Spieglein, Spieglein in der Hand – Aktionen im Rahmen der Blockupy-Aktivitäten

Das Netzwerk Care Revolution Berlin ruft auf, sich den queer-feministischen Gruppen anzuschließen und gemeinsam zu protestieren:

Freitag,  2.September,  Arbeitsministerium – 7:30 Uhr Potsdamer Platz/EckeLeiziger Strasse, Berlin bei der Care Revolution Fahne

Samstag, 3.September, Demonstration – 14 Uhr, Adenauerplatz, Berlin, im Grenzenlos Block (der 2.Block der Demo) beim Care Revolution Hochtranspi

Den Aufruf „Spieglein, Spieglein in der Hand – wer ist die Spalterin in diesem Land“ findet Ihr hier.

 

Statements & Performances zu Sexarbeit und Pflege in Berlin

LuftundLiebeSorgearbeit: Sexarbeit und Pflege

Statements & Performances in der Werkstatt der Kulturen, Clubbühne, Wissmannstr.32, Neukölln

Donnerstag, 21. April 2016 um 19:30 – 22 Uhr

 

Care – Umsorgt werden, Wohlfühlen, Genuß. Care- oder Sorgearbeit ist eine Arbeit mit ethischem Anspruch. Das Wohl der Anderen im Blick, geht es um mehr als nur das Versorgtwerden, der Wunsch heißt, sich wohlfühlen und sogar genießen. Denn Leben ist mehr als Weiterleben: Zufriedenheit,
Entspannung, Freude.
Doch wie sieht es für die Menschen aus, die diese Arbeit verrichten? Oft fehlt es an Wertschätzung der Arbeit, guten Arbeitsbedingungen und angemessener Bezahlung in der Sorgearbeit. Unter welchen Bedingungen finden diese Arbeiten statt?

Mit Rap, Spoken Word und im Gespräch werden Einblicke in die Arbeitswelt der häuslichen 24-Stunden-Pflege und in der Sexarbeit präsentiert.

Das was gesellschaftlich, traditionell abgewertet, als Frauen*arbeit kostenlos und aus Liebe erbracht werden soll, holen wir aus der Unsichtbarkeit auf die Bühne.

Auf dem Podium:
Sarah Schilliger (Soziologin), unterstützt als Aktivistin das Respekt-Netzwerk, Schweiz, 24-Stunden-Betreuerinnen in Privathaushalten (http://respekt-vpod.ch/)
Stephanie Klee (Sexarbeiterin), move.e.V., Bildung und Kommunikation in der Sexarbeit (move-ev.org/)
„Idref“ der rappende Altenpfleger aus Paderborn,
Mathias Düring, Intensivfachpfleger und Student,
Spoken Word Emy Fem + Kay Garnellen, SexarbeiterInnen aus Berlin mit einer Performance

 

5000 auf Demo zum Internationalen Frauenkampf*tag in Berlin

5000 demonstrierten in Berlin am 6.März zum internationalen Frauen*kampftag. Die Demo lief für sexuelle Selbstbestimmtheit und Geschlechtergerechtigkeit und gegen rassistische Vereinnahmung von Feminismus von Berlin Mitte nach Kreuzberg zum Oranienplatz.

Das Netzwerk Care Revolution war mit dabei – lautstark mit dem Slogan: Es reicht. Und zwar schon immer! Gegen sexualisierte Gewalt, Sexismus und Rassismus.

Und gemeinsam mit den Sexarbeiter_innen gegen das sogenannte ProstitutionsSchutzgestz, welches keinen Schutz, sondern Kontrolle und Stigmatisierung bringen würde. Wir fordern stattdessen Rechte, Respekt, Empowerment und Professionalisierung!

Demo_8Maerz16_Berlin

Zum sogenannten ProstituiertenSchutzGesetz und zur Lage der Rechte der Sexarbeiter_innen

am 10.03.2016, um 20°° Uhr

im Cafe Cralle, Hochstädter Str.10a, 13347 Berlin-Wedding

Anfang Februar hat sich die Große Koalition auf einen Kompromiss ihres so genannten Prostituierten“schutz“gesetzes geeinigt.  Es soll bald im Bundestag verabschiedet werden. Das Gesetz wird die Rechte von Sexarbeiter_innen erheblich einschränken. Eingeführt werden sollen u.a. Zwangs-Gesundheitsberatungen und Zwangs-Registrierungen als Sexarbeiter_in. Kein anderer Beruf ist derartigen Maßnahmen ausgesetzt. Das Gesetz greift stark in die Grundrechte von Sexarbeiter_innen ein und führt zu einer enormen Begrenzung der Berufsfreiheit.

