungen dazu, dass mehr und mehr Sorgeverantwortung auf die Individuen rückübertragen wird. Dies erhöht ebenfalls die Arbeitslast – und verteilt sie ungerecht. Denn erstens ist gute Pflege und Sorge heute (wieder) mehr und mehr vom Geldbeutel abhängig, weil sie als bezahlte Dienstleistung angeboten wird. Zweitens wird sie (erneut und zunehmend) in die Privathaushalte ausgelagert, wo sich zumeist Frauen unentgeltlich um ihre Angehörigen kümmern – neben der Lohnarbeit und dem Haushalt, versteht sich. Die Anstellung (meist) migrantischer Frauen für Privathaushalte ist u.a. ein Phänomen, das auf diese erhöhte Arbeitslast folgt – und es macht sexistische und rassistische Strukturen in dieser Gesellschaft erkennbar. Bezahlte und unbezahlte Arbeit der sozialen Reproduktion sichtbar zu machen, aufzuwerten und für Strukturen zu streiten, die eine gute Versorgung aller in gesellschaftlicher Verantwortung garantieren, ist daher das Ziel der Care Revolution.

    Das soziale Gefüge ist erschöpft und die Leute sind erschöpft in einem System, das menschliche Bedürfnisse an letzter Stelle stellt. Es ist ein System sozialer Spaltungen, die es zu überwinden gilt. Auch das ist das Ziel der Care Revolution.

    fluchtschiff

    „Die Asylgesetze wurden 2015/16 in einem Ausmaß verschärft, wie wir es uns vor ein paar Jahren nicht hätten vorstellen können.“ weiterlesen

    Erste Schritte der Care Revolution im Raum Rhein-Ruhr

    dsc07090Am 12.12.16 öffnete die Hochschule Düsseldorf ihre Türen für die Veranstaltung „Care Revolution – Sorgearbeit unter Druck. Notwendigkeit einer Care Revolution“. Sie wurde im Rahmen einer Lehrveranstaltung des Masters Empowerment Studies vom Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften organisiert und gab nicht nur Studierenden und Lehrenden der Hochschule, sondern auch vielen anwesenden Akteur_innen im Bereich der Care-Arbeit einen theoretischen Einblick in die Problematik der Sorgearbeit im modernen neoliberal geprägten Alltag.  Gabriele Winker, Autorin des Buches „Care Revolution. Wege in eine solidarische Gesellschaft“ stellte dafür prägnant die Ergebnisse ihrer langjährigen Nach-Forschungen vor und motivierte auf ihre erfrischende Art, gemeinsam für neue Handlungsalternativen einzustehen. Katharina Schwabedissen von ver.di NRW, Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen, und Melanie Stitz von der Zeitung „Wir Frauen – das feministische Blatt“ bereicherten die Veranstaltung durch persönliche Bezüge zum Thema, praktische Erfahrungen im Engagement für eine Verbesserung der Verhältnisse sowie zukünftige Perspektiven. Die anschließende offene Diskussion gab Raum für Nachfragen, Anregungen und Ideenspinnerei. Zusammenfassend wurde deutlich, dass ein Bewusstsein für die Problematik nicht ausreicht, sondern „Care Revolution“ vom gemeinsamen Engagement lebt. Anknüpfend daran wurden bereits einige Ideen entwickelt, wie eine Vernetzung auch im Raum Rhein-Ruhr umgesetzt werden kann. Diese sind ein guter Grundstein für das baldige erste Vernetzungstreffen, das am 20. Januar 2017 um 18:00 stattfinden wird und für das sich schon viele Interessierte angemeldet haben. Hierbei sollen in einem offenen Rahmen mit allen Interessierten weitere Schritte, Ideen und Ressourcen für eine Vernetzung gesammelt und diskutiert werden. Hierzu sind auch alle, die nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen konnten, herzlich eingeladen. Die Räumlichkeiten und weitere Informationen des Treffens werden noch bekannt gegeben. Um eine formlose Anmeldung wird gebeten unter info.care-revolution@hs-duesseldorf.de.

    Ein großes Dankeschön geht an alle Anwesenden, die dazu beigetragen haben, dass diese Veranstaltung sicherlich für viele zu einem Abend des Anstoßes und neuer Perspektiven geworden ist.

    Pflegenotstand – Entweder jung und gesund sterben oder sich engagieren für gute Pflege.

    “Mir gehts schlecht!” sang der Frankfurter Beschwerdechor  das eigens für unsere Liegeaktion vom 10.12. gedichtete Lied zum Pflegenotstand.

    Mir geht’s schlecht – Wenn ich nur an ein Altenheim denk – Wo alte Menschen apathisch sind – Wo die Schwester nach Stunden erst kann – Weil sie nur überfordert wird -Mir geht’s schlecht, weil heut wieder mal so ein Tag ist, geht’s mir schlecht.

    Passant_innen blieben stehen und hörten zu, lasen die verschiedenen auf der Strasse liegenden Banner und wollten mehr über unsere Aktion wissen. Es kamen Menschen, die in der Pflege arbeiten, solche, die sich Gedanken machen über ihre Zukunft im Alter, junge, die plötzlich nachdenklich wurden…. unsere Flyer unterschrieben und welche mitnahmen zum Weiterverteilen.

    jung-sterben

    Das Wetter hatte es gut gemeint mit uns. Eine strahlenden Sonne und ein trockener Boden erleichterten die eigentiche Liegeaktion: auf einer orangenen Matte legten sich drei von uns 10 Minuten auf den Boden vor dem Brockhausbrunnen hin. Wie sollen Menschen gepflegt werden, wenn die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden? Wenn die einzelnen Tätigkeiten immer schneller getaktet werden, wenn der Pflegeberuf immer weiter ausdifferenziert wird und zentrale Komponenten aus ihm ausgelagert werden? Es geht um den Menschen, also nicht nur um einen Körper, der gewaschen werden soll, Nahrung erhalten muss und Medikamente. Es geht auch um ein Lächeln, um das Gefühl, wertgeschätzt zu werden, um Zeit für ein Gespräch, um Beratung. Es geht um Beziehungsarbeit, die wichtig ist für den pflegebedüftigen Menschen wie auch für den Pflegenden. Denn auch eine pflegende Person will mehr als nur ein Roboter sein, der bestimmte genormte Gesten ausführt. Nur fällt das dem allgemeinen Sparzwang zum Opfer, mit dem Ergebnis, dass sich immer mehr Pflegende frustriert und ausgebrannt und um das Schönste in ihrem Beruf betrogen fühlen, während sich Pflegebedürftige vernachlässogt, ja verwahrlost fühlen.

    fbc

    Mir geht’s schlecht – Weil die Pflege nichts kosten soll – Weil’s am besten die Mama macht. – Seh‘ ich dann auf den Rentenbescheid – Dann verzicht‘ ich auf Muttertag – Mir geht’s schlecht, weil heut wieder mal so ein Tag ist, geht’s mir schlecht. weiterlesen

    Liegeaktion gegen Pflegenotstand

    liegeaktion_frankfurtSie tickt unaufhaltsam, die Zeitbombe des Pflegenotstands. Menschen sterben, weil immer weniger Pflegenden immer mehr Arbeit aufgebürdet wird. Aus lauter Überforderung begehen sie manchmal Fehler oder unterlassen wichtige Maßnahmen.
    Angehörige pflegen sich in die Armut, weil ihre (Sorge-)Arbeit keinen Anspruch auf Einkommen oder auf Rente bewirkt, sondern als private Lebensentscheidung behandelt wird.
    .
    Für eine Veränderung dieser untragbaren Situation werden wir eine Liegeaktion durchführen. Wir legen uns, um „5 Minuten vor 12“ in der Öffentlichkeit auf den Boden, um dadurch augenscheinlich zu machen, dass es keine gute, menschenwürdige Pflege geben kann, wenn sich die Krise in diesem Bereich der Sorgearbeit weiter ausbreitet. Mit dieser Aktion unterstützt das Regionalnetzwerk Care Revolution Rhein-Main die Kampagne BUNDESWEITE GEFÄHRDUNGSANZEIGE
    MACH MIT! Wir sind alle betroffen!

    Jede und jeder wird alt und pflegebedürftig. Es sei denn, er oder sie stirbt vorher rechtzeitig!

    UmCare! Sozialpolitischer Thementag zur Sorgearbeit in Frankfurt am Main am 19.11.2016

    el-u-el-rassismusEs sollte eine Impulsveranstaltung sein. Menschen, die sich privat oder beruflich aus ganz unterschiedlicher Perspektive mit Sorgearbeit befassen, sollten Gelegenheit haben, miteinander ins Gespräch zu kommen um sich zu vernetzen. Denn miteinander – trotz Widersprüche – geht alles besser.  Und? Was kam dabei heraus?

    Wie es im ihrem „Blitzlicht” die Arbeitsgruppe „Vernetzung und Frankfurter Aufruf” festhielt: „Wir knüpfen den ersten Faden. Jetzt fangen wir an. Wir wollen aufklären und sensibilisiern. Wir treffen uns am Mittwoch, den 11.1. um 15:00 in der GFFB, Mainzer Landstraße 349, 3. Stock.” Spätestens dort, nach dem ganzen Weihnachtsrummel, wird die Vernetzung mit den „Neuen” fortgeführt.

    Von den ca. 80 Teilnehmenden, darunter eine Gruppe Studierende der Sozialen Arbeit an der Hochschule Darmstadt,  haben die Hälfte den Frankfurter Aufruf unterzeichnet, der  – anknüpfend an das bundesweite Netzwerktreffen in Hamburg – als Charta der Selbstverständlichkeiten an alle verteilt wurde. Er wird neuen Interessierten helfen zu verstehen, worum es uns geht. Und wir werden ihn einsetzen bei politischen Entscheidungsträger_innen und ihn zum Beispiel bei den nächsten Wahlen mit Kandidatinnen und Kandidaten diskutieren.

    In der Veranstaltung ist es gelungen, dass bereits engagierte, aber auch am Thema neu interessierte Menschen miteinander ins Gespräch kamen. Es wurde an einem schönen, bunten und starken Netz weitergeknüpft, das bereits während der Veranstaltung Impulse für die nächsten politischen Aktivitäten gesetzt hat.

    Weitere Information sind im Blog der Care Revolution Rhein-Main zu finden.

    Veranstaltung zur Care Revolution auf Initiative von Studierenden an der Hochschule Düsseldorf

    poster_care-revolution-3Im Rahmen einer Veranstaltung im Rahmen des Masterstudiengangs an der Hochschule Düsseldorf haben vier Studentinnen – Anna, Janette, Franzi und Marlene – eine Veranstaltung zur Care Revolution konzipiert und laden für den 12. Dezember die interessierte Öffentlichkeit ein.

    Ziel der Veranstaltung ist es, so die Projektgruppe, auch in der Region Rhein-Ruhr eine Vernetzung zwischen verschiedenen Akteur_innen anzustoßen, die sich für verbesserte Rahmenbedingungen der Care-Arbeit einsetzen. Gabriele Winker wird zu Sorgearbeit unter Druck und zur Notwendigkeit einer Care Revolution sprechen. Als regionale Kooperationspartner_innen nehmen zudem Wir Frauen – das feministische Blatt, das Frauenforum der Stadt Düsseldorf und Ver.di NRW teil. Gemeinsam werden erste Ideen entwickelt, um auch in der Region Rhein-Ruhr eine Care Revolution zu starten.

    Alle weiteren Informationen sind hier zu erhalten.

     

    Feministische Positionen zum Bedingungslosen Grundeinkommen als Buch erschienen

    1474293590Es ist allerhöchste Zeit, die öffentliche Diskussion über das Thema ›Arbeit‹ voranzutreiben. Arbeit ist dabei mehr als Erwerbsarbeit, Wirtschaft mehr als Zahlen und Bilanzen.

    Feministische Ökonomiekritik führt diese Debatte seit langem – auch vor dem Hintergrund, dass Menschen in Abhängigkeit voneinander leben und für ein gutes Leben die soziale Garantie einer ausreichenden Absicherung der Existenz und Ermöglichung der gesellschaftlichen Teilhabe brauchen.

    Das Bedingungslose Grundeinkommen kann ein Schritt in die richtige Richtung sein – allerdings nur, wenn feministische und postpatriarchale Perspektiven mitgedacht werden: Das Grundeinkommen muss eingebettet sein in ein auf Care zentriertes ökonomisches Konzept.

    Weitere Infos beim Ulrike-Helmer-Verlag

     

    Lichtermeer in Hamburg (fast) von Polizei gestoppt!

    Seit einigen Jahren veranstalten wir – Nicos Farm e.V. – das „Lichtermeer für Deutschlands behinderte Kinder“. Vor acht Jahren haben wir es erstmalig in Hamburg durchgeführt und feiern es in jedem Jahr, jeweils am letzten Freitag im Oktober. Vorher besuchen wir Kitas und Grundschulen; dort basteln die Kinder dann Laternen, die sie anschließend auf dem Rathausmarkt an Kinder mit Behinderungen übergeben.

    „Ein Licht von Kind zu Kind“.

    Gemeinsam mit der Feuerwehr, einer Sambakapelle, einem Musikzug und unserem Clown Charly wandern wir dann in einem Laternen- und Fackelzug rund um die Binnenalster, die wir in ein Lichtermeer verwandeln. Zum Schluss gibt es ein wunderschönes Feuerwerk, mitten auf der Binnenalster FÜR behinderte Kinder. Klar, dass die anderen Kinder auch zugucken dürfen.

    Die Veranstaltung hat derart viel Beifall bekommen, so dass dieses Lichtermeer inzwischen in über einem dutzend Städte in Deutschland zur selben Zeit durchgeführt wird. Mehrere tausend Kinder ziehen so ein leuchtendes Band voll Menschlichkeit und Wärme von Sylt bis nach Würzburg. In Dortmund übernahm sogar der Bürgermeister die Schirmherrschaft, in Lüneburg wird mit Buden und Infoständen auf dem Marktplatz gefeiert – um nur einige Beispiele zu nennen. In Hamburg gestaltet sich unsere Aktion allerdings hanseatisch etwas kühler

    Nachdem wir in den ersten Jahren dieses bundesweite Inklusionsfest in Hamburg problemlos durchführen konnten, sind leider, seit drei Jahren, dunkle Wolken aufgezogen. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte, das Polizeirevier PK14 und Nicos Farm sind bedauerlicherweise nicht ziemlich beste Freunde.

    Wir treffen uns mit den Teilnehmenden vor Beginn auf dem Hamburger Rathausmarkt und stellen dort am Rande zum Alsterfleet einen (Tapezier-)Tisch auf, um die Laternen und Fackeln dort auszugeben. Die von den Kindern gebastelten Laternen hängen dann dekorativ an einer kleiner Leine. Und selbstverständlich, wir sind ja gute Bürger_innen, stellen wir dafür  regelmäßig einen Antrag  zur Sondergenehmigung nach dem Wegegesetz.

    Vor drei Jahren hieß es plötzlich, dass der Senat genau an der Stelle und an dem Tag einen Empfang geben wolle.
    Das machen die schon mal im Winter. Draußen, im Dunkeln. Macht nix, sagten wir, wir wollen nicht stören und können uns auch ein paar Meter daneben treffen. Nun durften wir plötzlich doch  unseren Stand aufbauen. Das fanden wir sehr nett vom Senat.

