Care-Revolution-Veranstaltungsreihe in Thüringen

Warum Care in einer Krise steckt, wir unseren Sorgepflichten immer weniger gerecht werden und was wir dagegen tun können, waren Fragen, mit denen sich die Care-Revolution-Gruppe Thüringen während einer dreitätigen Veranstaltungsreihe im Mai 2016 in Erfurt beschäftigte und gleichzeitig auf die derzeitige Care-Krise aufmerksam machen wollte.

Der Veranstaltungsauftakt begann am 20. Mai auf der Radio F.R.E.I.-Fläche mit einem gutbesuchten Vortrag der Sozialwissenschaftlerin und Care-Aktivistin Jette Hausotter. Sie gab eine Einführung in die Care-Thematik, erklärte Begriffe und Zusammenhänge und stellte anschließend mit einem Videoausschnitt das bundesweite Care-Revolution-Bündnis vor. Das interessierte Publikum stellte viele Fragen, vor allem zu Begriffen wie Care oder Reproduktion und wollte wissen, welchen Aufgaben sich das Bündnis genau stellen möchte.

Im Anschluss an den Vortrag stellte sich die Thüringer Care-Revolution-Gruppe vor und lud alle Anwesenden ein, Teil der Gruppe zu werden.

Ab 21 Uhr wurde der Abend tanzbar, als zuerst die Weimarer Rapperin Nifty MC und direkt im Anschluss Bernadette La Hengst, »die Queen des Diskursschlagers« (Zeit online), die Bühne betraten. Natürlich spielte Bernadette auch die eigens für das Care-Revolution-Bündnis geschriebene Hymne »I do care«. Im Anschluss boten die DJs Snazzy Grrrlz und Geschwister feat. Dr. Love 2000 Hip Hop, R’n’B und Pop.

Am Tag darauf trafen wir uns auf dem Bahnhofsvorplatz in Erfurt, von wo aus wir zu unserem Care-revolutionären Stadtrundgang starteten. Angeführt von unserem Maskottchen – der Care-Kali, die mit acht Armen allerlei erledigt und der die Anstrengung schon ins Gesicht geschrieben steht – suchten wir Orte auf, an denen unsichtbare Reproduktionsarbeit geleistet wird und machten dies in Redebeiträgen zum Thema: Maus und Elefant auf dem Anger hörten, wie die Doppelbelastung in der Medienbranche dazu führt, dass Frauen mit Kindern in der Leitungsebene und bei den »harten« Themen wie Politik außen vor sind. Viel Aufmerksamkeit erhielt ein Beitrag über die Zustände in der häuslichen Altenpflege von Angehörigen in der Nähe eines Pflegeheims auf dem Wenigemarkt. Auf dem Benediktsplatz folgte ein Beitrag, in dem Eltern in Interviews berichteten, wie sie versuchen Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen und wie viel Zeit ihnen am Ende des Tages für sich selbst bleibt. In der Michaelisstraße vor dem Collegium Maius wurde über die Schwierigkeiten berichtet, die Bestrebungen einer akademischen Laufbahn und dem (Allein-)Erziehen von Kindern für Frauen an Hochschulen mit sich bringen. Vor der Allerheiligenkirche ging es dann um die Arbeitsbedingungen in der bezahlten Pflege bei kirchlichen Trägern und auf dem Fischmarkt wurde deutlich, welche systematischen Lücken in der Lager-Unterbringung dazu führen, dass die Care-Bedürfnisse von Geflüchteten ganz besonders wenig beachtet werden. Den Abschluss machte ein Die-In, in Anlehnung an die Aktionen der Gruppe »Pflege am Boden«, bei dem die Teilnehmer_innen nach und nach umfielen, um symbolisch zu zeigen, dass Care in ganz vielen verschiedenen Bereichen derzeit am Boden ist.

Am 28. Mai traf sich die Gruppe und reflektierte den Auftakt und den Stadtrundgang. Außerdem konnten wir neue Mitstreiter_innen in der Runde begrüßen und besprachen gemeinsam mögliche politische Umgangsformen im  Sinne einer Care Revolution und planten das weitere Vorgehen der Gruppe.

Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen, denn Care geht uns alle an!

Teile des Textes wurden aus einem Bericht des Infoladen Sabotnik übernommen.

 


Konzert mit Bernadette La Hengst


und Nifty MC


Care-revolutionärer Stadtrundgang in Erfurt


Fürsorge am Boden auf dem Fischmarkt

Mobilisierungsveranstaltung zum „1.Mai – Tag der unsichtbaren Arbeit“

Mit:
Jochen König, Vater und Autor von „Fritzi und ich“
Katharina Pühl, Initiative Care.Macht.Mehr
Ann Wiesental, AK Reproduktion/Netzwerk Care Revolution
Spanischen Krankenhauspflegerinnen mit Anwerbeverträgen

Kämpfe um unsichtbare Arbeit und soziale Reproduktion haben neuen Wind erhalten. Sie finden statt im Alltag, im Haushalt und in kapitalisierten Care-Arbeitsbereichen. Diese Kämpfe stehen unter dem Druck kapitalistischer Verwertung sowie rassistischer und geschlechtlicher Strukturierungen und halten diesem Solidarität und neue Bündnisse entgegen. Die Referent_innen der Veranstaltung sprechen sich gegen neoliberale Vereinzelung aus und berichten über politische Interventionen und Handlungsmöglichkeiten, um unsichtbare Arbeit sichtbarzumachen und die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen.