Die gesellschaftliche Stigmatisierung ist weiterhin groß und wird durch derartige Gesetze noch vergrößert. Sexarbeiter_innen lehnen den restriktiven Gesetzesvorschlag ab und betonen die negativen Folgen, die es für ihren Alltag mit sich bringen würde. Deswegen brauchen Sexarbeiter_innen unsere Solidarität sowohl im Kampf gegen das geplante Gesetz und grundsätzlich gegen Abwertungen und Einschränkungen.

Wir laden ein zu dem Kurzfilm „fragments of ava“ und einem Input über das „Gesetz zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen“. Im Austausch miteinander wollen wir zusammen überlegen, wie eine solidarische Unterstützung von Sexarbeiter_innen und gemeinsame Kämpfe aussehen können. Mit einem Getränk lassen wir den Abend ausklingen.

Die Veranstaltung will solidarisch mit Sexarbeiter_innen sein und in diesem Sinne informieren und weiterdenken.

Organisiert von move e.V. und Netzwerk Care Revoluion Regionalgruppe Berlin/Brandenburg.

Es sprechen Stephanie Klee und Do Lindenberg von move e.V. und Ann Wiesental vom Netzwerk Care Revoluion.

Es wird Flüsterübersetzung in Englisch geben.

Die Veranstalterinnen behalten sich vor, im Fall von diskriminierendem Verhalten gegen Sexarbeiter_innen von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen.

Die Regionalgruppe Berlin/Brandenburg des Netzwerk Care Revolution ruft alle dazu auf, Sexarbeiter_innen im Kampf für ihre Rechte zu unterstützen und gemeinsam mit ihnen am 06.03. 2016 zu demonstrieren. Hier ist der Aufruf zur Demo zum Internationalen Frauen*kampftag 06. 03. 2016 mit dem Sexarbeiter_innenblock von move e.V.: Sexworkers rights are human rights – gegen Transphobie, Stigma und Diskriminierung!

Wir Sexarbeiter_innen und Sympathisant_innen unterstützen den Aufruf zur bundesweiten Demo zum Internationalen Frauen*Kampftag. Wir werden – in der Tradition des Internationalen Frauentages – in einem eigenen starken Block bei der Demo dabei sein und unsere Forderungen vertreten:

  • für unser Grundrecht auf Arbeit wie andere Selbstständige und freie Erwerbstätige auch,
  • gegen weitere Diskriminierung und Sigmaisierung und gegen eine breite staatliche Registrierung von Sexarbeiter_innen mit PFLICHT-Beratungen,
  • gegen unsere TOTAL-Überwachung und den fehlenden Datenschutz.

 

Wir fordern Rechte, Respekt, Empowerment und Professionalisierung.

Demonstration gegen PEPP in Berlin

Gegen PEPP, die Einführung von dem pauschalierenden Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik demonstrierten am 18.2.2016 vor dem Bundesministerium für Gesundheit in Berlin 400 Menschen. Wenn PEPP nicht verhindert werden kann, wird in der Psychiatrie das wahr, was im Krankenhaus schon seit 2004 Alltag ist: gewinnbringendes Arbeiten. Wie das mit einer guten Versorgung zusammengehen soll, ist mehr als fraglich, denn die braucht den persönlichen Kontakt und Zeit. PEPP muss weg! Kämpfe gegen PEPP sollten mit Forderungen nach einer gewaltfreien Psychatrie verknüpft werden und der Fokus auf Alternativen und vielfältige Angebote liegen, die Selbstermächtigungsansätze stärken! Für eine Care Revolution!

Gegen_PEPP

 

Mehr Personal im Krankenhaus!

Im Berliner Krankenhaus Vivantes hat vom 08.02. bis 12.02.2016 eine Aktionswoche stattgefunden. Die Kampagne „zusammen stehen“ informierte von Station zu Station die Pfleger_innen. Drei große Forderungen stehen im Zentrum: Mehr Personal! TVöD (Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes) für alle! Auflösung der Tochtergesellschaften!

Das Netzwerk Care Revolution unterstüzt die Kampagne und war aktiv vor Ort dabei. Der erfolgreiche Kampf der Pfleger_innen in der Charité wird nun weitergetragen. Für eine Care Revolution!