    Dafür maulte aber nun die Polizei ein wenig und dachte laut darüber nach, den Fahrern der Feuerwehrfahrzeuge einen Bußgeldbescheid zukommen zu lassen,weil sie das Blaulicht verbotswidrig eingesetzt hatten, um unseren Zug zu begleiten und zu sichern. Die Vernunft hatte dann aber doch gesiegt (oder die Mühe, die Fahrer zu ermitteln).

    Vom Rathausmarkt ziehen wir über den Reesendamm zum Jungfernstieg und überqueren an der Ampel die Straße, um auf die Alsterseite zu gelangen. Wir sind ja mit den vielen Rollis nicht die Schnellsten und so dauert der Transfer immerhin fünf bis sechs Minuten.

    „Das kann man den Autofahrern nicht zumuten“, sagt die Polizei. „Doch!“, sagen wir. Denn das gehört zum Konzept: ein bisschen sensibilisieren, Kindern (Erwachsenen) mit Behinderungen ein bisschen Aufmerksamkeit schenken und dem lieben Gott ein kleines Stoßgebet schicken: „Danke, dass meine Familie gesund ist“ oder so ähnlich. Dafür werden die Autofahrer_innen sicher Verständnis haben. Die Polizei hat völlig recht, wenn sie meint, wir könnten das nicht beweisen. Stimmt! Umfragen haben wir noch nie durchgeführt. Allerdings hat uns der eine oder die andere Autofahrer_in mal eine kleine Spende durch die Scheibe gereicht.

    Um zu verhindern, dass wir den Jungfernstiegübergang für besagten Zeitraum in unsere Hoheitsgewalt nehmen, wurde vorgeschlagen, die Ausgabe der Laternen auf dem Jungfernstieg durchzuführen. Den Vorschlag haben wir aufgegriffen, aber, nach eingehender Prüfung abgelehnt, weil es unverantwortlich schien, dass sich dort nahezu 1000 Menschen, viele Kinder – auch mit geistigen Behinderungen – so nahe am Staßenverkehr aufhalten. Daraufhin wurde vom Bezirksamt ein Gremium einbestellt, dass, ungehindert der Gefährdungslage, den Beschluss fasste – Tisch auf Rathausmarkt verboten – muss auf Jungfernstieg!

    Ecke Ballindamm beantragen wir für das Feuerwerk stets eine Halteverbotszone von etwa fünf Wagenlängen. Als Ladeplatz für den Feuerwerker und aus Sicherheitsgründen, damit kein parkendes Fahrzeug beschädigt wird. In diesem Jahr erhielten wir dazu die Absage der Polizei, weil wir ja keine Genehmigung zum Aufstellen eines Tisches auf dem Rathausmarkt haben.
    Brauchen wir nicht, sagen wir. Wir stellen keinen Tisch auf. Die Kinder behalten ihre Laternen einfach in der Hand. Vielleicht ein bisschen beschämend für eine weltoffene Stadt und einer hanseatischen Kultur unwürdig – aber okay. Wir wollen keinen Streit.
    By the way: Im vergangenen Jahr hatten wir geflüchtete Eltern mit ihren Kindern zum Lichtermeer eingeladen. Das kam auch nicht gut an, denn das Polizeirevier verhinderte einen Parkplatz für die drei Busse, mit denen die Kinder zu uns kamen, weil wir die exakte Länge der Busse nicht angeben konnten.

    Über sechs Wochen hat das Grübeln der Polizei gedauert, unsere diesjährige Aktion doch noch irgendwie zu verhindern. Es ist gelungen! Respekt! Nun sollen wir eine „Veranstaltungserklärung“ unterzeichnen, in der wir uns verpflichten, „alle Kosten zu ersetzen, die dem Träger der Straßenbaulast durch die Sondernutzung entstehen“ sowie „Aufwendungen für alle Maßnahmen“. Wir haben keine Ahnung, was das alles sein könnte. Vielleicht die Tauchergruppe in die Alster schicken, um die Reste vom Feuerwerk zu bergen? Das kann teuer werden. Die Bank des Hauptverantwortlichen hat nach Durchsicht seiner Kontoauszüge dringend von der Unterschrift abgeraten!

    So dürfen wir wohl, zumindest für dieses Jahr, das „Lichtermeer für Deutschlands behinderte Kinder“ als gescheitert betrachten.

    Am 28. Oktober werden bundesweit wieder tausende Kinderaugen von kleinen Menschen mit und ohne Behinderung im Scheine der Kerzen und Fackeln zum Leuchten gebracht. Ausgenommen natürlich in der Hanse- und inklusionsfreien Stadt Hamburg.

    Nachtrag: Erfreulicherweise kann das Lichtermeer, nach weiterem vehementen Nachhaken und Verhandeln, am 28.10. doch noch realisiert werden! Das freut uns natürlich und wir treffen uns um 18:00 Uhr auf dem Rathausmarkt. Dies ist in einer Stadt, die sich mit dem Label „Inklusion“ schmückt, aber wohl auch das Mindeste. weiterlesen

    Netzwerk Care Revolution Rhein-Main auf Streikkonferenz aktiv

    Mit einem Infostand und vielen Vernetzungsgesprächen waren mehrere Mitstreiter_innen unseres Regionalnetzwerks auf der dritten Streikkonferenz zugegen, die dieses Jahr in der Goetheuniversität in Frankfurt stattfand.

    rassismus-wegn

    Zentrale Fragen waren z.B. Wie lassen sich zukünftig Arbeitskämpfe, vor dem Hintergrund der neoliberalen Ist-Situation,besser organisieren und durchführen? Sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze werden immer seltener und die Arbeitsverdichtung in allen Branchen steigt, so daß den Menschen immer mehr Angst eingejagt wird und es bald mit der Digitalisierung und Robotisierung ein Privileg sein wird, einer bezahlten Tätigkeit nachzugehen…

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    Wie die Arbeitsverdichtung zeigt, ist nicht Arbeitsmangel das Problem, sondern der Preis, der für die Arbeit gezahlt wird. Die (Lebens-)Zeit der Menschen in Erwerbstätigkeit wird entwertet. Das entpricht zum einen einer realen Lohnsenkung,  zum andern haben Menschen, wenn sie in Rente gehen,nicht ein Pensum von 40 Jahren abgearbeitet, sondern eines, das weitaus mehr Jahren entspricht, ohne jedoch die entsprechende Rente dafür zu erhalten. Sie werden somit immer öfter um die Früchte ihres Fleisses geprellt.

    Darüber hinaus erleben Erwerbsarbeit und Mobilität inzwischen eine enorme Wechselwirkung: Es beginnt mit den Pendler_innen, die wegen unbezahlbarer Mieten in Ballungsgebieten lange Anfahrtswege bis zum Erwerbsarbeitsplatz auf sich nehmen. Hier handelt es sich um wertvolle Lebenszeit. Diese fehlt den Pendler_innen für Erholung und Familie und sie wird bei der Entlohnung nicht angerechnet, aber inzwischen zunehmend vorausgesetzt.

    Weiter geht es mit der Zeit, die täglich in Verkehrsstaus des Berufsverkehrs verloren wird z.B. von Paketausträger_innen oder von ambulanten Pfleger_innen. Auch diese Zeit wird immer öfter nicht bezahlt, sondern muss z.T. von der oder dem Arbeitleistenden “ersetzt” und so privat auf dem Konto der eigenen Lebenszeit unter “Verluste” verbucht werden.

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    Aber nicht nur in der Erwerbsarbeit läuft es so. Auch auf die nicht erwerbsförmig erledigte Arbeit wirkt sich diese Entwertung der (Lebens-)Zeit von Arbeitenden aus. Denn unbezahlt bleibt zunächst alles das, was Erwerbsarbeitende oder solche die ihre Haut auf den Erwerbsarbeitsmarkt tragen.

    Was der/die Einzelne “in sich selbst investiert”, um sich besser zu vermarkten, hat regelrecht zu einem Selbstoptimierungwahn geführt. Wieviel Zeit und Kraft wird unbezahlt investiert, um der Figur-, Frisur und Kleidernorm zu entsprechen, die von Werbung und Celebritybildern vorgegeben wird. Wieviel (größtenteils unbezahlte) Zeit und Kraft in formale und informale Weiterbildung. Wieviel unbezahlte, eigentlich für Erholung benötigte Zeit, wird zweckentfremdet um Dinge zu erledigen, die mit der Erwerbsarbeit zusammenhängen. Smartphone läßt grüßen.

    Schon die Kinder werden diesem Druck ausgesetzt, einmal von einem Bildungssystem, das seine Hauptaufgabe darin sieht, vermarktbare Arbeitskräfte zu produzieren, und zwar schon von Kindesbeinen an sortiert für den Bedarf im Billiglohnsektor, dem wachsenden Prekariat der Hochqualifizierten und dem schrumpfenden Rest für die (noch) verbleibenden gut dotierten Arbeitsplätze. Einem Bildungssystem, das Wettbewerb statt Kooperation belohnt.

    Dann aber auch dem Druck von Eltern, die ihre Angst vor sozialem Abstieg, vor Altersarmut, vor Verlust der Erwerbsarbeit an ihre Kinder weitergeben und sie so gezwungener Maßen zu Selbtsoptimierer_innen in einer entsolidarisierten Gesellschaft dressieren. Eine ganze Reihe Kinder wachsen allerdings auch mit dem Bewußtsein auf, dass sie gesellschaftlich unerwünscht und bestenfalls toleriert werden. Dass sie keine Chancen haben und ihre Lebensperspektive in einer Karriere als “Hartzer” vorgezeichnet ist.

    Wachsende Arbeits-Verdichtung in der Produktion von Waren ist ein Problem, sowohl für die körperliche wie seelische Gesundheit der Arbeitenden wie auch unter Umständen für die Qualität der produzierten Waren. Müde Menschen machen leichter Fehler. Um wieviel schwerwiegender wirken sich die Folgen dieser durch Müdigkeit verursachten Fehler, wenn es um die Pflege und Betreuung von Menschen geht. Wenn Patienten versehentlich falsche Medikamente verabreicht werden. Oder wenn “vergessen” wird, ihnen z.B. Schmerzmittel oder andere dringend benötigte Medikamente zu geben. Wenn sie Stunden warten müssen, damit grundlegende Bedürfnisse wie Durst oder aufs Klo gehen erfüllt werden können, weil die Pflegenden neben administrativen Aufgaben einfach zu viele Patienten gleichzeitig zu versorgen haben.

    Am Beispiel des erfolgreichen Arbeitskampfs in der Charité konnte gezeigt werden, dass solidarische Mobilisierung, auch außerhalb des Betriebs (Krankenhauses) viel erreichen kann. Auch wenn ein Arbeitskampf stattfindet im Spannungsverhältnis zwischen gewerkschaftlichem Protest und der Arbeit mit Menschen, wie es immer im Sektor der erwerbsförmig organisierten Carearbeit ist. Ob im Bereich der Erziehungs- und Sozial-arbeit, in der Pflege oder der Assistenz.

    Genau diese solidarische Mobilisierung will unser regionales Netzwerk vorantreiben. Als konkreten Sektor wollen wir uns auf den Bereich der Pflege konzentrieren und die Aktionskampagne  „Bundesweite Gefährdungsanzeige“ unterstützen.

    Sie ist bereits in der Startphase und wird ihren Höhepunkt am kommenden internationalen Pflegetag, dem 12. Mai 2017, erreichen.

    Warum Flüchtlingsheime menschenunwürdig und Hebammen bald Geschichte sind.

    Ein Diskussionsabend für Care Revolution Potsdam.

     

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    Warum sind Flüchtlingsheime menschenunwürdig und besonders für Frauen und Kinder problematisch? Warum könnte der Hebammen-Beruf bald Geschichte sein? Und was hat beides eigentlich miteinander zu tun?

    Antworten darauf gibt die Auftaktveranstaltung Care Revolution in Potsdam am Montag, den 28.11.2016 ab 18:00 Uhr. Im Projekthaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße 164 informieren Elizabeth Ngari von Women in Exile, Martina Schulze vom Hebammenverband Brandenburg und Barbara Fried vom Netzwerk Care Revolution über die Lebensbedingungen von Frauen und Kindern in den Flüchtlingsunterkünften, über die berufliche Situation der Hebammen und über die Möglichkeiten politischer Einmischung, über Solidarisierungs- und Unterstützungsstrategien.

    Dabei sind auch weitere Initiativen und Themen herzlich willkommen! Erziehung und Versorgung von Kindern, Pflege von alten und kranken Menschen, Assistenz von Menschen mit Behinderung – diese und viele weitere Tätigkeiten sind Aspekte von Care als Sorgearbeit für- und miteinander. Wir wollen uns zusammenschließen und gemeinsam für eine Verbesserung unserer Arbeits- und Lebensbedingungen einsetzen.

    +++ Warum Flüchtlingsheime menschenunwürdig und Hebammen bald Geschichte sind. weiterlesen

    Bundesweites Netzwerktreffen am 22.10 und 23.10.2016 in Hamburg

    Am 22. und 23. Oktober 2016 findet das nächste bundesweite Care Revolution Netzwerktreffen in Hamburg statt. Am Samstag, den 22.10. tagen wir von 12 bis 20 Uhr, am Sonntag, den 23.10. von 10 Uhr bis 15 Uhr. Am Samstag gibt es um 11.30 Uhr eine Einführung für Personen, die sich neu für das Netzwerk Care Revolution interessieren. Am Vorabend des Netzwerktreffens findet ab 18.30 Uhr eine Diskussionveranstaltung zu Pflege, Gesundheit und Alltag als politische Kampffelder statt, veranstaltet vom Netzwerk Care Revolution Hamburg.

    Alle weitere Informationen sind hier zu finden.

    Interview: Eine Kampagne stellt sich vor – Bundesweite Gefährdungsanzeige!

    Beitrag in der Reihe Perspektiven.

    Mit Gefährdungsanzeigen können (berufliche) Pflegende bei Überlastung oder Personalmangel auf personengefährdende Situationen hinweisen. Mit der Aktionskampagne „Bundesweite Gefährdungsanzeige“ möchten beruflich und familiär Pflegende nun gemeinsam ihre Forderungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, auf ihre schwierige Lage hinweisen und Veränderungen anstoßen. In einem Interview stellt Roger, von „Pflege am Boden – Frankfurt“, die Kampagne für uns vor.

    Anna (vom Care Revolution Netzwerk): Wir sind heute verabredet, um über Eure aktuell geplante Kampagne zu der schwierigen Situation in der Pflege zu sprechen. Am besten fangen wir einfach mal an: Was ist das für eine Kampagne die ihr plant, worum geht es Euch und auf welchem Planungsstand befindet Ihr Euch aktuell? Noch ist es ja gar nicht wirklich losgegangen.

    Roger: Ja, wir stellen zurzeit die Flyer fertig. Dafür entwickeln wir konkrete gemeinsame Forderungen. Und in die Flyer haben wir ein Anschreiben an die Politik integriert, das als „bundesweite Gefährdungsanzeige“ dient. Diese Flyer werden wir zeitnah in drei unterschiedliche Varianten veröffentlichen und in Umlauf bringen. Darin werden wir von den schwierigen Situationen in der Krankenhauspflege, der Altenpflege und aus Sicht der pflegenden Angehörigen berichten. Denn diese unterschiedlichen Felder umfasst unsere Kampagne „bundesweite Gefährdungsanzeige“.