No Lager for Women!

ERNEUTER AUFRUF: „KEINE LAGER FÜR FRAUEN! ALLE LAGER ABSCHAFFEN!“
Samstag, 7. März 2015, 14°° Potsdam Hbf
Demo und Protestaktion vor dem Landtagsgebäude
Beim Feiern des Internationalen Frauentags 2015 wollen wir genau hinsehen, wie die Landesregierung Brandenburgs und die Bundesregierung Deutschland uns behandelt: In den letzten Jahren haben wir sie immer wieder aufgefordert, zumindest Frauen und Kindern die Möglichkeit zu geben, aus den Lagern auszuziehen. Trotzdem sehen wir, dass den lokalen Behörden Geld zur Verfügung gestellt wird, mit dem sie bereits existierende isoliert liegende Lager ausbauen, und zu den bereits bestehenden Lagern neue dazu kommen.
Wir sehen keine Veränderung unserer Situation: Immer noch liegt die Mindestquadratmeterzahl, die Asylsuchenden zugeteilt wird, bei  6qm pro Person. Immer noch werden wir oft mit der Unterbringung in abgelegenen Unterkünften ausgegrenzt und sind damit rassistischen Angriffen ausgeliefert. Immer noch wird uns selten die Möglichkeiten
gegeben, in privaten Wohnungen zu leben wie andere Menschen auch. Und mit einer Änderung des Baurechts ist nun auch das Bauen von Lagern in Gewerbegebieten erlaubt.
Flüchtlingsfrauen leiden darunter am meisten. Denn normalerweise sind die Frauen diejenigen, die sich verantwortlich fühlen, unter solchen menschenunwürdigen Lebensbedingungen den Alltag für die ganze Familie zu organisieren.
DESHALB ERNEUERN WIR UNSEREN APPELL: „KEINE LAGER FÜR FRAUEN! ALLE LAGER ABSCHAFFEN!“
WIR FORDERN VON DER BUNDESREGIERUNG:
Beenden Sie ihre rückwärtsgewandte Abschreckungspolitik der 90er-Jahre, die das Ziel hat, Flüchtlinge von der Einreise nach Deutschland abzuhalten oder sie zum Zurückkehren zu zwingen!
Wir fordern von den Landesregierungen:
Erlassen Sie landesweite Regelungen, die die Landkreise und Bezirke anweisen, Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen – vor allem die Frauen und Kinder!
Wir fordern von den lokalen Behörden:
Integrieren Sie Flüchtlinge in Ihre Landkreise und Bezirke, indem Sie ihnen die Möglichkeit geben, in Wohnungen – wo immer sie wollen – zu leben!

AN ALLE FLÜCHTLINGSFRAUEN:
LASST UNS GEMEINSAM EIN MENSCHENWÜRDIGES LEBEN FÜR ALLE EINFORDERN!
An alle Frauenorganisationen, feministischen Organisationen, an alle antirassistischen und Menschenrechtsorganisationen: Unterstützt uns und unsere Forderungen! Kommt zahlreich und gemeinsam mit Asylsuchenden aus euer Nachbarschaft!

Downloads in different languages here/ Downloads in verschiedenen Sprachen hier:

* Appel Pas de camps pour les femmes ! Abolition de tous les camps! [1]
* call „No lager for women! Abolish all lagers!” [2]
* Aufruf „Keine Lager für Frauen! Alle Lager abschaffen!“ [3]
* Kilio kipya! [4]
* Aufruf in Farsi [5]

WILL BE CONTINUED/ WEITERE SPRACHEN WERDEN FOLGEN :
http://women-in-exile.net/2015/02/11/renewed-call-of-no-lager-for-women-abolish-all-lagers/ [6]

WOMEN IN EXILE E.V.

Links:
——
[1] http://women-in-exile.net/files/2015/02/appel-pas-de-camps-pour-les-femmes-abolition-de-tous-les-camps.pdf
[2] http://women-in-exile.net/files/2015/02/call-no-lager-for-women-abolish-all-lagers.pdf
[3] http://women-in-exile.net/files/2015/02/aufruf-keine-lager-fuer-frauen-alle-lager-abschaffen.pdf
[4] http://women-in-exile.net/files/2015/02/kilio-kipya.pdf
[5] http://women-in-exile.net/files/2015/02/wie-back-farsi.pdf
[6] http://women-in-exile.net/2015/02/11/renewed-call-of-no-lager-for-women-abolish-all-lagers/