Care Revolution Transparent bei der Aktion im Vivantes-Klinikum
Care Revolution Transparent bei der Aktion im Vivantes-Klinikum

Aktionstag am 18. Mai 2014 in Berlin im Rahmen der Blockupy-Aktionswoche

Die Sonne des Vortags wollte leider nicht kommen, im strömenden Regen bauten wir das Zirkuszelt auf, das uns trotz später noch aufklarendem Himmel, Schutz bot. Am Samstag waren wir noch mit dem Care Revolution-Hochtranspi und Flyern auf der Blockupy-Demo unterwegs und heute wollten wir den Tag nutzen, um Neues zu erfahren, in Austausch zu treten und bei einem Stadtrundgang feministische Orte in Kreuzberg zu erschließen.

Blockupy_Berlin01

Der erste Teil des Tages stand unter dem Thema Gesundheit: Kirsten Schubert, Vorstandsmitglied im Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte e.V., berichtete über den Wandel im Krankenhaus, wie Personal in den letzten Jahren weiter abgebaut wurde, wie die Gesundheitsversorgung darunter leidet und die Gründe hierfür in der Kapitalisierung der Gesundheitsversorgung zu suchen sind. Diese wurde über die Einführung des DRG-Systems und der damit verbundenen Konkurrenz durchgesetzt, indem jede Krankheit einen Preis bekommt und Gesundheit zur Ware wird.

Weiter sprach ein Care-Arbeiter über Versorgungslücken bei der Gesundheitsversorgung von Obdachlosen. Die Stadt Berlin betreibt in diesem Feld institutionelle Ausgrenzung – mit System. So ging an alle Versorgungsstellen die Aufforderung, Menschen aus Osteuropa nicht mehr zu behandeln. Das ist menschlich ein Skandal! Allein der Ambulanz für Wohnungslose am Bahnhof Zoo wurden die Gelder gestrichen, weil sie sich weigerten und weiterhin alle Menschen in Not behandeln wollen. Respekt und Solidarität für diese Form von Widerstand!

Zur Situation von Care-Arbeiter_innen in der Persönlichen Assistenz für Menschen mit Behinderung sprachen Aktivist_innen von der ver.di-Betriebsgruppe bei den Berliner Assistenzbetrieben und der Unabhängigen Arbeitnehmer_innenvertretung in der Persönlichen Assistenz. Assistenz ist weiterhin eine körperlich anstrengende, zeitintensive und schlecht bezahlte Arbeit, in der zum Teil sehr isoliert gearbeitet wird, was es erschwert, sich zu organisieren. Ebenso ist es ein Bereich, in dem es nicht so einfach ist, zu streiken und wo Beschäftigte sich zusammen mit den Assistenznehmer_innen auf die Suche nach Widerstandsformen für Verbesserungen begeben.

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Wie leben und wohnen wir? Und wie leben wir zusammen mit Kindern? Zu diesem Themenfeld sprachen einmal Gisela Notz, Historikerin, Feministin und Autorin, die über die Entwicklung kollektiver Wohnformen (z.B. Beginenhöfe) und über Geschlechterrollen in Pflege und Sorge referierte. Weiter Organisator_innen des Camps „Wer lebt mit wem? Warum? Und wie? – das selbstorganisierte Sommercamp für Kinder, Jugendliche, deren Hauptbezugspersonen, Eltern, Co-Eltern, (Wahl-)Verwandte, Mitbewohner_innen, Freund_innen, Menschen mit und ohne Verantwortung für Kinder und für alle anderen Interessierten!“ (www.wer-lebt-mit-wem.de, Camp vom 15.-20.August 2014 in Escherode bei Kassel). Und eine selbstorganisierte Eltern-Kind-Gruppe: „Kinder in Ruhe lassen“. Wie kann ein Zusammenleben mit Kindern Machtungleichheiten zwischen Alt und Jung (Adultismus) entgegenwirken und wie gehen wir mit Geschlechterrollenzuweisungen um und schaffen Räume für queere Lebensweisen? Über diese Themen gab es einen anregenden Austausch in großen und kleinen Gruppen. Die Gruppe „Women in Exil und friends“ informierte mit dem Infotisch über die Situation von Frauen in Lagern. Frauen im Asylverfahren sind gezwungen, mit ihren Kindern unter beengten und deprimierenden Umständen zum Teil über Jahre ohne Perspektive in Lagern zu leben. Sie fordern Wohnen, Zugang zur Gesundheitsversorgung und Bewegungsfreiheit!