    Mit den drei verschiedenen Bereichen, die wir abdecken, werden durch die unterschiedlichen Kampagnenbeteiligten auch die drei großen gesellschaftlichen Pflegebereiche zusammen gebracht und entgegen der normalen Vorgehensweise geht es uns hier nicht um das Trennende, sondern in erster Linie um die Gemeinsamkeiten bzw. das Verbindende. Es gibt erst einmal unterschiedliche Vorstellungen, welche Re-Finanzierungsmodelle für den jeweiligen Bereich gut wären, aber gleichzeitig gibt es auch eine gemeinsame Grundbasis und die bietet z.B. die Forderung nach mehr Personal.

    Mehr Personal kommt einerseits den zu Pflegenden und andererseits auch den Angehörigen zu Gute, denn da ist der aktuelle Ist-Stand ja, dass Angehörige ihre zu Pflegenden auch mal in Kurzzeitpflege geben, um bspw. Urlaub zu machen und sich zu erholen. Dann werden sie aber nicht selten von der Kurzzeitpflege im Urlaub angerufen, wenn es Probleme gibt. Und natürlich gibt es mehr Probleme, wenn man weniger Personal und weniger Zeit für die Menschen hat. Das ist ja nicht unbedingt im Sinne des Erfinders, dass man Leute in Obhut gibt um sich im Urlaub zu erholen und sich dann aber dann doch wieder kümmern muss. Das wäre so ein Aspekt.

    Aber auch Patientensicherheit ist ein großes Thema, da gab es z.B. eine Studie die ergeben hat, dass eine Pflegekraft für bis zu 52 Bewohner zuständig ist und auch das ist keine Situation, die menschenwürdige und sichere Pflege unkompliziert möglich macht. Zusammenfassend war und ist es schon eine Herausforderung miteinander aktiv zu werden, aber wir glauben fest daran, dass es uns gelingt „die Einheit in der Vielfalt und die Vielfalt in der Einheit“ zu entwickeln und dies öffentlich zu machen. Dabei ist uns auch wichtig, nicht nur den klassischen gewerkschaftlichen Bereich anzusprechen, also innerbetrieblich zu kämpfen, sondern auch das Außerbetriebliche aufzugreifen.

    Ihr wollt also unterschiedliche Perspektiven mit einbeziehen. Wer ist denn bei Euch mit im Boot, also von wem geht diese Kampagne aus und wer trägt sie aktuell?

    Zum jetzigen Zeitpunkt fest mit drin sind das bundesweite Personenbündnis „Pflege am Boden“, die Bremer Initiative „Pflege steht auf“, dazu die Siegener Gruppe „Wa(h)re Gesundheit – Da hilft nur noch beten?“, die regelmäßig in der Siegener Martini Kirche einen Austausch- und Schutzraum für das Thema bietet, und „WIR! – Vereinigung pflegender Angehöriger in Deutschland e.V.“. Zu guter Letzt ist inzwischen auch noch die „Landespflegekammer Rheinland-Pfalz“ aktiv dabei.

    Da es uns um die Sache geht und nicht um Befindlichkeiten, haben wir im Vorfeld zahlreiche Pflegegruppierungen über die Aktionskampagne informiert (auch Berufsverbände, Gewerkschaften und Selbsthilfeverbände) und können selbstbewusst sagen: die Aktionskampagne „bundesweite Gefährdungsanzeige“ wurde im Vorfeld aktiv beworben.

    Mit einem christlich geprägten Verband sind wir noch im aussichtsreichen Austausch und erwarten in Kürze noch die verbindlichen Rückmeldungen vom Vorstandsbeschluss und in der Zwischenzeit hat sich im Hintergrund noch der Verein „Pflege in Bewegung“ gegründet – der ebenfalls die Kampagne flankieren wird.

    So ist aus der verrückten Idee inzwischen tatsächlich ein breites Bündnis von fünf bis sieben Pflegegruppen geworden, die aktiv dahinterstehen! Und neben den besagten Flyern werden aktuell sowohl eine Homepage als auch eine Facebook-Seite vorbereitet. Es wird dann über die Gruppe der Initiatoren hinaus auf der Homepage den Bereich ‚Kooperationspartner‘ geben, was dann für das Care Revolution Netzwerk oder andere interessierte Gruppen, die sagen wir finden die Idee gut und möchten das gern unterstützen, eine Möglichkeit wäre, die Kampagne aktiv und nach außen sichtbar zu unterstützen. Uns gibt das natürlich die Möglichkeit ein noch breiteres Bündnis aufzubauen.

    Und welche Sachen oder Aktionen sind da gegenwärtig in der Planung? Also was habt ihr in der nächsten Zeit gemeinsam vor?

    Ja, also vielleicht fange ich einmal von hinten an. Die Kampagne wird mit einem Aktionstag am 12. Mai 2017 in Berlin ihren Abschluss finden. An diesem Tag werden wir zum einen die gesammelten Gefährdungsanzeigen an die Politik übergeben und ich kann dazu schon sagen, dass es in Zusammenarbeit mit dem Care Slam aus Berlin eine Abschlussveranstaltung geben wird. Der Startschuss für die Kampagne wird am kommenden Wochenende bei der Streikkonferenz in Frankfurt erfolgen, wo wir das erste Mal mit der Kampagne öffentlich in Erscheinung treten werden und darüber informieren.Weiter geht es dann über die verschiedenen Kanäle wie Homepage, Facebook und die verschiedenen beteiligten Gruppen, die ja wiederum lokal jeweils andere Partner haben.

    Ein nächster Zwischenstopp wird definitiv das Care Revolution Netzwerktreffen im Oktober in Hamburg sein, wo wir ebenfalls informieren werden. Im November haben wir dann in Frankfurt im Haus am Dom mit „UmCare“ einen „sozialpolitischen Thementag“. Hier sind wir u.a. mit der Care Revolution Netzwerkgruppe Rhein-Main vertreten. Und im nächsten Jahr wollen und werden wir dann im März auf jeden Fall beim deutschen Pflegetag präsent sein und weiter für die Kampagne werben.

    Das sind so die größeren und festen Termine wo wir als Aktionskampagne auf jeden Fall sichtbar werden. Welche weiteren Zwischenstationen wir bis Mai finden werden, das entwickelt sich gerade noch konkret, aber Ideen sind reichlich vorhanden.

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    An wen richtet ihr Euch eigentlich mit der Kampagne? Ich meine, steht eher die breite Öffentlichkeit oder eher die Gesetzgebung im Fokus? Oder wollt ihr überhaupt erst mal die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es da verbindende Problemlagen gibt?

    Gut, dass Du das ansprichst, es ist nämlich wirklich vielschichtig, denn im Grunde genommen wollen wir alles miteinander verbinden. Zum einen ist es so, dass die ganzen Gesetze kamen: Pflegestärkungsgesetz 1, Pflegestärkungsgesetz 2 und jetzt steht 3 kurz bevor und dies wiederum sieht weitreichende Umverteilungen und Veränderungen vor, die nicht unbedingt die tatsächlichen und aktuell dringendsten Probleme aktiv angehen.

    Ein Beispiel ist, dass auch festgelegt wurde, dass man sich bis 2020 einigen darf, welche Personalbemessungsinstrumente sinnvoll sein könnten, um dann über mehr Personalstellen nachzudenken. Hiermit hat der Bund erfolgreich die Verantwortung an die Länder abgegeben Aber da wir jetzt das Jahr 2016 haben bleibt die Frage, was denn bis dahin passieren kann und soll? Wir brauchen nämlich jetzt schon mehr Personal und nicht erst 2020! Somit ist das erste Anliegen, den Gesetzgeber in die Pflicht zu nehmen und das geht eben nur durch bundesweite Aktionen und Bündnisse.

    Darüber hinaus geht es uns aber auch darum, in der Öffentlichkeit die Gesellschaft über die schwierigen Zustände zu informieren und dabei gleichzeitig zu betonen, dass Pflege ein gesellschaftlicher Wert ist. Hier dürfen –nein, müssen – wir uns die Fragen stellen: Erstens, was ist gute Pflege? Und zweitens, was ist uns gute Pflege wert?

    Denn unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen ist gute Pflege grundsätzlich möglich, aber nur mit Selbstaufopferung und dann ist es noch so, dass diese nicht belohnt wird.

    Finanziell belohnt wird derzeit eher die schlechte Pflege – d.h. wenn ich das Personal mit fraglichen Arbeitszeitmodellen beschäftige, in fraglichen Lohnverhältnissen einstelle und den Zeitdruck erhöhe, dann bin ich produktiv und fahre Gewinne ein. Dabei ist es egal, ob ich ein kleiner privater Pflegedienst bin oder ein großer Konzern. Hierunter leiden sowohl die zu Pflegenden als auch die Pflegenden, beruflich wie familiär, denn sämtliche Einsparungen gehen letztlich zu Lasten von Sicherheit, Gesundheit und Qualität.

    Eine unserer Hauptschwierigkeiten ist gegenwärtig auch die beruflich Pflegenden zu mobilisieren, weil die sich zunehmend zwischen ‚Cool out‘ und ‚Burn out‘ bewegen und dazwischen liegt oft noch die Mobbing-Thematik, da jemand der auf Missstände aufmerksam macht oft als Nestbeschmutzer gesehen wird. Beruflich Pflegende befinden sich also in einem Spannungsfeld zwischen absoluter Abstumpfung a la „ich verrichte meinen Dienst jeden Tag – Hauptsache er geht rum“ und zwischen ausgebrannt sein, weil man sich zu sehr für die Bedürftigen und das System aufgeopfert hat.

    Die pflegenden Angehörigen sind aber auch ein enorm wichtiger Part, denn das sind sehr, sehr viele in diesem Land – im Grunde sagt man gerne sie sind „der größte Pflegedienst Deutschlands“. Hier sind geschätzt 2,4-4 Millionen Menschen aktiv beteiligt, darunter überwiegend Frauen, aber auch zunehmend Kinder und Jugendliche. Und der Dank für dieses Engagement ist zunehmend Altersarmut – das werden vermutlich auch die aktuellen Bestrebungen der Gesetzgebung nicht so schnell umkehren, obwohl es hier Signale in die richtige Richtung gibt.

    Die beruflich Pflegenden, mit ca. 1-1,5 Millionen Menschen, und die pflegenden Angehörigen gemeinsam aus der isolierten Anonymität rauszuholen und auch mit auf die Straße zu bringen, das ist ein weiteres wichtiges Anliegen. Gemeinsamkeit stärken und Solidarität entwickeln – um deutlich zu machen, dass wir alle im selben Boot sitzen. Denn von der Wiege bis zur Bahre: Pflege kann jeden treffen!

    Ja, super, das ist wirklich ein gutes Anliegen. Das ist ja letztendlich auch das was Care Revolution immer so im Kopf hat. Also zu schauen, dass diese unterschiedlichen Ebenen nicht gegeneinander ausgespielt werden, also beispielsweise die beruflich Pflegenden und die familiären sich wechselseitig ihre Arbeit nicht anerkennen. Sondern stattdessen gemeinsam zu versuchen an den schlechten Rahmenbedingungen etwas zu verändern und zusammen auf die Straße zu gehen.

    Die bisherigen Spaltungen rückgängig machen wird schlecht klappen, aber gegenseitig um Verständnis füreinander zu werben und gleichzeitig zu sagen: „wir sitzen im selben Boot“, das dürfte möglich sein und dafür setzen wir uns ein. Dann geht es in einem weiteren Schritt eben auch darum, sich nicht nur im Pflegebereich einzusetzen, sondern auch darüber hinaus. Und von daher ist die Kampagne, denke ich, auch ein Stück weit ein Vorgriff auf einen perspektivischen Schritt der dann als nächstes kommen könnte, dass man eben die anderen Berufsgruppen und Sorgenden mit reinbringt. Das ist ja auch das Anliegen von Care Revolution. Also das wäre denke ich der nächste Schritt, mit einer größeren Kampagne die ganzen Care-Bereiche gemeinsam mal ein bisschen schlagkräftiger werden zu lassen.

    Denn im Krankenhaus geht es ja im Prinzip auch schon wieder weiter mit der Spaltung. Die Berliner Charité hat für mehr Personal gekämpft und einen Tarifvertrag ausgehandelt und der wurde auch gefeiert als Meilenstein in der Pflege. Gleichzeitig müssen jetzt die Tochtergesellschaften irgendwie aktiv werden, weil man in diesen anderen Bereichen der Krankenhäuser versucht, das einzusparen und im Zweifelsfall dann argumentieren könnte, ja die Pflege kriegt mehr Geld, deswegen kriegt ihr jetzt weniger. Deswegen ist Solidarität da sehr wichtig.

    Ja und dann haben wir ja auch mal darüber gesprochen, dass sich diese Ökonomisierung des sozialen Bereichs, nicht auf Deutschland beschränkt. Und das es insofern auch darum gehen müsste das nicht nur auf Deutschland beschränkt, sondern auch auf einer europäischen oder internationalen Ebene zu denken und anzugehen.

    Ja, klar. Es gibt ja zum Beispiel auch in der Schweiz, in Österreich oder in den USA Bewegung in diesem Bereich. Und Polen und die anderen osteuropäischen Länder werden auch noch Schwierigkeiten haben, denn da gibt es zwar viele Fachkräfte, aber davon wandern gleichzeitig viele ab zu uns. Und diese arbeiten dann hier im „illegalen“, häuslichen Bereich in fragwürdigen Modellen. Das sind ganz viele Wechselwirkungen über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Aber wenn wir nicht vor Ort anfangen, dann wird uns das international noch weniger gelingen. Spannend wäre es natürlich schon z.B. die welche Erfahrungen aus den USA mit ihrer starken Lobby von Angehörigen und in aus Deutschland mit den Gewerkschaften auszutauschen.

    Zurück zu Eurer Aktionskampagne: Unterstützen kann man Euch, indem man die Gefährdungsanzeigen unterschreibt, Kooperationspartner wird oder am 12. Mai 2017 nach Berlin kommt. Gibt es denn darüber hinaus noch Möglichkeiten, wie man Euch unterstützen kann?

    Ja, klar! Jetzt schon Urlaub beantragen!

    Denn für den 12. Mai wünschen wir uns von der Basis aus ganz, ganz viele Menschen auf der Straße, um zu signalisieren, dass die Wende im Pflegebereich eingeläutet werden muss. Konkret geplant ist eben ein Abschluss mit Care Slam und dass wir an diesem Tag gesammelte Briefe an die Politik übergeben. Dafür sollen auch Busse aus anderen Bundesländern nach Berlin organisiert werden. Aber das ist aktuell noch in der Planung.

    Darüber hinaus gibt es aber natürlich die Möglichkeit unsere Kampagne über die virtuellen Kanäle zu verteilen und zu unterstützen. Auf der Homepage wird es einen Download-Bereich geben, wo man sich die Kampagnenmaterialien und die verschiedenen Flyer runterladen kann. Zusätzlich werden noch Aufkleber kommen, die Sichtbarkeit herstellen sollen. Und natürlich können unterschiedliche Zwischenaktionen gemacht werden. Als Kooperationspartner sind alle aufgerufen, nicht nur stille Follower zu sein, sondern auch eigene Ideen mit einzubringen und vielleicht lokal Aktionen zu initiieren. Wir wünschen uns viele bunte und kreative Aktionen und freuen uns über viele Leute, die sich noch einbringen möchten!

    Vielen Dank, Roger, für dieses motivierende Interview und ich wünsche Euch noch viel Erfolg mit Eurer Kampagne!

    Das Private ist politisch – immer noch! oder: Wenn der (Arbeits-)Alltag zur Krise wird

    Diese Veranstaltung findet im Rahmen der Wandelwoche am 12. Oktober von 16:00 bis 19:30 in der HafenCity Universität Hamburg (HCU) im Projektraum 2.102, Überseeallee 16 statt.

    Überlastung in Pflegeberufen, Unsichtbarkeit von Reproduktionsarbeit, Zeitstress und Angst vor Altersarmut haben vieles Gemein. Sorgearbeit, Pflege, Erziehung etc. lassen sich nur schwer verwerten und geraten daher heutzutage unter massiven Spar- und Zeitdruck. Sie werden zu großen Teilen von Frauen geleistet und zumeist schlecht oder gar nicht bezahlt. Wir erleben die Krise der sozialen Reproduktion, wenn im Krankenhaus niemand mehr Zeit für ein Gespräch hat, neben dem Job noch die Kinder zu managen sind und die Selbstsorge auf der Strecke bleibt oder der Lohn einer Assistenzstelle kaum zum Leben reicht. In diesem Workshop wollen wir uns mit unseren Alltagerfahrungen, mit sozialen Kämpfen im sozialen Bereich und dem Ansatz des Netzwerk Care Revolution auseinander setzen.

    Weitere Infos unter:

    http://wandelwoche.org/hamburg/termine/das-private-ist-politisch-immer-noch-oder-wenn-der-arbeits-alltag-zur-krise-wird/

     

    Diskussionsveranstaltung: Pflege, Gesundheit und der Alltag als politische Kampffelder

    hamburg

    • am 21.Oktober 2016, um 18:30 Uhr
    • Gängeviertel Fabrique, Valentinskamp 34a (Zugang über die Speckstraße)
    • Nähe U-Bahn Gänsemarkt. Die Räume sind barrierefrei nutzbar.

     

    Vielen Menschen gelingt es nicht, die Anforderungen im Alltag und die notwendige Selbstsorge sowie die Sorge für Kinder, unterstützungsbedürftige Zugehörige oder Freund_innen mit ihren Vorstellungen eines guten Lebens zu verbinden. Was als individuelles Versagen gegenüber den alltäglichen Anforderungen erscheint, ist Folge der Abwertung von Sorgearbeit im Kapitalismus  und  einer neoliberalen  Krisenbearbeitung. Und dies hat auch Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen in den sogenannten Care-Berufen (Pflege, Erziehung, Soziale Arbeit,…) und die Ausgestaltung der sozialen  Infrastruktur.

    Doch es gibt auch Initiativen und Auseinandersetzungen, die dem etwas entgegen setzen:  Beispielsweise am Charité-Krankenhaus in Berlin, wo ein erfolgreicher Arbeitskampf für verbesserte Arbeitsbedingungen geführt wurde. In Form von Unterstützung durch stadtteilbezogene Selbsthilfe oder dem Projekt, eine solidarisch arbeitende Poliklinik in Hamburg zu errichten. Oder  auch mit dem Netzwerk Care Revolution, welches eine grundlegende Neubewertung und Neuorganisation von Sorgearbeit anstrebt, die bisher überwiegend un- oder schlecht bezahlt von Frauen geleistet wird.

    In dieser Veranstaltung möchten wir mit unterschiedlichen Initiativen gemeinsam über Organisierungsformen, Erfahrungen aus der Praxis und verschiedene politische Strategien diskutieren. Wo sehen wir Gemeinsames, was sind Ansatzpunkte, um für eine  Umbewertung von Sorgearbeit zu streiten, wie sehen feministische Perspektiven aus und was können wir voneinander lernen?

    Hierfür haben wir eingeladen:

  • Jette Hausotter (AK Reproduktion, Ko-Kreis des Netzwerk Care Revolution)
  • Jannike Hansen (Wilhelmsburg Solidarisch)
  • Julia Dück (Bündnis «Berlinerinnen und Berliner für mehr Personal im Krankenhaus»)
  • Anh-Thy Nguyen (Poliklinik Hamburg)
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    Keine Kriminalisierung von Sexarbeiter_innen!

    Beitrag in der Reihe Perspektiven von der Regionalguppe Berlin des Netzwerks Care Revolution (Dieser Artikel ist in verkürzter Version erschienen in Analyse & Kritik 617.) (Artikel als PDF)

    Foto: Javi. CC-BY-SA. Mit dem neuen ProstSchG werden Sexarbeiter_innen mehr und mehr in die Illegalität getrieben - unsichtbarer und damit noch angreifbarer.
    Foto: Javi. CC-BY-SA.
    Mit dem neuen ProstSchG werden Sexarbeiter_innen mehr und mehr in die Illegalität getrieben – unsichtbarer und damit noch angreifbarer.

    Das sogenannte Prostituiertenschutzgesetz

    Ausgerechnet am International Sex Workers’ Day, dem 2. Juni 2016, fand im Bundestag die erste Lesung des geplanten Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) statt. Wie zahlreiche Prostituierte und Unterstützer_innen vor dem Bundestag deutlich machten, war es ignorant, dass an dem Tag, an dem weltweit Prostituierte auf den Kampf um ihre Rechte aufmerksam machen, das umstrittene Gesetz das erste Mal gelesen wurde. Am 7. Juli wurde das Gesetz verabschiedet. Wieder riefen Prostituierte und Unterstützende zu Protesten vor dem Bundestag auf. Die Regionalgruppe Berlin des Care Revolution Netzwerkes unterstützte die Proteste. Vier Informationsveranstaltungen zum ProstSchG in Berlin und Potsdam waren während des Gesetzgebungsverfahrens von der Netzwerkgruppe organisiert worden. Und im Rahmen eines Abends mit politischen und kulturellen Beiträgen wurde ein gemeinsamer Blick auf Sexarbeit und bezahlte und unbezahlte Pflegearbeit geworfen. Denn Sexarbeit wird von der Regionalgruppe als Care-Arbeit betrachte wenn es z.B. darum geht, Menschen mit Behinderung durch Sexualassistenz überhaupt zu ermöglichen, sexuell aktiv zu sein. Die Frage, die darüber hinaus gestellt werden muss, lautet: Wo fängt Care-Arbeit an wo hört sie auf? Sind also zum Beispiel auch die Dienstleitungen, die man im Bordell kaufen kann, im Bereich der Care-Arbeit anzusiedeln? An diesem Punkt sind sich die Aktiven der Gruppe allerdings nicht einig: Die einen streiten für eine generelle Aufwertung von Sexualität, da sie Sexualität als Teil von menschlichen Grundbedürfnissen ansehen, als einen Aspekt des ‚guten Lebens für alle‘. Andere betrachten es zwar in jedem Fall als legitim, wenn sich Sexarbeiter_innen entschließen im Bordell zu arbeiten, würden aber den Sexarbeitsbereich jenseits der Sexualassistenz nicht per se als Care-Arbeit bezeichnen. Diese und andere Fragen und Widersprüche sollte die oben erwähnte Veranstaltung in der Werkstatt der Kulturen der Welt in Berlin thematisieren. Zudem ging es um Fragen, wie die Auseinandersetzungen im Care-Bereich miteinander verbunden werden könnten, das Sprechen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede und einer Aufwertung aller Pflege- und Sorgearbeit zu bewirken.

    Beratungsstellen für Sexarbeiter_innen wie move e.V., Hydra e.V., Doña Carmen e.V. und die Berufsverbände BSD e.V. und BesD e.V. etc. kritisieren das Gesetz scharf. Prostituierte sehen sich hier mit einer überholten und bevormundenden Opferrhetorik durch SPD und CDU/CSU konfrontiert, die unterschiedliche Lebensrealitäten von Prostituierten bewusst ausblendet. So geht die Koalition z.B. von einer besonderen Schutzbedürftigkeit von Prostituierten mit Migrationshintergrund aus, die ohne Bildung und berufliche Perspektive nach Deutschland kämen und hier aufgrund ihrer schwachen Position schnell Opfer der sogenannten Sexindustrie würden. Diese Seite der Sexarbeit, nämlich die erzwungene, ist selbstverständlich nicht von der Hand zu weisen und es ist vollkommen klar, dass es diese zu bekämpfen gilt. Dennoch koexistieren freiwillige und erzwungene Sexarbeit nebeneinander. Zwischen diesen beiden Polen gibt es außerdem viele Graustufen und Zwischenschritte. Diese Gleichzeitigkeit zu ignorieren und nicht anzuerkennen, vielmehr zu suggerieren, dass Sexarbeit im Grunde immer ‚falsch‘ sei, ist eine Haltung, die auch antifeministische Züge trägt, da sie berufstätige, selbstständige Frauen entmündigt; ihnen wird erklärt, dass das, was sie tun, eigentlich falsch sei, Sexarbeiter_innen also quasi vor sich selbst geschützt werden müssten.

    BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE lehnen den Entwurf indes ab. Bis 2002 hatten Prostituierte in der Bundesrepublik übrigens kaum Rechte – so konnten sie z.B. ihren Lohn nicht einklagen. Das hat sich etwas verbessert, als von der rot-grünen Bundesregierung das Prostitutionsgesetz (ProstG) eingeführt wurde. Seitdem sind die Vereinbarungen zwischen Prostituierten und ihren Kund_innen nicht länger sittenwidrig und damit nicht mehr zivilrechtlich unwirksam. Weiter können und sollen die Sexarbeiter_innen in die Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenkasse einzahlen.

    … verhindert kollektive Organisierung

    Das neue Gesetz sieht vor, dass Prostitutionsstätten, in denen mehr als zwei Menschen arbeiten, eine Gewerbeerlaubnis einholen müssen. Diese Regelung wird zur Folge haben, dass viele Betreiber_innen von kleinen Wohnungsbordellen schließen müssen, da sie die Auflagen (getrennte Sanitärbereiche etc.) zur Anmeldung eines Gewerbes nicht erfüllen können. Neben dieser Erlaubnispflicht für Gewerbestätten greift im Kontext der Bordellbetreibung das Baurecht, das Bordelle als Vergnügungsstätten nur in Kern-, Gewerbe- oder Industriegebieten duldet. Konsequenz wird sein, dass es keine legale Wohnungsprostitution mehr geben wird. Gerade in Wohnungsbordellen haben Sexarbeiter_innen allerdings bislang die Möglichkeit selbstständig, flexibel, ohne Zwang und im Kollektiv mit anderen Prostituierten zu arbeiten. Laut einer Schätzung von Hydra e.V. sind zum Beispiel in Berlin 80% aller Prostitutionsstätten Wohnungsbordelle, die nun größtenteils werden schließen müssen. Großbordelle dagegen werden die Auflagen erfüllen können.

    … weitet Kontrolle und Repression aus

    Darüber hinaus werden sich Prostituierte neuen Sonderkontrollen durch den Staat unterziehen müssen: Sie müssen sich fortan alle zwei Jahre individuell mit Familiennamen registrieren lassen und die Bestätigung dessen mit sich tragen, quasi einen „Prostituiertenausweis“. Die Daten zur Erstellung des Ausweises werden bei der Behörde gespeichert. Daten über die Sexualität von Personen zu sammeln, ist allerdings brisant, denn wie die Daten durch die jeweiligen Behörden ausreichend geschützt werden sollen, lässt der Entwurf offen. Darüber hinaus ist zu fragen: Wer wird einen „Prostituiertenausweis“ beantragen? Sicherlich werden sich nicht die Prostituierten ohne Papiere, die illegal in Deutschland leben, bei einer Behörde anmelden, denn diese müssten Verhaftungen befürchten. Auch Betroffene von Menschenhandel werden sich nicht anmelden, ebenso wenig die vielen Prostituierten, die in kleinen Bordellen z.B. in der Wohnungsprostitution arbeiten, welche die neuen Voraussetzungen für eine Gewerbeerlaubnis nicht erfüllen können. Auch die Prostituierten in kleineren Städten werden zum Teil auf eine Anmeldung verzichten. Da der Schutz der Anonymität der Großstadt fehlt, droht hier das zwangsweise Outing. Das Hurenstigma wirkt fort. Es ist auch im Jahr 2016 durchaus eine gesellschaftlich anerkannte Praxis, Menschen, die den Beruf der Sexarbeit ausüben, öffentlich zu diffamieren.

    Mit dem ProstSchG wird also vor allem eine Verdrängung der Wohnungsprostitution bewusst in Kauf genommen. Prostitution soll fortan explizit in Großbordellen stattfinden und somit besser kontrolliert werden können. Doch das Gegenteil ist zu erwarten. Prostitution wird verstärkt im Verborgenen stattfinden. Wer im Verborgenen arbeitet, ist dem Druck durch Kund_innen und Zuhälter_innen stärker ausgeliefert und ist erpressbarer. So wirkt das Gesetz vor allem repressiv statt ermächtigend auf die Arbeitenden.

    Gegenwind bekommt das Gesetz aber auch von Alice Schwarzer und anderen selbsternannten „Abolitionist_innen“, denen der Entwurf in Sachen Sondergesetze für Prostituierte noch zu lasch ausfällt. Ähnlich argumentiert Gunhild Mewis in der Zeitung Analyse und Kritik u.a. für ein generelles Sexkaufverbot und eine Strafverfolgung der Kund_innen. Diese Positionen, die in der Debatte um das Gesetz einige Aufmerksamkeit bekommen haben, zeichnen sich durch eine unrealistische Analyse der vielfältigen Lebensverhältnisse in der Prositution aus. In einer Rhetorik der Pauschalabwertung werden Prostituierte per se entweder als „Überlebende“ (dieses und alle folgenden Begriffe in Anführungszeichen stammen aus dem eben zitierten Artikel von Gundhild Mewes in AK 616) der Prostitution dargestellt oder als „Privilegierte“, die freiwillig dort arbeiten, wo andere gezwungen werden, wie „Sklav_innen“ zu vegetieren. Dabei ist auch die Forderung nach Repressionen gegen Privilegierte rückschrittlich, handelt es sich doch bei den genannten Privilegien nicht selten um erkämpfte Rechte (das Recht auf selbstbestimmtes Ausleben von Sexualität, das Recht, über den eigenen Körper bestimmen zu können, das Recht, freiwillig als Sexarbeiter_in zu arbeiten usw.), die unbedingt für alle gelten sollten. Die Debatte wird sogar bewusst polarisiert, um sich selbst als moralisch ’sauber‘ präsentieren zu können im Gegensatz zu einem vermeintlichen Gegenüber, „den linken Helfern der Sexindustrie“. Mewis und andere scheinen sich somit lieber Schattenkämpfen um die Aufwertung des eigenen Images hinzugeben, als einen tatsächlichen und politischen Realitätscheck zu vollziehen. Eine Bauchnabelschau a là „wer hat die reinere Weste?“ hilft den Sexarbeiter_innen aber nicht weiter.