Weiter gab es den Workshop „Die Freiheit nehm‘ ich mir … Sexualität leben – wider die Moral“ von move e.V. Berlin. „Selbstbestimmte Sexualität ist ein Menschenrecht und birgt Ressourcen für das tägliche Leben. Gleichzeitig normieren gesellschaftliche Moralvorstellungen den Umgang mit Körpern und Sexualität. Dagegen wehren sich Menschen, die ihre sexuellen Rechte einfordern und Menschen, die sich gegen Diskriminierung wehren sowie Sexarbeiter_innen, die für Rechte und Freiheiten für ihre Arbeit kämpfen.“ Der konzentrierte Austausch brach mit Klischeevorstellungen und Vorurteilen.

Der Stadtspaziergang von Andrea Heubach von FRAUENTOUREN ging durch Kreuzberg und es wurden verschiedene Orte besucht, an denen Interessantes zu couragierten Frauen, feministischen Kämpfen und zur Berliner Geschichte zu erfahren war. Der Tag endete mit einem Bericht von Stephan Gummert zur aktuellen Lage im Kampf der Charitépfleger_innen und des Bündnisses für mehr Personal im Krankenhaus. Wenn die Verhandlungen mit der Krankenhausleitung Erfolg haben sollten, wäre das ein sehr wichtiger Schritt, um marktwirtschaftliche Konkurrenz- und Profitorientierung in den Krankenhäusern wieder zurückzudrängen und Möglichkeiten für eine bessere Gesundheitsversorgung zu schaffen.

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Rede auf der 1. Mai Demo 2014 in Berlin

Wir sind heute hier – am 1. Mai, dem Tag der Arbeitskämpfe – um die unsichtbare Arbeit auf die Straße zu tragen! Denn ein großer Bereich der gesellschaftlich notwendigen Arbeit, findet unsichtbar im Privaten statt.
Dabei geht es ganz unmittelbar um unser Leben, um unseren Alltag, d.h.: Wer sorgt für mich? Wie gut sind die Bedingungen, so dass ich für andere sorgen kann? Wer kümmert sich um Opa? Wer hält den Freundeskreis zusammen, trocknet Tränen oder wäscht die Wäsche…?

In der Logik des Kapitalismus sind das Arbeiten, mit denen sich kaum Profit erwirtschaften lässt. Aber sie müssen trotzdem möglichst billig erledigt werden, denn die Ökonomie braucht engagierte, flexible und leistungsstarke Arbeitskräfte und gut gelaunte Konsument_innen.

Ein gutes Leben steht im Widerspruch zur Konkurrenz und Profitlogik des Kapitalismus.

Für die unsichtbare private Sorgearbeit fehlen Zeit, Geld und Anerkennung. Aber auch da, wo Sorgearbeit als Erwerbsarbeit geleistet wird, steht sie unter Kostendruck, auch hier ist sie der kapitalistischen Profitlogik unterworfen. Profitsteigerung geht hier nur durch Kostensenkung. Dafür werden Löhne gedrückt, die Arbeitsbelastung steigt, die Qualität der Arbeit leidet massiv darunter.
Der Kostendruck auf das Soziale ist Teil des Systems. Care-Arbeit ist im Kapitalismus permanent unter Druck. Und durch die herrschende Krisenpolitik, verschärft sich dies zur Krise sozialer Reproduktion.

Wer für wen sorgt, wie gut jemand für sich und andere sorgen kann und wer wie viel Lohn
und Anerkennung für geleistete Sorgearbeit erhält – all das ist entlang von
Herrschaftsverhältnissen organisiert. Und diese betreffen uns nicht alle gleich.
Das rassistische Migrationsregime der Festung Europa verwehrt Flüchtenden den Zugang zu sozialer Infrastruktur und zu einem selbstbestimmten Leben. Die Migrationspolitik entrechtet Einwandernde. Als Einkommensmöglichkeiten hält sie für viele Migrierte die am schlechtesten bezahlten und schutzlosesten Arbeiten in der informellen Care-Ökonomie in Privathaushalten bereit. Rassismus und Klassismus bestimmen die ungleiche Verteilung von Einkommen, von Lebensmöglichkeiten, von politischer Teilhabe. Aber es stellt sich auch die Frage: wer kann sich steigende Mieten überhaupt noch leisten und wessen communities werden durch Verdrängung zerrissen?

Auch Geschlechterherrschaft spielt eine große Rolle für die unsichtbare Arbeit.
Im Privaten muss ausgeglichen werden, was öffentlich gekürzt wird.
Die unsichtbaren Arbeiterinnen sind in überwiegender Zahl Frauen, die Zuhause nach dem Job eine zweite Schicht fahren, die die blutigen Entlassungen aus kostenoptimierten Krankenhäusern kompensieren und die ihre Angehörigen pflegen und dafür auf Jobs, auf eigene Interessen und auf Rentenansprüche verzichten müssen. Die um sich greifende Unsicherheit, den Alltag überhaupt noch zu meistern, verstärkt traditionelle Rollenbilder, sexualisierte und häusliche Gewalt nehmen zu. Und es sind viele Frauen, die in ihren Jobs die Unterfinanzierung von Pflegedienstleitungen, Krankenversorgung, Kinderbetreuung, sozialer Arbeit am direktesten zu spüren bekommen.
Das alles nennen wir Krise der sozialen Reproduktion!

Wir tragen mit unserem Care-Revolution-Block heute die unsichtbare Arbeit im Kapitalismus auf die Straße.
Aber auch die unsichtbare Seite der Arbeitskämpfe!
Arbeitsverweigerung ist im Care-Bereich kaum möglich, denn wer bestreikt schon sein eigenes Leben oder das von Menschen, die von Sorgearbeit abhängig sind. Aber dennoch: viele Menschen wehren sich gegen die Bedingungen, unter denen diese Arbeit stattfindet. Sie kämpfen und organisieren sich.
Diese Aktivitäten verstehen wir als Teil einer Care-Bewegung. Diese Bewegung ist sichtbar geworden in einer großen Aktionskonferenz vor zwei Monaten in Berlin, sie ist sichtbar in den Blockupy Care-Mobs, sie ist sichtbar in den antirassistischen 8.März-Demos gegen die Lagerunterbringung von geflüchteten Frauen und Kindern, sie ist sichtbar in der Bündnisarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung, in den Streiks von Kita-Erzieher_innen und dem Kampf von Krankenpfleger_innen für eine Mindestpersonalbesetzung, in Kämpfen der prekär oder illegal beschäftigten migrantischen Haushaltsarbeiterinnen, die Arbeitsrechte erstreiten, in Protesten gegen soziale Verdrängung in Städten, in Aktionen pflegender Angehöriger, die aus der Isolation ausbrechen und den Armutsdruck bei häuslicher Pflege sichtbar machen, Aktionen von Sexarbeiterinnen gegen die Kriminalisierung ihrer Arbeit und Verdrängung aus innerstädtischen Räumen, in Kämpfen um die Anerkennung unterschiedlicher Lebensmodelle und Lebensweisen, Kämpfen gegen Diskriminierung und Armut!
Die Kämpfe zeigen sich in vielfältigen Themen und Protestformen, die an vielen Orten stattfinden und stärker werden. Alle diese Bewegungen kratzen an unterschiedlichen Ecken des gleichen Problems. Denn die Krise im Alltag vieler Menschen verschärft sich. Und all diese Kämpfe sind Teil des Widerstands gegen die Krise der sozialen Reproduktion.

Die strukturelle Krise der Kapitalverwertung soll auf Kosten unserer Lebensverhältnisse gelöst werden. Das lassen wir nicht mit uns machen! Dagegen fordern wir einen massiven Ausbau der staatlichen Investitionen in soziale Daseinsvorsorge. Wir fordern bessere Arbeitsbedingungen in den bezahlten Care-Sektoren. Doch dabei werden wir nicht stehen bleiben. Denn Care Revolution ist auch das Ringen um grundsätzlich andere Reproduktionsverhältnisse, in denen eine Kollektivität möglich wird, die den staatlichen Rahmen von Verwaltung, Individualisierung und sozialer Spaltung sprengt.

Wir rufen dazu auf, dem Kapitalismus und der herrschenden Krisenpolitik einen Widerstand entgegenzusetzen, der von diesen unsichtbaren Seiten der Ökonomie ausgeht. Die Care Bewegung steht für einen grundlegenden Perspektivenwechsel. Es geht um nicht weniger als die Forderung, dass nicht Profitmaximierung, sondern die Verwirklichung menschlicher Lebensinteressen im Zentrum politischen Handelns stehen muss.

Das heißt nicht, dass wir alle gleiche Interessen haben. Und auch nicht die gleichen Möglichkeiten, unsere alltäglichen Care-Kämpfe zu führen. Es ist eine Herausforderung, eine gemeinsame Sprache zu finden, unterschiedliche Interessen auszuhandeln, nicht alles zu vereinheitlichen und trotzdem das ‚gemeinsame Dritte’ nicht aus den Augen zu verlieren.
Unser Ziel ist eine Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen gutes Leben für alle möglich ist.
Für die Care Revolution!