    … verbessert die Lage der Sexarbeiter_innen nicht

    Es gibt verschiedene Gründe für Menschen, einer Sexarbeit nachzugehen – oftmals stehen ökonomische Motive, Armut und Perspektivlosigkeit dahinter. Diese Gründe treffen auch auf andere Berufe zu. Die moralisierende Behauptung, dass Prostitution an sich immer ein patriarchaler Akt der Gewalt an Frauen und daher grundsätzlich abzulehnen sei, kann deshalb nicht als Ausgangspunkt in der politischen Auseinandersetzung dienen. Es sollte weniger um Zugehörigkeiten, entsprechende Privilegien und individuelles Schuldbewusstsein gehen, sondern um ungleiche Rechte, die zu diesen Verhältnissen führen. Im Mittelpunkt sollten also Forderungen nach Rechten für Migrant_innen (Arbeitserlaubnis, Bildung etc.) und für Prostituierte, wie die Abschaffung der Sperrbezirksverordnungen, des Prostituiertenausweises und der polizeilichen Sonderrechte, stehen. Dazu müssten grundsätzlich Selbsthilfe, Professionalisierung und mehr bedarfsgerechte Beratungsstellen installiert werden. Zudem ist der starke ökonomische Druck, der tagtäglich auf Menschen lastet, nicht auszublenden. Es ist kein Geheimnis, dass die Stärkung der Rechte von Arbeitenden und die Möglichkeit sich zu organisieren, sich auszutauschen und sich zu beraten, dazu führen, dass weniger Zwang auf Einzelne ausgeübt werden kann. Daher ist neben einer Selbstermächtigung der Prostituierten auch die Stärkung der Position der Prostituierten als Arbeitnehmer_innen durch u.a. die Dienstleitungsgewerkschaft ver.di ein wichtiges politisches Handlungsfeld.

    … und muss deshalb zurückgenommen werden weiterlesen

    Tarifvertrag für Gesundheitsschutz und Mindestbesetzung an der Charité Berlin

    Beitrag in der Reihe Perspektiven von Matthias Neumann (Artikel als PDF)

    Die Charité ist ein gemeinsamer Betrieb der Berliner Universitätskliniken. Hier erkämpften die Beschäftigten im Mai 2016 einen Tarifvertrag über eine Mindestpersonalbemessung auf den Pflegestationen. Dieser Tarifvertrag ist über Jahre gegen anhaltenden Widerstand durchgesetzt worden und wird, so sieht es momentan aus, zum Vorbild für Arbeitskämpfe in anderen Krankenhäusern. An der Auseinandersetzung, die an der Charité geführt wurde, ist vieles neu und besonders. Dies soll im Folgenden dargestellt werden.

    Foto: Nate Pischner. Lizenz: CC-BY. Auf der gemeinsamen Konferenz UmCare (16.-18.10.2015) von Care Revolution, der Rosa Luxemburg Stiftung und DIE LINKE kamen Menschen aus der Wissenschaft, der Politik und dem Aktivismus zusammen, um gemeinsam nach Strategien für Gesundheitsarbeit, Pflege und Assistenz zu suchen. Auf der gemeinsamen Protestaktion knüpften einige Teilnehmer_innen ein symbolisches Netz und drückten in kämpferischen Redebeiträgen und selbstgebastelten Schildern ihre Wut über den alltäglichen Zeit- und Gelddruck im Gesundheits- und Pflegebereich aus.
    Foto: Nate Pischner. Lizenz: CC-BY.
    Auf der gemeinsamen Konferenz UmCare (16.-18.10.2015) von Care Revolution, der Rosa Luxemburg Stiftung und DIE LINKE kamen Menschen aus der Wissenschaft, der Politik und dem Aktivismus zusammen, um gemeinsam nach Strategien für Gesundheitsarbeit, Pflege und Assistenz zu suchen. Auf der gemeinsamen Protestaktion knüpften einige Teilnehmer_innen ein symbolisches Netz und drückten in kämpferischen Redebeiträgen und selbstgebastelten Schildern ihre Wut über den alltäglichen Zeit- und Gelddruck im Gesundheits- und Pflegebereich aus.

    Dass ein Arbeitskampf geführt wird mit dem Ziel, mehr Pflegekräfte auf den Stationen einzusetzen, ist ungewöhnlich und ist eine Reaktion auf den massiven Arbeitsdruck, dem Pflegende im Krankenhaus ausgesetzt sind. Diese Belastung ist nicht durch den Arbeitsinhalt erzeugt, sondern durch den Rahmen, in dem das Pflegepersonal seine Arbeit tut. Und dieser Rahmen ist mit der Einführung von Fallpauschalen 2004 massiv zulasten der Pfleger_innen verändert worden. Fallpauschalen bedeuten, dass jedem Krankheits- und Verletzungsfall über das DRG (Diagnosis Related Group)-System ein Aufwand zugeordnet wird, gemäß dem das Krankenhaus eine Vergütung erhält. Während die Einstellung zusätzlicher Ärzt_innen zusätzliche abrechenbare Leistungen, beispielsweise Operationen, nach sich zieht, stellen Pflegekräfte in diesem System einen reinen Kostenfaktor dar; es rentiert sich, ihre Arbeit so umfassend wie möglich zu verdichten und zu rationalisieren.

    Die ins Unerträgliche wachsende Arbeitsbelastung der Pfleger_innen thematisierte die Gewerkschaft ver.di im April 2011 mit der Kampagne „Der Druck muss raus“ für bessere Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern. Dabei zielte die Gewerkschaft auf eine gesetzliche Regelung von Mindeststandards bei der Besetzung der Stationen mit Pflegekräften ab. Auf diese Weise sollte eine Allgemeingültigkeit der Mindestbesetzung erreicht werden, so dass Krankenhausunternehmen nicht durch den Einsatz von weniger Pflegekräften Kostenvorteile erzielen. Die Betriebsgruppe der Charité entschied sich, nicht auf die Durchsetzung einer gesetzlichen Regelung zu warten, sondern einen Tarifvertrag zur Mindestbesetzung der Stationen anzustreben. Damit ließ sich im Unterschied zu einer Kampagne für ein Gesetz auch das Mittel des Arbeitskampfes ein. Kern der Forderungen an der Charité war ein Personalschlüssel auf den Stationen von einer Pflegekraft zu fünf Patient_innen, auf Intensivstationen war das Ziel ein Verhältnis von 1 zu 2.

    Foto: Fraktion DIE LINKE. im Bundestag. Lizenz: CC-BY. ver.di-Charité-Streik-Demo am 23.06.2015 vor dem Bundestag
    Foto: Fraktion DIE LINKE. im Bundestag. Lizenz: CC-BY.
    ver.di-Charité-Streik-Demo am 23.06.2015 vor dem Bundestag

    Vom Start der Kampagne „Der Druck muss raus“ bis zur Aufnahme von Tarifverhandlungen dauerte es dann drei Jahre, in denen die Leitung der Charité systematisch Verhandlungen verzögerte und verweigerte. Im April 2016 setzten die Charité-Beschäftigten einen Tarifvertrag zu Gesundheitsschutz und Mindestbesetzung durch. Mit großer Mehrheit (knapp 90 Prozent) stimmten die Gewerkschaftsmitglieder dem Vertrag zu. Für Intensivstationen (1:1 bis 1:3) und für die Kinderklinik (1:6,5) wurden Personalschlüssel festgelegt. Für die „Normalpflegestationen“, drei Viertel der Stationen der Charité, wurde dies nicht erreicht. Jedoch gibt es Orientierungswerte, deren Einhaltung ein paritätisch besetzter Gesundheitsausschuss und eine neutrale Ombudsperson sicherstellen sollen. Die Sperrung von Betten ist möglich, wenn die festgelegten Mindeststandards bei den Arbeitsbedingungen nicht eingehalten werden. Dies hätte finanzielle Einbußen für das Unternehmen zur Folge. Dieser Vertrag, weiterhin ein Kompromiss, läuft zunächst bis Juni 2017.

    Schon das Ergebnis der jahrelangen Auseinandersetzung ist bemerkenswert und Neuland. Darüber hinaus ist jedoch vieles an der Auseinandersetzung selbst auch lehr- und hilfreich für Care-Aktive innerhalb und außerhalb der Krankenhäuser. Drei Bereiche scheinen mir besonders wichtig zu sein:

    1. Es zeigte sich, dass der neoliberale Umbau der Krankenhausfinanzierung, der die Pfleger_innen den Auswirkungen des Kostendrucks aussetzt, die Krankenhausbetriebe in Arbeitskämpfen angreifbarer macht. Im Streik 2011, in dem die schrittweise Wiederangleichung der Löhne an den Tarifvertrag des öffentlichen Diensts durchgesetzt wurde, erzwangen die Streikenden die Schließung von 40 Stationen mit knapp der Hälfte der Betten an der Charité, gleichzeitig fielen 90% der Operationen aus.[1] Mit dieser Strategie nutzten sie den Umstand, dass dem Krankenhaus nach dem Prinzip der Fallpauschalen durch jede ausgefallene Operation und jede_n aus Bettenmangel nicht aufgenommene_n Patient_in Einnahmen entgehen. In diesem fünftägigen Streik erlitt die Charité Verluste von ca. 5.5 Millionen €[2]. Gleichzeitig ermöglichten die Stationsschließungen mehr Pflegenden eine Streikteilnahme, da der Notdienst eingeschränkt werden konnte und Pfleger_innen aus dem Dilemma herauskamen, neben ihren Interessen als Lohnabhängige für das Wohl der von ihnen betreuten Menschen verantwortlich zu sein.Dass vergleichsweise kurze Streiks wie 2011 und 2015 oder bereits die glaubwürdige Ankündigung eines Streiks wie 2014 solche Wirkung erzielen, zeigt vermutlich zweierlei: Zum einen macht das System der Fallpauschalen die Krankenhausbetriebe tatsächlich angreifbar, zum anderen musste das Management davon ausgehen, dass die Belegschaft auch einen längeren Ausstand geschlossen durchhalten würde.
    2. Die Krankenhausbeschäftigten waren während der Streiks und auch bei Auseinandersetzungen unterhalb dieser Schwelle in einem Maß einbezogen, das für eine DGB-Gewerkschaft ungewöhnlich intensiv ist. Exemplarisch lässt sich das an drei Beispielen zeigen. Über die Annahme des Tarifvertrags 2014 wurde auf einer öffentlichen Mitgliederversammlung entschieden, auch das Ergebnis der Tarifverhandlungen 2016 legte die Tarifkommission den organisierten Beschäftigten zur Urabstimmung vor. Dies ist längst nicht überall üblich.Während des Streiks 2015 spielten Tarifberater_innen aus der Belegschaft eine wichtige Rolle, die den Informationsfluss zwischen Stationen und Streikleitung herstellten. Aktive auf den Stationen hatten aber auch für den Tarifvertrag 2014 eine zentrale Bedeutung und haben diese auch jetzt wieder. Denn die Rückmeldung, ob die Regelungen zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen führen und ob das Management sie überhaupt einhält, können nur die auf den Stationen Arbeitenden als „Expert_innen in eigener Sache“ geben. Deswegen schätzt Carsten Becker, Vorsitzender der ver.di-Betriebsgruppe, den Tarifvertrag als aktivierend ein: „Wir können uns jeden Tag dafür einsetzen, unsere Arbeitsbedingungen zu verbessern.“[3] Diesen alltäglichen Kampf gegen die Überlastung der Pflegenden unterstützte die Betriebsgruppe schon zuvor mit der „Aktion Notruf“. Hier wurden Stationsteams aufgefordert und dabei unterstützt, Überlastung und Qualitätseinbußen bei der Pflege anzuzeigen und Maßnahmen zur Behebung der Missstände einzufordern. Die Zusammenarbeit mit dem Personalrat gibt den Stationsbeschäftigten ein realistisches Drohpotential in die Hand: Während sie ankündigen, über den Arbeitsvertrag hinausgehende Leistungen zu verweigern, kann der Personalrat die Zustimmung zu Überstunden verweigern. In der Folge kann dies zur Schließung von Stationen führen. Zusätzlich veröffentlichte ver.di im Juni 2015 sieben ausgewählte Notrufe und skandalisierte die Zustände an der Charité auch öffentlich.
    3. Der Wunsch, das Wohl der Patient_innen zu berücksichtigen, wurde von Gewerkschafter_innen häufig als Hemmnis für die Bereitschaft gesehen, in Krankenhäusern und anderen Bereichen entlohnter Sorgearbeit effektive Arbeitskämpfe durchzuführen. Dieses Problem gingen die Aktiven an der Charité auf unterschiedliche Weise an, indem sie deutlich machten, wie durch mangelndes und überlastetes Personal auch Würde und Sicherheit der Patient_innen gefährdet werden: Von Beginn an stellte die Betriebsgruppe den Kampf für mehr Personal auf den Stationen und das Motto „Mehr von uns ist besser für alle“. Auch die Aktion Notruf stellte heraus, wie sich die Unterbesetzung einzelner Stationen auf Pfleger_innen und Pflegebedürftige gleichermaßen auswirkt. Dass solche Probleme an die Öffentlichkeit gebracht werden, ist ein Schritt, der nicht unterschätzt werden sollte.Hier mobilisiert eine Beschäftigtenvertretung gesellschaftliche Unterstützung, indem sie der Geschäftsleitung die Mitwirkung dabei verweigert, die Zustände im Krankenhaus als intakt darzustellen.
    Foto: 123Comics. Lizenz: All rights reserved. Das Bündnis Berlinerinnen und Berliner für mehr Personal im Krankenhaus gründet sich im Juli 2013 um sich mit den Streikenden zu solidarisieren, aber auch, um eigene Interessen an einer guter pflegerischen Versorgung im Krankenhaus durchzusetzen.
    Foto: 123Comics. Lizenz: All rights reserved.
    Das Bündnis Berlinerinnen und Berliner für mehr Personal im Krankenhaus gründet sich im Juli 2013 um sich mit den Streikenden zu solidarisieren, aber auch, um eigene Interessen an einer guter pflegerischen Versorgung im Krankenhaus durchzusetzen.

    Neben diesem allgemeinen Bezug auf Patient_inneninteressen und die Interessen sorgender Angehöriger stellten Gewerkschafter_innen gemeinsam mit Care-Aktiven außerhalb der Charité diesen Bezug auf eine organisatorische Grundlage. Im Juli 2013 gründete sich das

    „Bündnis Berlinerinnen und Berliner für mehr Personal im Krankenhaus“ weiterlesen

    Rest in protest?! Bestattungen als Care Revolution Thema

    Beitrag in der Reihe Perspektiven von Francis Seeck (Artikel als PDF)

    Eine Szene in Berlin: „Parkfriedhof Neukölln: Vor den Feierhallen steht ein Notenständer mit einem Zettel, der den Ablauf der ordnungsbehördlichen Bestattung erläutert: »Beisetzungen am 24.6.2015: 10:45 Waltraud S.; 10:46 Waltraud H.; 10:47; Lieselotte F.; 10:48 Karlheinz K.; 10:49 Andreas D.« Neben dem Notenständer steht ein Bollerwagen, in dem die fünf weißen Urnen zum Grab transportiert werden. Wir gehen zur »Grünen Wiese«. Fünf ausgebuddelte Löcher, davor ist grüner Kunstrasen ausgelegt, auf der linken Seite zwei Schubkarren voll mit Erde. Um 10.45 Uhr kommt der Trauerzug, dieser besteht aus dem Friedhofsgräber und einem Trauergast“. (Seeck 2016: 25)

    Urnengräber vor einer ordnungsbehördlichen Besatttung
    Fünf offene Gräber vor einer ordnungsbehördlichen Bestattung auf dem Parkfriedhof Neukölln. Foto: Francis Seeck, Lizenz: All rights reserved.

    In der BRD gilt die Bestattungspflicht für Tote. Sie liegt bei den Erb_innen und unterhaltspflichtigen Verwandten der Verstorbenen. Dazu zählen „der Ehegatte oder der Lebenspartner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, die volljährigen Kinder, die Eltern, die volljährigen Geschwister, die volljährigen Enkelkinder, sowie die Großeltern“ (Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales 2007). Die finanzielle und soziale Situation der Zugehörigen bestimmt mit, wie Tote verabschiedet und bestattet werden. Neben dem Kampf für ein gutes Leben sollten auch die Bedingungen unter denen Menschen sterben und trauern Thema einer Care Revolution sein.

    Aktuell werden immer mehr arme Menschen in Deutschland, für die keine Zugehörigen die Bestattungspflicht wahrnehmen, ohne Grabstein und Namen, ohne Trauerfeiern und Blumenschmuck von Gesundheits- und Ordnungsämtern bestattet. Auch ihr Hab und Gut wird nach einigen Wochen von den Ämtern entsorgt. Diese Bestattungen nennen sich „ordnungsbehördliche Bestattungen“ oder „Bestattungen von Amts wegen“ und treffen Menschen, die keinen Bestattungsvorsorgevertrag abgeschlossen haben und meistens relativ isoliert und in Armut sterben. Wenn das zuständige Ordnungs- oder Gesundheitsamt innerhalb von einem kurzen Zeitraum, der in Berlin sieben Tage beträgt, keine bestattungspflichtigen Angehörigen ausfindig macht, werden die Verstorbenen anonym bestattet. In Berlin werden jährlich ca. 2000 bis 2500 Menschen auf diese Art und Weise bestattet (vgl. Schäfer 2013). Insbesondere arme Menschen und Menschen, die vereinzelt oder abseits von ‚klassischen‘ Kleinfamilien gelebt haben, sind nach ihrem Tod von dieser staatlichen Beerdigungspraxis betroffen. Die Ausführungsvorschriften des Berliner Bestattungsgesetzes legen fest: „Kosten für eine Trauerfeier, für Redner und für die Ausschmückung der Halle darf das Bezirksamt nicht übernehmen“ (Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales 2007). Teilweise, wie z.B. in dem Berliner Bezirk Neukölln, finden die ordnungsbehördlichen Bestattungen monatlich als Sammelbeerdigung statt (siehe Foto). An jedem ersten Mittwoch im Monat werden dort Menschen im Minutentakt beerdigt. Oft wurden diese Menschen schon zu Lebzeiten durch Klassismus, Rassismus und psychosoziale Normalitätsvorstellungen marginalisiert und gesellschaftlich ausgegrenzt. Einer dieser Menschen war mein Vater Uwe Beier, der vor acht Jahren in Berlin-Neukölln verstarb. Ich erfuhr erst über eine Rechnung des Gesundheitsamtes Neukölln von seinem Tod und der ordnungsbehördlichen Beerdigung. Die Tatsache, dass die Nachlassstelle bereits alle seine persönlichen Gegenstände ‚entsorgt‘ hatte – er hat Gedichte und Geschichten geschrieben und gemalt – mit dem Hinweis diese hätten „keine Kosten gedeckt“, machten mir trauern fast unmöglich. Erst der Austausch mit anderen Angehörigen, Freund_innen von ordnungsbehördlich Bestatteten und Ehrenamtlichen von Kälteschutzeinrichtungen (Notunterkünfte für wohnungslose Menschen) machte mir klar, dass ich mit dieser Geschichte nicht alleine bin. Viele Menschen leiden unter den Bedingungen, unter denen arme Menschen, und insbesondere Menschen die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, sterben und bestattet werden. Diese Bedingungen verunmöglichen ein Recht auf Erinnerung und Trauer und verweigern den Menschen auch nach dem Tod Anerkennung.

    Rückseite einer Trauerhalle
    Rückseite der Trauerhalle auf dem Parkfriedhof Neukölln. Foto: Francis Seeck, Lizenz: All rights reserved.

    Ordnungsbehördliche Bestattungen verstehe ich im Kontext einer zunehmenden Neoliberalisierung des Sterbens. Im Sinne des „Projektes Lebensende“ (Schneider, 2014, S. 130) werden Menschen aufgefordert vorzusorgen und das eigene Lebensende zu planen und zu bezahlen. 2004 wurde das Sterbegeld der gesetzlichen Krankenkassen abgeschafft, welches 1000 Euro im Todesfall bereitstellte. Menschen, die ordnungsbehördlich bestattet werden, wird vorgeworfen, sie wären dem individualisierten Vorsorgeaufruf nicht nachkommen und ihnen bzw. ihren Freund_innen wird die Schuld für die menschenunwürdige Bestattung gegeben.

    Auch wenn Zugehörige die Bestattungspflicht wahrnehmen, können sich viele Menschen die Bestattung ihrer Angehörigen oder Freund_innen nicht mehr leisten. Die Zahl der Sozialbestattungen, bei denen das Sozialamt die Kosten trägt, stieg seit der Abschaffung des Sterbegeldes stark an. Im Jahre 2005 übernahmen die Behörden in Deutschland noch die Kosten von 7.695 Sozialbestattungen, 2011 waren es bereits 23.032 (vgl. Schäfer 2013). Auch hier finanzieren die Ämter meistens weder Blumenschmuck noch Trauerfeier. Laut des Diakonischen Werks haben Sozialbestattungen und ordnungsbehördlich angeordnete Bestattungen inzwischen einen Anteil von ca. zehn Prozent an allen Beisetzungen in Berlin (vgl. Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. 2010). Welche Kosten die Kommune bei einer Sozialbestattung zahlt, kann sie selbst bestimmen. So wird dann in Zeiten von knappen öffentlichen Kassen häufig bei den Sozialbeerdigungen gespart, gleichzeitig steigen jedoch die Friedhofsgebühren. Während die Sozialbehörden der Stadt Dresden bei einer Feuerbestattung für die reine Beerdigungsleistung 1450 Euro zahlen, sind es in Berlin lediglich 750 Euro.

    Die Bestattungspraxis ist in Deutschland von Machtverhältnissen, insbesondere Klassismus, geprägt. Klassismus verstehe ich angelehnt an Andreas Kemper und Heike Weinbach (2009) als individuelle, institutionelle und kulturelle Diskriminierung und Unterdrückung aufgrund des tatsächlichen oder zugeschriebenen sozial- oder bildungspolitischen Status eines Menschen.  So haben Erwerbslose, Arme und Wohnungslose geringe finanzielle Ressourcen und werden auf verschiedenen Ebenen diskriminiert, u.a. durch die Abwertung von Lebensweisen und die Individualisierung von Armut (ebd.: 30). Neben Klassismus sind ordnungsbehördliche Bestattungen von Heteronormativität durchzogen. So informieren Mitarbeiter_innen der Gesundheits- und Ordnungsämter Berlins ausschließlich bestattungspflichtige Angehörige über den Tod. Freundschaften und soziale Beziehungen jenseits von Herkunftsfamilie und klassischen Kleinfamilien werden nicht über den Tod des Menschen informiert.

    Offene Urnengräber mit Blumenschmuck
    Ordnungsbehördliche Bestattung auf dem Parkfriedhof Neukölln. Foto: Francis Seeck, Lizenz: All rights reserved.

    Dieser institutionalisierte Umgang mit dem Tod führt dazu, dass nicht alle Menschen gleichermaßen betrauerbar sind. Betrauerbarkeit wird hier gesellschaftlich hergestellt und ist geprägt von Rassismus, Klassismus, Ableismus und Heteronormativität. Die Philosophin Judith Butler betont den Zusammenhang zwischen einer ungleichen Verteilung von Betrauerbarkeit und der Anerkennung des gelebten Lebens. Sie fragt: “Who counts as human? Whose lives count as lives? And finally, what makes for a grievable life?” (Butler 2004: 20).

    Ich sehe es als Ausdruck einer Krise sozialer Reproduktion, dass die Schere zwischen den Menschen, die sich eine sehr teure und individuelle Bestattung leisten können, und jenen, denen das Geld für die Beerdigung fehlt, sich zunehmend öffnet. Es gibt allerdings auch Menschen, die sich hier für Veränderung einsetzen: Initiativen schaffen Gräber, in denen arme Menschen würdevoll beerdigt werden, wie beispielsweise das „Grab mit vielen Namen“ in Berlin Kreuzberg. Diese Gräber und Gedenkorte schaffen alternative Trauerräume, in denen Menschen, die aufgrund von Klassismus oder anderen Machtverhältnissen diskriminiert wurden, namentlich erinnert werden. Alternative Bestatter_innen gründen gemeinnützige Netzwerke zur Förderung neuer Umgangsweisen mit Sterben, Tod und Trauer und setzen sich dabei für menschenwürdige Sozial- und ordnungsbehördliche Bestattungen ein. Bei ordnungsbehördlichen Bestattungen finden Interventionen statt, allerdings auf eine weniger sichtbare Weise. Friedhofsmitarbeiter_innen öffnen heimlich Türen von Kapellen oder Feierhallen und stellen diese Trauergästen zur Verfügung, die nicht dafür zahlen können, Trauergäste legen namentliche selbstgestaltete Erinnerungsstücke auf anonyme Wiesen und kommen miteinander über die Praxis der ordnungsbehördlichen Bestattungen ins Gespräch.

    Die Möglichkeit namentlich und mit einer Trauerfeier beerdigt zu werden sollte nicht vom Geldbeutel des Verstorbenen oder der Angehörigen und Freund_innen abhängen. Die Art und Weise, wie Menschen bestattet werden und die Möglichkeiten ihrer Freund_innen und nahen Menschen diese zu gestalten, hat einen großen Einfluss auf ihre Möglichkeit zu trauern. Der gesellschaftliche Umgang mit Sterbenden, Toten und Trauernden die von Diskriminierung betroffen sind und wenig materielle Ressourcen zur Verfügung haben, lässt die Frage aufkommen, inwieweit eine Gesellschaft die Menschenwürde Aller achtet. Neben den Bedingungen unter denen Menschen leben, sollten wir als Care Aktivist_innen auch die Bedingungen verändern, unter denen Menschen sterben und trauern.

     

    Quellen

    Butler, J. (2004): Precarious life. The Powers of Mourning and Violence. London: Verso.

    Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. (2010): Sozialbestattung eine Handreichung für Kirchengemeinden und evangelische Friedhöfe.

    Kemper, A./Weinbach, H. (2009): Klassismus. Eine Einführung. Münster: Unrast.

    Schäfer, C. (2013): Armenbegräbnisse. Ruhe sanft und billig. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23.11.2013.

    Schneider, W. (2014): Sterbewelten. Eine Ethnographie. Wiesbaden: Springer-Verlag.

    Seeck, F. (2015): Interventionen gegen anonyme ordnungsbehördliche Bestattungen. Recht auf Trauer am Beispiel des Grabs mit vielen Namen in Berlin. „Ein Grab für Wohnungslose und Arme – ein Ort des Erinnerns.“ (Unveröffentlichte Masterarbeit). Berlin.

    Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales (2007): Ausführungsvorschriften über ordnungsbehördliche Bestattungen nach § 16 Abs. 3 des Bestattungsgesetzes. url: http://www.berlin.de/sen/soziales/berliner-sozialrecht/land/av/av_ord_bestattung.html (1.8.2015)

    Zum Bundesteilhabegesetz: Care Revolution für das Recht auf selbstbestimmte Assistenz!

    Eine Gruppe von Assistenznehmer_innen in Berlin setzt sich im Folgenden kritisch mit dem Entwurf für das Bundesteilhabegesetz auseinander:

    Das Bundesteilhabegesetz ist seinen Namen nicht wert: Care Revolution für volle Teilhabe und das Recht auf selbstbestimmte Assistenz!

    Die Bundesregierung hat Ende Juni den Entwurf für das Bundesteilhabegesetz beschlossen, das im Herbst von Bundestag und Bundesrat behandelt wird. Das Gesetz wird das Leben der vielen behinderten Menschen prägen, die auf Unterstützung durch andere Menschen oder technische Hilfen angewiesen sind. Derartige Leistungen werden meist entweder von den Sozialversicherungen oder der Sozialhilfe bezahlt. Behinderte Menschen, deren Verbände und Wohlfahrtsverbände kämpfen vehement gegen den Gesetzentwurf in der jetzigen Fassung und für Veränderungen, vor allem in dem Teil, der die bisherigen Sozialhilfeleistungen betrifft. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Leistungen in Wohnheimen und Werkstätten für behinderte Menschen, um ambulant betreute Wohngemeinschaften sowie um Assistenz.

    Bevor erste Details zum Gesetz bekannt wurden, bestanden große Erwartungen. Erwartet wurden vor allem mehr Wahlfreiheit für behinderte Menschen und eine Abschaffung der Pflicht, große Teile des Einkommens und Vermögens einzusetzen, um den Bedarf aufgrund der Behinderung zu finanzieren. Beides wird nicht erfüllt. Die Freibeträge für Einkommen und Vermögen sollen zwar erhöht werden, aber auch danach müssen Menschen, deren Einkommen unterhalb des Durchschnitts aller Arbeitnehmer*innen liegt, immer noch die Unterstützung, die sie brauchen, mitfinanzieren. In bestimmten Fällen müssen Menschen sogar mehr zahlen als bisher.

    Gravierender ist aber, dass das Recht  behinderter Menschen, sich die Unterstützung auszusuchen, die am besten zu ihnen passt, eher eingeschränkt als gestärkt wird. Es bleibt grundsätzlich dabei, dass die für die Leistung zuständige Behörde dann eine andere Art Unterstützung bewilligen kann, wenn sie billiger ist als die gewünschte, wenn es zumutbar ist. Das, was als zumutbar gilt, ist im Entwurf des neuen Gesetzes aber schwammig formuliert. Daneben wird die bisher schon vorhandene Möglichkeit, Leistungen für mehrere Menschen gemeinsam zu erbringen, stärker betont. Dazu kommt, dass alle Formen der Unterstützung behinderter Menschen durch andere Menschen als „Assistenz“ definiert werden. Behinderte Menschen verstehen unter „Assistenz“ eine individuell nach ihren Bedürfnissen gestaltete Unterstützung, über die sie selbst bestimmen. Mit dem neuen Gesetz würde dagegen selbst die Betreuung in Heimen als „Assistenz“ bezeichnet werden. Diese drei Punkte zusammen eröffnen denjenigen Behörden, die vor allem daran interessiert sind, möglichst wenig Geld auszugeben, neue Handlungsspielräume.

    Nicht weniger problematisch ist der Plan, dass sowohl bei Leistungen für behinderte Menschen als auch in der Pflege nur noch die Dienste und Einrichtungen automatisch einen Vertrag bekommen sollen, deren Vergütung im unteren Drittel der Gruppe von Diensten oder Einrichtungen liegt, die vergleichbare Leistungen bietet. Alle anderen müssen rechtfertigen, warum ihre Vergütung höher liegt. Tarifverträge sollen zwar als Rechtfertigung gelten, ob das reicht, um eine Preisspirale nach unten zu verhindern, ist aber fraglich.

    In den nächsten Wochen und Monaten kann all das noch verhindert werden. Mit Demonstrationen, Mails an Bundestagsabgeordnete und Landesregierungen und anderen Aktionen müssen wir Druck aufbauen, damit Bundestag und Bundesrat das Gesetz so verändern, dass es den Namen Teilhabegesetz auch verdient.

    Für volle Teilhabe und das Recht auf selbstbestimmte Assistenz!

    Kümmern im Akkord – ein Radio-Feature von Hilke Rusch

    Kostensenkung, Effizienzsteigerung, Rationalisierung – das sind die Schlagwörter, wenn Arbeitsabläufe optimiert werden.

    In der Arbeit mit Menschen kommt das Prinzip aber schnell an seine Grenzen. Hier bedeuten weniger Personal, weniger Zeit und mehr Automatisierung einen Qualitätsverlust. Krankenschwestern, Erzieherinnen und Erzieher oder Migrantinnen in der häuslichen Pflege arbeiten am Limit. Die Berufsethik ist hoch, die Bezahlung niedrig, psychische Erkrankungen sind besonders häufig.

    Verdi_Streik_CharitéZeit für einen Paradigmenwechsel, wie ihn auch das Netzwerk „Care Revolution“ anstrebt, ein Bündnis aus feministischen Gruppen, Eltern von behinderten Kindern und Charité-Beschäftigten. Das Ziel: Die solidarische Gesellschaft.

    Hier  könnt Ihr das Feature hören.

     

    Spieglein, Spieglein in der Hand – Aktionen im Rahmen der Blockupy-Aktivitäten

    Das Netzwerk Care Revolution Berlin ruft auf, sich den queer-feministischen Gruppen anzuschließen und gemeinsam zu protestieren:

    Freitag,  2.September,  Arbeitsministerium – 7:30 Uhr Potsdamer Platz/EckeLeiziger Strasse, Berlin bei der Care Revolution Fahne

    Samstag, 3.September, Demonstration – 14 Uhr, Adenauerplatz, Berlin, im Grenzenlos Block (der 2.Block der Demo) beim Care Revolution Hochtranspi

    Den Aufruf „Spieglein, Spieglein in der Hand – wer ist die Spalterin in diesem Land“ findet Ihr hier.

     

    Grundeinkommen und Care-Arbeit – Vortrag von Antje Schrupp am 3.9.16 in Frankfurt

    Die Politikwissenschaftlerin und Bloggerin Antje Schrupp setzt sich in diesem Vortrag damit auseinander, wie die unter- oder unbezahlte, unverzichtbare Sorgearbeit in den Debatten um das Grundeinkommen einbezogen wird. Richtig verstanden, so heißt es im Ankündigungstext für diesen Vortrag, kann das Grundeinkommen eine Ausgangsbasis darstellen, von der aus neue, gerechte Gesellschaftsverträge und Geschlechterverhältnisse ausgehandelt werden können.

    Pflege am Boden in Hamburg

    Pflege_am_Boden_August 2016

    Am Montag, den 01.08.2016, versammelte sich in Hamburg eine kleine Gruppe Aktivistinnen und Aktivisten in der Innenstadt, um auf die katastrophalen Bedingungen in der Pflege hinzuweisen.

    Arbeitskräftemangel, zu wenig Zeit für menschenwürdige Pflege, Überlastungen und geringe Anerkennung sind nur einige der Schwierigkeiten,die benannt wurden. So kann es nicht weitergehen, denn die Pflege liegt am Boden!

     

    Debatte über persönliche Assistenz am 22.7.16 in Hamburg

    Eine Diskussion über Selbstbestimmung, Arbeitnehmerrechte und politische Perspektiven

    am Freitag, 22.7.2016, um 18:30h, im Centro Sociale (Sternstr. 2, Nähe U-Bahn Feldstr.)

    eine Veranstaltung der Regionalgruppe Hamburg des Netzwerks Care Revolution

    Persönliche Assistenz wurde von Aktivist*innen der Behindertenbewegung erstritten und soll Menschen mit Behinderung einen selbstbestimmten Alltag ermöglichen. Persönliche Assistent*innen unterstützen daher bei allen alltäglichen Dingen und die unterstützte Person entscheidet, was getan wird, wann etwas getan wird und wie. In dieser Veranstaltung wollen wir gemeinsam darüber sprechen,

  • welche Erfahrungen Assistenznehmer*innen und Assistenzgeber*innen mit persönlicher Assistenz machen,
  • wie das Recht auf Selbstbestimmung von behinderten Menschen weiter gestärkt werden kann,
  • welche Widersprüche zu Arbeitnehmer*innen-Rechten im Assistenzalltag auftreten können und
  • wo (gemeinsame) Perspektiven liegen, um für gute Arbeits- und Lebensbedingungen für alle streiten.
  • weiterlesen

    Care Revolution beteiligt sich am politischen Projekt „Degrowth in Bewegung(en)“

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    Degrowth in Bewegung(en) ist ein Projekt, in dem  unterschiedliche Vertreter_innen von sozialen Bewegungen miteinander ins Gespräch kommen und voneinander lernen können.

    Care Revolution beteiligt sich daran. Ein Essay von Matthias Neumann und Gabriele Winker zu den Fragen dieses Projekts aus Sicht von Care Revolution findet sich hier. Weitere Texte anderer Initiativen sind auf der Startseite ebenfalls abrufbar.

    Care-Revolution-Veranstaltungsreihe in Thüringen

    Warum Care in einer Krise steckt, wir unseren Sorgepflichten immer weniger gerecht werden und was wir dagegen tun können, waren Fragen, mit denen sich die Care-Revolution-Gruppe Thüringen während einer dreitätigen Veranstaltungsreihe im Mai 2016 in Erfurt beschäftigte und gleichzeitig auf die derzeitige Care-Krise aufmerksam machen wollte.

    Der Veranstaltungsauftakt begann am 20. Mai auf der Radio F.R.E.I.-Fläche mit einem gutbesuchten Vortrag der Sozialwissenschaftlerin und Care-Aktivistin Jette Hausotter. Sie gab eine Einführung in die Care-Thematik, erklärte Begriffe und Zusammenhänge und stellte anschließend mit einem Videoausschnitt das bundesweite Care-Revolution-Bündnis vor. Das interessierte Publikum stellte viele Fragen, vor allem zu Begriffen wie Care oder Reproduktion und wollte wissen, welchen Aufgaben sich das Bündnis genau stellen möchte.

    Im Anschluss an den Vortrag stellte sich die Thüringer Care-Revolution-Gruppe vor und lud alle Anwesenden ein, Teil der Gruppe zu werden.

    Ab 21 Uhr wurde der Abend tanzbar, als zuerst die Weimarer Rapperin Nifty MC und direkt im Anschluss Bernadette La Hengst, »die Queen des Diskursschlagers« (Zeit online), die Bühne betraten. Natürlich spielte Bernadette auch die eigens für das Care-Revolution-Bündnis geschriebene Hymne »I do care«. Im Anschluss boten die DJs Snazzy Grrrlz und Geschwister feat. Dr. Love 2000 Hip Hop, R’n’B und Pop.

    Am Tag darauf trafen wir uns auf dem Bahnhofsvorplatz in Erfurt, von wo aus wir zu unserem Care-revolutionären Stadtrundgang starteten. Angeführt von unserem Maskottchen – der Care-Kali, die mit acht Armen allerlei erledigt und der die Anstrengung schon ins Gesicht geschrieben steht – suchten wir Orte auf, an denen unsichtbare Reproduktionsarbeit geleistet wird und machten dies in Redebeiträgen zum Thema: Maus und Elefant auf dem Anger hörten, wie die Doppelbelastung in der Medienbranche dazu führt, dass Frauen mit Kindern in der Leitungsebene und bei den »harten« Themen wie Politik außen vor sind. Viel Aufmerksamkeit erhielt ein Beitrag über die Zustände in der häuslichen Altenpflege von Angehörigen in der Nähe eines Pflegeheims auf dem Wenigemarkt. Auf dem Benediktsplatz folgte ein Beitrag, in dem Eltern in Interviews berichteten, wie sie versuchen Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen und wie viel Zeit ihnen am Ende des Tages für sich selbst bleibt. In der Michaelisstraße vor dem Collegium Maius wurde über die Schwierigkeiten berichtet, die Bestrebungen einer akademischen Laufbahn und dem (Allein-)Erziehen von Kindern für Frauen an Hochschulen mit sich bringen. Vor der Allerheiligenkirche ging es dann um die Arbeitsbedingungen in der bezahlten Pflege bei kirchlichen Trägern und auf dem Fischmarkt wurde deutlich, welche systematischen Lücken in der Lager-Unterbringung dazu führen, dass die Care-Bedürfnisse von Geflüchteten ganz besonders wenig beachtet werden. Den Abschluss machte ein Die-In, in Anlehnung an die Aktionen der Gruppe »Pflege am Boden«, bei dem die Teilnehmer_innen nach und nach umfielen, um symbolisch zu zeigen, dass Care in ganz vielen verschiedenen Bereichen derzeit am Boden ist.

    Am 28. Mai traf sich die Gruppe und reflektierte den Auftakt und den Stadtrundgang. Außerdem konnten wir neue Mitstreiter_innen in der Runde begrüßen und besprachen gemeinsam mögliche politische Umgangsformen im  Sinne einer Care Revolution und planten das weitere Vorgehen der Gruppe.

    Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen, denn Care geht uns alle an!

    Teile des Textes wurden aus einem Bericht des Infoladen Sabotnik übernommen.

     


    Konzert mit Bernadette La Hengst


    und Nifty MC


    Care-revolutionärer Stadtrundgang in Erfurt


    Fürsorge am Boden auf dem Fischmarkt

    Nicos Farm für die Rechte Sorgetragender auf Wanderschaft

    DSC_0118 KopieSeit der Vereinsgründung im Jahr 2008 führt der Verein Nicos Farm, einer der ersten Kooperationspartner von Care Revolution, regelmäßig Wanderaktionen durch, um auf die Probleme von Eltern mit behinderten Kindern  aufmerksam zu machen. Aber auch die prekäre Lebenssituation von pflegenden Angehörigen soll dabei in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen.

    Hier der kurze Bericht über die diesjährige Wanderung von Arnold Schnittger, dem Gründer des Vereins:

    „In diesem Jahr wanderten wir 300 Kilometer auf der Römer-Lippe-Route in Nordrhein-Westfalen. Immer dabei: Nico, mein Sohn, der diese Aktionen sichtlich genießt und sich dabei komfortabel im Rollstuhl über Berg und Tal schieben lässt.

    DSC_0525 KopieMit Themen wie „Armut durch Pflege“ oder „Kein Hartz-IV für pflegende Angehörige“ „meckern“ wir uns (fröhlich) durch Deutschland. Dazu laden wir Politiker_innen, Behördenmitarbeiter_innen und Pressevertreter_innen ein, uns auf unseren Wegen zu begleiten. So können wir in Gesprächen versuchen, ein wenig zu sensibilisieren, uns gegenseitig kennenlernen und auf die mehr als reformbedürftigen Rahmenbedingungen in der Pflege hinweisen.

    Wir hatten zahlreiche Begegnungen mit Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen, sozialen Einrichtungen und Zeitungsredaktionen.  Im Folgenden einige Pressereaktionen:

    In der WAZ, ein Bericht aus Schermbeck,

    auf der Homepage der Stadt Datteln,

    und ein weiterer Zeitungsartikel aus der WAZ auf der Webseite des Vereins Lebenshilfe Waltrop.

    Das uns entgegengebrachte Interesse und die vielen guten Gespräche sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch ein weiter Weg ist – in eine solidarische Gesellschaft. Denn trotz mehrerer tausend Kilometer Wanderung ist es bisher nicht gelungen, eine breite Öffentlichkeit für die Probleme Sorgetragender zu gewinnen. Wir werden noch viele Schritte gehen müssen …“

    Aufruf für eine Gesellschaft ohne Kinderarmut

    In ihrem Aufruf „Wir wollen eine Gesellschaft, der jedes Kind gleich viel wert ist!“ fordern mehr als 30 Verbände und Nichtregierungsorganisationen sowie Expert*innen aus Wissenschaft und Kirchen eine eigenständige und einheitliche Geldleistung für alle Kinder und Jugendlichen, die deren finanzielles Existenzminimum und gesellschaftliche Teilhabe wirklich absichert, eine ausgebaute soziale Infrastruktur und die bedarfsgerechte Entwicklung von Sonderbedarfen der Kinder und Jugendlichen.

    Der Aufruf und weitere Hintergrundinformationen sind hier zu finden.

     

    1. Mai als Tag der unsichtbaren Arbeit – dieses Jahr auch in Graz

    Graz_1Mai_2016_2Schlechtes Wetter – Harte Zeiten – für den Feminismus fighten!

    Die Interventionistische Linke Graz hat den 1. Mai zum Aktionstag der unsichtbaren Arbeiter*in erklärt. Das sind alle Menschen, die Care-Arbeit machen: putzen, kochen, pflegen, Sex, erziehen und bilden, zuhören, wickeln, Fluchthilfe leisten usw. – und das schlecht oder unbezahlt, oftmals illegalisiert. Care betrifft uns alle. Doch meist sind es Frauen*, die diese Tätigkeiten verrichten, oft im Privaten, unter unsicheren Bedingungen, unsichtbar. Daher haben wir heute Denkmäler und Statuen in Graz mit Putzutensilien, Windeln, Schürzen und Ähnlichem geschmückt, um Care-Arbeiter*innen und ihre Kämpfe sichtbar zu machen.

    Graz_1Mai_2016_1

    Schweiz: Mit Blick auf Care-Arbeit für das bedingungslose Grundeinkommen

    Ein paar WocCarekraft_Grundeinkommenhen vor der Abstimmung am 5. Juni 2016 zum Bedingungslosen Grundeinkommen in der Schweiz melden sich Schweizer Frauen zur Wort.

    In ihrer Broschüre „Mit Carekraft zur Energiewende“ heißt es im Editorial: „Es geht darum, die Wirtschaft wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen; nämlich, der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, der Lebensgestaltung und der Lebensqualität zu dienen. (…) Deswegen haben wir uns entscheiden, den grossen blinden Fleck der Care-Arbeit, die weltweit grösstenteils von Frauen übernommen wird, explizit in den Fokus zu rücken.“

    In dieser Broschüre kommen auch die Mitstreiter_innen der Care Revolution Ina Praetorius und Sarah Schilliger zu Wort.

     

    Bundesweites Netzwerktreffen

    Care Netzwerktreffen2_23.4.2016Ein zweitägiges Treffen in Berlin mit rund 70 Teilnehmer_innen liegt hinter uns: Es gab den kontroversen und fruchtbaren Anfang einer Strukturdebatte zu Strategie, Ausrichtung und Arbeitsverteilung rund ums Netzwerk, es gab Workshops u.a. zu der Frage, ob und wie Assistenznehmer_innen und Assistenzgeber_innen ihre Forderungen gemeinsam erstreiten können.

    Care Netzwerktreffen1_23.4.2016

     

     

    Es gab eine Diskussion auf der Grundlage eines Inputs zu den repressiven Auswirkungen des Prostituiertenschutzgesetzes auf Sexarbeiter_innen, aus der heraus Aktive im Netzwerk ein Statement gegen dieses Gesetz verfasst und unterzeichnet haben. Wir sind an diesem Wochenende gemeinsam und in aller Breite ein ganzes Stück vorangekommen! Vielen Dank an alle, die sich so rege und aktiv beteiligt haben. Für die Care Revolution!
    ,

    ver.di Publikation aus Hessen zur Care Revolution

    Care Revolution als Handlungsstrategie für kommunale  Interessenvertretungen! Kochbuch

    Der ver.di Landesbezirk Hessen arbeitet schon länger inhaltlich zur Care Revolution und der Umsetzung in den Betrieben der hessischen Kommunen. Auch bei der Tarifrunde für die Sozial- und Erziehungsdienste hat ver.di das Thema im letzten Jahr verstärkt aufgegriffen.

    Hier geht es zu dieser Publikation.

    Bundesweiter Flashmob zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

    Die Zeit ist reif – Teilhabe jetzt! „Bis zur vollen Teilhabe gehen wir euch auf den Wecker!“

    Am 21. April 2016 um fünf vor 12 (11:55 Uhr – pünktlich!) finden zeitgleich in Berlin, Hamburg, Kassel, Köln, Mainz, München, Stuttgart und Trier Flashmobs für ein gutes Bundesteilhabegesetz statt. In Berlin ist der Treffpunkt an der Weltzeituhr am Alexanderplatz.

    Wir fordern

    – die volle Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen im Rahmen des versprochenen Bundesteilhabegesetzes!

    – Gewährung von Unterstützung bei Teilhabe, Assistenz und Pflege unabhängig von Einkommen und Vermögen des Menschen mit Behinderung und deren Partner*innen! Macht uns nicht weiter arm!

    – Unterstützung müssen individuell statt in aussondernden Einrichtungen geleistet werden!

    Mit dir gemeinsam wollen wir ordentlich Rabatz machen! Die Bundesregierung soll endlich aufwachen! Wir wollen ein gutes Bundesteilhabegesetz – und zwar jetzt!

    Dazu bringt möglichst Wecker, Eieruhren oder eure Handys mit entsprechenden Weckgeräuschen mit. Andere laute Gegenstände wie Topfdeckel, Rasseln usw. sind auch willkommen.

    Bringt Freund*innen, Familie, Bekannte, Nachbar*innen, Kolleg*innen, Unterstützer*innen und viele mehr mit!

    Inklusion geht alle an! Gemeinsam für ein gutes Bundesteilhabegesetz!

    Hier findet Ihr den Flyer für den Flashmob in Berlin.

    Weitere Informationen unter: www.teilhabe-jetzt.org

    Veranstaltungsreihe der Thüringer Regionalgruppe Care Revolution im Mai 2016

    Care Revolution statt Erschöpfung!

    In einer Veranstaltungsreihe in Erfurt setzt sich Care Revolution Thüringen mit den Fragen auseinander, warum Care-Work in einer Krise steckt, wir unseren Sorgeverpflichtungen immer weniger gerecht werden und was wir dagegen tun können.

    Freitag, 20. Mai ab 19 Uhr: Auftakt zur Care Revolution im Radio F.R.E.I.-fläche: Vortrag von Jette Hausotter und dem Care-Revolution-Netzwerk Thüringen

    Freitag, 20. Mai ab 21 Uhr: Konzert und Party ebenfalls im Radio F.R.E.I.-fläche mit Bernadette la Hengst und den DJS, Snazzy Grrrlz und Geschwister feat. Dr. Love 2000

    Samstag, 21. Mai: Care-Revolutionärer Stadtrundgang, Start um 15 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz, Ende 17 Uhr auf dem Fischmarkt

    Samstag, 28. Mai: Politisches Vernetzungstreffen im filler.offenes Jugendbüro mit Großgruppenmoderation von 11 bis 17 Uhr

    Hier findet Ihr eine wunderschön gestaltete Postkarte und hier ein entsprechendes Plakat.

    Es geht ums Ganze! AKS Freiburg und Care Revolution Freiburg im Gespräch

    Werkstattgespräch zu Bedeutung von Care Revolution für die Soziale Arbeit mit einem Input von Care Revolution Freiburg

    Neoliberale Konzepte der Kostensenkung durch Flexibilisierung und Selbstoptimierung finden auch in der Sozialen Arbeit einen immer größeren Resonanzboden. In diesem Zusammenhang stehen Fachkräfte vor der Anforderung, Menschen fit zu machen, damit sie auch unter unzumutbaren oder unerträglichen Bedingungen (wieder) funktionieren. Sie geraten in den Widerspruch, einerseits   Menschen helfen zu wollen, andererseits die belastenden Verhältnisse nicht weiter stützen zu wollen. Care Revolution will die Bedingungen, unter denen bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit geleistet werden, grundlegend verändern: Für mehr Zeit und Mittel, sich umeinander zu kümmern, für bessere soziale Infrastruktur, für ein solidarisches Miteinander.

    • Was ist das Neue an dem Konzept der Care Revolution?
    • Welche Impulse kann Care Revolution der Sozialen Arbeit geben?
    • Welche Handlungsmöglichkeiten bestehen auf kommunaler Ebene?

    Das Werkstattgespräch findet am Dienstag, den 3. Mai 2016 in der Katholischen Hochschule Freiburg (Karlstraße 38) um 20 Uhr im Haus 1, Raum 1207 statt.

    Statements & Performances zu Sexarbeit und Pflege in Berlin

    LuftundLiebeSorgearbeit: Sexarbeit und Pflege

    Statements & Performances in der Werkstatt der Kulturen, Clubbühne, Wissmannstr.32, Neukölln

    Donnerstag, 21. April 2016 um 19:30 – 22 Uhr

     

    Care – Umsorgt werden, Wohlfühlen, Genuß. Care- oder Sorgearbeit ist eine Arbeit mit ethischem Anspruch. Das Wohl der Anderen im Blick, geht es um mehr als nur das Versorgtwerden, der Wunsch heißt, sich wohlfühlen und sogar genießen. Denn Leben ist mehr als Weiterleben: Zufriedenheit,
    Entspannung, Freude.
    Doch wie sieht es für die Menschen aus, die diese Arbeit verrichten? Oft fehlt es an Wertschätzung der Arbeit, guten Arbeitsbedingungen und angemessener Bezahlung in der Sorgearbeit. Unter welchen Bedingungen finden diese Arbeiten statt?

    Mit Rap, Spoken Word und im Gespräch werden Einblicke in die Arbeitswelt der häuslichen 24-Stunden-Pflege und in der Sexarbeit präsentiert.

    Das was gesellschaftlich, traditionell abgewertet, als Frauen*arbeit kostenlos und aus Liebe erbracht werden soll, holen wir aus der Unsichtbarkeit auf die Bühne.

    Auf dem Podium:
    Sarah Schilliger (Soziologin), unterstützt als Aktivistin das Respekt-Netzwerk, Schweiz, 24-Stunden-Betreuerinnen in Privathaushalten (http://respekt-vpod.ch/)
    Stephanie Klee (Sexarbeiterin), move.e.V., Bildung und Kommunikation in der Sexarbeit (move-ev.org/)
    „Idref“ der rappende Altenpfleger aus Paderborn,
    Mathias Düring, Intensivfachpfleger und Student,
    Spoken Word Emy Fem + Kay Garnellen, SexarbeiterInnen aus Berlin mit einer Performance

     

    Netzwerktreffen am 23. und 24. April in Berlin

    Das Netzwerktreffen beginnt am Samstag, den 23. April um 12 Uhr und endet am Sonntag, den 24. April um 15 Uhr.

    Das Netzwerk Care Revolution wurde auf der Aktionskonferenz im März 2014 gegründet,  seitdem finden regelmäßig zweimal im Jahr bundesweite Treffen statt. Sie dienen als Plattform, um Akteur_innen und Kampagnen aus anderen Städten und regionalen Netzwerken kennenzulernen, aber auch einfach dazu sich auszutauschen und andere Menschen kennenzulernen, die mit dem Druck der Care-Lücken umgehen müssen. Es geht darum die Vernetzung zu intensivieren und die Aktivitäten im Sinne einer Care Revolution weiterzuentwickeln oder auch Mitstreiter_innen für neue Projekte zu gewinnen. Alle Interessierten sind herzlich willkommen, sich einzubringen!

    Anmeldung (1 Mail pro Person): care-revolution-anmeldung@gmx.de. Der Platz reicht für alle, es gibt keine Teilnehmer_innenbeschränkung. Anmeldungsmail ist notwendig.

    Wenn Ihr Mitfahr- und Übernachtungsmöglichkeiten sucht oder anbieten könnt, nutzt bitte dieses PAD.

    Für Kinderbetreuung, Awareness und Essen wird gesorgt. Die Räume sind barrierefrei, um Assistenz bemühen wir uns bei Bedarf.

    Nachfragen und Kinderanmeldungen an: care-revolution@riseup.net

    Das Treffen ist auf Deutsch, bei Übersetzungsbedarf werden wir gemeinsam für Flüsterübersetzungen sorgen. Personen, die übersetzen können, sind sehr willkommen.

    Ort: Seminartrakt, RLS, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin, Nähe Ostbahnhof

    Das Programm des Netzwerktreffens findet Ihr hier (PDF).

    Wenn Ihr Mitfahr- und Übernachtungsmöglichkeiten sucht oder anbieten könnt, nutzt bitte dieses PAD.

     

    Drei Themenschwerpunkte

    Auf einem Vorbereitungstreffen im Dezember 2015 wurden für das nun anstehende drei Schwerpunktthemen ausgewählt, welche die Vielfalt der im Netzwerk vertretenen Themen spiegeln und zugleich aufeinander zuführen können. Dafür haben sich Arbeitsgruppen gebildet, die das jeweilige Thema vorbereiten.

    Der erste Schwerpunkt beschäftigt sich mit dem Thema Flucht aus einer Care-Perspektive. Welche Einsichten und Forderungen ergeben sich, wenn man aus einer Care-Perspektive auf dieses Thema blickt? Welchen Bedarf und welche Forderungen artikulieren Geflüchtete? Wie gestaltet sich derzeit die unmittelbare Versorgung von Geflüchteten, wie könnte diese besser gewährleistet werden? Was fordern wir vom Staat und welche Rolle sollten ehrenamtliche Tätigkeiten spielen bzw. nicht spielen? Wie können Selbstorganisationen von Geflüchteten gestärkt werden?

    Der zweite Schwerpunkt widmet sich den Kämpfen von Assistenznehmer_innen um Selbstbestimmung und gute Versorgung und von Assistenzarbeiter_innen um gute Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Wie können diese Kämpfe solidarisch geführt werden? Die Ansätze von Assistenz aus der Behindertenbewegung sind gesellschaftlich noch lange nicht breit verankert und Bevormundung und Abwertung noch nicht überwunden, doch Enthinderung und Selbstbestimmung sollten der Maßstab für gutes Leben sein. Weiter kämpfen Assistenzarbeiter_innen für einen Tarifvertrag, der lange überfällig ist.

    Schließlich geht es im dritten Schwerpunkt um das Thema häusliche Pflege. Mangelnde zeitliche und finanzielle Ressourcen, zu wenig Wahlmöglichkeiten und Absicherungen verhindern eine gute Versorgung aller Beteiligten. Dies führt vielfach zu Armut und Erschöpfung. Die Zuweisung von Pflegetätigkeiten ist entlang sexistischer und rassistischer Machtverhältnisse strukturiert und Menschen, die diese Tätigkeiten ausführen, erhalten wenig Wertschätzung. Eine absurde Situation angesichts der Tatsache, dass alle Menschen auf diese Form von Care angewiesen waren, sind und/oder sein werden. Welche Veränderungen im Sinne einer bedürfnisgerechteren Organisation sind nötig?

    Alle drei Themen machen deutlich: Wir erleben derzeit zunehmend einen Rückzug des Staates aus der Grundversorgung und die Rahmenbedingungen in den „Care-Berufen“ werden immer fragwürdiger, während die Politik vermehrt auf die sogenannte Stärkung des Ehrenamtes setzt. Dies führt zunehmend zu Teilzeitarbeit und Lohndumping in den verschiedenen Care-Berufen, 24/7 Beschäftigung im privaten Bereich, schlechten Bedingungen für bedürfnisgerechte soziale Kontakte, politisches Engagement und Zeiten der Muße und schließlich auch zu struktureller Gewalt durch Rahmenbedingungen, die die Menschenwürde verletzen.

    Wir wollen unsere Kämpfe koordinieren, unsere Analysen diskutieren, Forderungen formulieren und politische Strategien verfeinern – stets mit dem Ziel, die Care Revolution voranzutreiben.

    Diskussionen zu strukturellen und strategischen Fragen der Netzwerk-Arbeit

    Ein integraler Bestandteil der Netzwerktreffen ist, organisatorische Angelegenheiten zu besprechen. So finden jeweils auf den Netzwerktreffen Wahlen für den Koordinierungskreis, das sozusagen geschäftsführende Gremium, statt. Für dieses Treffen ist zudem geplant, eine Diskussion um die strategische Ausrichtung zu führen und dabei auch auf die vergangenen zwei Jahre des Netzwerkes zurückzublicken, Bilanz zu ziehen und mögliche Anpassungen der bisherigen Organisierung anzugehen. Thema wird dabei auch die Möglichkeit einer weiteren Aktionskonferenz.

    Kommt alle! Macht mit und bringt euch ein! Schritt für Schritt zur Care Revolution!

     

    Hannover: Filmveranstaltung Hausangestellte am 23.03.16

    Care Revolution Hannover und ver.di Bezirksfrauenrat Hannover-Leine -Weser zeigen den Film:

    „Dringend gesucht – Anerkennung nicht vorgesehen. Hausangestellte erstreiten sich ihre Rechte“,

    einen Dokumentarfilm von Anne Frisius (2014),

    mit anschließender Diskussion.

    Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr in den ver.di-Höfen im Bistro, Goseriede 10, Hannover

    Kontakt: care-hannover@posteo.de

     

    Weitere Infos zum Film gibt es hier

    Unser Feminismus ist antirassistisch – 4000 demonstrierten in Köln

    Unter dem Motto „Unser Feminismus ist antirassistisch – Reclaim feminism!“ sind am 12.03.2016 mehr als 4.000 Teilnehmende durch die Kölner Innenstadt gezogen. Erstmalig hatte ein breites Bündnis, das auch vom Netzwerk Care Revolution unterstützt wurde, zum Weltfrauen*tag nach Köln mobilisiert. Den Teilnehmenden war es ein starkes Bedürfnis, sich als Betroffene von sexualisierter Gewalt, Sexismus und Rassismus den Raum zurückzuerobern, der ihnen von Medien und Politik verwehrt wird. Es ging ihnen darum, ihre eigenen Stimmen und Perspektiven sichtbar zu machen. Sie haben ein Zeichen gesetzt, dass sie sich von Medien und Politik nicht für rassistische Hetze und rassistische Politik instrumentalisieren lassen.

    Der Redebeitrag einer Care Revolutionärin, der aus Krankheitsgründen leider nicht gehalten werden konnte, ist hier nachzulesen.